Hi alle zusammen,
danke für Eure vielen Gedanken. In manchem sprecht Ihr mir gerade aus der Seele.
Zitat von Rosita
Meine persönliche Erfahrung ist, dass meine Grenze sehr weit hinten ist, fast nicht mehr sichtbar, weit weg am Horizont.
Das ging mir am Anfang auch so und das verrückte war, dass ich sogar noch echt stolz drauf war, was ich alles so ertragen konnte. Und gleichzeitig diese verquerte "Meine Liebe rettet ihn"-Illusion, die ich über 1 Jahr gelebt habe.
Hier heisst es ganz klar für mich - Grenzen verengen, nicht erweitern. Mir erlauben, es (was auch immer) mal nicht mehr zu ertragen, sondern stattdessen das zu tun, was mir gut tut und nicht das, was ich gerade noch so aushalten kann.
Mal ehrlich, wer ist nicht stolz darauf, so (vermeintlich) tapfer zu sein und die breitesten Schultern der Welt zu haben, auf denen alle alles abladen dürfen. Wo laden wir aber ab?
Zitat von Doro
Und da ich so tapfer wirke nach außen, ernte ich zwar stets Bewunderung, aber ich bekomme nicht die Hilfe, die ich bräuchte, weil ich zu wenig signalisiere, dass ich eigentlich total am Rande stehe mit meinen Nerven.
Genau das meine ich Doro. Klar schmeichelt die Bewunderung, aber die Energie wird immer weniger.
Zitat
Aber dann denke ich wieder: Nein, das bringt nichts, ich muss hier weiter machen, für meine Kinder und letztlich auch für mich.
Solange Du das "nur" denkst Doro, solange hast Du keine Chance es auszuprobieren, ob der Gedanke wirklich stimmt. Ich mag Dich ganz fest ermutigen, es auszuprobieren. Vielleicht in einem kleineren Rahmen. Mal zum HA gehen und schildern was ist, was Dich bedrückt und gleichzeitig die Bitte um Unterstützung formulieren. Ein Arzt kann auch nur dann am besten helfen, wenn er weiss, was die Patientin möchte. Manche haben so eine Sensitivität, dass sie das erraten (eher die wenigsten), manche dagegen sind dankbar, wenn sie um ein Bedürfnis wissen, denn dann können sie sofort konkret handeln.
Zitat
Dieses "Augen zu und durch" hat auch so die Vorstellung, dass da irgendwo in der Zukunft die Oase der Ruhe ist und wenn wir erst dort sind, dann ist alles gut.
Illusion. Solange wir Zufriedenheit und Glück im Aussen suchen, solange werden wir unzufrieden und getrieben sein.
Zitat von Gotti
Aber wenn man erst mal angefangen hat, und einen Schritt geschafft hat! Dann geht es nur noch vorwärts.
Vielleicht mit Stolpersteinen, aber weiter.
Das sehe ich genau wie Du, Gotti. Und Stolpersteine sehen wir besser, wenn die Augen auf sind. 
Zitat von Dagmar007
Mir macht dieses "Augen zu" Angst
Mich bringt es sehr zum Nachdenken. Wofür Augen zu? Und diese Durchhalteparolen? Weil wir uns nicht einmal hier eingestehen wollen, dass wir ganz einfach an einer Grenze sind, dass wir so nicht mehr weiterleben wollen?
Kleine Kinder machen die Augen zu und meinen, da sie selbst nichts mehr sehen, dass auch niemand anders sie sieht. Mögliche Parallelen? Oder doch der fehlende Mut zur Veränderung?
Zitat
Wenn ich aber in ungesunden Verhältnissen stecke um mich dann noch von anderen bestätigen zu lassen, so ist das doppelt gefährlich, meiner Meinung nach ....
Mhmhm, ich erlebe dies hier nicht ganz gleich wie Du Dagmar. Es gibt sicher einige wenige Fälle, aber bei der überwiegenden Anzahl der Forenteilnehmer/Innen lese ich Mitgefühl, leider auch Mitleid heraus. Zu wissen, dass jemand anderes nachvollziehen kann, wie es mir gerade geht, hilft mir vielleicht in einer schlechten Phase.
Zitat von Rote Lampe
Solange der Fokus auf den Partner gerichtet ist und die Hoffnung auf dessen Verhaltensänderung unsere Gedanken und Handlungen prägt, werden wir versuchen, "Durststrecken" mit zusammengebissenen Zähnen und geschlossenen Augen durchzustehen, anstatt diese Energie mit wachen Augen für unsere eigenen Wege zu nutzen.
Gut formuliert. Augen zu und durch in der Hoffnung, dass wenn ich die Augen wieder aufmache, alles wieder heile Welt ist. Und das ist am besten dann passiert ohne mein eigenes Zutun. Augen auf hiesse ja sehen, wahrnehmen, u.U. fühlen, was dieses Gesehene auslöst.
LG skybird