Beiträge von bokins

    Hallo Lena,

    ich habe mir bei 1-2 Bieren nie Sorgen gemacht. Und wenn, hielt ich eine Diskussion für überflüssig. Ich habe selbst ja auch ganz gern Bier oder Wein gertrunken.
    Nur bedenke, dass es eine Gratwanderung ist, regelmäßiger Alkoholkonsum wird sich irgendwann, für euch vielleicht unmerklich, steigern. So war es bei uns, und mein Mann hat damals leider nicht mehr den Absprung geschafft. Das schlimme daran war, dass er anfing heimlich zu trinken, sodass ich keine Chance hatte zu merken, um wieviel sich sein Konsum gesteigert hatte. Je mehr er trank, umso mehr vertrug er auch.
    Deine Sorgen sind also nicht unbegründet. Es kann, aber es muss nicht zu einer Alkoholabhängigkeit führen. Nur, wer kann das schon voraussagen?
    Auf jeden Fall solltest Du Deine Sorgen ernst nehmen, und ihm offen sagen, dass Du Angst vor einer stetigen Steigerung hast. Ich habe die Problematik damals leider auf die zu leichte Schulter genommen.
    lg, bokins

    Lieber Spedi,

    deine Worte machen mich nachdenklich. Klar haben wir den Willen unsere Beziehung zu retten. Vergeben habe ich meinem Mann schon. Er ist ja schon länger trocken. Was ein Rückfall bewirken würde, keine Ahnung. Da die Therapie meines Mannes ein Hauptaugenmerk auf die Depressionen wirft, habe ich natürlich gerade diesbezüglich Hoffnungen und Ängste. Er trinkt zwar nicht mehr, aber die Symptome der Depression sind allemal noch vorhanden. Hier wird/muss sich eine Veränderung einstellen.
    Was die Definition der Partnerschaft in der Therapie betrifft, hast Du mich beruhigen können. Klar, es geht um ihn. Aber unsere Liebe ist unsere Sache. Wenn es eine Therapie schafft uns auseinander zu bringen, dann ist das wohl auch richtig so. Bisher haben wir gemeinsam so viele Täler durchschritten und Berge erklommen, das werden wir auch noch packen. Ich sollte mich einfach nur auf die Veränderungen freuen!

    Danke und lieben Gruß, bokins

    Liebe Oiseau,

    Du hast mal wieder des Pudels Kern getroffen :wink: . Ich habe die Ängste, dass sich etwas verändert, was ich vielleicht so gar nicht will. Zumal mein Mann ja nun schon seit gut 2 1/2 Monaten trocken ist. Er hat sich ja hier zuhause schon sehr verändert. Aber es ist sein Leben,es sind seine Probleme! Jetzt kommt die Therapie, die aber bei ihm hauptsächlich seine Depressionen und seine Traumabewältigung behandeln wird. Da es aber auch eine Suchtklinik ist, hoffe ich auf eine "ganzheitliche" Therapie. Du magst Recht haben, dass ich vielleicht ja doch nicht so sehr an mir arbeiten muss, sondern alles in Ruhe auf mich zukommen lasse. Aber trotzdem bleibt ein Fünkchen Unruhe, was ist, wenn ich verpasse auf den Zug aufzuspringen? Mir hilft ja nunmal niemand dabei, zumindest hier vor Ort. Die Angst, die ich habe, dass mein Mann sich an mir vorbei entwickelt, entspringt ja auch ein wenig aus meiner Unsicherheit. Ich werde ihn auf jeden Fall besuchen können, 8 Wochen sind eine lange Zeit. Wir waren ja noch nie so lange getrennt..
    Ich hoffe, auch das Gespür entwickeln zu können, stop zu sagen, wenn er seine Therapie bei mir weiterentwickeln möchte, so wie Du. Aber ich bin von Natur aus sooo neugierig, das wird mir sicherlich schwer fallen :lol: .
    An den berühmten Kurschatten habe ich auch schon gedacht :oops: , wo da doch viele Frauen sein werden, die Gleiches erlebt haben, und viel mehr Verständnis aufbringen können. Und auch dort mehr Zeit haben als ich hier jemals hatte. Aber ich vertraue auf unsere langjährige gesunde Beziehung, und werde ihm nicht die Vorbereitungen auf den Aufenthalt mit unsinnigen Eifersüchteleien erschweren.
    Ich danke Dir für deine guten Wünsche,
    mögen sie eintreffen!!!
    Ich werde auf jeden Fall berichten, wie es so läuft.
    Liebe Grüße, bokins

    Hallo Kathrin,

    ja, ich begreife das. Mir wäre nur wohler, wenn ich die Veränderungen, meine und seine, irgendwie vorausahnen könnte. Weißt Du, ich habe einfach Angst, auf etwas zu treffen, womit ich nicht gerechnet habe, also quasi unvorbereitet. Das ist sicherlich darin begründet, dass ich immer gern über alles Bescheid weiß, naja, in Deinen Augen wahrscheinlich die totale CO-Abhängigkeit. Aber Du hast ja gelesen, ich glaube nicht an das Ende einer CO-Abhängigkeit. Sie wird mich mein Leben lang begleiten, ich sehe es als Charakterzug an, als unabdingbare Konsequenz aus Beziehungen, die aus Geben und Nehmen bestehen. Ich kann nur meine Einstellung dazu verändern. Und genau daran muss ich arbeiten.

    lG, bokins

    Hallo Kathrin,

    ja, genau davor habe ich Angst.
    Was bekommt man in einer Therapie denn gesagt? Das die Familie erst mal hinten an steht. Der Kranke ist der wichtigste Mensch auf Erden. Sind nicht vielleicht sogar die Ehefrauen/männer ein bisschen Schuld? Sie lieben zu wenig, zu viel, eben nicht richtig für den alkoholkranken Menschen. Und wir stehen nachher wie belämmert vor einen Haufen Elend, denn uns hat niemand gesagt, wie wir uns am besten verhalten sollen, und was wir evtl. falsch gemacht haben und in Zukunft besser machen könnten. Wenn wir wollen.
    lG bokins

    Hallo,

    @ karotte: Doch doch doch, ich habe Hobbys. Meine Hunde sind ein großes Hobby, ich lese furchtbar viel, ich stricke (hilft enorm beim entspannen, wohl ähnlich wie malen), ich treibe Sport, treffe mich auch mit Freunden. Darum geht´s auch nicht. Ausgelastet bin ich in der Zeit bis zum Rand. Und mit mir selbst was anfangen kann ich auch. Ich meinte nur, dass ich an mir persönlich arbeiten muss, ich glaube auch das Kaltblut´s Frage nicht auf meine Hobbys abzielte, sondern auf meine Vorbereitung auf den "neuen Mann", die Lawine ist wohl auch nicht meine erdrückende Liebe, sondern eher die Veränderungen durch die LZT, die mein Mann bald beginnen wird. Ich war mir immer sicher, dass ich eine Therapie sicherlich nicht benötige, bisher habe ich immer alles mit mir allein ausgefochten. Mal sehen...
    @ webby: Ja, das Buch habe ich auch "angelesen", fand aber nicht, dass es auf meine Situation zutrifft. Ich persönlich steh eh nicht so sehr auf Lebensratgeber, dafür sind die Leben einfach viel zu unterschiedlich..

    Lieben Dank für Eure gut gemeinten Tipps, lG, bokins

    Hallo kaltblut,

    ja, eine gewaltige Lawine wird kommen,egal ob mit edelen Sternen oder mit vier Ringen, das spüre ich. Wie ich die Zeit nutzen werde? Und das auch noch sinnvoll? Keine Ahnung. Ehrlich, ich weiß es nicht. Dachte eben so, dass ich mir viel zu wenig Gedanken um mich mache. Ich versuche ja immer an mir zu arbeiten, aber irgendwie klappt das nicht. Mir sind die Probleme anderer lieber...Sind es dann meine?
    Habe große Angst vor dem Gewaltigen, dem ich nicht entfliehen kann..werde also die Zeit nutzen, um zu lernen wie ich an mir arbeiten kann um auf der Lawine zu reiten, und nicht unter ihr begraben zu werden.


    LG bokins

    Liebe Oiseau,

    bei uns hat sich einiges getan. Mein Mann kommt am 06.05. in die Klinik. Leider sehr weit weg,570 km, aber eben eine Spezialklinik, sein Therapeut nannte sie den Mercedes unter den Kliniken. Ich habe sehr zwiespältige Gefühle wenn ich daran denke, zum einen freue ich mich für ihn und hoffe sehr dass ihm dort geholfen werden kann. Zum anderen, und das macht mich auch widerum sehr nachdenklich, freue ich mich auf die Herausforderung, ohne ihn für einige Wochen zurecht kommen zu müssen. Manchmal glaube ich, dass ich Probleme magisch anziehe, weil ich deren Lösung liebe. Weil ich mich dann einfach besser fühle. Und da komme ich zum Thema "sich im Kreis zu drehen". Da geht es nur um mich, um meine Art an die Dinge heran zu gehen. Ich bin sehr direkt, und sehe jedem Problem eigentlich auch offen entgegen. Eine Lösung hat sich bisher immer gefunden. Als mir mein Mann das ersten Mal gestand, mit dem Alkohol ein Problem zuhaben (ist viele Jahre her), war ich geschockt, habe aber gleichzeitig gedacht, schön, wieder ein Problem das du lösen kannst. Ist das nicht schizophren? Ich bin nicht der große Retter, ich fühle mich nicht aufgewertet, wenn ich helfe oder organisiere, ich bin einfach nur ich. Mit meinen Stärken und Schwächen. Und ich drehe mich im Kreis, weil sich bei mir einfach nichts ändert. Ich lese hier, und schüttele oft den Kopf, bin manchmal ensetzt, oft glaube ich auch nicht was ich lese, weil es außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt, aber ich lerne nicht wirklich daraus. Alles geht seinen gewohnten Gang, alles ist o.k. Also frage ich mich oft: habe ich überhaupt Grund mich zu ändern? Ist das überheblich? Was suche ich hier überhaupt? Oder bin ich so festgefahren in meinem Leben, dass ich diejenige bin, die dringend einen Therapeuten benötigt? Habe ich meine Angehörigen mit meiner Liebe zu dem gemacht was sie sind? Bin ich wesentlich an der Alkoholsucht meines Mannes beteiligt? Weil ich diejenige bin, die immer alles hinkriegt, die immer Lösungen für alle Probleme zu wissen scheint. Weil ich meinen Mann zum Reden dränge, wenn ich meine dass es Zeit dafür sei?
    Ich bin das Gegenteil einer duckmäuserischen Ehefrau, die aus Angst vor finanziellen Verlusten und moralischen Konsequenzen die Alkoholsucht des Ehemanns erträgt.Ich liebe mein Leben, und habe akzeptiert, dass dazu eben ein alkoholkranker Mann gehört.Ich sagte mal, ich fühle mich symbiotisch mit ihm verbunden. Daher suche ich Lösungen hier für mich, die ich nie finden werde. Und das meine ich mit "im Kreis drehen".
    Mein Mann liebt sein Leben mit mir auch,da bin ich sicher.Ich bin nicht seine erste Ehefrau, und wir sprechen oft über unsere Beziehung.
    Nein, überfordert fühle ich mich selten. Vielleicht ausgenutzt, aber das ist meine Schuld, habe wir ja schon angesprochen, ich delegiere ungern. Siehst du, Oiseau, ich kenne nicht mal die Fragen auf die Antworten die ich suche. :roll:

    Nun bin ich gespannt auf die Zeit des Klinikaufenthaltes....
    Ich wünsche Dir eine gute Zeit,
    lieben Gruß, bokins

    Liebe Oiseau,

    habe gerade erst dein posting gelesen, da ich nach meinem "Geschreibsel" bei kaltblut weg musste.

    Habe gerade auch erst kaltbluts Antwort gelesen. Ich werde jetzt mal in mich gehen, und Dir morgen auf deine Fragen antworten.

    Aber vorab, mir erging es wie Dir, viel lesen, wenig schreiben. :roll:

    Lieben Gruß und morgen einen schönen Tag wünscht Dir bokins

    Lieber Kaltblut,

    ich lese deine Beiträge eigentlich immer. Wenn ich sehe , dass du geantwortet oder selbst geschrieben hast, klick ich den Beitrag an. Viele Dinge verstehe ich nicht, muss ich auch nicht. Viele Antworten die du bekommst versteh ich genauso wenig, aber muss ich auch nicht. Des Einen Denken ist halt nicht des Anderen Denken. Man kennt sich hier nur "visuell", daher habe ich immer so meine Probleme mit dem Forum. Ich versuche das Beste aus den gelesenen Beiträgen herauszunehmen, aber manchmal bin ich einfach nur frustriert. Du formulierst deine Gedanken oft über das Knie in den Rücken durch den Kopf auf die Tastatur (so kommt es mir vor), und ich ärger mich manchmal über mich selbst, dass ich denke: So'n Quatsch ( :roll: ), er mal wieder. Ich mag es aber, das du einfach nur schreibst, wie du dich fühlst, ich hingegen versuche immer sehr konkret zu sein. Konkrete Frage, konkrete Antwort. Das ist auch einer der Gründe, warum ich oft eine Antwort tippe, und sie dann doch nicht abschicke. Du bist schon so lange dabei, und man hat vor ein paar "Autoren" hier im Forum soviel Respekt, dass man sich einfach nicht traut, sich einzumischen. Ich habe es bei Currlinger einmal getan, weil mich seine Einstellung zur Weißglut trieb, und habe es bitter bereut. Ich habe gedacht, du gehörst doch gar nicht dazu, was bildest du dir ein, deine spontanen Gedanken in einen threat zu bringen, in dem du nichts zu suchen hast. Das ist wie auf einer Party, wo sich alle kennen und du niemanden, und du sagst :" Die Leute hier waren aber auch schon mal besser drauf".
    Ich suche hier auch Hilfe, oder vielleicht auch nicht, ich weiß es nicht. Das Lesen hier hat mich ein wenig süchtig gemacht, aber oft dreht man sich im Kreis. Wie der, der um sich um die Litfaßsäule tastet und ruft: :Hilfe, ich bin eingemauert." Ich finde einfach keine passenden Antworten für mich, und mein Blick scheint sich nicht von meinem Inneren abwenden zu können. Gut, wenn es jemand schafft sich umzukrempeln. Gut, wenn man ausser "Mein Mann trinkt und ich weiss nicht was ich machen soll" auch noch andere Erfahrungen mitbekommt.
    Ich hoffe, mich nicht wieder mal unberechtigterweise eingemischt zu haben, aber ich musste das mal loswerden. bokins

    Liebe Kathrin,

    Deine Worte machen mich sehr nachdenklich. :?
    Wie lebst Du denn heute? Bist Du immer noch in der Rolle der starken Retterin? Oder hast Du den Schalter umgelegt?
    Wenn es möglich wäre, meinen Schalter mal umzulegen, alles an Verantwortung mal abzugeben, ich weiß nicht ob ich es täte...
    Wäre mein Leben noch ausgefüllt? Ich habe mich mal gefragt, was wäre wenn? Wenn mein Mann nicht mehr da wäre, wenn meine Familie so gar nicht existieren würde. Mein Beruf nicht so "ausfüllend", was täte ich dann?
    Ich weiß darauf keine Antwort. Weil es nie zum Stillstand kommt. Weil mein "Kartenhaus" ja noch steht. Ich kann mich nicht in eine andere Situation für mich hineinversetzen. Der Gedanke an eine Veränderung, die ich nicht bewußt herbeiführe, macht mir Angst. Also bin ich glücklich alles unter Kontrolle zu haben. Muss ich mir die Frage stellen,ob ich Heldin und Retterin der Anderen bin, und mich deswegen in der Rolle so wohl fühle, oder tue ich alles für mich und meinen Seelenfrieden? Ich fühle mich nicht als Retterin, ich tu doch nur was ich meine tun zu müssen. Hast Du dich so gefühlt?
    Die Frage tut mir auch weh.
    An wen könnte ich mich schon wenden, wenn es bei mir nicht mehr rund läuft. Dann bräche mein "Kartenhaus"sicherlich zusammen.
    Das Leben ist eben so. Die Starken tragen die Schwachen mit.


    Einen "leisen" Gruß an Dich
    bokins

    Hallo Ihr,

    ich hatte das Wort Kartenhaus wohl missverstanden. Klar kann alles plötzlich zusammenbrechen. Wenn ich mir vorstelle, dass bei uns nun auch noch eine andere Krankheit auftreten könnte, würde mein "Kartenhaus" sicherlich zusammenbrechen. Aber momentan stemme ich die Situation ganz gut, und ich spüre auch, dass ich dabei wachse und fortkomme, und auch daraus lerne, für mich und mein Leben, mein ganz persönliches Leben. Also reibe ich mich doch nicht nur für andere auf...
    Danke Oiseau für Dein "mutmachen". Mir geht es gut, meistens. Und ich sehe immer nach vorn. Nur dann kann man auch einschätzen was auf einen zukommen könnte und ist gewappnet. Ich habe gerade in Deinem threat gelesen, und Dein Statement bezüglich der Trennung fand ich richtig gut. Genauso sehe ich das auch. Zusammenhalten kann man nur, wenn an beiden Seiten gearbeitet wird, und man sich als gleichwertigen Partner in einer Partnerschaft sieht.Man darf sich nie erniedrigen lassen!!! Das würde ich für mich auch nicht zulassen.
    Vergissmeinnicht, ich habe Dich jetzt schon verstanden, mir geht es auch so, hier nicht immer die richtigen Worte finden zu können. Und wenn ich meine Antwort eingestellt habe, meine ich oft es auch besser anders ausdrücken zu können.Aber bei längerem Nachdenken habt Ihr ja vielleicht in einigen Dingen auch mehr Recht als ich zugeben mag(Stichwort Aufgabenverteilung).Ich denke heftig drüber nach. Dazu ist der Austausch ja schließlich da.Habe heute z.B. in einem Forum für Burn-Out Patienten geschnuppert, da stehen auch einige interessante Dinge, die auf mich zutreffen...

    Es grüßt Euch ganz herzlich und wünscht einen angenehmen Abend, bokins

    Liebe Lilly,

    vielen Dank für Deine vielen Gedanken.

    Zunächst verstehe ich unter dem Begriff Symbiose
    (griechisch symbionn = zusammenleben) das Zusammenleben zweier Arten zum wechselseitigem Nutzen. So sehe ich auch meine Partnerschaft. Mein Mann ergänzt mich und ich ergänze ihn. Wir nutzen uns gegenseitig, und für mich sicherlich nicht ungesund.

    Da ich seit vielen Jahren mit einem depressiven und unter einem PTBS leidenden Menschen zusammenlebe, weiß ich durchaus, dass der Partner Gefahr läuft auch depressiv zu werden. Ich bin sehr stolz darauf, es nicht geworden zu sein. Ich würde niemals das Wort Depression als Schimpfwort benutzen, dafür hat mir diese Krankheit bei meinem Mann zu oft ihr Gesicht gezeigt.Ohne meine Hilfe hätte mein Mann sicher nicht den Schritt in seine trockene Phase geschafft, da ich auch wie Du einen engen Zusammenhang zwischen Depression und Alkoholismus sehe. Das ich in einer speziellen Definition CO-abhängig bin, wurde mir hier erst nach und nach bewußt, daher wies ich es am Anfang von mir. Ich hatte da eine andere Definition im Kopf. Ich bin sicherlich CO-abhängig. Daran versuche ich auch zu arbeiten.

    Wenn ich mit meinem Mann abends im Bett rede, dann ist es von mir ein Instrument gegen seine Verhaltensmuster zu agieren. Er läuft gern weg, flüchtet in den "Alltag", und nur vorm Schlafen kamen bisher gute und für unsere Symbiose nuztvolle Gespräche zustande. Jeder mag da sein eigenes Patentrezept haben, aber ich glaube ich weiß,wann ich meinen Mann zum reden bewegen muss. Ich bedränge ihn nie.
    Nur ich denke, dass wir unsere Ängste (z.B. vor einem Rückfall) nicht verdrängen dürfen, indem wir unseren Partner machen lassen, und wir unser Ding machen, das ist es ja eben nicht was ich will.
    Die Grenze zu ziehen ist sehr schwer, und da muss sicherlich jeder seinen eigenen Weg finden. Es wäre mal ganz interessant, was mein Mann dazu sagt, ich werde ihn mal fragen. Denn über ein "Helfersyndrom" meinerseits und dessen Auswirklungen auf mich und auf ihn haben wir noch nie gesprochen. Ich machs dann auch mal nicht im Bett :lol: Ist er auch Deiner Meinung, würde mich das zwar sehr erstaunen, aber dann hast Du sicherlich Recht, muß ich dringend an mir arbeiten und mein Leben neu überdenken.

    lG, bokins

    Liebe Oiseau,

    mein aktiver Sonntag verlief "geruhsam". Ich bin morgens eine große Runde mit den Hunden und einer Freundin spazieren gegangen. Anschliessend sind wir Essen gegangen, weil wir alle keine Lust aufs Kochen hatten.(Mein Mann und meine Mutter wechseln sich mit dem Kochen ab, müssen ja beide was zu tun haben!) Dann habe ich ein paar Stunden im Büro verbracht und abends "rumgelungert". Du siehst, ich nehme mir schon meine Auszeit.
    Wie Du schon sagst, wir kenne uns nicht wirklich, und nur durch das Austauschen hier, lernen wir die anderen auch nicht wirklich kennen. Daher habe ich das Wort "Kartenhaus", was vergissmeinnicht wohl für mein Leben wählte, auch nicht persönlich genommen. Ich wäre sehr traurig, wenn mein Leben, mein ganzes Streben, meine Zukunft und meine Liebe ein Kartenhaus wäre, was jeden Moment zusammekrachen wird.
    Klar bin ich manchmal überfordert. Klar bin ich manchmal genervt. Klar möchte ich manchmal die Brocken hinwerfen, weil ich das Gefühl habe nur noch funktionieren zu müssen. Aber geht das nicht allen verantwortungsbewußten Menschen so??? Dem einen halt mal mehr, dem anderen weniger. Ich liebe mein Leben mit meiner Familie, ich fühle mich auch Wohl in der Rolle der "Ernährerin", bin auch stolz auf mich. Das man im Laufe seines Lebens mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen hat, sollte uns allen bewußt sein. Das bei uns der Kampf mit dem Alkohol dazugehören würde, haben wir uns alle nicht ausgesucht.

    Mein Mann wartet auf den Termin in der Klinik, man sagte ihm, es könne durchaus noch 1-2 Monate dauern. Nun müssen wir wieder einmal geduldig sein...

    Er war ins einer nassen Zeit auch so hilfsbereit, er hat ja nicht permanent getrunken, sondern nur phasenweise, aber dann exzessiv. In der letzten Phase seiner nassen Zeit, war es für ihn nicht mehr so möglich seinen Part zu übernehmen, aber das ist nun wieder völlig o.k.

    Aber depressiv bin ich wirklich nicht !!!! Das ist so, würdet ihr mich persönlich kennen, müsstet ihr über diese Einschätzung sicherlich schmunzeln.
    Ich schrieb ja auch mal, das ich nicht genau weiß, wie ich meine Gefühle und Einschätzungen in Worte fassen soll, ohne das man mich missversteht. Das ist halt übers Netz nicht so einfach.

    Wenn ich meinen Beitrag jetzt so durchlese, dann frag ich mich, ob ich hier im Forum überhaupt richtig bin....
    lieben und nachdenklichen Gruß, und danke, Oiseau für Deine lieben Worte, bokins

    Hallo Oiseau,

    ja, ich kenne das auch. Meine Familie (Geschwister) sind auch ziemlich "trinkfest". Wir spielen ab und an zusammen Karten, und jetzt wird mir erst richtig bewußt, wie sich ihr Verhalten im Laufe des Abends verändert durch den Alkoholkonsum. Ich bin dann immer sehr froh und auch stolz, nüchtern daneben zu sitzen..

    Meine Mutter umsorge ich eigentlich gar nicht so sehr, ich bin einfach nur da. Ich sitze in meinem Büro und wenn sie mag, kann sie sich dazu setzen. Dann können wir uns auch nebenbei etwas unterhalten. Wir erledigen auch einige Dinge für sie, weil Sie kein Auto hat. Also, ich zerreisse mich nicht für meine Mutter. Eher wohl für meinen Mann. Ich muß gestehen, das sich momentan sehr viel Rücksicht nehme, ich denk mir, dass er erstmal seine Reha hinter sich bringen muß. Dann wird sich von selbst etwas ändern, und das lass ich auf mich zukommen. Bin also im Moment in einem "Übergangszustand". Prinzipiell hast Du natürlich Recht, ich strebe auch immer nach Perfektion, und merke vielleicht gar nicht, dass ich meinen Mann und meinen Sohn in ihrer Bequemlichkeit unterstütze, oder was noch schlimmer ist, an ihrem Fortkommen und ihrer Entwicklung hindere. Ich werde das auf jeden Fall in unsere Zukunftsplanung mit aufnehmen.
    lieben Gruß, bokins

    Hallo Oiseau,

    jetzt hole ich Deinen Threat mal nach oben :lol:

    Ich finde es sehr schön, dass Du einen Partner hast der Dich verwöhnt. Der nun verantwortungsvoll mit sich und auch mit Dir umgeht. Den Du sicherlich erstaunern wirst, wenn Du an Deinem Selbstbewusstsein bastelst und ihn jederzeit in ein Gespräch "verwickeln" kannst. Wenn ich von Dir lese hört sich das eigentlich trotz kummervoller Worte positiv an. Halte daran fest! Ich bin davon überzeugt, dass Du das schaffst !

    Das wollte ich nur mal sagen.

    Genieß den Tag, bokins :wink:

    P.S: Ich werde jetzt ein paar Runden"funktionieren" gehen. (Arbeit ruft) :lol:

    Hallo Ihr,

    lieb dass Ihr Euch Sorgen macht. Aber von deiner Depression bin ich meilenweit entfernt. Über all den Stress, über all den Kummer habe ich meinen Sinn für Humor niemals verloren. Ich glaube nur deshalb halte ich so lange schon so viel aus. :wink:

    Ich lache gern und viel und bin eigentlich für meine lustige Art bekannt. Das ich mir oft eine Auszeit von anderen Menschen hole, liegt daran, dass ich so gern meine "Powerspaziergänge" mache und dabei mit mir selbst rede. Klar, ich könnte nun anfangen mich "selbst zu verwirklichen", aber das will ich gar nicht. Ich habe definitiv ein Helfersyndrom und kann damit auch leben. Gut, es klingt hart wenn ich sage, dass ich immer funktionieren muss, aber so ist es nun mal.
    vergissmeinnicht, zöge ich aus Deinen Worten eine Konsequenz, müsste ich hier meine Sachen packen und irgendwo neu anfangen. Aber auch das will ich nicht. Ich möchte hier, mit meiner Familie leben. Ich müsste e öfter sagen was zu machen ist,wer mir wie helfen könnte, Oiseau, da hast Du vollkommen Recht. Das werde ich tun. Verspochen. Es müssen einfach alle auch mal ein bischen Rücksicht auf mich nehmen. Sie bemerken es nicht, weil ich immer funktioniere. Und ich bin auch kein Mensch, der sich beschwert. Ich habe genug Eigenverantwortung ,als dass ich die Schuld an meiner Situation bei einem anderen Menschen suche. Mein Mann ist sehr hilfsbereit, und er erledigt seinen Part (Kochen und Einkaufen) sehr gewissenhaft. Wenn ich ihn bitten würde das ein oder andere für mich zu erledigen, würde er es bestimmt tun. Aber ich bin so ein Typ, habe etwas schneller selbst erledigt, als es erst lang und breit erklären zu müssen. Oiseau, ich weiß nicht, was ich noch für mich tun soll, meine Zeit ist nun mal durch meine Arbeit sehr begrenzt. Ansonsten lese ich sehr viel, ich spiele mit unserem Sohn, stricke beim Fernsehen und treffe mich ab und an mit Freundinnen. Ich sitze oft Samstags und Sonntags im Büro, das läßt sich leider momentan nicht ändern.
    Ich bin sehr eingespannt, aber ich gehe abends auch zufrieden (mit mir) ins Bett. Vielleicht seht ihr in meinen Worten etwas, was ich noch nicht sehe, ich werde heute abend mal in mich gehen und über Eure Antworten genauestens nachdenken.

    Ich danke Euch, lieben Gruß, bokins

    Liebe Oiseau,

    da triffst Du eine wunde Stelle, wenn Du sagst dass meine Mutter es auch allein geschafft hätte. Über diese Meinungsverschiedenheit bin ich mit meinem Bruder in bisher ungelöste Konflikte gestürzt. Lange Geschichte, aber sehr traurig für mich. :cry:

    Ich glaube, dass sich niemand so recht um mein Wohl kümmert ist mein "Schicksal". Wenn ich nicht funktioniere, bricht ja alles zusammen. Finanziell, emotional und auch so. also funktioniere ich. Weißt Du was ich meine? Ich kann es mir einfach nicht leisten mal nicht zu funktionieren. Aber wie beschrieben, ich schnappe mir meine Hunde und geh ne Runde. Das mache ich konstant jeden Tag, die brauchen viel Auslauf. Hab momentan nicht so viel Zeit, schreibe morgen weiter.

    Ich wollte Dir noch sagen, dass ich mich immer sehr auf Deine Antworten freue, Du hilfst mir enorm, meine Gedanken zu ordnen. Danke und gute Nacht, bokins
    P.S. Ich freue mich natürlich auch immer über andere Antworten, nicht dass das jemand falsch versteht...