Meine zentralen Themen in meiner Trockenheit sind: Loslassen und die Dankbarkeit darüber, es heute suchtmittelfrei angehen zu können.
Ein Wechselspiel ist es somit jeden Tag. Zu schauen, wo liegt Handlungsbedarf? was gibt es zu tun? Oder ist Zeit für eine Pause? Zurück zu sehen, wie war das damals und wie gehe ich es heute an? Welche Möglichkeiten bieten sich? Bin ich noch richtig unterwegs oder schaufel ich mich wohlmöglich langsam wieder in die alten Verhaltensweisen ein?
Ein trockenes Leben bedeutet für mich in erster Linie, unterwegs und in Bewegung zu sein. Nicht kopflos und auf der Flucht, sondern möglichst in einem Tempo, was erlaubt nach links und rechts zu schauen, doch dabei in meiner Mitte zu verbleiben.
Was gibt mir Sicherheit? Was gefährdet mich?
Wie kann ich mich in einer Welt bewegen, die darauf ausgelegt ist, Höchstleistungen von mir zu verlangen, obwohl ich jeden Tag eh schon das Beste gebe? Indem ich die Welt verändere und jeden Tag den Kampf aufnehme? In die Schlachten ziehe, vlt. welche gewinne, aber dafür total erschöpft und ausgelaugt zurückbleibe?
Oder anfange stiller zu werden, mich zu verändern, an mir zu arbeiten, mich auf mein Ich zu besinnen. Auf meine eigenen Werte, auf meine Dinge, die mir als Kind so wichtig waren. Die ich verloren habe als Heranwachsende, weil ich mich in dieser Ellbogengesellschaft zu behaupten versuchte. Ich nicht stark genug war, immer kleiner wurde. Alkohol als Schmerzmittel einsetzte und so noch kleiner wurde, fast weg war ich.
Ich bin stiller geworden, in mich gekehrt und finde dort die Fülle, die ich im außen so verzweifelt gesucht habe. Auch heute gefällt mir nicht alles, auch heute tut noch vieles weh. Doch bin ich dankbar, diese Schmerzen fühlen zu dürfen, denn sie weisen mir den Weg.
Mieken