Mit 13 Jahren hatte ich meinen 1. Vollrausch. Von da an habe ich mit Freunden regelmäßig getrunken. Am Wochenende – auch mal in der Woche vor Langeweile. Von Anfang an konnte ich die Menge des Alkohols nicht kontrollieren. Sobald er seine enthemmende Wirkung entfaltet hatte, trank ich bis zum Gedächtnisverlust. Die ersten Parties standen an. Ich erinnere mich, wie ich da schon dachte, entweder du trinkst und bist total betrunken, oder du trinkst nicht, damit es nicht entgleist. Meist habe ich getrunken. Es gab immer nur entweder / oder.
Mit 20 Jahren war ich total ausgebrannt. Es stellten sich Schlafstörungen ein, die erste fette Depression hatte mich voll im Griff. Die Frage meines Therapeuten, ob Alkohol eventuell für mich ein Problem sein, verneinte ich. Wir dröselten so einiges auf, was mich nicht mehr täglich zum Alkohol greifen lies, aber dennoch wenn – war das Resultat wenn ich es tat - stets das Gleiche.
Ein paar Jahre konnte ich den Alkoholkonsum in soweit kontrollieren, dass ich nach außen funktionierte und die Abstürze sich nur auf Feierlichkeiten begrenzten.
Mit Anfang 30 trank ich regelmäßig. Mein normales Pensum lag bei 2 halbe Liter Weizenbier und 1 Flasche Rotwein. Eines Morgens erwachte ich und wollte schon morgens trinken. Das war ein Weckruf für mich. Ich holte mir Hilfe für meine neuerliche Depression. Die Feststellung der Therapeutin lautete nüchtern, es ist der Alkohol, der mich in die Depressionen treibt – konnte ich nicht annehmen. Ich süchtig? Niemals.
Fünf Jahre lang bewies ich ihr, dass ICH doch keine Probleme mit Alkohol habe. Mein Pensum wuchs, von 2-3 ltr. Weizenbier auf 2 Flaschen Rotwein. Ich fing an, Flaschen zu verstecken, leere Flaschen heimlich zu entsorgen. Unter größter Kraftanstrengung baute ich Trinkpausen in mein Leben ein. Es wurde immer schwerer eine Pause zu beginnen, die Pausen dazwischen geringer. Der Kraftaufwand immer größer.
Ich war innerlich leer und wusste keinen Ausweg.
Langsam näherte ich mich den Worten der Therapeutin an… schaute dahinter, hat sie vielleicht doch Recht? Ich googelte und fand diese Seite. Las bis in die tiefe Nacht hinein. Mal nüchtern, mal mit viel Alkohol im Blut.
Die Geschichten hier wiederholten sich. Der Ton war rau. Wenn ich nicht raus wollte aus meinem Loch erschienen mir die Worte hart, verletzend, unangebracht, grenzüberschreitend. Wenn ich einen klaren Moment hatte, konnte ich sie annehmen. Auf mein Leben anwenden und war mir sicher, wenn ich raus will aus diesem Loch, dann geht’s nur mit allergrößter Konsequenz und Vertrauen den Menschen gegenüber, die bereits raus waren.
Kommal’s LZT-Erfahrungen habe ich so viele Male gelesen, sie hat mich ermutigt, wie viele andere Worte ebenso. Schonungslose Worte haben mich wachgerüttelt, dass beim Alkoholismus die Spirale ungestoppt unweigerlich nur nach unten geht.
Ich danke allen, die den Mut aufbrachten und aufbringen, ihre Geschichten zu erzählen und mir geholfen haben, mich wachzurütteln und genau hinzusehen und ich danke mir, dass ich die Chance meinem Leben eine Wendung zu geben, annehmen konnte.
-Maria-