Hallo Bonny,
war jetzt länger nicht hier, da ich sehr viel gearbeitet habe.
Danke für Deine Nachricht.
Ich ertappe mich zwar immer mal wieder, wenn es länger gut läuft zwischen uns, das ich von einem Zusammenleben mit ihm träume. Jedoch habe ich auch eine Menge erlebt mit ihm in den drei Jahren und wohl ist mir nicht dabei, wenn dem plötzlich so wäre. Fakt ist: Er weiß, das er krank ist. Er hat zwei Entziehungen hinter sich und trinkt wieder. In meiner Gegenwart nur, wenn wir außerhalb Essen gehen. Aber alleine zuhause trinkt er deutlich mehr. Wenn wir zusammen leben würden, würde ich allles mit bekommen.
Natürlich verändert er sich, wenn er getrunken hat. Er verliert jeglichen Respekt und Schamgefühl und die Zunge sitzt locker. Verletzende Äußerungen sind dann keine Seltenheit. Ich weiß, dass das gar nicht seine Absicht ist, aber er hat dann eben kein Gefühl dafür, was man seiner Freundin sagen kann und was nicht.
Das passiert momentan nur über Telefon, wenn er halt zuhause allein ist und trinkt.
Wenn er bei mir ist, ist er lieb und verhält sich normal. Das geht allerdings meistens nur drei Tage gut. Am dritten Tag kann es kippen und dann wird er gereitzt. Aber er bleibt meist eh nur drei Tage.
Ich vermute, das er dann unter Strom steht und wieder mehr trinken möchte. Er behauptet, er habe viel zu tun und müsse dann wieder los.
Da das auch stimmt, weiß ich bis heute natürlich nicht, wie es wäre, wenn wir mal zwei Wochen zusammen wären. Ich wollte schon mal für länger zu ihm kommen. Aber das ist nicht möglich. Er hat dann immer mal seine Kinder da und lebt in einer 1 1/2-Zimmer-Whg. Dann ist einfach kein Platz für uns alle.
Ich bin zerissen. Zum einen würde ich gerne mal länger mit ihm zusammen sein, zum anderen habe ich Angst davor, das es dann eskaliert. Deshalb haue auch ich nach drei Tagen meist wieder ab.
Meines Erachtens wird es eh in seiner Stadt wohnen bleiben.
Seine Kinder leben da, seine Kunden leben da, finanziell kann er sich keine zwei Wohnungen leisten...
...und ich hätte in der Tat Skrupel, mit ihm zusammen zu ziehen.
Also käme nur in Frage, das jeder von uns seine eigene Wohnung hat.
Und ich traue mich auch nicht, runter zu ziehen und mir dort eine eigene Wohnung zu nehmen. Für mich würde das nur Sinn machen, wenn wir auch zusammen leben könnten.
Es wird somit eine Fernbeziehung bleiben, solange ich es eben aushalte.
Ich bin inzwischen 46, war nie verheiratet und habe auch nie mit einem Mann zusammen gelebt. Doch Alleine-Leben bin ich gewohnt – aber gewollt ist es schon lange nicht mehr. Ich arbeite auch zuhause, bin also rund um die Uhr alleine dort. Manches mal ist das wie Einzelhaft und macht depressiv. Der Wunsch nach Gemeinsamkeit ist verdammt hoch.
Ich könnte mich ja nach einem neuen Mann umschauen.
Aber mein Herz ist belegt und er und ich haben so viel Gemeinsamkeiten
und sind uns mental sehr ähnlich. Das ist verdammt schwer, so etwas noch mal zu finden. Und verlieben tut man ich auch nicht so leicht.
Ich weiß, dass die Qual wohl erst so groß sein muss, bevor man sich trennt. Ich gehöre zu denen, die verdammt viel aushalten. Eine Portion Masochismus gehört wohl dazu. Ich habe jedoch im Vergleich zu den meisten hier weniger zu ertragen, da es eben so ist, wie beschrieben.
Deshalb bin ich wohl noch dran an ihm.
Wie gesagt, ich vermisse hier ein wenig den Austausch mit anderen, die in der gleichen Situation sind, ebenso eine Fernbeziehung mit einem Alkoholiker haben.
Liebe Grüße
Ettena