Liebe crevette und @all,
ne, ne, so einfach is das nich mich loszukriegen - bin doch ne Co, Mensch, die klammern, bis die Knochen brechen 

Lieb dass Du nachfrägst, Crevette, danke und nein, bin auch noch nicht auf die Alp abgereist, erst nächstes Wochenende, wie geplant.
Der Grund dass ich mich seit dem 9. nicht mehr gemeldet habe, ist dass ich eine Sterbebegleitung mache. Ein junger Mann, der im April 08 erfahren hat, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet und überall (Hirn, Lunge, Darm, Leber) schon Metastasen hat - sie haben ihn als schon nicht mehr operabel nach Hause geschickt - zum Sterben. Sein Kopf hat sich bis letzte Woche dagegen gewehrt, nun versagt der Körper. Ein Organ nach dem anderen versagt den Dienst, der Kopf wehrt sich immer noch...soviele Parallelen zu Alkoholiker und Co...
Weil sich sein Kopf noch so wehrt, verlängert er sich selbst sein eigenes Leiden und jetzt geht es nur noch um eines, das er hier in diesem Leben noch machen kann: LOSLASSEN 
Warum ist das verflucht nochmal so schwer? Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit, er kann nichts anderes mehr - er kann nicht mehr essen, nicht mehr trinken, nicht mehr ausscheiden, nicht mehr sprechen, manchmal auch nicht mehr reagieren...und doch können wir kommunizieren und auch hier: Loslassen muss von ihm kommen, damit er ruhig und entspannt "über die Schwelle gehen kann".
Er hat sich gewünscht, dass ich ihn begleite und ich empfinde dies, so traurig, schwierig und belastend das jeweils ist, als das intimste Geschenk eines Menschen, dass er mit mir teilt - bis zu einem gewissen Punkt. Von da an geht jeder alleine weiter - wohin auch immer und ich bleibe zurück, traurig, alleine und doch so reich beschenkt...
Er hat es noch nicht geschafft, loszulassen, dabei ist heute sein Geburtstag und ich habe mich gestern von ihm verabschiedet mit der Hoffnung, dass er auf den "Tag genau" gehen könnte. Aber er hat ja auch noch ein paar Stunden Geburtstag, und - er entscheidet und er wird (hoffentlich) erst dann gehen, wenn er das Leben loslassen will - damit dies in Frieden geschehen darf.
Eine Sterbebegleitung berührt mich immer wieder aufs Neue zutiefst, denn in der Beschäftigung mit dem Tod merke ich, wie lebendig ICH bin. Und das war der Grund, dass ich nicht auch noch hier geschrieben habe.
Ich habe mich auf ihn konzentriert und auf mich, denn so etwas ist ein EINMALIGER Prozess - dafür gibt es keine zweite Chance und deshalb arbeite ich hier rein intutitiv. Jeder Tod ist anders und jeder Sterbende ist EINMALIG - so einmalig wie wir alle hier - das für die, die gerade heute kein SELBST-Bewusstsein haben... 
Und das, Crevette, kommt auch noch hinzu:
Zitat
Dein Fellmann definitiv sein Veto gegen das ewig unselige Zeit-vor-dem-PC-statt-mit-ihm-Verbringen eingelegt hat!
Und so habe ich ihm und mir heute einen ganzen Tag in Bulle (frz. Schweiz) gegönnt und war mit ihm auf einer Hundeausstellung. Und da er ja der beste (Fell)mann ist, den ich je hatte, hat er auch gleich noch den ersten Platz in seiner Klasse gemacht, wurde "bester Rüde" und bekam noch einmal eine Anwartschaft auf den Titel Schweizer Schönheitschampion...und ich bin so stolz auf ihn 

Und so konnte ich heute nicht nur erzählen, sondern auch fühlen, dass beides - Tod und Leben - Freude und Trauer - Liebe und Hass - untrennbar zueinander- und zum Dasein gehören. Heute habe ich mir wieder Energie geholt, damit ich sie morgen dem jungen Mann geben kann, der sie mir dann xfach potenziert zurückgibt, einfach weil er annimmt was ich geben kann...
Ihr merkt vielleicht, im Moment fliesst es gerade so aus mir heraus - ich bin einfach zutiefst berührt und versuche etwas in Worte zu fassen, was eigentlich nicht fassbar ist - deswegen setze ich ganz bewusst hier den Schlusspunkt für heute.
Und, liebe Crevette, bevor ich dann zur Almheidi mutiere verabschiede ich mich hier auf jeden Fall noch...einfach so zu verschwinden ist nicht mehr mein Ding... 
Gebt acht auf Euch und nehmt Euch selbst an die Hand, statt wegen zu hoher Ansprüche auf Euch einzuprügeln und vergesst nicht, dass es manchmal vielleicht keine zweite Chance gibt um zu leben. Es liegt in Eurer Hand Euer Leben zu leben, damit es dann ganz am Ende nicht zu schwer fällt LOSZULASSEN! Vielleicht ist das eine unserer Aufgaben des Lebens - immer wieder loslassen - erst das Elternhaus, dann die erste, zweite...Liebe und ganz am Schluss - uns selbst!
Alles Liebe
Eure Skybird