Beiträge von Maria

    Hallo Nys, hallo Iowa,

    vielen Dank für Euren Besuch hier.
    Ja - so ist es. Und trotzdem schwer zuzusehen, vor allem wenn es Menschen betrifft, die einem Nahe stehen. Da schützen auch die eigenen Erfahrungen nicht und das Wissen, dass jeder den Schlüssel selbst in der Hand hält.

    Zitat

    ...den Alkohol sich selbst zu liebe aus dem Leben zu verbannen zu wollen...

    Darüber habe ich nachgedacht. Deswegen habe ich die Pulle damals nicht weggestellt, Nys. Mir zu liebe... das musste erst wieder erweckt werden und neu wachsen.

    Bei mir war es so, als ich erkannt hatte, dass ich nicht "gewinnen" kann bzw. dass es mir niemals gelingen wird "vernünftig" Alkohol trinken zu können. Dass es immer darin enden wird, soviel trinken zu müssen, bis nix mehr reinpasst und es immer tiefer geht und die Spirale nur nach unten führt. Dass es einen "gesunden" Umgang für mich nicht geben wird. Und dass dies nichts mit einer Willensstärke oder Willensschwäche zu tun hat, sondern "ganz nüchtern" damit zu erklären ist, dass ich suchtkrank bin.

    Wenn ich zurück denke, wie viele Jahre ich mich gewehrt hatte, nur für einen Moment anzunehmen, alkoholkrank zu sein. Welchen Zirkus ich deswegen veranstaltet habe.

    Und als ich dann soweit war, es einfach mal für einen Moment anzunehmen, welche Erlösung und befreiendes Gefühl das war.

    Maria

    Die Erkenntnis, dass ich alkoholabhängig bin (und es sich nicht nur um ein Problem handelt), ist bei von alleine gewachsen. Ich bin, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nicht von außen darauf angesprochen worden, ob vielleicht irgendwas nicht stimmt. Ich wollte das auch nicht & ich habe dafür gesorgt mit Blicken und meinem Verhalten, dass es niemand wagt, mich darauf anzusprechen.
    Es war zwar bekannt, dass ich gerne und oft zulange, aber da ich mich in einem Umfeld bewegte, wo das Abschießen normal war und es genügend gab, die es noch exzessiver betrieben als ich, bekam ich lediglich zu hören... trink' mal weniger... oder... versuch' dich heute mal zu beherrschen.... blamiere mich nicht.

    In der ersten Zeit meiner Trockenheit stieß ich auf viel Unverständnis, wegen meiner Konsequenz. Ich hielt mich nicht lange auf und setze die Grundbausteine gleich um, entsorgte das was zu entsorgen war und. Vor allem natürlich von denen, mit denen ich sonst die Pullen geleert habe. Wo ich doch immer gut dazu geeignet war, als Clown herzuhalten. Weil ich getickt habe, wie ein Schweizer-Uhrwerk. Gib' ihr ordentlich was zu trinken, dann haben wir schon mal die Person für heute festgelegt, die sich zum Affen macht.

    Da hat es mir unheimlich geholfen und mich von innen gestärkt, dass die Erkenntnis es ist der Alkohol, wachsen konnte.

    Häufiger lese ich, dass auf Druck von außen aufgehört wurde. Weil eine Aussage in dem Sinne getroffen wurde, der Alkohol oder ich. Du musst dich entscheiden, sonst bin ich weg. Das stelle ich mir schwieriger vor, aber nicht unmöglich, wie viele Beiträge hier zeigen.

    Hallo Nys,

    danke für deine Erklärung. Habe etwas (nicht alles) nachgelesen und versteh' nun etwas besser.
    Mir fällt da nicht viel zu ein, außer... ja so mach' ich das auch, weil ich das für "normal" halte und das irgendwie so mit der Eigenverantwortung und Entscheidungen für sich zu treffen nunmal geht.

    Zitat

    Ich werde mich abgrenzen - an dem Punkt, an dem es für mich ungesund wird.

    Liebe Grüße
    Maria

    Hallo Nys,

    Zitat

    Die Abgrenzung vom Suchtmittel kann nicht verglichen werden.


    Muss denn zwangsläufig verglichen werden?

    Zitat

    Wenn ein Alkoholiker aufhört zu trinken - dann tut das seiner Flasche nicht weh.


    Das stimmt. Wenn er/sie aufhört, ist das aber auch nur ein Schritt. Damit beginnt es lediglich... und auch dieser Schritt bedeutet für sie oder ihn, dass sich grundlegende Dinge ändern und hat schon auch die Konsequenz, dass sich das Umfeld um ihn/sie mit verändern muss. Wenn eine "Schuld" hin und her geschoben wird, funktioniert das nicht.

    Zitat

    Der eigentliche Horror: Daß es im Verborgenen bleibt.


    Das habe ich selbst auch so erlebt. Als Kind, welches zusehen musste & und später auch als Trinkende.

    Heute gehe ich mit dem recht Thema offen um und erkläre auch denen, die vermeintlich nix damit zu tun haben. So versuche ich meinen Teil dazu beizutragen, ein wenig Aufklärung zu betreiben.

    Mich interessiert, wie gehst du damit um?

    Liebe Grüße
    Maria

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    Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol?

    So lautet ein Untertitel dieses Bereiches. Und ich habe mich gefragt, wie isses denn eigentlich mein Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol?

    Und das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Weil von außen betrachtet verläuft mein Leben ganz ähnlich wie zu der Zeit als ich Alkohol noch täglich zum Leben gebrauchte.

    Und doch verläuft mein Leben ganz anders.

    Das fängt mit Kleinigkeiten an und zieht sich hin bis zu großen wesentlichen Dingen.

    Vor Kurzem wurde ich gefragt, ob ich das Leben von damals vermisse bzw. es bereue, daraus ausgestiegen zu sein. Nee. Tue ich nicht.
    Mein Leben verläuft in viel ruhigeren Bahnen und scheint nicht mehr so spektakulär. Die Dramen gehören der Vergangenheit an. Zu trinkenden Zeiten hatte ich stets eine Horde von Menschen um mich und folgte den Dynamiken der jeweiligen Gruppe. Ich verlor mich darin und blieb auf der Strecke.

    Heute erlebe ich mich gezielter und nicht als Spielball der Gezeiten. Ich schaue danach, was will ich, kann ich das erreichen und fühlt sich das unterwegs dann auch lebenswert an? Ich halte das Heft in der Hand, auch wenn ich nicht alles vorher sehen kann und mich Gegebenheiten beugen muss und Dinge zu akzeptieren habe, die ich gerne anders hätte. Mein Leben hat seine andere Wertigkeit bekommen und ich empfinde eine vorher nicht gekannte Qualität.

    Das dies auch drin ist, habe ich im Übrigen nicht gewusst, als ich das Glas zur Seite stellte.

    Dass dies für mich dazu gehört, nehme ich aber gerne an.

    Hallo Nys,

    Zitat

    Gerade hier im Forum kann es so schnell passieren, daß man jemand nicht richtig einschätzt oder die Lage in der derjenige sich befindet, total falsch bewertet. Es findet ja kein zeitgleicher Dialog statt, in dem man sich zwischendrin mal kurz vergewissern kann - ob man das eine oder das andere auch richtig verstanden hat.

    Das ist richtig. Aber ich denke überdies vor allem dazu menschlich. "Wir" sind ja keine Therapeuten, sondern jeder für sich ein(e) Betroffen(e), der/die ein Ausweg aus dem persönlichen Dilemma sucht.

    Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, direkt bei der Person nachzufragen wenn ich selbst etwas nicht verstanden habe. Oder auch zu ermutigen, mich zu fragen, wenn das was ich ausdrücken wollte, eventuell anders angekommen ist. Trotzdem kommt es zu Missverständnissen, die sich manchmal früher oder später klären, oder eben auch nicht... weil die Chemie einfach nicht stimmt.. oder zwischenzeitlich andere Meldungen kommen, die wie Öl auf's Feuer wirken. Das halte ich jedoch auch für menschlich.

    Ein respetkvolles Miteinander ist mir ebenso schon wichtig. Doch auch hier denke ich, lernen Grenzen zu setzen kann holprig sein. Es kommt ja nicht Jede/r gleich hier an.

    Zitat

    Meiner Wahrnehmung zu trauen - das ist noch ein Feld auf dem ich übe und lerne.

    Daran kann ich mich selbst noch gut erinnern, wie das bei mir war. Und soviel kann ich verraten - das bleibt angenehm spannend... (so isses jedenfalls bei mir).

    Zitat

    ... aber es geht immer um mein Leben. Jeden Tag neu.

    Genau. Weiter so ;-).

    Liebe Grüße
    Maria

    Hallo Nys,

    Zitat von Nys

    ...ich hab grad gesehen -bei den Trockenen gibt es auch einen Thread "unabhängig" von Maria. Ich hoff, ihr macht das nichts aus...

    da bist du mir mit deinen Fragen zuvor gekommen ;-). Ich wollte dich gestern schon hier besuchen kommen, mir ist aber leider die Zeit dazwischen gekommen.

    Nun also so rum... Mir macht es gar nichts aus. Ganz im Gegenteil. Ich freu mich drüber, dass dieses wichtige Thema in einem Forum wo es um Abhängigkeiten geht, nun quasi von 2 Seiten beleuchtet wird. Wenn es für dich genauso okay ist, bleib bitte bei dem Titel. Ich meine, du hast dir ja auch Gedanken darüber gemacht, welchen Titel du wählst und dich schließlich dann für diesen entschieden.

    Ich habe es bei mir geschrieben, dass ich, wenn ich zurück blicke, ganz oft erstaunt über mich bin oder vieles gar nicht mehr verstehen kann, warum ich mal so gehandelt habe.

    Denn "eigentlich" war es mir immer sehr wichtig, eine "gewisse" Unabhängigkeit zu haben bzw. mich unabhängig zu fühlen. Wenn mich nicht frei fühle, kriege ich Atemnot. So war es beim Alk auch. Um so weniger kann ich es verstehen, warum ich mich quasi "freiwillig" in eine Abhängigkeit gesoffen habe. Denn mir hat das Zeugs ja niemand mit Gewalt hinein geschüttert. Das war immer & jedes Mal ich selbst. Nu gut, dass ist vorbei und heute habe ich keine Atemnot mehr. Welch eine Befreiung, das kann ich gar nicht in Worte fassen.

    Zitat

    Unabhängigkeit ist ein Kampf

    Ja - erlebe ich manchmal auch so... und in Beziehung zu meinen Mitmenschen sieht der Umgang auch nochmal ganz anders aus, als bei meinem Suchtmittel, was stoffgebunden ist. Aber meistens empfinde ich den Kampf, wenn ich mich nicht traue, meine Position zu vertreten bzw. wenn ich Angst habe, wie meine Position gewertet werden könnte, also ich unsicher bin, ob das auch okay ist, wie ich die Dinge sehe oder empfinde.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall einen guten Austausch und werde hier immer mal wieder rein lesen, weil da bestimmt auch Erkenntnisse für mich dabei sein werden. Vollkommen unabhängig davon, dass ich aus der anderen Ecke komme ;-).

    Liebe Grüße
    Maria

    Hallo Consuela,

    Zitat

    Die Schraube, die sich langsam nach unten dreht und endlich das (An-) Erkennen dieser elenden Spirale war mein eigener persönlicher Punkt, der mich dazu brachte den Abwärtssog zu stoppen...

    Das ist es wo auch ich mich hier und heute in vielen Beiträgen wiederfinde bzw. wiedererkenne, vollkommen unabhängig davon, wo sich dieser (Tief-)Punkt auf der Spirale befand.

    Oft schüttel ich aber auch hier und heute über mich selbst mit dem Kopf, dass ich es nicht vorher/früher sehen oder anerkennen konnte. Es hat mich ja lange genug begleitet, so dass ich es schon eher hätte erkennen können. Wenn ich an die vielen Male denke, wo ich zitternd über einen Eimer gehangen habe, ich das Gefühl hatte mir zerplatzt der Kopf vor Schmerzen, ich dachte ich sterbe und mir geschworen habe... nie wieder einen einzigen Tropfen nur...

    Ich hadere nicht damit, aber trotzdem kann ich es nicht verstehen. Auch wenn es eine Sucht ist, ich habe mich jedesmal doch auch entschieden zu trinken, mich zu ergeben und mich dahinter zu verstecken, nichts tun zu können.

    Obwohl das so nicht ganz richtig ist: ich habe es schon mehrfach versucht. Da lag mein Tun eben darin, gewisse Zeiten nicht zu trinken, in der Hoffnung, dass sich das mit dem Konsum eben wieder einrenkt, also Trinkpausen einzulegen. Das was sich mir zeigte, ein wenig halbherzige Aufmerksamkeit zu schenken und dann passt das schon. Das reichte aber eben nicht und schickte mich jedes Mal tiefer runter.

    Wie ich ja eingangs schon schrieb, ich habe hier längere Zeit im offenen Bereich gelesen. Ab und an hat es mich davon abgebracht, meine Sucht anerkennen zu können. Ich weiß nicht woran das lag. Vielleicht war ich da noch nicht soweit, oder eine Klarheit fehlte, die für mich wichtig gewesen wäre.

    Jedoch kann ich mich noch gut an die beiden User erinnern, die mir mit ihren Threads geholfen haben, mich zu hinterfragen und hinzusehen, wie es bei mir ist - unabhängig wie es bei anderen ist. Vielen Dank an euch beiden, die ihr mir quasi den Weg beleuchtet habt :) . (ich lese sie heute auch noch ab und an... und freu mich sehr, dass sie weiter trocken unterwegs sind).

    Zitat

    ...den Abwärtssog zu stoppen, indem ich mich ganz klar und nüchtern anschaute und den Weg heraus suchte...

    Genau. So habe ich das auch gemacht. Wenn ich jetzt komplett zurück blicke, war das so schwer gar nicht. Aber wenn ich alte Beiträge von mir lese, kann ich nachfühlen, wie es zu der Zeit war, und dass es doch schwer war. Ich habe mich lange gefühlt, als würde ich Ballast von Jahrzehnten mitschleppen. Die Anfangseuphorie, von denen viele ergriffen werden, die hatte ich gar nicht. Erst fand ich das doof, später dachte ich, vielleicht sogar ganz gut so. Mir war recht schnell klar, dass sich grundlegendes in meinem Leben zu ändern hatte. Und dass dies, wie alles in meinem Leben, mir nicht einfach mal nebenbei so zufällt, sondern ich was dafür tun muss.

    Ich stieß kontinuierlich an meine eigenen Grenzen. Und das hat mich nebenbei total frustriert. Gleichzeitig hatte ich aber zu lernen, ohne Alkohol, mit Frust & Gefühlen jeglicher Art umgehen zu lernen. Doch - ganz ehrlich - ich fand das oft ganz schön ätzend ;-). Und heute gefällt mir genau das (Gefühle echt empfinden zu können) total gut und empfinde das als das wahre Geschenk der Trockenheit.

    Danke für deine Zeilen.

    Maria

    Mein Leben nach dem Alkohol begann vor etwa 5 Jahren, um genauer zu sein, Ende August 2008.

    Um die Möglichkeit alkoholabhängig zu sein, kreißte ich sehr lange und irgendwann tastete ich mich langsam ran. Je nach Verfassung verwarf ich es, schmetterte es ab oder traute mich dann doch wieder an die Sache heran. Ich glaube, seit 2006 bereits las ich in diesem Forum. Vielleicht war es auch schon früher. Das weiß ich nicht mehr genau. Denn um diese Seite der Alkoholiker aufrufen zu können, musste ich alleine sein, da durfte mir niemand über die Schulter gucken können und das war meist spät abends und da war ich in aller Regel ziemlich voll.

    Das was nicht stimmte, mit mir und meinem Alkoholkonsum, das wusste ich von den ersten Kontakten (mit 13) mit Alkohol an. Aber es griffen gleich mehrere Dinge, die die leisen Stimmen der Zweifel darüber verstummen ließen.
    Zum einen zieht sich die Sucht gleich durch mehrere Generationen meiner Herkunftsfamilie und zum anderen habe ich nach außen hin noch mehr oder weniger funktioniert, was mir vorgaukelte, doch irgendwie alles im Griff zu haben.
    Ich schaute stets zu denen, die noch mehr tranken. Sie waren für mich die wahren Alkoholiker. Ich mit Bestimmtheit nicht, denn ich fühlte mich als Opfer und das hielt ich für die logischste Erlaubnis überhaupt, trinken zu dürfen.
    Im Oktober 2007 habe ich mich hier angemeldet. Für weitere Schritte war ich da noch nicht bereit. Ich hatte mich lediglich registriert, für eine Vorstellung fehlte mir der Mut.

    Trinkend verließ ich den Rahmen, der gesellschaftlich noch akzeptiert wird. Ich rutschte tiefer. Das zusammennehmen Können bis ich alleine und ohne Blick von außen so trinken konnte wie ich es brauchte, funktionierte nicht mehr. Es musste Härteres her.
    Woran ich mich heute noch gut erinnere, ist der Zwang und die Enge und das Lügengerüst. Mir fehlte das Licht & die Luft in meinem Leben. Zum Ende hin, fühlte es sich alles grau und zäh an. Das was viele als Sackgasse beschreiben, empfand ich genauso.
    Alles war darauf ausgerichtet, trinken zu können. Es gab nichts anderes mehr, als dieses einerlei, den Kreislauf der Sucht.
    Eine Erleichterung durch Alkohol erfuhr ich dadurch nicht. Ich fühlte mich stets schlecht. Ob mit Alkohol oder ohne. Um ehrlich zu sein, ich fühlte gar nichts mehr.

    Und hierüber ist mir klar geworden, dass ich nun noch genau 2 Möglichkeiten habe.
    1.) Weiter trinken bis zum Umfallen.
    2.) Oder es wirklich ohne versuchen. Nicht halbherzig und mal tun als ob, sondern wirklich so, wie ich hier regelmäßig las.

    Denn schlimmer als mein Leben mit Alkohol, konnte ein Leben ohne Alkohol nicht sein. Dabei war meine persönliche Vorstellung ein Leben ganz ohne Alkohol führen zu wollen, die Horror-Vorstellung schlechthin.

    Ende August 2008 stellte mich im Vorstellungsbereich vor und mein nächster Gang war der zu meinem Arzt. Zum ersten Male sprach ich da aus, was mich seit Jahren quälte.

    Für mich der wichtigste Schritt überhaupt.

    Hallo Nathan,

    herzlich willkommen im Forum.

    Auch ich bin überzeugt von der Risikominimierung und freu mich mehr von dir zu lesen. Zudem denke ich, es ist gar nicht nötig mit Details auszuschmücken, denn es kommt bei der Nüchternheit auf den Kern an.

    Liebe Grüße
    Maria

    Hallo Stine,

    herzlich willkommen.

    Bei mir ist es ganz oft so, dass wenn ich etwas zu bewältigen habe, es mir gut gelingt. Damit kenne ich mich aus. Ich aktiviere irgendwelche Kräfte und Energien und mache dann einfach. Oft ohne groß nachzudenken, "arbeite" ich ab. Wenn ich ein Ziel oder eine Etappe dann erreicht habe, "falle" ich oft in eine Art Loch. Da dauert es immer eine gewisse Zeit, mich neu zu orientieren bzw. einfach ohne Anstrengung meine Wege zu gehen. Dann fordert mein Belohnungszentrum lauter. Vielleicht ist dies bei dir ähnlich?

    Ich lebe heute trocken, denke aber dennoch, dass Trockenheitsarbeit nicht aufhört. Unsere Krankheit bringen wir ja lediglich zum Stillstand und können sie nicht heilen. Und aus dieser Erkenntnis heraus, gucke ich zwischendrin sehr genau, wo ich mich aktuell befinde. Ob ich noch den Abstand zum Alkohol habe, den ich will oder ob ich irgendwo dabei bin, ihn zu verringern. So eine Art Standortbestimmung. Halte ich für sehr wichtig und im Gegenteil nicht für übertrieben.

    Was es heute anders macht, als ganz am Anfang, ich kann auf eine gewisse Erfahrung zurück greifen. Mehr jedoch nicht. Eine längere Trockenheit schützt ja nicht automatisch vor einem möglichen Rückfall.

    Von daher kann ich dich gut verstehen :-). Schön, dass du hierher gefunden hast und dich weiter ernst nimmst.

    Liebe Grüße
    Maria

    Hallo,

    ich habe mich - (zum Melkfett zur Pflege der Füße vorund nach dem Laufen) für qualitativ hochwertige Socken entschieden. Die sind zwar erst ein wenig teuer, machen sich aber durch gute Passgenauigkeit und hohe Langlebigkeit mehr als doppelt bezahlt. Ab und an gibt es die, beim Verhandlen mit dem Schuhverkäufer auch gratis dazu.

    VG
    Maria

    Hallo Hartmut,

    ganz am Anfang habe ich habe vor allem eines gehofft, dass das dumpfe Gefühl, das abgeschnitten sein und die Aussichtslosigkeit ein Ende hat. Der Kreislauf aus Beschaffen, Betäuben und Betrug zu durchbrechen ist.

    Im Laufe der Zeit kamen die Erwartungen wieder hoch, das "alte, gewohnte" Muster. Da galt es anzusetzen. Ich kann mir meine Welt in gewissen Teile schon heile(r) machen, als zu saufenden Zeiten. Stückweise wird sie das sogar von alleine, denn mit einem nüchternen Verstand, mache ich selbst schon nicht mehr soviel kaputt. Handele besonnener & durchdachter, empatischer.

    Trotzdem findet Leben halt statt mit all seinen Dingen, die tagtäglich passieren. Und da ist nicht immer alles schön und läuft so, wie ich mir das wünsche oder erwarte.

    Trocken habe ich jedoch ein gute Grundlage, womit ich mit den "Widrigkeiten" umgehen kann.

    Maria

    Hallo Aurinko,

    Zitat

    Es ist halt nicht so einfach das für sich auch anzunehmen, ich habe grosse Mühe damit mir die Sucht als Fakt einzugestehen und zu wissen dass es nie wieder anders wird. Wie ich hier heraus lese war es für niemanden einfach...

    Einfach habe ich es auch nicht empfunden. Das Annehmen brauchte Zeit.

    Ich finde es gut, dass du dich jetzt hier auseinander setzt, liest und dich informierst. Ich musste es auch verstehen, was der Alkohol macht und wie er eingreift in mir, um dann handeln zu können.

    Es musste sich viel ändern in meinem Leben, aber schrittweise und mit der Unterstützung und der Erfahrungen der User hier, verloren viele Ängste ihre Berechtigung.

    Liebe Grüße
    Maria

    Hallo Frank,

    willkommen zurück.

    In deinem letzten Beitrag steckt viel drin, wovon auch ich überzeugt bin, dass trocken werden/sein/bleiben nur so dauerhaften Bestand hat.


    Zitat

    Mir ist auch zu 100 % klar, das ich Alkoholiker bin und mit Alkohol nicht, in keinster Weise umgehen kann.
    ...
    Jetzt kommen wir zum im vollen Umfang annehmen, dass ich Alkoholiker bin. Das ist ein Prozess in dem ich gerade stecke.

    Das verstehe ich nicht ganz. Wenn dir zu 100 % klar ist, dass du Alkoholiker bist, wo ist denn dann noch Platz, um in einem Prozess der Akzeptanz zu stecken?

    Lg Maria

    Hallo Aurinko,

    Zitat

    Wie war es bei euch? Wann und wie konntet ihr die Krankheit für euch also solche annehmen?

    Bei mir war's ähnlich wie bei den Vorschreibern:ich fühlte mich total leer & dumpf und hatte so sehr die Nase davon voll, in dem Kreislauf der Sucht zu stecken. An meinem Wendepunkt wusste ich, es gab nur 2 Dinge. Entweder weiter trinken, mit der Folge immer tiefer zu sinken (das es nur noch abwärts ging - war mir vollkommen klar) - oder aufhören. Da lag nichts mehr zwischen.

    Was ich zunächst als schwer bei meiner eigenen Akzeptanz empfunden hatte war, dass ich noch nicht so tief unten war, dass ich nichts mehr geregelt bekommen habe oder es im Außen allzu sehr auffällig war.
    Ich habe mich mit meinem Konsum in einem Bereich befunden, der in der Gesellschaft eben noch akzeptiert wurde. Nach Außen hin, gelang mir das alltägliche noch recht gut. Ich konnte meine Kinder versorgen, hatte ein halbwegs geregeltes Leben, musste eben "nur" jeden Abend meine Dosis Alkohol haben. Hier und da kamen mal Bemerkungen in meine Richtung, es fiel auf - aber das blendete ich aus. Weil es immer jemanden gab, der noch mehr drauf war. Da schaute ich hin, anstatt auf mich.

    Ich glaube ein wesentlicher Schritt für mich meine Abhängigkeit anzuerkennen war, mich auf mich zu konzentrieren. Darauf zu schauen, was mir wichtig ist - unabhängig davon wie ich von Außen kategorisiert werde oder was dem einen oder anderen für sich wichtig ist.

    Sucht hat viele Gesichter. Und ich bin eins davon.


    Zitat

    Wie kam es dass aus dem Verlust-Gefühl ein Freiheits-Gefühl wurde?

    Das ging irgendwie einher mit der Akzeptanz. Der Zwang entfiel. Das empfand ich recht schnell als Befreiung. Und das Ende der Lügen und Nicht-mehr-Wissen-was-war. Wirklich da sein zu können, das finde ich gut.

    Liebe Grüße
    Maria

    Hallo Wolfgang,

    mit unserer Sucht haben wir eben was mit auf den Lebensweg bekommen, was wir nicht loswerden. Alkoholismus ist nicht heilbar. Wir können unserer Krankheit lediglich zum Stillstand bringen. Das Suchtgedächtnis bleibt erhalten.

    Aus diesem Bewußtsein heraus versuche ich meinen Weg zu gehen und dies ist meine wohl fortwährendste Motivation und hilft mir, genau wie dir:

    Zitat

    Es ist ein gutes Gefühl Nüchtern zu sein und das hilft mir auf meinen Weg.

    Alkohol gibt es in unserer Gesellschaft. Das ist nicht wegzureden. Und für die Mehrheit der Menschen "da draußen" ist er ein fester Bestandteil. Aber dennoch kann ich sehr wohl mit entscheiden, ob der Alkohol immer da ist. Und wie nah er mir kommt/ist.

    Ich habe mir ein trockenes Umfeld eingerichtet. Mein Ort - meine 4 Wände, an denen es keinen Alkohol gibt. Das war eine gute Entscheidung, weil es mir ermöglicht zu differenzieren. Verlangen nach Alkohol habe ich nicht in der Form, wie es aus deinen Geschriebenem hervorgeht, dennoch zeigt sich zwischendrin mein Suchtgedächtnis. Manchmal finde ich es ärgerlich und lästig, weil "es" weg gehen soll, denn ich will ja trocken bleiben. Aber ganz oft bin ich auch froh, dass es sich zeigt, denn es erinnert mich daran, suchtkrank zu bleiben.

    Liebe Grüße
    Maria

    Hallo Markus,

    ich erleb(t)e es so: In meiner nassen Zeit versuchte ich meine Unsicherheit mit einer gewissen Lautstärke zu kompensieren.
    Ängste und alles andere was ich für "schwach" hielt, habe ich mir nicht eingestanden und bin drüber weggangen & habe es mit Hilfe vom Alkohol ausgeblendet.

    Was ich als erleichternd und hilfreich empfinde ist, dass dieser Selbstbetrug, der zu nassen Zeiten an der Tagesordnung war, entfällt. Ich muss mir nicht mehr Gedanken darüber machen, was ich gesagt habe obwohl ich das nicht so meinte, wo ich mich wie verstellt habe, damit meine Ängste nicht auffallen.

    Zu meinem Ernüchterungsprozeß gehörte, mich meinen Unsicherheiten zu stellen. Ich bin dadurch "sicherer" geworden, weil ich heute versuche, ehrlich zu mir zu sein... und dies jeden Tag weiter übe. Eben zu meinen Ängsten und Unsicherheiten zu stehen. Ich versuche, meine eigene Meßlatte nicht zu hoch zu legen. Und stelle fest, dass dies "menschlicher" macht. Unsicherheiten werden mir so verziehen.

    Grüße
    Maria