Beiträge von Oiseau

    Sabine,

    nein!!! Du hoffst einfach. Du kannst noch nicht glauben, dass Alkoholismus solche Ausmaße hat.

    Informiere dich, suche dir links, Aufsätze, Bücher, lies dich ein. Das tue ich auch, und ich muss immer wieder lernen, dass die Problematik ein "weites Feld" ist.

    Es hat auch bei mir laaange gedauert, bis ich mir eingestanden habe, dass es nur den einen Weg geben kann: Ganz aufhören.

    Lies mal Heinrichs Beiträge!

    Viel Glück, du bist auf dem richtigen Weg.

    Oiseau

    Hallo, Sabine,

    auch ich bin mit einem Quartalssäufer zusammen.

    Kontrolliertes Trinken hat er so oft probiert! Aber jedes Mal, mal früher, mal später, gab es einen Rückfall. Jedes Mal wurde es ein bisschen schlimmer... Auch bei ihm gab es monatelange Trinkpausen. Irgendwann war dann der Druck wieder so groß, dass die Geschichte von vorn los ging.

    Auch für mich war die Vorstellung zunächst schön: Wenn er kontrolliertes Trinken lernt, dann geht es uns gut, dann können wir, ohne Probleme, halt hin und wieder mal ein Gläschen zusammen trinken.

    Ja, eine schöne Vorstellung.

    Bis ich gesehen habe und verstanden habe, dass das Ganze nie und nimmer funktionieren wird.

    Der Abhängige muss zugeben, dass er krank ist. Und dann gibt es nur den einen Weg: Nichts mehr trinken und zwar nie mehr.

    Dein Mann kennt die Wirkung des Alks und nur darum geht es ihm letztlich. Und insofern hat er dann auch Entzugserscheinungen, selbst, wenn er längere Zeit ohne ausgehalten hat.

    Kümmere du dich um dich, sieh zu, dass es dir gut geht, und wenn du mit ihm zusammen bleiben willst, rede mit ihm, mache ihm deinen Standpunkt klar.

    Ich wünsche euch, dass er sich irgend wann eingesteht Hilfe zu benötigen und sie dann auch annimmt. (Kur, Klinik, SHG, das ganze Programm.)

    Liebe Grüße,

    Oiseau

    Guten Abend, bokins,

    bleib doch überwiegend bei dir, wenn du deine Geschichte erzählst. Du musst doch nicht zu viel preisgeben und kannst das weglassen, was dir zu "gefährlich" wäre.
    Ich habe auch nur das Wichtigste erzählt, ohne meinen Partner verletzt oder verraten zu haben. Denn ich möchte auch loyal sein, soweit es geht.

    Ansonsten - ich denke, wir haben einige Erfahrungen und Sichtweisen gemein. Schreib ruhig weiter hier im Thread, ich würde mich freuen, vor allem, wenn es dir hilft.

    Ich muss auch erst so langsam meinen Weg und meine Perspektiven finden.

    Da bin ich richtig froh, dass mein Partner noch einige Tage fort ist. Ich nutze die Zeit, so gut es geht, zum geistigen "Ausmisten" und zur Orientierung.

    Gute Nacht!

    Oiseau. :)

    Hallo, Jenny und bokins,

    warum ich Hoffnung habe ist ganz einfach:

    1. liebe ich meinen Partner.

    2. hatten wir mehr gute als schlechte Zeiten zusammen, die einfach schön waren.

    3. liebt und braucht er mich.

    4. gibt er sich gerade Mühe sein Leben zu verändern, damit es ihm wieder gut geht und auch, damit wir eine Chance haben.

    5. muss ich ihm und uns die Chance geben, denn er gibt sie uns ja auch.

    Also, ich behalte ein gewisses Quantum an Zweifeln, um für alle Fälle gewappnet zu sein (sonst falle ich zu tief, also Selbstschutz), aber ich hoffe, dass er durchhält und wir einen Neuanfang wagen können.

    Wenn er sich verändert hat in der Kur - umso besser. Das ist doch spannend und wir können uns noch einmal neu kennen lernen.

    bokins, auf deine Geschichte bin ich neugierig. Trau dich ruhig zu schreiben. Es kommt dann eins zum anderen,

    Liebe Grüße an euch zwei,

    Oiseau.

    Hallo, Heinrich,

    danke, dass du dir so viel Zeit genommen hast ausführlich zu antworten.

    Ich habe es jetzt mit dem Alk so gemacht: Wir haben noch ein paar Restflaschen Wein im Keller, die lasse ich erst einmal für Besuch stehen. Alles, was sonst noch da war, habe ich entsorgt.

    Wir werden darüber sprechen, wenn mein Partner zurück ist.

    Wahrscheinlich werde ich es wegschütten oder verschenken...

    Dass deine Freunde nicht zur Party kamen, weil es keinen Alk geben sollte, ist für mich krass!!!! Mal ehrlich, sind die, die weggeblieben sind, echte Freunde?

    Ich bin neugierig, wie sich unsere Freunde verhalten würden... Allerdings gab es bei uns nie Saufpartys, und wenn mein Partner trank, dann meistens mit Arbeitskollegen oder allein (dann am meisten).

    Dass es bei einem evtl Rückfall dem Betreffenden um die Wirkung des Alkohols geht, ist mir bewusst. Darum ist ja der Verstand beim Trockenbleiben entscheidend. Es muss vom Kopf aus gesteuert werden, denke ich. Man muss es ganz fest wollen und sich nie wieder in alten Situationen / Zuständen wieder finden wollen. So verstehe ich das.

    Ich versuche weiterhin, für mich etwas zu tun. Es ist nicht immer einfach, darum schreibe ich ja hier, aber es baut auf und macht mich in der Tat selbstsicherer.

    Danke für deine Zeit.

    Oiseau

    Hallo, Sabine,

    habe deine Geschichte mit Interesse gelesen und so viele Parallelen zu meiner festgestellt, dass ich dir mal kurz schreiben will.

    Wenn dein Mann erst jetzt so langsam begreift, dass er Alkoholiker ist, kann es noch lange dauern, bis er auch wirklich selbst etwas daran ändern will, um für sich von der Sucht loszukommen - nicht, weil ihr es wollt. Wie gesagt, das kann dauern. Du musst dir klar sein, ob du auch noch warten kannst, oder ob du gleich erwartest, dass er einen Entzug macht. Falls er bereit dazu ist, jetzt sofort in eine Klinik zu gehen, fürchte ich, dass es noch zu früh ist und die Gefahr eines Rückfalls umso größer ist.

    Was meinen die Erfahreneren von euch dazu?

    In jedem Fall bist du auf dem richtigen Weg. Du kannst und willst, auch wegen eurer Tochter, nicht mehr so weiter mit ihm leben. Mach ihm das immer und immer wieder klar, aber sei geduldig mit ihm, bis er bereit ist. Vielleicht kannst du euch eine Frist setzen?

    Viel Glück und einen einsichtigen Mann wünsche ich dir.

    Oiseau

    Hallo, bokins,
    danke für deine guten Wünsche.
    Alkoholfreies Bier oder Sekt o.ä. gibt es bei uns auch nicht.
    Aber die Cocktails schmecken nur fruchtig, haben mit Alk wirklich nichts zu tun.
    Man kann sie auch Gemüse- oder Obstsäfte oder -mixgetränke nennen.
    Im Winter schmeckt auch Multivitaminsaft oder Apfelsaft erhitzt, besser als jeder Glühwein, finde ich, und wärmt herrlich.
    Viele Grüße,
    Oiseau :wink:

    Noch mal zum Thema: Harmonie in einer Beziehung TROTZ des Alkohols.

    Ich bin in mich gegangen und habe folgendes kapiert: Solange ich noch nicht wusste, dass ich belogen wurde, führten wir, trotz des Alkohols, eine harmonische Beziehung. Ich vertraute bei jedem Absturz und dem anschließenden Gespräch auf seine Versprechen, dass er nie wieder trinken würde. Ich hatte mit der Suchtproblematik keinerlei Erfahrungen. Doch seit etwa einem Jahr ist die Harmonie gestört. Ich kann nicht mehr vertrauen und fühle mich betrogen und hintergangen. Das wirkt sich auch negativ, irgend wie dämpfend, auf ansonsten schöne gemeinsame Unternehmungen aus, die wir immer noch hatten.

    So etwas wie ein fahler Beigeschmack, oder ein Bauchzwicken.
    (Ja, leider auch psychosomatische Störungen, die man ja wohl auch der Co-Abhängigkeit zurechnen muss.)

    Was ich mir wünsche ist eine totale Offenheit und auch ein Vertrauen seinerseits, dass er mir mitteilt, wenn er es nicht schafft, oder dass er mir sagt, wie es ihm geht.

    Diesen Wunsch habe ich ihm heute am Telefon noch einmal deutlich mitgeteilt, und zum ersten Mal hat er richtig zugestimmt und gesagt, Offenheit sei ganz ganz wichtig und er wünsche sich die auch für die Zukunft. Und er hat Alkoholismus thematisiert!
    Natürlich macht man als Angehöriger sein eigenes Verhalten auch von dem des abhängigen Partners "abhängig". Wenn wir zusammen bleiben wollen müssen wir miteinander reden und uns aufeinander einstellen. Uns jetzt auch neu kennen lernen. Das heißt aber für mich jetzt auch: Sollte es wieder einen Betrug geben, werde ich wahrscheinlich nicht mehr mit ihm zusammen bleiben können. Anders ist es mit einem Rückfall, den er mir mitteilt. Denn vor einem Rückfall ist er auch nicht gefeit.

    Gelernt habe ich, glaube ich, dass ich mehr darauf achten muss, dass es mir gut geht und dass ER allein für sein Leben verantwortlich ist, ich ihm nichts abnehmen kann.

    Es ist ein weiter, steiniger Weg, und ob es sich lohnt ihn zu gehen, wird sich erst noch erweisen.

    Haltet uns die Daumen.

    Oiseau

    So, da bin ich wieder.

    Hallo, Heinrich,
    dass du mich, sozusagen aus der anderen Perspektive heraus, in meinem Vorhaben, auf Alkohol zu verzichten bestärkst, finde ich interessant.
    Ich werde es sicherlich so halten wie deine Frau.

    Aber, eine Frage, wie macht ihr es, wenn ihr Besuch habt? Bietet ihr denen auch nie etwas an? Ich habe mir schon überlegt, ob man nicht einfach klipp und klar sagen sollte: Bei uns gibt es keinen Alkohol mehr, und wenn ihr was trinken müsst, bringt euch selbst was mit. - Oder: wir werden im Mixen von gaaaanz leckeren Cocktails ohne Alkohol (da gibt es soooo gute Rezepte!!!) Profis, sodass sich im Laufe der Zeit die Freunde um eine Einladung bei uns reißen! :lol: Eine nette Vorstellung!

    Eine gute Nacht!

    Oiseau

    An alle,

    ich bin euch nicht böse, dass ihr meinen Thread "missbraucht" habt. Im Gegenteil, ich finde die Diskussion sehr interessant und sie regt mich mächtig zum Nachdenken an.

    Aber es wäre sehr schön, bokins, wenn wir über deine eigene Geschichte Genaueres in einem eigenen Faden lesen könnten, denn dann können wir uns dort ganz auf dich konzentrieren und erfahren mehr über dich. Ich werde dich dann auch besuchen...

    Nachdem ich die vielen Antworten und kontroversen Meinungen gelesen habe, brummt mir richtig der Schädel und ich werde, bevor ich darauf genauer antworte, erst mal in mich gehen müssen und alles noch einmal auf mich wirken lassen.

    Bis nachher.
    Oiseau :shock:

    Das hilft mir jetzt sehr, was du mir schreibst.
    Ja, auch bei uns ist es so, dass wir eigentlich sehr harmonisch leben. Und es gab nie irgend welche Übergriffe im Suff. (So etwas hätte ich auch nur ein einziges Mal mitgemacht, dann wäre sofort Schluss gewesen.) Jetzt stehe ich z.B. vor der Frage: Wie soll ich selbst mit Alkohol umgehen? Und ich habe eigentlich schon lange für mich entschieden, auch keinen Alk mehr zu trinken. Allerdings habe ich schon immer sehr selten Alk getrunken und immer sehr wenig. Da fällt mir das völlige Abstinentleben nicht schwer. Er erwartet es eigentlich nicht von mir und sagt, trink ruhig ein Glas, es macht mir nichts aus. Aber ich finde, es muss nicht sein.
    Dass sich ein "Saufdruck" ankündigt weiß ich, aber er hat es bisher nicht mir gegenüber artikuliert. Daher hoffe ich, dass er das in Zukunft schafft, denn die Kur scheint ihn dahingehend zu beeinflussen. Das wäre natürlich optimal. Ihm zu helfen, wenn ich kann, will ich schon, aber, wie du auch sagst, ich werde ihn weiterhin nicht "entmündigen", indem ich ihm Dinge abnehme.
    So falsch scheine ich nicht zu liegen mit dem, was ich tue bzw. mir vorgenommen habe.
    Danke! Ich habe jetzt schon viel mehr Mut bekommen für die Zeit nach der Kur.
    Oiseau. :)

    Liebe bokins,
    dass du in 15 Jahren sehr viel mitgemacht hast kann ich mir vorstellen. Umso beachtlicher finde ich es, dass du dennoch bereit bist deinen Mann nun zu unterstützen. Aber: Wie unterstützt du ihn denn? Wie hilfst du ihm bei seinen Bemühungen trocken zu werden/bleiben?
    Hier im Forum schreiben doch die meisten, man solle sich allein auf sich selbst konzentrieren und den Partner allein machen lassen. Wo verläuft die Grenze zwischen Co-Abhängigkeit und Unabhängigkeit?
    Vielleicht kannst du mir mal an einem oder zwei Beispielen aufzeigen, wie deine Unterstützung konkret aussieht.
    Viel Glück weiterhin und vielen Dank für deine Ratschläge.
    Oiseau

    Hallo, bokins,
    vier Wochen und auch länger hat es mein Partner schon des öfteren geschafft nichts zu trinken und ich habe ihm jedes Mal vertraut. Seit einiger Zeit habe ich das Vertrauen verloren, denn er hat mir nie erzählt, wenn er wieder anfing, wenn er es nicht geschafft hat trocken zu bleiben. Ich habe es dann zufällig (an der Fahne, an der verwaschenen Sprache, am Wanken etc.) gemerkt und er hat es dennoch geleugnet!
    Daher bin ich eben noch sehr skeptisch. Denn, wie gesagt, er hat ja schon oft länger durchgehalten.
    Nur dieses Mal hat er eben die Kur gemacht und klingt am Telefon völlig anders, positiv, munter, neugierig, wach, lebendig.
    Ich will mich nicht ganz dem Glauben hingeben, dass nun alles gut sei, denn das Gefühl abzustürzen, wenn es dann doch nicht geklappt hat, war für mich jedes Mal schrecklich und ich will es einfach nicht noch mal so durchleben. Also handle ich wohl aus Selbstschutz und bin lieber vorsichtig.
    Wie man gut mit diesem Misstrauen lebt weiß ich allerdings nicht. Wie fühlst du dich dabei, wenn du misstrauisch bist? Weiß dein Man, dass du es bist? Wie geht er damit um? Versteht er es?
    Ich werde auf alle Fälle lange brauchen, das Vertrauen zwischen uns wieder herzustellen.
    Aber ich denke auch, dass wir die Chance auf einen Neuanfang haben und uns vielleicht auch noch mal ganz neu kennen lernen.
    Ich wünsche euch, dass ihr es schafft! Ganz viel Glück!
    Gute Nacht!
    Oiseau

    Hallo, tini,
    es tut mir leid, dass deine Mutter sich so verändert hat. Wie du schreibst, muss sie ihr Leben neu ordnen und anders angehen als bisher. Das ist ganz bestimmt sehr sehr schwer. Als Angehörige müssen wir dem Alkoholabhängigen gegenüber, wenn er sich bemüht trocken zu werden, sehr geduldig sein und ihm Zeit geben. Deine Mutter hat einfach so viel mit sich selbst zu tun, dass sie eben nicht für dich und ihre Enkel da sein kann. Das meint sie bestimmt nicht böse, aber sie kann nicht anders.
    Gib ihr Zeit!
    Das ist vermutlich besonders schwer, wenn es sich um die eigene Mutter handelt, denn Mütter sollten ja eigentlich immer für ihre Kinder da sein. Aber manchmal geht das eben nicht.
    Ich wünsche dir viel Kraft und Gelassenheit für die nächste Zeit.
    Oiseau

    Hallo Gotti,
    nett, dass du dich bei mir gemeldet hast.
    Ich denke, wenn ein Alkoholiker aufhört zu trinken, ändert er ja nicht automatisch seine Persönlichkeit. Heißt im Klartext: Seine Eigenarten, seine Art, Probleme anzugehen, seine Stimmungen und so weiter, auch sein Beruf (meiner arbeitet auch Schicht), sein Umfeld - all das bleibt ja. Also kann ich mir schon vorstellen, dass er sich oft schwer tut, da er ja jetzt dasselbe Leben ohne die vermeintliche "Krücke" Alkohol meistern muss. Für uns Cos bedeutet das wohl, Geduld Geduld Geduld. Ich weiß noch nicht, was auf mich bzw. uns zukommt, aber Geduld werde ich ganz bestimmt brauchen. Mit ihm und mit mir selbst. Womit wir dann auch wieder beim verloren gegangenen Vertrauen wären.
    Wie ich z.B. damit umgehen soll, falls er, wie dein Mann, plötzlich sagt: Ich gehe heut nicht zur SHG, weiß ich nicht.
    Eigentlich wäre die Antwort: Es ist SEINE Angelegenheit. Oder liege ich damit falsch?
    Aber mich würde es schon wieder an die alten Zeiten erinnern, in denen er weit davon entfernt war sein Alkoholproblem zuzugeben.
    Hast du dann auch solche Gedanken?
    Übrigens finde ich eine SHG einmal im Monat auch definitiv zu wenig.
    Gut, dass es dieses Forum gibt!!!
    Gern kannst du mir mehr über dich schreiben und ich wünsche euch, dass ihr euch zusammen rauft. Hab einfach GEDULD! 4 Monate ohne ist doch toll!
    Ich grüße dich und wünsche dir eine entspannte gute Nacht!
    Oiseau

    Hallo, Heinrich,

    dein Beitrag ist für mich sehr hilfreich. Vor allem deshalb, weil du sozusagen von der anderen Perspektive aus schreibst.

    Ich bin dankbar, dass mein Partner mir positive Signale sendet. Da hat sich anscheinend bereits eine Menge in ihm bewegt.

    Im Moment ist er dabei, sich Adressen von SHG geben zu lassen und Ratschläge, wie es nach seiner Kur weitergehen sollte. Ich habe ihm schon gesagt, dass ich es sehr sehr gut fände, wenn wir uns auch gemeinsam einer Gruppe anschließen könnten. Das, was du aus eigener Erfahrung darüber berichtest, klingt für mich vorstellbar. Offenheit im Umgang miteinander ist sicherlich wichtig, aber ich werde wohl erst nach und nach herausfühlen, wie genau diese Offenheit gestaltet wird. Ob ich Zweifel und Ängste äußern kann, oder ob ihn das nervt und ob er es mir dann auch sagt.

    Alles in allem ist es spannend, weil sich mit Sicherheit vieles ändern wird. Und ich HOFFE auch, dass dem so ist!

    Die größte Hürde wird sein, das Misstrauen zu überwinden und Vertrauen aufzubauen.

    Danke für deine Zeit!

    Viele gute Wünsche!
    Oiseau

    Hallo, Jenny,
    also das gehört auch zu einer Co-Abhängigkeit?! Dass man es unbewusst genießt, den alkoholabhängigen Partner zu betüdeln und in Watte zu packen?

    Also, ich bin ziemlich sicher, dass ich zumindest in dieser Hinsicht nicht co-abhängig bin, denn ich hasse es, wenn er blau ist oder einen Kater vom Tag davor hat und er deshalb nichts auf die Reihe bekommt!!! Ich will einen Partner, der mich auch einmal "mitreißt", der aktiv ist, der sich seines Lebens bewusst ist! Insofern freue ich mich auf einen veränderten Mann an meiner Seite! Auf Augenhöhe, versteht sich!

    Das, was ich aber noch lernen muss, ist, wenn er wirklich wieder nicht aus seiner Passivität herauskommt, aus welchen Gründen auch immer, dass ich dann halt ohne ihn losziehe und genau so viel Spaß habe. Ein schwerer Brocken für mich!

    Oder aber, wenn sich nicht wirklich was ändert, es schaffe, mich zu trennen...

    Danke für deine guten Wünsche! Das baut mich sehr auf.
    Viele Grüße,
    Oiseau :)

    Danke, Jenny, für deinen erfahrenen Rat. Ich finde es übrigens auch ganz ganz toll von dir, dass du deine eigenen Erfahrungen an uns Betroffene weitergibst, obwohl du nicht mehr mit einem Alkoholiker zusammen bist. Du könntest ja auch sagen: Ich habe es hinter mir und gut! Also, großes Lob auch von mir!
    Ja, ich merke selbst, dass ich für mich auf einem guten Weg bin. Ich aktiviere Freundschaften, rede auch mit allen Freundinnen über den Alkoholismus meines Partners, damit ich sie nicht mehr anlügen muss. Das tut gut. Und die Reaktionen sind durchwegs sehr wohlwollend, positiv, verständnisvoll... auch meinem Partner gegenüber. Alle wünschen ihm, dass er es schafft und keiner hat die Beziehung zu mir/uns deswegen abgebrochen, was ich zuerst befürchtet hatte. Im Gegenteil: Es ist erschreckend, wie viele Menschen mit Alkohol Erfahrungen haben, meistens kennen sie einen oder mehrere andere, die Alkoholprobleme haben. Manche machen sich gar um ihre eigenen Partner Sorgen (Er trinkt auch viel zu viel und es wird immer mehr und er kann eigentlich gar nicht mehr ohne..)
    Gottis Geschichte werde ich mir gleich mal durchlesen und sie evtl. mal kontaktieren.
    Ja, und wie du selbst es schreibst: Ich kann nur allein entscheiden, ob ich bereit bin, mit meinem Partner weiterhin eine Beziehung zu führen, oder ob es sinnlos ist... wenn er sich nicht wirklich ändert.
    Dass er sich im Moment total verändert anhört, ist mir aufgefallen. Er redet plötzlich über SICH selbst! Das hat er vorher nie getan! Und er hat wieder Perspektiven.
    Ich bin gespannt.
    Liebe Grüße,
    Oiseau

    Hallo, Jenny,
    danke für deine liebe Antwort.
    Ja, mit Co-Abhängigkeit habe ich mich beschäftigt. In wieweit ich selbst co-abhängig bin, weiß ich nicht so genau. Ich weiß, dass ich meinen Partner im alltäglichen Leben nicht geschont habe, ich weiß auch, dass ich ihm niemals Alkohol beschafft habe. Seine Schwester hat das getan, dort war er dann auch oft, wenn er trinken "musste". Andrerseits war ich jedes Mal, wenn er bei seiner Schwester war, ziemlich fertig, fühlte mich verzweifelt und betrogen und sehr allein, so, wie wohl jeder Angehörige eines Alkoholikers es kennt. Was ich jetzt, in seiner kurbedingten Abwesenheit, lerne, ist, mir selbst Gutes zu tun, allein etwas zu unternehmen, nicht darauf zu vertrauen, dass andere mich begleiten. Das muss ich wieder lernen, und es ist ein mühsamer, nicht einfacher Prozess. Von daher denke ich, dass ich zumindest in diesem Bereich co-abhängig bin/war.
    Ich werde ihn bei seiner Rückkehr sicherlich ganz normal behandeln, ihn nicht ausfragen, drängen, mich in seine Angelegenheiten mischen und ich will versuchen, mein Misstrauen zu besiegen. Das wird sicherlich für mich das Schwierigste sein. Die Tatsache, dass er mich immerzu belogen hat und sich selbst und mir lange lange Zeit seine Sucht und seine Sauferei nicht eingestanden hat, verunsichert mich immer noch. Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses ist wohl enorm schwierig. Und hier hoffe ich, erst einmal in diesem Forum Hilfe und Rat zu erfahren. Dass ich mich evtl. noch um eine Selbsthilfegruppe bemühen werde, ist ziemlich sicher. Z.Z. ist es zeitlich etwas schwierig, vor allem auch, weil ich so viel an mir selbst und meiner Selbstständigkeit arbeite. In psychologischer Behandlung bin ich auch, das hilft mir im Moment ganz gut.
    Aber vielleicht weiß jemand einen allgemeinen Tipp, wie ich als Angehörige das Misstrauen überwinden kann. Wem von euch Lesern ist das gelungen, und wie habt ihr es geschafft? Oder ist es gar nicht möglich, die Ängste und das Misstrauen abzulegen??
    Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Nachmittag.
    Oiseau :D

    Hallo, Lenjana,
    ich bin ganz neu hier, habe aber schon seit längerem deine Geschichte verfolgt und wollte dir einfach mal sagen: Du machst alles ganz wunderbar und ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Mut deinen Weg zu gehen!
    Viele liebe Grüße,
    Oiseau