Beiträge von klarerkopf

    grüss dich, julia

    auch ich kenne das Problem in meiner Herkunftsfamilie -"totschweigen", oder "davon darf aber keiner was erfahren" etc., etc...
    Auch bei uns hat es Schläge - mütterlicherseits - gegeben. Sie trank nicht, dafür aber der Vater, trinkt auch immer noch, inzwischen schon sehr in einem krankhaften Stadium, wie mir heute wieder aufgefallen ist.

    Auch ich trug kleinere oder grössere Schäden davon, einer davon war beginnender Alkoholismus. Habe aber, und das war auf den Tag genau vor 3 Jahren, am 25. Okt. 2005, mich entschieden, mir professionelle Hilfe zu holen. An diesem Tag deswegen, weil ich an diesem Tag einen Totalabsturz mit mehrtägigem Spitalsaufenthalt infolge zu vielen Trinkens hatte. Das war, so nebenbei, der letzte Tag, an dem ich Alkoholisches konsumiert habe.

    Ich erzählte das jetzt deswegen, weil ich als Folge dieses Vorfalles und natürlich jahrelangem Trinkens vorher, ich therapeutische Hilfe in Anspruch nahm. Ja, ich nahm einige Stunden bei einem Psychotherapeuten - auf Anraten meines Hausarztes - und das half mir sehr.
    Einige Monate später begann ich dann eine stationäre Therapie wegen des Trinkens und habe mich dann auch dort wieder sehr mit der Geschichte unserer Familie unter therapeutischer Unterstützung auseinandergesetzt.

    Natürlich, werden einige jetzt sagen, getrunken hat er ja selbst, stimmt auch, aber ein Grund dafür war sicher die Verhältnisse in unserer Familie.

    Lange Rede, kurzer Sinn meiner Antwort:
    Wie KB schreibt, SHG, ja, grundsätzlich jede Hilfe annehmen, die sich bietet - auch dieses Forum natürlich - aber ich würde zusätzlich die Kindheit mit einem Psychotherapeuten aufarbeiten, es tut einem nachhaltig gut, obwohl schlechte Erinnerungen an die Kindheit nie ganz gelöscht werden können, aber man kann es mit professioneller Hilfe lindern.

    lg
    klarerkopf

    Hi koketterie,

    habe erst heute wieder im Forum gelesen.
    Du hast vollkommen recht, wenn die Zeit dafür für dich da ist, dann setzt du weitere Schritte.
    Meine Gedanken waren ja auch nur der Weg, den ich gegangen bin, eben nur e i n Beispiel der Aufarbeitung. Ausserdem glaube ich, dass du mit deinen Vermutungen bezügl. des Onkels auch nicht ganz falsch liegen wirst, er wird hier sicherlich seinen Teil des Lebens des Großvaters abbekommen haben.
    Ein paar Dinge, wenn sie dich interessieren, möchte ich dir noch erzählen:

    Für mich war es erstaunlich, ich muss fast sagen, es wunderte mich, wie genau ich Auskunft von meinen (teils schon sehr betagten) Verwandten bekam, was sich in deren frühester Kindheit und in Zeiten, an die sie sich gerade noch erinnern konnten, so alles begeben hat.
    Mein Ziel dieser Ausfragerei war es damals,

    1. brauchte ich gewisse Daten und Ereignisse für die besagte Familienaustellung
    2. Habe ich mich immer gefragt, aus welchem Grund eigentlich mein Vater immer Alkohol trank (was dann über die Jahre - anfangs Vorbildwirkung, danach mein eigenes Mittel gegen Probleme u. Konflikte war, der Alkohol) und er überhaupt nie, ich kann mich nicht erinnern, je einmal ein alk-freies Getränk trank. Er ist jetzt übrigens knappe 70, die Zeichen jahrelangen Trinkens sind jetzt nicht mehr zu übersehen.

    So hat es sich eine Tante von mir noch erinnert, sie ist Ende der 20er Jahre geboren, dass 2 Geschwister meines Vaters entweder tot geboren oder kurz nach der Geburt gestorben sind, ihr wurde das von ihren und gleichzeitig meines Vaters Eltern erzählt. Das hat sich anfang der 30er Jahre zugetragen. Es waren Geschwister meines Vaters, er seinerseits hat in seinen ersten Lebensmonaten auch eine schwere Krankheit gerade noch überlebt, so erzählten er oder meine Grosseltern manchmal.
    Sie waren da sehr gesprächig, was solche Sachen anbelangt, oft werden diese Dinge verschwiegen.
    Ich, meinerseits, glaube gerade da einen Grund des Alkoholismus meines Vaters zu sehen, nämlich der frühe Tod von 2 seiner Geschwister und dann fast selbst auch noch, dazu die Entbehrungen und Schwerstarbeiten nach dem Krieg und auch danach hatte er es nie leicht.
    Ist halt alles ein fruchtbarer Boden, um in den Alkoholismus zu flüchten.

    Ich wollte dir das schreiben, weil ich auch ein mullmiges Gefühl hatte, meine Verwandten nach Einzelheiten zu befragen, aber siehe da, 1. bekam ich von allen Auskunft und 2.mir hat es etwas zum "Durchblick" verholfen.

    Am besten, du folgst weiterhin deinem Gefühl, "kommt Zeit, kommt Rat". Und wenn dein Bauchgefühl es dir sagt, lass es auch einfach ruhen, oft ergeben sich Situationen, wo man sagt, so "und jetzt ist eine Gelegenheit, jetzt könnte ich mit meinem Onkel darüber sprechen".

    Wär schön, wieder was von dir zu hören

    lg klarerkopf

    Schönen Abend koketterie,

    na, da hast du ja schon eines dieser Bücher übergeben bekommen, mir ging es übrigens anfangs bei diesem Thema genau wie dir, wie du schreibst - ist auch meine Meinung - schon das Lesen ist schon hilfreich. Habe auch einiges an Lektüre darüber gelesen - faszinierend - und dann hat es sich mit der Zeit ergeben, dass ich auch ein mehrtägiges Seminar zu diesem Thema (besser gesagt 2 Seminare) mitmachte und ich fand es unheimlich interessant, was da so alles an Verstrickungen in Familien der jeweils aufstellenden Klienten ans Tageslicht kam.

    Allein das Lesen solcher Lektüre kann einem schon etwas weiterhelfen, weitaus interessanter ist es dann, wenn man bei solchen Aufstellungen mitmacht, so war´s halt bei mir, wie du aber auch richtiger Meinung bist, man sollte dazu bereit sein.
    Ängste braucht man davor aber keine haben, eher hilft es einem persönlich weiter, Lösungen für ungelöste Fragen um einen selbst zu finden.

    Etwas, was sich immer wieder in diesen Aufstellungen herausgestellt hat, ist, dass diejenigen Familienmitglieder, auf die man meist aufgrund ihres Verhaltens (Sucht, Aggressivität, etc) nicht gut zu sprechen ist, diejenigen es in ihrem Leben oft auch nicht leicht hatten.
    Das hat auch mir geholfen, Dinge anders zu sehen, bzw. wie es in meinem Fall auch ist, den alkoholsüchtigen Elternteil "in Liebe gehen zu lassen" -
    im Sinne von "Du, lieber Elternteil, trägst mit deiner Trinkerei d e i n Schicksal, und ich, ich lebe m e i n Leben.

    Noch eine gute Nacht, schreib´ mal wieder

    Lg klarerkopf

    Guten Abend koketterie,

    du schreibst, du würdest gerne etwas über die Geschichte deiner vorangegangenen Generationen erfahren.

    Hiezu könnte ich dir vielleicht einen guten Tip geben. Ich hab im Laufe meines "Trockenwerdens" (die letzten drei Jahre) an ca. 20 Familienaufstellungen teilgenommen, es war erstaunlich, was da alles zutage kam, auch von mehreren Generationen vorher.
    Ich will hier keine Werbung dafür machen, aber dies ist meiner Ansicht nach ein ganz guter Weg, mehr über seine Herkunft, bzw. seine Angehörigen und Vorgänger - Großeltern, Onkel, Tanten etc. zu erfahren.
    Wie so etwas abläuft?
    Dafür gibt es genügend Lektüre, bzw. würde ich mich an einen Psychotherapeuten deines Vertrauens wenden, frag den mal, er kann dir weiterhelfen.

    lg klarerkopf

    Schönen guten Abend, Alexander,

    da ich mich in deinen Zeilen wiedererkenne, und ich seit längerer Zeit nicht mehr geschrieben habe, möchte ich jetzt ein paar Zeilen schreiben.

    Zu der Zeit, wo du dich hier angemeldet hast, habe ich meine 7 Wochen stationären Aufenthalt nach Absprache mit meinem Therapeuten beendet. Na gut, 8 Wochen wären gedacht gewesen, aber durch vorhergehende Therapiestunden meinerseits bei einem anderen Therapeuten machte ich gute "Fortschritte", und wir beide meinten, jetzt ist ein guter Zeitpunkt.

    Dann nahm ich mehr als 2 Jahre an den Treffen einer SHG teil, auch jetzt sporadisch noch, und seit Jahreswechsel bin ich auch zusätzlich hier im Forum angemeldet.

    Ich muss noch dazu sagen, dass ich meinen Tiefpunkt, bzw. letzten Alk-konsum Ende Okt. 2005 hatte, damals einen Promillestand von 3,71 hatte, und in der Intensivstation eines Spitals aufwachte.
    In diesen paar Tagen im Spital, Gespräche mit Ärztin und meiner Frau inklusive, hat bei mir eine Sinneswandlung stattgefunden (dafür bin ich unendlich dankbar).
    Ich dachte damals:
    Wenn du jetzt noch einen Funken Verstand und einen Funken Stolz hast, unternimmst du jetzt was, bzw. lässt dir fachliche Hilfe für dein Alk-problem zukommen.

    Seit diesem Tag, das heisst, auch in der Wartezeit auf einen stationären Therapieplatz ( 4 Monate ) habe ich keinen Tropfen mehr getrunken. Habe in der letzten Trinkerzeit aber meine im Schnitt 8 - 12 Bier täglich, schaffe aber nach diversen Auseinandersetzungen mit meiner Frau durchaus auch wieder ein paar abstinente Tage, holte das dann aber wieder auf. Die Anzahl dieser abstinenten Zeiten wurde immer weniger und die Zeit immer kürzer und dazu noch die üblichen Gedanken der Hilflosigkeit gegenüber dem Alk, es war ja so bei mir, dass ich mit einer kleinen Alkmenge das Auslangen schon lange nicht mehr fand. Es mussten um die 10 Biere a 0,5l sein, oft oder am Wochenende mehr. Das Übliche eben....


    Jetzt aber wieder zum eigentlichen Thema meiner Zeilen.

    Ich kann das nur bestätigen, dass Dinge, die einen früher in der trinkaktiven Zeit schnell auf die Palme brachten, von mir jetzt eher gelassen betrachtet werden. Dies meine ich (für mich), kommt einerseits durch meinen Konsum von Lektüre - heisst ich lese sehr viel -, andererseits auch durch wie du auch schon schreibst, durch Sport - laufen, radfahren, etc. - und der 3. Grund ist, so glaube ich, die immer länger werdende Abstinenz, zuviel Alkohol ist ja auch Gift für die Nerven, so mein Hausarzt, dem pflichte ich vollkommen bei.
    Was jetzt heisst: Durch jahrelanges "Nichtmehrzuführens" dieses Giftes wirst du automatisch ruhiger, gelassener und wie ihr auch schreibt, man ist 100%ig bei sich.

    Zusätzlich zu dieser Funktion als Nervengift kommt ja noch die Tatsache, dass, ich erzähl jetzt von mir, man damals ja permanentem Stress ausgesetzt war, man hatte Gedanken wie

    - wo, wann, wie kaufe ich das nächste Bier (es soll ja keiner was merken

    - hoffentlich habe ich keine Verkehrskontrolle

    - wie lange wird die Beziehung zum Partner auf diese Weise noch gutgehen

    - wie gehen meine Kinder damit um

    - wie stets am Arbeitsplatz

    diese Liste kann unendlich fortgesetzt werden, das waren meine Gedanken verbunden mit Ängsten in Zeiten, wo ich relativ nüchtern war, d.h. in der Früh/vormittags. Wie soll man da irgendwas ruhig u. gelassen angehen?

    Ok, so war es einmal, ich habe mir damals geschworen, ich will dieses Leben nicht mehr, und bin jetzt bald 3 Jahre ohne Alkohol, wohlwissend, dass ich,

    1. keinen Tropfen mehr trinken darf und will

    2. ich vielleicht noch nicht das ultimative Hobby gefunden habe, ich aber mehrere Beschäftigungen habe, die mir lieb sind

    und ich 3. und das ist für mich der allerwichtigste Punkt, ich ein zufrieden-abstinentes Leben erreicht habe, heisst, ich muss nicht täglich in den Spiegel sehen und mir sagen, heute darfst du nicht trinken


    Auf das kommts bei mir an, Alexander und Paolo, ihr seit ja, wie ich sehe, ähnlich meiner Meinung.

    Ich kann für mich nur sagen, wenn man vorhat, sich dieser Sucht zu entledigen, hat es Sinn, das Ganze mit professioneller und fachlicher Unterstützung zu machen, die Chancen für ein zufrieden abstinentes Leben danach sind meiner Meinung nach besser.

    Entschuldigt, dass ich jetzt etwas ausgeschweift bin, wollte das mal wieder aufschreiben aus Dankbarkeit für mein jetziges Leben.


    Einen schönen Abend noch

    klarerkopf

    hallo ruegi,

    sich einer SHG anzuschliessen macht auf jeden Fall Sinn, ich bin seit 2 Jahren selbst in einer und habe sie mit der Zeit sehr zu schätzen gelernt.

    Auch therapeutische Hilfe anzunehmen lohnt sich, habe alles durch. Partnerschaftskonflikte, ob gross oder klein, wird es meiner Meinung nach immer geben, ich glaube - ich seh's bei mir - du wirst mit der Zeit diesen Dingen gegenüber gelassener, weil du einfach durch das Weglassen des Suchtmittels Alkohol innerlich ruhiger wirst. So ist's bei mir und ich meine, viele Ex-Trinker werden das bestätigen.


    lg klarerkopf

    hallo tierchen,

    die paar Freunde, die sich abgewendet haben, kannst du getrost ziehen lassen; pflege jenen Freundeskreis weiter, der hinter dir steht. Ich war vor 3 Jahren genau in der Lage deines Freundes, hatte in etwa das gleiche Trinkverhalten und habe ganz genau den Weg beschritten, den du als den Weg deines Freundes beschreibst. Ich wollte diesen Weg damals "aus eigenem" gehen und bin seither ohne "Umfaller" geblieben und geniesse das dadurch gewonnene Leben. Mir war es damals wichtig - jeder ist hier vielleicht anders - dass meine Frau sich nicht zu viele Sorgen über meine "Genesung" machte und einfach ihr Leben - während der Therapie ohne mich - weiterleben konnte und ich meinen Weg beschreiten konnte, der, wie man ja weiss und hier oft nachlesen kann, ein sehr langer ist. Ich habe damals in der Therapie bei Mitpatienten u. a. Besuche von deren Partnern erlebt, die sagten: " Bitte, lass das Trinken, wenn du die Therapie beendet hast!" oder einmal wortwörtlich "Dass du mir ja nicht mehr trinkst, wenn du nach hause kommst!". Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Wie sollen diese Leute mit den teils guten Absichten das lange überstehen, bzw. eine zufriedenes Leben in Abstinenz aufbauen?
    Was ich hier geschrieben habe, bitte ich nicht misszuverstehen, das sind Extremfälle, ich will damit nur sagen, geh' einfach den Weg weiter, den du gestern im 2. Schreiben beschrieben hast, und, wie du geschrieben hast, nimm unbedingt Kontakt auch mit einer realen SHG auf. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, der Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten wird dir sehr helfen. Ansonsten schliesse ich mich der Meinung an, die du geschrieben hast, "lass ihn jetzt machen, es wird alles seinen Lauf nehmen", wenn er wirklich will, zieht er das durch und arbeitet dann weiter an sich (wie du hier im Forum oft liest - mit dem "Nichttrinken" alleine ist es noch nicht getan) oder, so hart es auch klingt, es ändert sich auf Dauer nichts, dann findest du Rückhalt und weitere Vorgehensweisen in einer SHG. HAB MUT DAZU!
    Was mich noch interessieren würde, warum sollst du mit deinen Eltern darüber nicht sprechen?

    lg klarerkopf

    hallo dark-angel,

    hab erst heute deine Frage gesehen, bin aus Österreich und habe vor 2 Jahren eine Therapie in Kärnten gemacht, meiner Meinung nach sehr zu empfehlen. Das Krankenhaus befindet sich in Treffen bei Villach, nähe Ossiachersee, Name "Krankenhaus de la Tour", Dauer 6 - 10 Wochen bei niedriger Patientenzahl. Zu bezahlen ist ein Selbstbehalt, Höhe je nach Kasse, bei mir war es ca. 250 bis 300 Euro für 7 Wochen. Kann ich dir noch irgendwie helfen?

    lg klarerkopf

    hallo mexico,

    sorry, war jetzt länger nicht online.
    Auf die Frage: Was war nach dem Arzt?
    8 Einzelstunden bei einem Psychotherapeuten(während der 4-monatigen Wartezeit für einen Platz für die Therapie in einem Krankenhaus), danach eben 7 Wochen Therapie oder "Kur", wie man es hier in Ö nennt, und anschliessend 2 Jahre SHG einmal wöchentlich.
    Du siehst, ich habe "ein volles Programm" gemacht und ich kann dir das nur weiterempfehlen. Es erleichtert den Weg in die Abstinenz ungemein, wenn man sich von Fachleuten helfen lässt. Wende dich einfach an irgendeinen Arzt, die helfen dir dann weiter mit Adressen etc.

    Es war mir selbst klar, dass wenn ich gegen meine Trinkerei etwas unternehme, ich das Ganze mit dem vollen Programm, das mir zur Verfügung steht, durchziehen werde, heute bin ich überglücklich darüber. Ich habe in dieser Zeit aber auch Menschen kennengelernt, denen einfach ein paar Therapeutenstunden und anschliessend Selbsthilfegruppen genug waren, um "trocken" zu werden, man muss das für sich selbst entscheiden.
    Wie auch schon erwähnt wurde, solltest du dein Leben dann auch etwas abändern, richtige Freunde erkennst du daran, dass sie dich, nachdem du dich geoutet hast, nicht mehr zum Trinken animieren.

    Es grüsst dich,

    klarerkopf

    hallo mexiko,

    wenn es dir hilft, erzähle ich dir, wie ich vorgegangen bin. Ich war in derselben Lage und im selben Alter wie du, als ich entschieden habe, etwas gegen das Problem Alkohol meinerseits zu unternehmen. Auch ich habe zwei Kinder im schulpflichtigen Alter und ich war damals 41 (war vor 3 Jahren). Hatte auch noch Haus u. Hof, Vollbeschäftigung und eben Familie. Erkannte aber auch, dass Alkohol (Bier) für mich ein ständig steigendes Problem wurde - Eheprobleme, Restalkohol beim morgens in die Arbeit fahren, etc.

    Nach einer ordentlichen Sauforgie wurde mir dann
    aber klar, so kann es nicht weitergehen und ging dann zum Hausarzt, teilte ihm dann mein Problem mit und sagte ihm eben auch, dass ich professionelle Hilfe annehmen möchte.
    Das war der Anfang meines Weges vor drei Jahren und ich führe jetzt ein ruhigeres, zufriedenes Leben und was für mich wichtig war und ist, ich bin für meine beiden Söhne wieder ein Vorbild.
    Das war mein Weg, aber lies dich einfach auch durch das Forum, du siehst dann z.B. auch, was Angehörige drüber denken.

    Lg klarerkopf

    hallo Hartmut u. liebe Teilnehmer,

    bin heute auf diesen Threat "gestossen" und muss sagen, ich fühle mich in irgendeiner Weise angesprochen, da ich nach 3 Monaten Teilnahme in diesem Forum noch keinen eigenen Threat eröffnet habe. Nun, ich will jetzt nicht sagen, dass ich kein Problem mehr habe (letzter Alk-konsum Okt. 2005) mit dem Abstinent bleiben, aber ich beschränke mein Dasein in diesem Forum bis auf Weiteres mit Antworten über Erlebtes und Widerfahrenes in dieser teils, na ja, sagen wir mal, nicht leichten Zeit.
    Da ich ein Computernützer bin, der nicht täglich online ist, meine ich auch, dass das der bessere Weg für mich ist. Auch bin ich nicht der Meinung, dass, wie ich auf den vorigen Seiten las, diejenigen, die NUR antworten, nichts persönliches von sich geben. Es wird diese Teilnehmer natürlich geben und in einer SHG dieser Art ist das natürlich noch leichter als in der realen, wie ich sie übrigens auch noch besuche, aber eben nicht so oft.
    Worauf ich aber in dieser Diskussion hinaus will, ist, dass es unsereinem eben nicht leicht fällt, Erlebtes richtig "rüberzubringen". Das heisst, es kann einem eben passieren, das wir den Vorwurf bekommen, Ratschläge zu erteilen(auch aus Gelesenem?). Da ich jetzt aber kein gelernter Psychotherapeut bin," tue ich mir damit eben schwerer ", gewisse Abhandlungen, Verhaltensweisen, etc. während der Stabilitätsphase richtig zu dokumentieren. Jetzt kann es natürlich sein, dass solches eben auch falsch aufgefasst wird, sorry dafür meinerseits und ich glaube auch, seitens aller jener, die Erlebtes weiter geben wollen.
    Die Eckpunkte meines Erlebten, die mich zu meiner jetzigen zufriedenen Abstinenz geführt haben, sind -8 Einzelstunden bei Psychotherapeuten, 7 Wochen stationäre Therapie, inzwischen 22 Monate SHG und nicht zuletzt Literatur und auch dieses Selbsthilfeforum.

    Davon möchte ich ganz selbstlos Dinge weitergeben.

    Es grüsst Euch -klarerkopf-

    P,S. ist übrigens ein sehr interessantes Thema

    Sorry Robin,

    mir ist hier ein kleiner Fehler unterlaufen.

    Wollte dir eigentlich meine volle Zustimmung zu deinem Beitrag mitteilen, besonders zu den Zeilen
    "Keinen Kater mehr, kein schlechtes Gewissen,........kurzum, mein Leben entwickelte sich wieder nach vorn. Dein Erlebtes stimmt mit meinem Erlebten ziemlich genau überein, auch bei mir war Ehe, Arbeit,... noch in Ordnung, als ich mich entschied, mich in Therapie zu begeben. Bin heute froh drüber und möchte keinen Tag missen, das heisst auch, ich möchte es nicht missen, dass ich in dieser Zeit sehr viele (ehrliche) Menschen kennengelernt habe. Heute schaue ich bewusst besser auf mich und meine Gesundheit (Sport, Yoga,..) und schätze die ständige "klare Birne", meinen guten körperlichen Zustand und das ganze Drumherum, das das Leben im Zustand der Alk-Abstinenz lebenswert machen. Oft denke ich an die Zeit ( bis Okt. 2005 ) zurück und danke dann Gott dafür, dass mir die Eingebung erreichte, etwas gegen diese heimtückische Sucht zu unternehmen.
    Das Leben ist jetzt für mich ein entspannteres, ruhigeres und ausgeglicheneres.

    lg klarerkopf

    Liebe Angelina,

    kann dich gut verstehen in dieser Situation. Habe meinen Bruder vor 15 Jahren durch Alkohol verloren. Danach Fragen, Vorwürfe,....
    So ein Ereignis ist schlimm für die Familie und belastet über Jahre. Dazu muss ich noch sagen, dass unsererseits alles unternommen wurde, um ihm zu helfen, aber der Kreislauf von Alk-Sucht und Depressionen war stärker. Das Ende war Suizid. Gründe kann man dann nach den quälenden "Warum-Fragen" nur vermuten, die Zeit heilt die Wunden sehr langsam.

    Jahre später bin ich zur Erkenntnis (für mich) gelangt:
    Ich habe das Vorgehen meines Bruders zu akzeptieren, er hat sein Leben so gelebt, wie er es immer wollte, und ich bin mir sicher, würde ich ihn nochmals irgendwo begegnen, er würde uns ein noch schönes Leben wünschen, ohne quälende Fragen über das "Warum" seines Wegganges.

    Lg klarerkopf

    Liebe kikki,

    in meiner mittlerweile fast dreijährigen Alkoholabstinenz sind mir immer wieder "Leidensgenossen" begegnet, die einerseits ein künftiges alk-freies Leben nicht wirklich wollten und somit auch die fachliche Unterstützung nicht ernst nahmen, und die andererseits oft die Therapie nur machten, weil es ihnen nahegelegt worden ist (vom Arbeitgeber, Partner,....). Diese haben sich dann so verhalten, wie du deinen "Bier im Rucksack" Mitpatienten beschrieben hast. Ich hatte und habe immer noch die gleiche Einstellung, wie du sie hast, die heisst, ICH WILL NICHT MEHR TRINKEN, folglich habe ich diese Menschen immer als störend bei meinem Vorhaben empfunden. Ich will hier nicht grosse Ratschläge erteilen, ich kann nur erzählen, wie ich vorging: um solche Menschen habe ich einen grossen Bogen gemacht!
    Wie auch phonix schreibt, Alkohol wird immer irgendwo präsent sein, und speziell in der Anfangszeit der Abstinenz kann man beim Anblick von Alkohol leicht "aus der Fassung" geraten.

    Andererseits hat es mir in dieser Zeit sehr geholfen, mich mit "Gleichgesinnten" zu unterhalten und zusammenzutun, wo ich mir sicher war, der will auch dorthin, wo ich hin will. Aber Vorsicht, manchmal gibt es auch Rückfälle bei "Gleichgesinnten".
    Mein Motto damals und heute:
    ICH GEHE MEINEN WEG, EGAL WAS ANDERE SAGEN UND WAS LINKS UND RECHTS VON MIR PASSIERT.

    Du hast deinen Weg auch schon gut angefangen, verfolge die Richtung beharrlich weiter und du wirst sehen, du wirst in einigen Monaten mit einem zufriedenen Leben belohnt, das du nicht mehr missen möchtest.

    lg klarerkopf

    Guten Abend Ette,

    in der Tat ist es manchmal nicht leicht, Enttäuschungen, Ärger und Trauer zu verarbeiten, aber es lohnt sich allemal, daran zu arbeiten.
    Wenn man unser Geschriebenes hier nochmal durchliest, möchte man meinen, das sind Menschen, die rund um die Uhr, jede Sekunde des Tages gelassen und zufrieden sind. Dem ist ja wirklich nicht so. Man wird immer wieder gefordert, an der Erlangung eines grossteils zufriedenen Lebens zu arbeiten. Und da der Mensch halt auch Gefühle hat, kommen ihm dann auch Enttäuschungen, Ärger, Trauer etc. unter. Wie du ja auch schreibst, soll man diese Gefühle ansehen und annehmen, bin ganz deiner Meinung. Ich setze hier noch für mich etwas dazu, was mir sehr hilft bzw. woran ich immer noch arbeite und es auch weiterhin tun werde: Ich hinterfrage mein Verhalten in bestimmten Situationen.
    Z.B. "Warum hat mich gerade diese Situation so auf die Palme gebracht?"
    "Warum enttäuscht mich speziell dieses Ereignis so?"
    Speziell bei der 1. Frage - warum bringt mich gerade diese Situation so aus dem Gleichgewicht oder ärgert mich genau diese Situation so - kann man viel über sich lernen bzw. lernen und daran arbeiten, es eben gelassener zu sehen und damit den Weg zu einem zufriedenen Leben zu ebnen.
    Oft spielen da auch längst vergessene Geschehnisse (z.b. in der Kindheit) mit, die einen manchmal überreagieren lassen. Ist recht interessant, sich mit dieser Materie zu befassen.
    Wie du schon richtig schreibst, manchmal ist es nicht leicht, aber man kann daran arbeiten, dass es zusehends leichter wird, negative Erlebnisse zu verarbeiten.

    Manchmal hilft es schon, ein paar mal tief durchzuatmen, sich zu fragen, ob das überhaupt notwendig war, sich so zu ärgern oder dass speziell bei Trauer die Zeit ziemlich alle Wunden heilt.

    Einen glücklichen Tag morgen

    klarerkopf

    Liebe Gotti,

    ich hab auch geschrieben, du sollst dir trotzdem nicht alles gefallen lassen. Ich wünsch dir auf alle Fälle alles Gute für deine Partnerschaft.
    Du schaffst es sicher irgendwie, in diesem Forum zu schreiben, hilft einem auch über manche Dinge hinweg, nicht?
    Muss morgen sehr früh aus dem Bett, mach`s gut und gute Nacht.

    lg klarerkopf

    Hallo,

    mein persönlicher Tiefpunkt war am 25. 10. 2005.

    Es war das Ende eines ca. 20 - jährigen Suchtlebens mit Alkohol, in denen ich natürlich die letzten Jahre mein Problem schon geahnt habe, nur eben noch nicht zugab. Ich hatte es zwar immer wieder ein paar Tage zwischendurch geschafft, nicht zu trinken, aber diese Phasen wurden immer seltener. Was mich in den letzten Jahren meiner Trinkerei sehr Angst machte, war halt auch, dass ich mit zwei bis drei Bier nicht genug hatte, auch wenn ich meine ganze Kraft aufwandte. Es wurden immer zehn und mehr Flaschen (0,5 l).
    Jedenfalls war ich am besagten Tag und auch schon die Woche vorher im Krankenstand und gab`s mir so richtig, diesmal auch mit harten Sachen, Magenbitter etc. Dass ich auf Grund des Krankenstandes auch Tabletten verschrieben bekam und diese nahm, war mir komplett egal. Ich gab mir halt vormittag schon, was zu finden war, und ich konnte nicht mehr aufhören. Dann gegen mittag riss der Film und irgendwann am Nachmittag dieses 25. Oktober 2005 wachte ich auf, über mir Flaschen, alles weiss, es war die Intensivstation unseres Spitals. Eingeliefert mit gemessenen 3,71 Promille und Tabletten auch noch genommen gehabt, kein Wunder, dass ich dort irgendwann gefragt wurde, ob ich mich umbringen wollte.
    Nach einem 6 - Augengespräch - Ärztin, meine Frau und ich - habe ich mich entschlossen, mir professionell helfen zu lassen, da ich auch selbst gesehen habe, dass ich Glück hatte, noch zu leben.

    Es folgten Therapeutenstunden, nach ein paar Monaten Wartezeit eine 7-wöchige Entwöhnung mit Therapien und bis jetzt der Besuch einer Nachbetreuungs- oder Selbsthilfegruppe.

    Ich habe dadurch zu einem zufriedenen, trockenen Leben gefunden und möchte mein voriges Leben nie mehr haben. Ich kann im Nachhinein Menschen mit ähnlichen Problemen (die vielleicht auch irgendwie schon der Meinung sind, ein Problem mit dem Alkohol zu haben), nur raten, nicht zu lange mit einer Annahme von fachlicher Hilfe zu warten, es könnte, wie es bei mir fast war, ins Auge gehen.
    Wenn ich vorher gewusst hätte, wie harmlos so was abläuft, ich hätte es früher gemacht.

    Es grüsst euch alle und bleibt am Ball

    klarerkopf

    Hi Gotti,

    ich war in der ersten Zeit nach Beginn des Trockenwerdens auch sehr gereizt und jähzornig. Da ich aber mittlerweile ein zufriedenes, abstinentes Leben erlangt habe, hat sich das gelegt.
    Es dauert eben seine Zeit. Meinungsverschiedenheiten und kleinere Reibereien wird es natürlich immer geben, ist eben im Zusammenleben so. Trotzdem würde ich nicht alles "hinnehmen", sondern auch mal die Meinung sagen und mir nicht alles gefallen lassen. Schliesslich bist ja nicht du (alleine) schuld, dass er getrunken hat.

    lg klarerkopf

    Guten Morgen, Ette,

    was für ein schöner Morgen, heute - 7.30 Uhr und schon +7 Grad. Das Winterende und der Frühling sind eben eine schöne Jahreszeit, für mich auch symbolisch gesehen - habe vor 2 Jahren im März meiner Vergangenheit den Rücken gekehrt und mit professioneller Hilfe ein neues Leben begonnen - ich bin heute sehr glücklich darüber, es war der Grundstein meines, um beim Thema zu bleiben, zufriedenen Lebens.
    Wenn man sich hier so durchliest, müsste man meinen, es ist eh einfach, die Situation (Co-abh.,..) zu beenden. Aber dem ist halt nicht immer so. Menschen haben verschiedene Auffassungen von Grundwerten: Wie ich hier in meiner Nachbarschaft sehe, gibt es mehrere Fälle von Co-Abhängigkeit.
    Man möchte meinen, diese Angehörigen haben sich mit der Situation abgefunden, denn mit dem auserwählten Ehepartner geht man "durch dick und dünn". Grossteils sehe ich auch, dass in diesen Familien die Generation vorher auch die selbe Situation lebte. Wie hier in diesem Forum oft richtigerweise zu lesen ist, suchen sich Kinder aus solchen Familien wieder unbewusst einen Partner, der einem süchtigen Leben zuspricht. Man möchte meinen, ihre Gedanken wären: "Jetzt habe ich den richtigen Mann gefunden, der verträgt was!" Was dann mit den Jahren dabei rauskommt, siehe in diesem interessanten Forum.

    Dazu eine kleine Geschichte:

    Bei meinem Nachbarn gibt es 4 Töchter. Jede dieser Frauen hat sich einen Alkoholiker gesucht und geheiratet. Natürlich nicht gezielt. Sie sind den Männern dann gefolgt, wohnen 10 - 20 km vom Elternhaus entfernt und treffen sich ca. alle 2 - 3 Sonntage wieder mit Familien in ihrem Elternhaus.
    Der Sohn im Elternhaus ist mit seinen 40 Jahren auch ein schwerer Trinker, passt also, no na, zu den Schwagern bestens dazu. Wenn der ach so idyllische Familiennachmittag zu Ende ist, sind die Herren oft nicht mehr fähig, gerade zu stehen, das Steuern den Autos übernehmen immer die Frauen.
    Wenn es Veranstaltungen hier in unserer Ortschaft gibt, werden diese 5 auch immer dadurch auffallen, "zusammenzustehen" und sich einer Runde Bier nach der anderen hinzugeben. Jeder dieser Männer hat Partner und vor allem Kinder, denen er ein Vorbild sein sollte. Traurig, nicht?
    Solche oder ähnliche Fälle gibt es mehrere in meiner Umgebung. Die Ehefrauen dieser Männer, so würde man meinen, nehmen das als gegeben hin. Anscheinend sind sie damit einverstanden. Was ich damit sagen wollte, ist, dass die Co-Abhängigkeit viele Gesichter hat, viele gar nicht wissen, dass es Hilfe gäbe, sich dann aber auch nicht helfen lassen würden, denn "was würde denn die Umgebung sagen?" Hier in unserer Umgebung ist das so. Zudem wissen sie nicht, dass man sich mit kostenlosen Mitteln wie z.B. diesem Online-Forum helfen kann, und sei es nur, Gedanken aufzuschreiben oder sich mit Menschen zu unterhalten, denen es gleich geht.

    So, jetzt habe ich aber schön ausgeschweift.
    Geniese diesen schönen Sonntag, hoffe, das Wetter ist auch bei dir so frühlingshaft.

    lg klarerkopf