Beiträge von Maria

    Hallo Zimbo,

    über meine Aussage habe ich noch was nachgedacht bzw. nachgefühlt - wie das damals bei mir war... sie begleitete auch mich den Tag.

    Und bei mir war es auch so, wie Correns es schreibt. Solange ich noch gerettet werden wollte, war ich noch nicht dazu bereit trocken zu werden.
    Ich hangelte zwar von einer Trinkpause zur nächsten; der unterschwellige Wunsch war schon da aber im innern hoffte ich darauf, dass irgendwer meine Bemühungen erkennen würde, mich an die Hand nehmen würde und mir doch endlich hilft. Das ging aber nicht auf für mich - denn so hielt ich mich nämlich in meinen Abhängigkeiten gefangen - anstatt mich aus ihnen zu befreien.

    Als ich erkannte, dass ich nur mir selbst helfen kann, weil eben alle Fäden bei mir selbst zusammen laufen, konnte ich für meine Trockenheit handlungsfähig und unabhängig trocken werden.

    Was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass ich nicht zusätzlich Impulse und Hilfe von außen gebrauche. Über die Hilfe, die mir im Laufe meiner Zeit zuteil geworden ist - bin ich sehr dankbar. Ich brauche die Erfahrungen der Betroffen (das variiert bei mir... mal hilft das was länger Trockene schreiben... mal was frisch Abstinenten klar wird) um zu erkennen, wo ich auf dem Weg bleibe. Und genauso brauche ich den Austausch um erkennen zu können, da bin ich möglicherweise auf dem Holzweg. Der grundsätzliche Impuls die Hand auch nehmen zu wollen - liegt aber bei mir.

    Denn für mich ist vollkommen klar: ich habe selbst die Pulle angesetzt und nur ich selbst lasse sie stehen.

    Ich will nicht gerettet werden ... mich zu retten liegt in meinem eigenen Verantwortungsbereich... alles andere würde ich als Grenzüberschreitung ansehen.

    Der erste Impuls liegt bei mir und dann kann ich Hilfe als Hilfe annehmen.

    Maria

    Hallo BC,

    Zitat

    wie utopisch es ist, Erwartungen an eine Krankheit zu knüpfen

    Meine Essenz ist:
    Erwartungen sind vollkommen menschlich - da gibt es kein Richtig oder Falsch.

    Für mich persönlich kommt es lediglich darauf an, wie ich mit ihnen umgehe:
    Meine Freiheit liegt darin, eine Erwartungshaltung zu erfüllen oder eben nicht.
    Für mich sehe ich da keinen Diskussionsbedarf - da der Umgang damit nicht nur im Kopf stattfindet, sondern zudem auf der Gefühlsebene.

    Ich bin jetzt raus aus diesem Thema ... hab' alles geschrieben was mir dazu einfällt :)

    Dir einen schönes Wochenende,
    lg Maria

    Druck - egal in welcher Form - ist für mich sehr ungesund.

    Hallo BC,

    das seh' ich genauso :)

    Jedoch kann ich niemandem verbieten eine Erwartung an mich zu stellen, damit nichts von Außen an mich heran kommt.
    Ich kann meinem Gegenüber (mir ist das jetzt mal egal wer das ist... ich meine aber mein heutiges, trockenes Verständnis... ich bin nicht mehr in der Kindheit und trinke nicht mehr) sagen, dass mich eine Erwartungshaltung unter Druck setzt und dann auf Verständnis und Einsicht hoffen.

    Aber die Erwartungshaltung wirklich aufgeben liegt dann ausschließlich bei dem Erwartenshaltenden.

    Ich kann dann nicht erwarten, dass er das tut, wann ich das will. Das liegt bei ihm.

    Ansonsten geht das dann immer weiter - bis einer von beiden Beteiligten entweder ausbricht (weil keine Chance auf Entwicklung gegeben) oder loslässt und Vertrauen erwacht.


    Zitat

    Eigentlich geht es mir gar nicht darum, was ein trockener Alk. bei der Erwartungshaltung denkt oder fühlt - es geht mehr um das Außen, was andere von einem trockenen Alkoholiker erwarten und ob es bei einer Krankheit angebracht ist, eine Erwartungshaltung zu haben.

    Sorry, BC... was bringt dir das persönlich für deine Trockenheit an Wissen ? Das versteh' ich nicht. Wenn jetzt als Summe der Antworten rauskommt - eine Erwartungshaltung ist nicht angebracht.
    Was ist denn dann? Was heißt das konkret für den Alkoholiker oder Co?


    Maria

    Zitat

    ich kann nicht erwarten, daß meine Erkrankung nicht wieder ausbricht.

    Alkoholismus ist lediglich zu stoppen - nicht zu heilen. Das ist vollkommen richtig !

    ABER: ich kann jeden Tag etwas dafür tun, dass sie nicht wieder ausbricht. Das liegt vollkommen in meiner Hand.

    Ich entscheide nicht, welche Erwartung an mich herangetragen werden.
    Es liegt bei mir - wie ich mit einer Erwartungshaltung umgehe und ob ich ihr erlaube, dass sie Druck auf mich ausübt.

    Das steht bereits mehrfach in diesem Fädchen geschrieben :-).

    Schönen Abend,
    Maria

    Hallo BC,

    ich habe da eine Zwischenfrage, weil ich das Ziel dieses Thread's nicht versteh'... bitte nicht verbal erschlagen ;)

    Was bedeutet es denn für mich als Alkoholikerin wenn an mich die Erwartung trocken zu bleiben herangetragen wird?

    Meinem Empfinden nach erzeugt es doch nur dann Druck auf mich... wenn ich nicht trocken bleiben will, sehr unsicher bin und/oder gegen Widerstände (mit der Faust in der Tasche) trocken bleibe.

    Wenn ich jedoch mit jeder Faser meines Seins trocken bleiben will und darauf meine Trockenheit aufbaue (hier erinnere ich an die Grundbausteine als solides Fundament) - und diese Erwartung an mich herangetragen wird (was meiner Meinung nach von Außen durchaus verständlich sein kann... wenn ich sehr viel kaputt gemacht habe während meiner nassen Phase) sollte diese Erwartung doch irgendwann zwangsläufig in Vertrauen wechseln. Der Erwartenshaltende erkennt im Laufe der Zeit die Ernsthaftigkeit, ob es sich um eine Trinkpause handelt oder echte Trockenheit.

    Alles andere wäre doch keine Basis? Oder sehe ich das nun vollkommen falsch und stelle das total vereinfacht dar ?

    Maria

    Hallo Wolfgang,

    Zitat

    Du hast ja alles, ein Haus eine Familie und ein finanzzielles auskommen, du hast alles...

    Nur weil das viele Menschen mit einem zufriedenem Leben verbinden, muss das doch nicht zwangsläufig für alle so sein, oder?

    Vielleicht macht dich ja was ganz anderes zufrieden? Und du presst dich ggf. in ein vorzeigbares Lebensmodell, was dich erdrückt anstatt es dich ausfüllt und zufrieden macht?

    Hast du mal dahingeschaut: Was du von deinem Leben erwartest - unabhängig davon, was andere Menschen davon halten könnten?

    Maria

    Hallo iGude,

    Zitat

    was ergo ja darauf hinausläuft meinen Beruf zu wechseln

    Deinen Chef ins Vertrauen zu ziehen und mit ihm gemeinsam Möglichkeiten zu erarbeiten, die dich nicht gefährden, ziehst du nicht in Betracht... weil du dich ja nicht jedem mitteilen willst. Nun gut. Du entscheidest.

    Ich lese heraus es genauso raus wie Bruce:

    Zitat

    Du bestehst anscheinend darauf, dass es an deiner Situation nichts zu rütteln gibt.

    Solange du dir selbst im Wege stehst - werden es Hürden bleiben.

    Mich würde interessieren (das meine ich ganz im Ernst):
    Warum hast du aufgehört zu trinken? Und was verknüpfst du mit einem trockenen Leben?

    Maria

    Hallo iGude,

    aber irgendwie willst du schon gesagt bekommen wie du mit den Situationen umgehen kannst, oder ? So versteh' ich das zumindest aus deinen Zeilen.

    Wir werden die Menschheit eh' nicht ändern, da ist es sogar egal ob wir Alkoholiker sind oder nicht. Wir können nur bei uns anfangen.... da stimme ich dir vollkommen zu.

    Du bist Alkoholiker und reagierst so:

    Zitat

    bekam ich mehr als feuchte Hände, ich wurde sogar Panisch. Herzrasen etc.

    Ich brauche sowas nicht und aus diesem Grunde halte ich den größtmöglichen Abstand zum Alkohol.

    Wach auf. Es geht um dich.

    Maria

    Hallo iGude,

    Zitat

    Einige Fragen kommen nun bei mir auf.

    Mich würden interessieren, welche Fragen das sind... denn bislang hast sie nicht gestellt... lediglich Gründe angeführt, warum bei dir eine Offenheit nicht möglich ist.

    Was ist denn so schwer für dich daran deine Krankheit als solche anzunehmen?

    Maria

    Hallo iGude,

    Zitat

    Ich möchte halt selbst bestimmen wem ich sagen das ich Alkoholiker bin oder eben nicht. Genau wie ich eben auch andere persönliche Dinge nicht jedem auf die Nase binden möchte.

    das kann ich vollkommen nachvollziehen. Ich gehe mit meiner Sucht auch nicht hausieren. Doch ist es ein Unterschied für mich, in welche Situationen ich dadurch kommen könnte, wenn ich aus Angst nichts sage.

    Zitat

    In meiner Firma möchte ich es nicht zur "offenen Diskussion" frei geben

    Auch hier sehe ich einen Unterschied für mich, wenn ich in einem vertraulichem Gespräch meinem Chef sage, dass ich suchtkrank bin. Da stelle ich das nicht zur Diskussion frei, sondern schaffe mir so Ängste vom Leib, die in diesem Falle ja lebensgefährlich werden können.

    Maria

    Hallo Emma,

    da möchte ich mich mal zu Wort melden und aus meiner Erfahrung mitteilen:

    Zitat

    Nun kann ja sein, dass ich grade ein bisserl auf der Leitung stehe, alles was du sagst, mag seine Richtigkeit haben, doch inwiefern hilft dir das, willst du zeigen, was du drauf hast, oder willst du gleich das ganze Forum
    retten?

    Mir haben genau diese Art der Worte geholfen und ich bin Spedi und allen anderen, die hier in aller Deutlichkeiten Klartext sprechen, sehr dankbar dafür, dass sie ihre Energie hier einbringen und Aufklärung betreiben.

    Nur so habe ich verstanden, dass herumlabern eben nicht hilft und ich was tun muss - wenn ich die Sucht hinter mir lassen will.

    Maria

    Ach ja... habe ich eben vergessen hinzufügen...

    Manchmal hilft es mir einem wütenden Kunden z. B. (die kenne ich nämlich auch) direkt freudlichst drauf anzusprechen, ob es nicht auch in einem anderen Ton ginge... ;) oder anders formuliert... Grenzen setzen - wenn's zu arg wird.

    Hallo BlueCloud,

    Zitat

    mich würde eher der Weg interessieren, wie Du dahin gekommen bist

    bei mir war's schon ähnlich wie jetzt aktuell bei dir. Über das bewusste Hinschauen und klar machen, was da überhaupt abgeht (und nicht mehr als diffuse unterschwellige Stimmung, die sich an dir festpappen will) ... gepaart mit eigenem steigendem Selbstwert war irgendwann eine Gelassenheit und ein inneres unterbewusstes Einsortieren in Meins/Deins da. Dann prallen diese "Abwertungen oder Meinungen" irgendwie besser ab oder kommen gar nicht mehr so nah ran. Ist so... jedenfalls bei mir.

    Ich denk' du bist da schon richtig unterwegs...sei weiter gut zu dir und dann kommt das aus dem Bauch heraus.

    Maria

    Hallo BlueCloud,

    Zitat

    Ich befinde mich gerade mitten in diesem Prozeß. Ich bekomme zwar in der Situation mittlerweile mit: "Halt - Stopp - da stimmt was nicht", aber kann es noch nicht so einordnen - des kommt dann immer erst später. Bis zu dieser Erkenntis schlage ich mich natürlich dann mit diesem schlechten Gefühl rum, weil ich noch nicht ganz genau weiß - hat es was mit mir zu tun oder mit dem Anderen.

    Diesen Prozess kenn' ich auch. Was aber nicht zwangsläufig was mit einer gewollten Abwertung zu tun haben muss - so denk' ich.
    Eher mit der Unterscheidung Meins/Deins? Gebe ich dadurch einer möglichen Abwertung vielleicht einen Raum - weil ich unsicher bin was mich betrifft?

    Maria

    Hallo BlueCloud,

    mit zunehmender Trockenheit und der damit verbundenen Arbeit an mir ist mein Selbstbewusstsein gewachsen, was eine Abwertung von Außen gar nicht mehr die Angriffsfläche bietet wie zu nassen Zeiten. Ich mag mich trocken sehr viel lieber. Kann mich gut annehmen, so wie ich bin.

    Zitat von BlueCloud

    Warum denkt Ihr, dass man abgewertet wird oder jemanden abwerten muß?

    So wie du es schon schreibst:

    Zitat von BlueCloud

    Meist hat dies nichts mit einem selber zu tun...


    ...

    Zitat von BlueCloud

    Wie geht Ihr in einer Situation damit um, wenn Ihr merkt, dass Ihr von Eurem Gegenüber abgewertet werdet?

    Für mich kommt das drauf an, wie nahe mir mein Gegenüber ist. Ob ich mir die Mühe mache und meine Energie investiere, vom Gegenteil zu überzeugen. Entweder suche ich ein Gespräch, oder ich lasse mein Gegenüber in der Meinung über mich, weil es mit mir ja nix zu tun hat. Es betrifft mich nicht.

    Maria

    Hallo Bär,

    Zitat

    Ich habe sogar Angst, dass die Tabletten den Alk ersetzen - werde daher bei meinem nächsten Termin mit dem Doc drüber sprechen.

    Genau richtig ! Sprich mit deinem Arzt... und berichte ihm von deinen Bedenken. Setz' dich aber nun möglichst nicht unter Druck... falls er dabei bleiben sollte: Medikamente unter ärztlicher Aufsicht zu nehmen kann ja anfangs durchaus hilfreich sein. Und dir vlt. eine Ruhe zu geben und Möglichkeiten zu erarbeiten, mit deinen Gefühlen umzugehen.

    Das geht nun mal nicht von jetzt auf gleich... (ich würde dir gerne was anderes schreiben... es geht nur mit Geduld... wird aber echt besser mit der Zeit).

    Mir hat das damals (und auch heute noch... denn Probleme gibt es immer wieder) unheimlich geholfen, mir Zeit zu geben und überall Druck rauszunehmen, wo es ginge... denn solange ich trocken bin, schaffe ich mir selbst die Grundlage um Möglichkeiten zu finden.

    Hast du Hobbys, die du aktivieren kannst?
    Hast du dir bereits Gedanken machen können, was dich entspannt? (ich habe deinen ganzen Faden nicht gelesen... entschuldige...wenn schon was drüber steht)

    Maria

    Guten Morgen XXLBär,

    halte weiter durch und nimm' alle Hilfe an, die dir angeboten wird. Ich habe auch recht lange in einer depressiven Stimmung am Anfang meiner Trockenheit verbracht. Das war echt zermürbend und anstrengend - das kann ich total nach fühlen. Mir war jedoch klar, dass dies wohl der jahrelangen runtergeschluckten Gefühle und Auseinandersetzungen zu verdanken waren, denen ich mich durch den Suff nicht stellen konnte.
    Der Puffer Alk war weg und somit kamen die Dinge halt hoch. Neue Verhaltensweisen hatte ich noch nicht erlernt oder Möglichkeiten mit Problemen umzugehen - ist doch verständlich - wie auch in der kurzen Zeit?

    Mir halfen viele Spaziergänge, das Schreiben im Forum (im Tagebuchbereich); mir meine Zeit zu geben und eben gut zu mir zu sein, und mir die Zeit zu geben, in der ich mich wahrnehmen lernen konnte. Da gibt es unendliche Möglichkeiten - musst mal genau gucken - da gibt es auch was für dich.

    Gib' nicht auf. Mach weiter. Für dich.

    Es lohnt sich ein trockenes Leben :-P, etwas Geduld und Ausdauer sind von Nöten. Aber wenn du abbrichst und zurück kehrst... wird es immer schwerer und im schlimmsten Fall sogar unmöglich. Da ist die Sackgasse.

    Keiner will dir sagen, das ist leicht und mal eben so nebenbei... aber ein trockenes Leben ist machbar - für jeden von uns. Und darüber führt der Weg zum Licht.

    Maria

    Hallo Wolfgang,

    nachvollziehbar, dass es dann auch mal reicht und eine Pause von all-dem-rum-gerühre dran ist.

    Du tust schon eine Menge - so lese ich es zumindest aus deinen Beiträgen. Vlt. bereitet dir die "Feinabstimmung" die eigentlichen Probleme und du könntest versuchen, das als gut zu sehen, was du schon alles gemacht hast und noch tust.

    Vielleicht bringt dich das deiner inneren Ruhe näher. Nicht mehr und mehr; sondern auch mal einen Moment damit zufrieden sein, was du bisher für dich erreicht hast. Das darf nicht zu kurz kommen - wie ich finde.

    Wie geht es dir denn inzwischen? Stehst du noch immer so akut unter Druck oder fühlst du dich ein wenig besser?

    Lieben Gruß
    Maria