Hallo
Wenn ich raussehe, sieht alles so schön aus. Ich freue mich auf unseren ersten gemeinsamen "trockenen" Frühling.
Ich denke dann automatisch wie es in seiner nassen Zeit war.
Immer keine Zeit.
Immer war alles zuviel.
Immer sah er nur sich.
Immer zuhause.
So habe ich das empfunden.
Ich habe zum Schluss gedacht: noch.... Stunden dann ist der schon wieder zuhause. ![]()
Jetzt freue ich mich: noch.... Stunden dann kommt er wieder.
Das drückt es aus wie ich unser Zusammensein heute empfinde, mein Leben empfinde. Es ist schön wenn er da ist.
Sicher ist nicht alles Friede Freude Eierkuchen, aber ich fühle mich wohl.
Es kommt jetzt die Zeit wo das "neue" Trockensein zuende ist.
Abstinenz ist nun "normal". Der Alltag kehrt ein. Ich sehe das als Herausforderung. Die SHG ist da eine große Hilfe.
Aber warum ich heute eigentlich schreibe ist, das ich meine Vergangenheit in der Beziehung verarbeiten möchte.
Ich habe früher oft gedacht: so schlimm ist es nicht, unser Kartenheus steht ja noch.
Es war schlimm genug.
Ich weiß nicht was schlimmer ist: seelische, körperliche, oder verbale Gewalt. Und diese Gleichgültigkeit, die einem entgegenschlägt.
Eigentlich hatte ich immer das Gefühl das er von irgendwas innerlich getrieben wird.
Früher ging er immer am Wochenende weg. Er tat alles so ohne jegliches Maß.
Erst war es das daddeln. dann die Feuerwehr, dann guckte er plötzlich Fußball mit anderen, dann machte er Musik, oder Billiard spielen.
Das ist ja alles OK an sich, aber das waren alles Alibis für das trinken.
Das Kind musste einen Namen haben.
Mir ging es schlecht dabei, ich stand dem ohnmächtig gegenüber. Ich ging auch schon seit Jahren nicht mehr mit. Ich wollte mir das nicht ansehen, wenn ich mit war, dann gab es immer Stress, weil er kein Ende finden konnte.
Ich gestaltete schon lange meine Wochenendabende selber. Ich war schon immer gerne alleine. Was nicht heißen soll, das ich nie wegging.
Aber das war in seinen Augen natürlich nicht dasgleiche, es kam ein bisschen Eifersucht durch.
Wenn ich das jetzt so aufschreibe, merke ich, das schon damals, bevor unsere Kinder auf die Welt kamen, ich die Augen ganz fest zumachte.
Als unsere Kinder da waren, blieb ich meistens zuhause. Ich fühlte mich wohl in meiner Rolle als Mutter.
Er ging zu dieser Zeit fast jeden Tag zum Nachbarn rüber, der auch trank.
Ich fühlte mich völlig hilflos. Nichts konnte ihn zurückhalten.
Ich weinte oft. Ich wollte meinen "alten Mann" wiederhaben. Der war irgendwie nicht mehr da.
Das war schon die Persöhnlichkeitsveränderung weiß ich heute.
Mir fiel das zu dieser Zeit ganz krass auf, weil sich auch unser gesamtes Leben durch die Kinder und die Wohnsituation geändert hatte.
Nach aussen spielten wir die glückliche Familie. Waren wir aber nicht.
Körperlich stimmte bei uns gar nichts mehr. Ich war noch nie die Nyphominin, das wusste er. Durch den Alk hatte ich aber immer weniger Lust, eigentlich gar keine. Ich war froh, wenn er auf dem Sofa einschlief und mich in Ruhe ließ.
Er tat mir nie Gewalt an, aber ich hatte oft das Gefühl, er würde es fast tun. Er beschimpfte mich aufs übelste. Unterstellte mir Affairen. Er machte dann was kaputt oder knallte die Türen, oder fuhr mit dem Auto weg. Er wollte mir Angst machen.
Also machte ich oft mit, wenn ich "es" nicht mehr aufschieben konnte. Um des lieben Friedens willen. Schrecklich, ich fühlte mich oft wie eine Nutte, stellte mir jemand anderen vor, mit dem ich zusammenwar. Am liebsten hätte ich ihm einen Sack übergezogen. Küssen ging ganz schlecht.
Den Satz: Ich liebe dich, behielt ich für mich. Das bekam er nicht, das hatte ich mir geschworen.
Für mich war das keine Liebe mehr, auch wenn er das für sich behauptete.
Er stank immer so nach Alk. Das war alles so wiederwärtig. Ich hasste ihn und mich, weil ich mich benutzt fühlte, wie prostituiert.
Es fand ganz krass eine Wesensveränderund statt. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Der, der da saß, den kannte ich nicht, den wollte ich nicht.
Wenn ich das so schreibe kann ich überhaupt nicht verstehen das ich so lange ausgehalten habe. Kann man auch glaube ich nicht, wenn man nicht drinsteckt.
Ich könnte heute ein anderes Leben führen. Aber das will ich nicht, Ohne diese Erfahrungen wäre ich heute nicht derselbe Mensch.
Mein Mann hat in der Therapie viele Tränen geweint, hat hart an sich gearneitet und tut es jetzt noch. Er war sehr bestürzt und hat sich sehr geschämt, als er meine Erlebnisse geschildert bekam.
Er spricht jetzt mit mir. Er wollte das mit uns wieder auf die Reihe kriegen. Er wollte eine zweite Chance für uns und unsere Kinder.
Ich wollte das auch.
Und da war er plötzlich wieder: unsere Gleichklang, unsere Seelenvewandtschaft die ich immer gespürt habe am Anfang unserer Beziehung.
Nun stehen wir hier und wo unser Weg hingeht wissen wir noch nicht, aber ich glaube wir haben den richtigen Abzweig genommen. Wichtig ist das wir nicht stehenbleiben und auf etwas warten was nicht kommen wird.
Wir müssen selber etwas tun. Müssen uns in Bewegung setzten, uns aufmachen zu "neuem". ![]()
Ging es anderen auch so?
Ich denke schon.
Ich vergesse das nie!
Ich kann verzeihen.
LG
vergissmeinnicht ![]()