Beiträge von chaosimleben

    Zitat von silberkralle

    glück auf chaosimleben

    kann deine abgrenzung ne art "angst vor enttäuschung" sein?
    ich empfinde "mitleid" mit noch nassen + sprech sie oft an (ich hab mir in meiner nassen zeit immer eingebildet s merkt keiner) - ich weis aber ganz genau dass ich mir meist ne abfuhr oder ne enttäuschung einhandel (masochismus?)

    schönes we

    :D
    matthias


    Hallo Silberkralle,
    die Art von Enttäuschung habe ich schon viele Male erlebt und auch in mir steckt wohl ein gehöriges Maß an masochismus, aber vor allen Dingen habe ich mein Helfersyndrom noch nicht abgelegt. Vielleicht ist es ja das, zu wissen das ich nicht helfen kann, und nach drei Jahren abstinenz immer noch nicht verstehen kann, warum die Menschen weiter trinken, wo sie doch Hilfe angeboten bekommen. Aber nein, sie sitzen in den zur Verfügung gestellten Wohnungen und haben nichts besseres zu tun als weiter zu saufen. Und da spüre ich, wie überheblich und ablehnend ich diesen Personen entgegen trete.
    Wie arrogant ich da stehe und mir sage, ich bin besser als ihr, ich habe es geschafft, bin nicht so weit gesunken wie ihr.
    In der Therapie wurde uns immer wieder gesagt das 80% aller Alkoholiker nach der 1. Therapie rückfällig würden und das eine Therapie alleine nie ausreichen würde. Fast in allen Fällen würden die Alkis noch mal kommen müssen.
    Ich hatte bisher noch keinen Rückfall, und ich schwöre, mein Leben ist nach der Therapie bis heute kein Zuckerschlecken.
    Und natürlich ist es klar das niemand mit ihnen Kontakt möchte der nicht in der gleichen Situation steckt, aber ich müsste doch das allermeiste Verständnis für sie haben. Statt dessen verurteile ich sie und ihre Lebensweise. Manchmal möchte ich sie am liebsten packen und schütteln.

    Zitat von Paul P.

    Diese "Arroganz & Verachtung" ist unter Umständen ein unterschwelliger Neid. Ein Neid der sich aufbaut weil andere etwas tun was man selber ggf. nicht mehr darf.
    Das hat nix mit "Nassem Denken" zu tun sondern ist schlicht "das kleine Kind" was in jedem von uns wohnt.


    .

    Hallo Paul,
    mag sein das es aus deiner Sicht etwas mit Neid zu tun hat. Das ist bei mir mit Sicherheit nicht der Fall, denn wenn ich noch nie Stolz auf mich war, dann doch darauf das ich es geschafft habe trocken zu werden und es auch bis dato zu bleiben. Nein, ich bin sicher nicht neidisch darauf das diese Menschen sich systematisch zerstören und ein Bild des Jammers abgeben.
    Ich bin erschrocken über meine Arroganz und meine Überheblichkeit. Ich habe die Kurve noch früh genug bekommen und bin nicht so abgestürzt wie diese "Nachbarn". Aber mir hätte es ebenso gehen können, wäre da nicht mein Sohn gewesen und ein paar klare Momente in meiner versoffenen Vergangenheit.
    Und noch eine kleine Korrektur deiner Aussage: Wer sagt denn das ich das nicht mehr darf? Ich darf alles was ich will. Aber genau das will ich nicht mehr. Verboten hat mir das Saufen niemand. Ich wollte mich nicht umbringen und wieder klar denken und leben können.

    LG Chaosimleben

    Hallo ihr Lieben,
    ich habe lange überlegt ob ich das was jetzt kommt, hier schreiben soll. Aber ich muss es einfach los werden. Ich verstehe mich selbst nicht mehr. Um es euch ein bischen zu verdeutlichen muss ich ein wenig ausholen.

    Ich habe gestern vor drei Jahren meine Entgiftung begonnen. Danach habe ich eine LZT und 2 weitere Psychotherapien hinter mich gebracht. Vieles was bei mir im Argen lag kam zutage und ich bin auch heute noch nicht wirklich wieder hergestellt. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich bin froh und glücklich darüber das ich bis zum heutigen Tag keinen Rückfall hatte und meines Erachtens auch nicht gefährdet bin.
    Damit das auch so bleibt habe ich vor einiger Zeit mein Umfeld gewechselt und bin 150 km weit weg von meinem Wohnort gezogen. Soweit hat auch alles prima geklappt, neue Bekannte und Freunde, ein 2. Haustier, super Vermieter und Nachbarn die um meine Krankheit wissen.
    Im Laufe der ersten Monate nach meinem Umzug stellte ich fest das in meiner Straße sehr gemischte Bewohner leben. So weit so gut. Eben auch sozial schwache Menschen (vorsichtig ausgedrückt) Aber das stört mich nicht weiter.
    Nun mein eigentliches Anliegen. In meiner Straße befindet sich auch ein Gebäude in dem durch die Stadt Obdachlose und starke Alkoholiker untergebracht sind. Seit einiger Zeit ertappe ich mich dabei das ich diesen Menschen ganz bewußt aus dem Weg gehe. Nicht weil ich Angst habe das sie mich gefährden könnten. Nein, ich will mit ihnen nichts zu tun haben. Sie sind freundlich und halten sich auf Distanz. Durch meinen Hund den ich vor einigen Monaten geschenkt bekam, wird der Kontakt zu meiner Nachbarschaft doch ein wenig intensiver. Jeder findet die kleine Candy ach so süß. Aber eben auch besagte Anwohner dieses Hauses. Jetzt bin ich sogar so weit gegangen das ich sagte, sie dürfen sie nicht mehr locken und anfassen weil sie sich in der Ausbildung befindet. (Das stimmt ja in gewisser Hinsicht auch, aber ich habe das bei anderen Personen noch nie so deutlich gesagt wie bei ihnen).
    Es ist ganz klar, ich will mit ihnen nichts zu tun haben. Sehe ich wie ein bestimmtes Pärchen mit Bier nach Hause kommt, empfinde ich nur Verachtung.
    Wie kann ich nur so arrogant und überheblich sein und mir ein Urteil erlauben. War ich nicht genauso wie sie? Lediglich mit dem Unterschied das ich noch ein halbwegs geregeltes Leben und Arbeit hatte.
    Was ist nur los mit mir???? Ich schäme mich dafür das ich so denke, und ich weiss nicht wie ich damit umgehen soll. Es steht mir nicht zu über diese Leute zu urteilen und schon gar nicht sie zu verachten. Ich bin auch ein Alkoholiker, eben nur trocken. Auch krank, wie sie. Das weiß ich nur zu gut. Und trotzdem wechsle ich die Straßenseite damit ich mich nicht mit ihnen auseinander setzen muss.

    Hallo zusammen,
    überleben und wieder klar denken können. Das war erst mal mein Ziel. Klar habe ich gedacht das alle meine Probleme verschwinden würden, wäre ich erst mal trocken und ginge es mir körperlich wieder besser. Aber weit gefehlt. Als ich in meinen alten Freundes- und Bekanntenkreis zurück gekommen bin, hatten fast alle ein riesen Problem mit mir. Anfangs verstand ich nicht warum. Aber dann wurde mir klar das ich mich verändert habe und mein Umfeld damit wohl nicht klar kam. Ich habe mir ein neues Umfeld und neue Freunde gesucht. Aber da kamen noch viel mehr Probleme auf mich zu die ich jetzt nicht im Detail aufführen will. Allerdings wurde mir, je länger ich trocken war, bewusst, das ich meine Probleme nur lösen kann wenn ich trocken bin. Rückblickend bin ich ja in meiner nassen Hochphase zu nichts mehr in der Lage gewesen und habe mir damit noch mehr Ärger aufgehalst. Jetzt weiss ich was ich von meinem trockenen Leben erwarte.
    Erst einmal weiterhin trocken zu bleiben, Zufriedenheit und die Gewissheit das ich alles schaffe was ich mir vornehme und das ausschließlich wenn ich trocken und klar im Kopf bin. Leicht ist es sicher nicht, aber es war weder leicht mir meinen Alk "heimlich" :roll: zu besorgen, noch war es einfach den Weg in die Abstinenz zu finden.

    Das ist eine gute Frage. Als mein Sohn (jetzt 22 J.) noch mit mir zusammen lebte, befand ich mich in einer sehr kritischen Phase des trocken werdens. Er hat immer zu Hause gefeiert und wenn ich die sogenannte "Realitätserprobung" am WE durchführte, kam ich in eine Wohnung in der ich schon mit einer Flasche Wein im Flur begrüßt wurde. Keine angenehme Situation für mich. Ich bat meinen Sohn den Alk aus meiner Umgebung und vor allen Dingen aus einem Kühlschrank zu entfernen. Während meiner Therapiezeit wurde nur gefeiert wenn ich nicht da war und alle Spuren wurden vor meinem Eintreffen beseitigt. Heute trinke ich wie sehnSucht mit, ebenfalls ohne Alk. Allerdings kommt das in meiner Wohnung niemals vor, da ich jetzt alleine lebe. Alle meine Freunde und Bekannten wissen das und sind trotzdem gerne bei mir auch ohne Alk. Und mein Sohn ist weg vom Alk, er hatte immer die Befürchtung selbst in die Abhängigkeit zu rutschen. Und ein super toller Nebeneffekt ist die Tatsache das 90% seiner Freunde ebenfalls ohne Alk feiern, egal ob zu Hause, in der Disco oder in der Kneipe. Ich glaube aber, wenn du nüchtern zusiehst wie sich die Menschen verändern, je höher der Akloholpegel wird, desto weniger Lust hast du mit zu feiern :roll:

    Hallo Mondscheinengel,
    ich kann dich verstehen, deinen Frust über die Antworten, deine Verzweiflung über die derzeitige Situation in deiner Familie. Da kommt es auch gar nicht drauf an, wie oft du deinen Vater siehst oder ob du ihm den Alk wegnimmst.

    Ich bin auch keine Psychologin, ich bin betroffen. Sowohl als Alkoholikerin als auch als Co-Abhängige. Also bitte, therapieren kann hier keiner den Anderen, und Patentlösungen gibt es nicht.
    Meine Mutter hat in ihren Hochzeiten medizinischen 94%igen Alk pur getrunken. Sie hat es irgendwann geschafft trocken zu werden. Es waren schlimme Zeiten für mich als Kind. Mein Vater war Quartalssäufer. Mein Neffe politoxikoman. Mein Ex-Freund Alkoholiker und Medikamentenabhängig. Und ich bin ebenfalls Alkoholikerin, seit knapp drei Jahren trocken.
    Ich will dir damit nur klar machen, das all die Antworten die du bekommst auf eigene Erlebnisse und Erfahrungen basieren. Lies genau, und denk über die Nachrichten nach. Es ist nun mal so, das dein Vater es wollen muss. Und wie ich dir geschrieben habe, wenn er wirklich wieder voll drauf ist und ohnen den Stoff wieder nicht mehr kann, dann kann er in die Klinik gehen und wird nicht abgewiesen. Aber ich bitte euch wie schon geschrieben, inständig, füllt ihn nicht ab, ihr könnt ihn damit umbringen.
    Und wenn deine Nerven jetzt noch so blank liegen, du und deine Mutter, ihr solltet Abstand von deinem Vater nehmen, sonst landet ihr auch noch in der Klinik und damit ist keinem geholfen.

    LG Chaosimleben

    Guten Morgen Wolfgang,
    das kenne ich, und das ist es woran du ganz intensiv arbeiten musst. Vor allen Dingen fang erst mal an all das zu akzeptieren was du immer weg gesoffen hast. Und nimm es als Gegeben hin. Ich weiss das hört sich jetzt doof an, aber es ist so. Erst wenn du die Vergangenheit akzeptierst und versuchst mit ihr zu leben, dann geht es auch wieder aufwärts. Du kannst nichts mehr ändern. Jetzt musst du lernen deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und sie anzunehmen. Ein sehr, sehr langer Weg. Aber du hast den richtigen Weg aus dem Alk gefunden, dann wirst du diesen auch finden. Gib dir Zeit, das ist ganz wichtig.

    LG C

    NEIN!!!
    UM GOTTES WILLEN!!!! TUT DAS NICHT!!!!

    Das könnt ihr nicht machen!!!!!!!

    So war das nicht gemeint!!!!
    Es geht darum das sie deinen Vater nicht abweisen wenn er getrunken hat und er freiwillig geht. Aber doch nicht absichtlich abfüllen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Hallo Mondscheinengel,
    ich weiss nicht wie das in Berlin ist, und ich weiss auch nicht ob dein Vater tatsächlich bereit ist zu gehen. Wenn dein Vater bereit ist dann kann ich ihm nur folgendes raten, ich habe meine Entgiftung so gemacht: Ich habe niemandem gesagt wie es mir damals wirklich ging. Auch ich habe an Suizid gedacht, vom Dach springen, tot saufen, oder Entgiften. Ich hab mich für die letztes Möglichkeit entschieden. Mit 3,2 Promille bin ich ins Krankenhaus gegangen. In die Psychatrie. Dort werden in meinem ehemaligen Wohnort die Entgiftungen durchgeführt. Unter Alkoholeinfluß darf kein Krankenhaus einen Patienten weg schicken. Ich will um Gottes Willen deinen Vater nicht dazu animieren zu trinken, aber wenn es der Fall ist das dein Vater gerade wieder voll drauf ist, dann ist es vielleicht die Chance für ihn, noch heute Abend ins Krankenhaus zu gehen. Dort soll er dann in den nächsten Tagen gleich alle Formulare für eine LZT anfordern und an die Rentenversicherung schicken. Natürlich hat er da auch Wartezeiten bis er einen Therapieplatz bekommt aber Übergangsweise kann er über die Caritas oder andere Verbände SHG`s und Einzeltherapie erhalten.
    Ob das in Berlin genauso ist wie damals in meinem Wohnort weiss ich nicht, aber ein Versuch wäre es doch wert, oder?

    GLG und viel Kraft für dich und deine Familie
    Chaosimleben

    Hallo Wolfgang,
    ich war im April diesen Jahres für 4 Wochen in der Psychosomatik. Keine Ahnung ob das bei allen so ist, aber ich kenne viele trockene Alkoholiker, die sich in Depressionen wiederfinden.
    Da gibt es natürlich kein Patentrezept. Ich musste bis in meine Kindheit zurück gehen um herauszufinden, woher meine Depressionen kommen. Dabei habe ich auch gleichzeitig erkannt, wie ich zum Alkoholiker wurde. Ich bin schon seit meiner Entlassung aus der Suchtklinik 2008 in psychologischer Behandlung.
    Ich kann dir nur raten, lass dir Zeit, setz dich nicht unter Druck, das kennst du doch noch aus deiner Zeit in der du dich für eine trockene Zukunft entschieden hast, und schau jetzt nicht nach anderen. Wichtig bist du und die Erkenntnis was wirklich hinter deinen Depressionen steckt. Dann kannst du auch wieder für die Menschen da sein die dich lieben und die du liebst. So wie ich dich verstehe, haben sie immer zu dir gestanden. Ich kann mir nicht vorstellen das ihnen jetzt das nötige Verständnis für dich fehlt.
    LG

    Guten Morgen Wolfgang,
    wie lange ist es denn her das du in der Klinik warst? Besuchst du eine SHG? Bist du in ambulanter Therapie?
    Viele denken, wenn sie aus der Klinik raus sind steht ihnen die heile Welt offen und alle Probleme haben sich in Luft aufgelöst. Falsch gedacht. Als ich aus der Klinik kam, hatte ich das Gefühl meine Sorgen und PRobleme hätten sich verdoppelt. Aber ich habe auch verstanden das ich eben jetzt klar sehe und bewußt wahr nehme was um mich herum geschieht.

    Zitat von kossi

    Ich habe große Angst vor dem Leben, vor dem Versagen und dass ich die Menschen die ich Liebe Enttäusche.

    Hat dich gerade diese Angst nicht dazu gebracht mit dem Alk anzufangen? Jetzt bist erst mal nur du wichtig.

    GL Chaosimleben

    Hallo Jabo,
    ich hab mich lange Zeit hier nicht mehr blicken lassen, aber hab mal deine "Geschichte" gelesen. Musste ein bischen schmunzeln. Manche Passagen kommen mir doch sehr bekannt vor. Es freut mich für dich das du jetzt schon 5 Wochen geschafft hast. Ich habe in der Anfangszeit meiner Trockenheit oft abends im Bett gelegen und mir vorgestellt wie ich mich jetzt mit Alk fühlen würde. Und dann hab ich mich gefreut. Ich wußte das ich gar nichts gefühlt hätte. Aber jetzt kann ich wieder fühlen, auch wenn es manchmal hart ist. Ich bin klar, bin bei mir, und das macht mich stolz. Freu dich über jeden trockenen Tag.
    LG Chaosimleben

    Hallo Moa,
    du schreibst das bei diesem Fest Anwesenheitspflicht besteht. Dem entnehme ich das dein Chef über dein Problem nicht informiert ist!?!
    Wenn dem so ist, solltest du schnellstens mal mit deinem Chef sprechen, denn solche Feste sind ein sehr hohes Risiko rückfällig zu werden. Wenn keiner Bescheid weiss werden deine Kollegen auch nicht verstehen warum du nicht mit trinkst, ich nehme doch an es war früher der Fall das du bei Firmenfeiern mitgetrunken hast. Wenn du dich jetzt mit irgendwelchen Ausreden schützen willst, wirst du bald merken das du dich in Lügen verstrickst und dann hast du wirklich ein Problem.

    LG Chaosimleben

    Hallo Philip,
    du hast ja jetzt schon viele Antworten auf deine Frage bekommen. Meine Alkoholikerkarriere begann vor ca. 25 Jahren. Also schon lange her. Immer wenn ich merkte das ich zu viel Alk in mich rein schütte, machte ich eine Pause. Mir ging es in diesen Zeiten immer sehr gut. Also dachte ich mir, das ich ja mal wieder ein Glas Wein trinken könnte. Das klappte Anfangs auch sehr gut. Allerdings fand ich mich bald wieder in Mengen wieder die absolut untragbar waren.
    Immer wieder legte ich diese Trinkpausen ein. Mal ein Jahr, mal 6 Monate. Und immer wieder redete ich mir ein, es wäre ok mal wieder was zu trinken, ich konnte ja immer wieder aufhören. Irgendwann wurden die Trinkpausen kürzer und kürzer. Dann kam die Zeit in der ich täglich trank. Auch wenn ich zur Arbeit mußte. Auch hier redete ich mir ein, es würde keiner merken. Bis mich mein Chef zu sich zitierte und mir sagte das er von einigen Mitarbeitern auf meine Fahne angesprochen wurde. Ich dachte, mir zieht jemand den Boden unter den Füßen weg. Natürlich stritt ich alles ab. Aber das war auch der Zeitpunkt an dem ich mir eingestand was ich schon lange wusste. Ich bin alkoholkrank. Nur reichte es damals nicht aus um aufzuhören. Erst als ich ernsthafte gesundheitliche Probleme bekam und ich Suizidgedanken hatte, habe ich mir helfen lassen. Das ist jetzt drei Jahre her.
    Denk doch mal genau über deine jetzige Situation nach und sei endlich ehrlich zu dir selbst. Dann erübrigt sich auch die Frage ob du zwischendurch mal ein Bier trinken kannst. Das kann keiner von uns. AUS UND VORBEI!!!!
    LG Chaosimleben

    Hallo liebe Murmeltier,
    ich finde es bemerkenswert wie du dir deine Brücken baust und sie auch konsequent überquerst. Wenn du diese Richtung behälst dann kann doch nichts mehr schief gehen.
    Ich kenne diese Achterbahn nur zu gut. Leider bin ich auch noch psychisch sehr angegriffen, was die Situation nicht leichter macht. Aber ich bin immer wieder stolz auf mich wenn ich schwierige Situationen gemeistert habe, die ich früher lieber weggesoffen habe um dann feststellen zu müssen das es dann nur noch schlimmer wurde. Jetzt kann ich mich sortieren und die Lage sondieren bevor ich Entscheidungen treffe. Und das erleichtert die ganze Sache doch ungemein.
    Mach weiter so, dann wirst du deine Erfolge auch genießen.

    GLG Chaosimleben

    Hallo Philip,
    ich war längere Zeit nicht mehr hier im Forum, und jetzt habe ich deine Beiträge einmal aufmerksam verfolgt. Ein wenig höre ich raus das du dich von deinem alten Umfeld nicht wirklich verabschieden willst. Das ist gefährlich. Wenn es deine berufliche Situation erfordert das du eine Gruppe zu einem Skiausflug begleiten musst, dann rede mit deinem Chef über dein Problem, es wird sich sicher eine Lösung finden die für beide Seiten akzeptabel ist.
    Ich dachte anfangs auch, es reicht wenn ich nichts trinke und den anderen dabei zusehe. Aber ich hatte immer das Gefühl, zum einen nicht mehr dazu zu gehören und zum anderen mit dem Feuer zu spielen. Also habe ich mich von "nassen Festen" und Familienfeiern fern gehalten. Natürlich gehe ich heute auch wieder in Lokale in denen getrunken wird, aber mit einer ganz anderen Sichtweise als nach meiner Therapie.
    Setz deine Trockenheit nicht leichtfertig aufs Spiel. Werde dir klar darüber das du immer Alkoholiker bleibst und das du dich auf sehr dünnem Eis bewegst wenn du denkst du könntest die Saufgelage anderer wegstecken ohne in Versuchung zu kommen.
    LG Chaosimleben

    Einen wunderschönen guten Morgen zusammen!!
    Ich bin wieder da!! Nach meinem Umzug in eine andere Stadt und vielen, vielen Schiksalsschlägen bin ich wieder hier. Ich habe das Bedürfnis euch mitzuteilen wie es mir in den letzten Jahren meiner Abstinenz ergangen ist. An manchen Tagen wußte ich nicht mehr wie und ob es noch weiter gehen kann. Ich war am Boden zerstört, hatte die Hoffnung auf ein "normales Leben" fast verloren. 2 Klinikaufenthalte in der Psychosomatik folgten nach meinem 20wöchigen Suchtklinikaufenthalt. Aber auch wenn es mir noch so schlecht ging, niemals kam ich in die Versuchung mich mit Alk aus allem zu flüchten.
    Ich liebe mein Leben, liebe es den Problemen und Schwierigkeiten klar gegenüber treten zu können. Entscheidungen zu treffen, von denen ich am nächsten Morgen noch weiß das ich sie getroffen habe. Auch wenn ich manchmal mit dem Gedanken gespielt habe Schluß zu machen, in diesen Momenten dachte ich an meine Therapie die mir geholfen hat trocken zu werden. Wie schwer es war, damals um Hilfe zu bitten. Wieder bin ich zu einem Arzt gegangen der mir auch in dieser schweren Phase wieder auf die Beine geholfen hat.
    Meine Probleme sind noch nicht gelöst, aber ich bin auf dem besten Weg sie zu meistern. Und manchmal bin ich ein kleines bischen Stolz auf mich, das ich mich nicht aus der Affaire ziehe indem ich mich wegbeame, sondernd aufrecht stehe, meinem Gegenüber klar in die Augen sehen kann und mich nicht verstecken muss. Ich lebe meine Leben wie ich es für richtig halte, und ich lebe es gerne. GANZ OHNE ALK, EGAL WAS KOMMT
    Vielleicht hilft dem ein oder anderen hier meine Geschichte, ich bin gerne bereit mehr über meinen Weg zu erzählen. Denn ihr habt mir damals sehr geholfen :P
    Eure Chaosimleben

    Momentan stecke ich in einem Gewissenskonflikt.

    Wie ich es ja schon geschrieben habe, beginnt für mich in 2 Wochen ein neuer Lebensabschnitt. Ich habe mich dazu entschlossen, mein Umfeld zu wechseln. Während meiner Therapie habe ich schon überlegt ob es gut für mich ist wieder in meine alte Stadt zurück zu gehen, oder ob ich nicht besser gleich einen Cut mache und anderswo neu anfange. Aber ich habe mich damals dafür entschieden wieder zurück zu kommen. Das lag ausschließlich an meinem Sohn der ja noch bei mir lebte. Ca. 6 Monate später zog er bei mir aus weil er anfing zu studieren und näher an der Uni sein wollte. Ein Entschluß den ich schweren Herzens akzeptierte. Auch ich zog um in eine kleinere Wohnung. Jetzt war ich ganz alleine und meine Depressionen wurden immer heftiger. Da ich mich nach meiner Therapie in ambulante Therapie begab war das natürlich immer ein Thema das ich mit meiner Therapeutin besprochen habe. Dann wurde zu allem Unglück meine Mutter schwer Krebskrank und verstarb Ende April. Noch mehr Stress und Depressionen machten sich breit. Jetzt war niemand mehr da mit dem ich mich austauschen konnte. Nach langem hin und her reifte mein Entschluß, mein Umfeld zu wechseln. Schnell fand ich in der neuen Stadt einen Job den ich bald antrete, und ganz liebe Menschen die sich um mich kümmern und mich so wie ich bin, akzeptieren.

    Der Großteil meiner noch übrig gebliebenen Familie sieht meinen Umzug skeptisch. Nur mein Sohn findet das super. Jetzt kommt mein Problem mit dem ich nicht zurecht komme.

    Mein Vater. Nie hatte ich wirklich die Aufmerksamkeit von ihm die ich mir mein ganzes Leben so sehr gewünscht habe. Ich stand immer auf dem Abstellgleis. In der Therapie lernte ich, mich von meinem Wunschdenken zu verabschieden und akzeptierte die Situation wie sie nun mal war und ist. Plötzlich sah mich mein Vater wohl mit anderen Augen und unser Verhältnis zueinander veränderte sich zum Vorteil. Ein sehr seltsames Gefühl das ich immer noch nicht so richtig einordnen kann. Er ist 72 und ändert sein Verhalten mir gegenüber so radikal. Etwas das ich niemals erwartet hätte.

    Er war nicht wirklich begeistert davon das ich weg ziehe, und je näher der Umzug kommt, um so klarer sagt er mir das. Mal meint er wenn es mir gut tut soll ich es tun, dann findet er es wieder falsch das ich gehe. Und er fragt immer wieder was er tun soll wenn ich weg bin.

    Ich weiß das ich hier niemals glücklich werden kann und das in diesem Umfeld die Gefahr sehr hoch ist irgendwann aus Frust und Depressionen wieder rückfällig zu werden. Dann wären Therapie und 19 trockene Monate umsonst gewesen. Aber dann frage ich mich auch wieder, ob ich meinen Vater einfach so hier zurück lassen darf. Und die Frage stellt sich mir ob ich in der neuen Stadt mit dem schlechten Gewissen trocken bleiben kann.
    Andererseits sage ich mir, das es die beste Entscheidung meines Lebens ist, endlich mal an mich zu denken.

    Wäre schön, wenn mir jemand antworten würde dem es ähnlich ergangen ist wie mir jetzt, und wie ihr das verarbeitet habt.

    LG Cora