Beiträge von Zeppeline

    Hallo Vaan,

    uups, gerade eben sah ich, dass Dich JoeDoe trickreich in Deinen eigenen Thread zurückgeholt hat.

    Davon will ich Dich nu gar nicht ablenken, aber Deine Frage kann ich hier ja doch fix beantworten. Du fragtest, ob und was ich unternommen hab, als ich mit dem Trinken aufhörte (ich denke, die Frage ist legitim, ob Dir die Antwort weiterhilft, weiß ich allerdings nicht). Also, ich bin 3 Tage, nachdem ich aufgehört hatte, in eine “reale” (naja, dieses Forum hier ist ja auch sehr real) Selbsthilfegruppe marschiert, weil mir schwante, daß die Gefahr eines Rückfalls für mich sonst gigantisch hoch wäre. Und weil ich kurz zuvor in einem Buch gelesen hatte, daß es ganz typisch für Alkoholiker sei, immer alleine mit Problemen herumzukämpfen, anstatt Hilfe zu suchen.
    Und ich hatte immer gedacht, das sei eben einfach so ein Charakterzug von mir... :shock:

    Wie auch immer, ich mag ein “Frischling” sein, aber den Besuch einer SHG kann ich Dir wärmstens empfehlen. Ist auch gar nicht schlimm.

    Viele Grüße,
    Zeppeline

    Hallo an alle,

    der heutige Tag war bis jetzt eher durchschnittlich toll. Bin heute früh zwar erstmal hoch motiviert an meine Arbeit gegangen, war aber ständig abgelenkt, so dass ich nicht so recht vorwärtsgekommen bin. Mir fällt es ziemlich schwer, unangenehmen Tätigkeiten nicht andauernd auszuweichen.

    Am Ende kosten mich das Herumschleichen um Aufgaben, die zahlreichen Selbstablenkungsmanöver und die daraus resultierenden Schuldgefühle mehr Energie, als wenn ich Sachen direkt angehen würde. Von der Papierverschwendung in Form von Zeitplänen, die ich dann doch nicht einhalte, mal ganz zu schweigen :? .


    Noch was zum Thema trockenes Leben:

    Nach dem Themenchat am vergangenen Sonntag hab ich nochmal über das Problem der Feiertage und allgemein der besonderen Anlässe nachgedacht. Vor einigen Wochen hätte ich noch kein Problem darin gesehen, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen und stolz erhobenen Hauptes am Glühweinstand vorbeizugehen, aber jetzt...

    Wenn ich mir allerdings so etwas verkneife, sollte ich mir vielleicht lieber jetzt schon überlegen, was ich stattdessen so unternehmen könnte. Mir geht’s darum, die Verzichtgedanken möglichst gering zu halten. Das funktioniert wohl am besten, indem ich mir bewußt “neue” Aktivitäten aussuche, die an die Stelle anderer, riskanter Dinge treten. Ich werde mal prüfen, was außer brr, Winterspaziergängen, brrr, noch so auf dem Programm stehen könnte...

    Viele Grüße
    Zeppeline

    Nachdem ich gestern bereits den Vorstellungsbereich mit einem längeren Text verziert habe, fasse ich meine “Karriere” hier nochmal kurz zusammen:

    Ich bin 41 Jahre alt und trinke seit ungefähr meinem 16. Lebensjahr, zu Beginn noch moderat, im Laufe der Zeit immer mehr und vor allem in sturer Regelmäßigkeit.

    Bevor ich trocken wurde, war es in der Regel 1 Flasche Wein pro Tag mit steigender Tendenz: diese Flasche war immer höllisch schnell leer und ich hatte diese unerklärliche Gier nach noch mehr... Ich habe dann auch angefangen, Vorräte anzulegen bzw. Flaschen so zu deponieren, daß mir bloß niemand mit dem Austrinken zuvorkommt.

    Letztes Jahr ging es meinem Vater – denn in meiner Familie wurde schon immer und vor allem heftig gesoffen – alkoholbedingt sehr schlecht, er hat dann eine Entziehungskur und ein paar Wochen Therapie absolviert, trinkt allerdings wieder (zur Zeit noch mäßig, aber ich glaube nicht, daß es dabei bleibt). Sein Zustand hat mich immerhin soweit erschreckt, daß ich zusammen mit meinem Freund (der nicht abhängig ist) eine zweimonatige Trinkpause eingelegt habe. Ich wußte damals nicht, daß das eine typische Alkoholikeraktion ist – Päuschen machen und dann denken: “prima, ich hab’s doch im Griff!”. Nach der Pause bin ich wieder voll eingestiegen, was mich im Nachhinein sehr erschreckt hat, denn Tempo und Menge meines Alkoholkonsums wurden immer höher. Seit Anfang 2007 ist das Thema Alkoholabhängigkeit ständig in meinem Kopf, aber ich habe noch ein paar Monate gebraucht, bis ich mir meine Abhängigkeit selbst eingestehen konnte. Ende Juni war dann Ende – seitdem bin ich trocken, was mal mehr und mal weniger schwerfällt.

    Dieses Forum kenne ich schon länger, und ich bin sehr beeindruckt davon. Das Lesen der Beiträge hat mir enorm weitergeholfen, und zu Beginn hat mir das auch gereicht. So langsam merke ich aber, daß sich mein trockenes Leben normalisiert und in Grenzen sicher auch stabilisiert. Nur ist das Thema Abhängigkeit in letzter Zeit etwas in den Hintergrund geraten, und das erscheint mir ziemlich riskant. Aus diesem Grund habe ich mich endlich doch hier registriert, damit ich im Forum mehr als nur lesen kann.

    Tja, jetzt ist der Text doch länger geworden als geplant. Das kann ich guuut... :) Aber trotzdem noch kurz zu dem, was ich in nächster Zeit vorhabe:

    Ich möchte mich wieder stärker mit meinen Zielen beschäftigen, mir Gedanken über das machen, was im Alltag eines gerade erst trockenen Alkoholikers eben so eine Rolle spielt, mich auseinandersetzen mit meinem Verhalten, das jahrelang von der Sucht geprägt war und ja jetzt nicht von einem Tag auf den anderen “normal” geworden ist - - - und, und, und.

    Gerade diese unübersichtliche Menge verschiedener Aspekte verwirrt mich zur Zeit noch ganz schön. Vielleicht läßt sich ja einiges durchs Schreiben (aber auch Lesen) in diesem Forum aufdröseln.

    Viele Grüße
    Zeppeline