Hilfeeee, ich brauch Urlaub
!!!!!
Das waren wieder erste Tage nach dem Urlaub, nach denen man gleich wieder Urlaub braucht. Mann, was ist das bloß für ein Land in dem wir leben. Riesige Papierberge wo man nur hinschaut, aber angeblich beim Umweltschutz die Nummer 1
sein wollen ? Gott sei Dank haben wir jetzt vier freie Tage, damit ich mich davon erholen kann. Wo war ich doch gleich noch mal die letzten zwei Wochen .........
, ach ja im Urlaub. Muss mir schon wieder richtig Mühe geben mich daran zu erinnern
.
Mein Urlaub also:
Wie im Zwischenbericht bereits erwähnt, waren wir nach 39 Std. Fahrt also am Ziel. Da ich leidenschaftlicher Autofahrer bin, habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen die ganze Strecke, hin und zurück, selbst zu fahren. Ein abenteuerlicher Spass bei den Straßenverhältnissen (Loch an Loch - man hält und fährt doch
). Ich bin bloß froh, dass ich mich beim letzten Autokauf für einen geräumigen, hochbeinigen Sechsitzer-Diesel entschieden habe, er hat die ganzen Strapazen mit Bravour gemeistert. Wie schnell man dort ein kaputtes Auto hat, haben mir die vielen armen Ukrainer gezeigt, die am Straßenrand mit dem reparieren ihres fahrbaren Untersatzes beschäftigt waren. Trotzdem hat sich viel getan, um Kiew herum gibt es auch sehr schöne neue Autobahnen, wie bei uns.
Mit einem großen Dankeschön möchte ich, von hier aus, einmal all die lieben Verwandten, Freunde und Bekannten dort bedenken, die ein (meiner Meinung nach) sehr großes Opfer erbracht haben und ihr Nationalgetränk mir zuliebe, für die Zeit meiner Anwesenheit, komplett verbannt haben. Ich wurde, bis auf unsere letzte Anlaufstation, nicht einmal in Versuchung geführt. Dafür habe ich aber an den letzten zwei Tagen deutlich zu spüren bekommen, wie wichtig das Mitführen einer "alternativen Medizin", zur Bekämpfung der Nahrungsumstellungsauswirkungen ist. Mein HT hat jetzt noch Druckstellen von der runden Brille
und 4,5 kg Gewicht haben sich verdünnisiert
.
Die schönsten Urlaubserlebnisse waren zweifellos die Tage in der Natur, dort kann man wirklich noch richtig frei sein.
Aber auch die Übergaben unserer mitgebrachten Hilfsgüter werden unvergessen bleiben. Das Meiste haben wir diesmal in ein Dorf zu einer 25 köpfigen Familie gebracht, die dort mit 11 Kindern, 3 Schwiegerkindern und 9 Enkelkindern auf ca. 100qm Wohnfläche, mehr haust als wohnt. Ich durfte wieder einmal erleben, wieviel Dankbarkeit man für ein paar Schuhe, einen Pullover oder einfach ein paar Socken erfahren kann, auch wenn sie schon von anderen vorher getragen wurden. Ein paar Kinder zeigten uns auch stolz Sachen, die sie noch von unserem letzten Besuch hatten.
Trotz der bitteren Armut verlieren diese Menschen nie ihrem Humor und ihre Gastfreundschaft. Noch bevor wir auspacken konnten, war schon der Tisch für uns, mit allem was sie hatten, gedeckt. Wir haben uns natürlich zurückgehalten mit dem Essen, da so viele Kinderaugen abwartend zusahen. Als ich den Vater fragte, wie er es denn in dieser schlechten Zeit auf 11 Kinder bringen konnte, antwortete er spaßend: "11 ?, also was mich betrifft, weiss ich nur von Zweien etwas". Er bekam natürlich sofort eine hinter die Ohren von seiner Frau.
Auf der Rückfahrt, die insgesamt mit Zwischenstopps 41 Std. dauerte, haben wir dann noch mal in Kusnezowsk, bei der Cousine meiner Freundin, die Multiple Sklerose hat, übernachtet. Ihr geht es überhaupt nicht gut. Sie hat unsägliche Schmerzen, es gibt kaum Medikamente und selbst wenn, gäb es kein Geld dafür. Der Arzt hat ihr noch 5-7 Jahre gegeben und sie ist erst 44. Ich muss mir unbedingt etwas einfallen lassen ihr irgendwie zu helfen.
Multiple Sklerose - hat jemand Erfahrung hier mit dieser Krankheit, gibt es wenigstens Linderungsmöglichkeiten?
Trotzdem ging kein Weg daran vorbei, dass wir in ihren Betten schlafen mussten und sie und ihr Mann auf dem Fußboden Nachquartier bezogen.
Ihr Mann (Wassja) ist auch ein ganz feiner Mensch, schon weil er zu ihr steht, sie füttert, den Haushalt führt und nicht das Weite sucht. Aber er konnte partu nicht verstehen, dass ich keinen Alk trinken darf und will. "Weibergeschwätz", war die Antwort auf meine und der Frauen Erklärung. Bin aber trotzdem standhaft geblieben, weil´s mich einfach irgenwie garnicht mehr berührt. Es tat mir einfach nur leid, dass dieser Mensch schon zum frühen Morgen seine Sto-Gramm braucht um den Tag zu meistern. Sind am nächsten Morgen dann fast fluchtartig aufgebrochen, weil Wassja begann die ganze Wohnung zu durchsuchen um uns, jeweils die Hälfte von dem was sie selbst hatten, als ein paar Geschenke einzupacken.
Dann haben wir noch mal 3 Std. an der Grenze zu Polen zwangspausieren müssen. Einmal, weil die Ukrainer immer noch die Hand aufhalten wollen um uns schneller drüber zu lassen und das andere Mal, weil die Polen jetzt die "wichtigsten Grenzer" der Welt (EU) sind. Was kann man schon von dort mitbringen, was die reichen Länder hier in ihrer Existenz gefährdet?
Alles in Allem, war mein Urlaub jedoch ein voller Erfolg, wenn auch mit bitterem Beigeschmack (Warum nur sind meine Mittel so begrenzt, dass ich nicht mehr Hilfe leisten kann? Und die blanke Wut überkommt mich, wenn ich sehe, was andere "Menschen" so mit ihrem Geld treiben, dass sie nie genug davon bekommen können und welcher sinnlosen Verschwendung sie fröhnen. Manchmal wünschte ich ein neues Pompeji würde dem ein Ende setzen.)
Na ja, die nächste Reise ist schon in Planung für August oder September und ich fang jetzt schon wieder mit dem Sammeln an.
Ich wünsche Allen eine schönes Osterfest und einen fleißigen Osterhasen!
LG, Andy
P.S. heute ist mein bescheidener 75. Tag.