Beiträge von EinNeuer

    Hallo zusammen,

    Nun, meine Einstellung zu dem Thema "trinkendes Umfeld", wie es hier in den letzten Beiträgen diskutiert wird, ist ja bekannt.
    Mir hat das nie was ausgemacht und macht es auch nichts aus. Und ich schreibe absichtlich "trinkendes" und nicht "saufendes".

    Auch wenn ich alkoholkrank bin, würde ich es vermessen finden, Bekannte, Freunde und Familienmitglieder als "saufend" zu titulieren, wenn diese mit Alkohol kein Problem haben. Säuft ein Bekannter, wenn er mal ein kleines Bier auf einer Feier trinkt? Sicher nicht.

    Ich für mich verspüre in deren Anwesenheit weder Neid, Druck noch sonstige negativen Gefühle.
    Allerdings besuche ich natürlich keine öffentlichen Feste, auf denen wirklich hauptsächlich gesoffen wird. In meinem privaten Umkreis gibt es sowas nicht.

    Es kann aber auch abschrecken und heilsam sein, mal einen Betrunken zu beobachten.

    Wie schon öfter geschrieben: Jeder sollte das für sich entscheiden. Wenn man unsicher ist, ist es besser, sich nicht mit Menschen zu umgeben, die hie und da Alkohol trinken.

    Und wie auch schon erwähnt: Mit Aussagen wie "... das ist der einzige Weg ...", "... das muss für jeden gelten ....", "... es geht nur so ..." würde ich vorsichtig sein. Mir fehlt da oft der Zusatz: "FÜR MICH ist es so ..."

    Wünsche Euch einen wunderschönen, trockenen Sommertag!
    Liebe Grüße,
    EinNeuer

    Hallo zusammen,

    [quote='-Maria-']
    Bei deinem Thread-Titel stellte sich mir sogleich die Frage: Was kann für einen trockenen Alkoholiker überhaupt als eine gute Gesellschaft gelten?

    Ich habe diesen zweideutigen Titel gewählt, um neugierig zu machen. Berufskrankheit! :wink:

    Wie schon erwähnt: Ich denke, jeder ist anders, hat eine andere Trinkvergangenheit und andere Denk- sowie Suchtmuster. Und wie auch schon geschrieben: Gehe mit dem speziellen Thema jetzt sensibler um.

    Tja, morgen sind es zwei Monate. Zwei Monate nüchtern! :D

    Allerdings ertappe ich mich die letzten Tage immer wieder bei Versuchungsgedanken. Aber bis jetzt bin ich stark und habe den absoluten Willen, das jetzt durchzuziehen. Es sind (bei mir) ja wirklich nur Momente, ein paar Minuten oder so, in denen mich Whiskey anmacht.
    Mit Ablenkung, Schokolade und Tee komme ich aber gut durch diese kurzen Abschnitte.

    Und! Die Sonne scheint! Endlich. Ich hoffe, Ihr habt auch so schönes Wetter wie ich hier. Wurde nach den grausig kalten und verregneten letzten Wochen ja auch wirklich Zeit.

    Wünsche Euch ein wunderbares trockenes Wochenende,

    Liebe Grüße,
    EinNeuer

    Hallo sunshine 77,

    ich denke, wenn Du ihn liebst, solltest Du ihm Zeit lassen. Kann gut sein, dass Zukunft recht hat, wenn er sagt, dass Dein Freund jetzt vieles klarer sieht und erst jetzt seine Gefühle und Pläne hinterfragt.

    Es kann aber auch sein, dass er sich jetzt in einer Art "erster Euphoriephase" befindet und meint, er könne alles, jede, sofort und überhaupt und sowieso könne er alles alleine. Damit meine ich jetzt gar nicht nur das Trockenwerden sondern das Leben überhaupt.

    Etwas Abstand tut in so einer Situation sicher gut.

    Wünsche Dir das Beste,
    EinNeuer

    Liebes Murmeltier,

    Mir scheint, Du bist jetzt leicht in Panik geraten. Auch wenn es jetzt abgedroschen klingt: Geh mal kurz raus (reicht auch Balkon oder Garten) und atme mal durch. Leg Dich vielleicht kurz hin und versuche ruhig zu atmen und nachzudenken.
    Du wirst sehen, alles halb so schlimm. Du schaffst das! :D
    Die Schlaftablette würde ich um die Zeit eher als letzten Notnagel sehen. Besser, als zu trinken. Aber nicht wirklich anzuraten.

    Und ganz wichtig! Was Du jetzt erlebst, ist kein Rückschritt. Da gibt es keinen Grund zur Verzweiflung, für Stress oder für Scham. Das ist ein heftig auftretender Saufdruck. Mehr nicht. Das erleben viele. Zum Rückschritt wird es dann, wenn Du ihm nachgibst und trinkst.

    Bleib bitte trocken!
    EinNeuer

    Liebes Murmeltier,

    OK. Ruhig bleiben! Ich habe hier mal was gelesen – das ging ungefähr so:
    Gehe in den Dialog mit dem Alkohol.
    Was will er Dir sagen? Trink mich?
    Du weisst, er ist Dein hinterhältigster Feind! Er gibt sich als Dein Freund aus. Er verspricht Dir jetzt Trost, Linderung und Entspannung. Aber die Rechnung präsentiert er Dir mit seiner Teufelsfratze. Auf solche Freunde kann man verzichten, oder?

    Ich bin mir sicher, Du überstehst das. Viel Wasser trinken, viel Tee, was Süßes essen gegen den schlimmsten Druck. Reden! Rede mit jemanden aus Deiner SHG.

    Und das Beste: Es geht vorrüber. Denk mal an die nächsten Tage, wie froh Du sein wirst, nicht nachgegeben zu haben.

    Viel Glück, Kraft, Mut und bleibt trocken,
    EinNeuer

    Hallo Glenny, hallo alle zusammen,

    nur nichts trinken reicht nicht. Für mich war und ist das fast der schwierigste Teil. Was tun? Wie ändern? Klar, man kann sich an die Grundbausteine halten. Man kann vorbeugend denken und handeln. Aber reicht das aus? Fürs Erste vielleicht. Und sie sind eine gute Orientierung. Aber dann?

    Ich denke, die wenigsten von uns sind einfach so in die Sucht abgerutscht. Einfach, weil man schon in jungen Jahren – jetzt an die Männer hier – "Männlichkeit" beweisen wollte und mittrinken "musste". Das haben viele gemacht. Und sind nicht süchtig geworden.

    Depressionen, Panikattaken, Unsicherheit, Angstgefühle, usw.? Bei jedem liegt ein tieferer Grund für seine Sucht. Oder, wie ich letzthin auf einem Vortrag von einem leitenden Arzt einer Suchtklinik hörte, liegt es, und er sprach von wieder neuen Erkenntnissen der Suchtmedizin, wirklich zu 70% an den Genen?

    Bei diesen tieferen Gründen liegt, so denke ich, auch der Schlüssel zur Veränderung. Ein guter (und ich schreibe hier wirklich GUTER!) Psychotherapeut kann da sehr viel helfen. Auch eine verantwortungsbewusst und natürlich vom Arzt verschriebene Medikamentation kann helfen. Ich weiss, dass viele von Medikamenten nicht viel halten, weil die Einnahme auch die Gefahr einer Suchtverlagerung beinhaltet. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es besser ist, sich an Therapie und Medikamente zu halten, als zu saufen.

    Davon abgesehen, und da werden mir wahrscheinlich alle Betroffenen Recht geben: Alkohol verstärkt die oben genannten Krankheitsbilder wie zb Depressionen oder Angstzustände nur. So kenne ich das zumindest von mir. Er hat kurzfristig, als "Medikament" eingesetzt, geholfen. Aber auf Dauer macht er alles nur schlimmer.

    Was ich sagen will: Mit klarem und nüchternem Kopf kann man die Probleme angehen. Man kann wieder Kapitän seines eigenen Schiffes werden, das Steuer in die Hand nehmen. Betrunken geht das nicht. Unkritisch und praktisch willenlos treibt man durchs Leben. Schenkt seine ganze Energie und Kraft dem Alkohol.

    Ich denke, dass Veränderung nicht von heute auf morgen passiert. Es ist ein Prozess. Denn auf einmal ist soviel Kraft da. Nicht nur Zeit. Sondern Energie und Kraft. Wieviel Kraft, Energie und Willen muss man aufbringen, um eine Entgiftung zu machen? Wieviel, um aufzustehen, der Kreislauf am Boden, die Hände zitternd, der erste Schluck Alkohol am Morgen trockenkotzend runterwürgend und dann noch in die Arbeit? Jemand, der soviel Kraft aufbrachte, hat sie auch im trockenen Leben. Und mit dieser Kraft lässt sich einiges machen ... Eben auch den Weg zu finden und zu gehen, der über das "Nichtstrinken" hinausgeht.

    Liebe Grüße,
    EinNeuer

    Zitat

    Oder ich gehe eben frühzeitig.

    Warum lässt du dir diese türe auf? Doch experimentieren , versuchen oder probieren?

    Ich vermeide. Mit frühzeitig meine ich zb, dass es am Nachmittag Kaffee und Kuchen gibt und ich dann später, wenn die ersten Alkohol trinken und es zu einer "alkoholgeprägten" Feier auszuarten droht, gehe.

    Ich möchte noch eines klarstellen: Ich will hier nicht als der Neue Kurzzeittrockene gelten, der hier reinkommt und alle Meinungen und Ratschläge inkl. Grundbausteine über den Haufen schmeissen will. Nicht dass ich da falsch rüberkomme. Eure Meinungen und Ratschläge helfen mir sehr und ich nehme sie auch gerne an.

    Vielleicht bin ich bei dem Punkt anderer Meinung als die meisten, weil ich immer in meiner Wohnung getrunken habe. Das ist der gefährlichste Raum für MICH. Und in der Öffentlichkeit habe ich vielleicht das Gefühl, dass gute Freunde auf mich "aufpassen". So blöd das jetzt klingt. Zudem arbeite ich als Selbständiger zu Hause. Ich muss hin und wieder raus. Sei es in die Natur oder eben unter Menschen. Sich einigeln tut mir nicht gut. Da entsteht wirklich Saufdruck bei MIR.

    Aber wie geschrieben: ich werde mit dem Thema sicherlich sensibler umgehen in Zukunft.
    Und Danke nochmal.

    Liebe Grüße,
    EinNeuer

    Hallo zusammen,

    Erstmal ein herzliches Dankeschön für die vielen Ratschläge, Tipps und Meinungen! Interessant, wieviele Langzeitrockene hier eine Sprache sprechen.

    Das Grillfest war übrigens nur ein Beispiel aus der Vergangenheit. Also keine Feier, die jetzt unmittelbar bevorsteht.

    Ich werde in Zukunft sicher bewusster mit dem Thema umgehen. Übrigens meide ich natürlich auch Feiern, bei denen im Vorhinein klar ist, dass es in ein Besäufnis mündet. Da habe ich nichts verloren und macht mir auch keinen Spaß. Oder ich gehe eben frühzeitig.

    Liebe Grüße,
    EinNeuer

    Hallo zusammen,

    Nachdem in einem anderen Thread eine Diskussion über das Thema „mein persönliches Umfeld – trocken oder trinkend“ angefangen hat, habe ich hier nun ein eigenes Thema eröffnet.

    Wie haltet ihr es mit Eurem Umfeld oder besser gesagt, mit den Menschen, mit denen ihr euch umgebt oder – manchmal auch aus beruflichen Gründen – umgeben müsst?
    Manche sind der Meinung, dass gerade am Anfang einer „Trocken-Karriere“ auf jeglichen Kontakt mit Menschen, die in eurer Anwesenheit Alkohol trinken, verzichtet werden muss.

    Ich bin da – obwohl ich (leider noch nicht) über die Erfahrung eines Langzeitrockenen verfüge, anderer Meinung. Ich denke, dass das Thema „soziales Umfeld“ bei trockenen Alkoholikern dann eine sehr große Rolle spielt, wenn dieses Umfeld aus sogenannten „Saufkumpanen“ besteht. Ich will zur besseren Veranschaulichung hier mal tief in die Vorurteils- und Klischeekiste greifen: Imbissbuden, Tankstellen, öffentliche Parks, etc. Wenn das Saufen per se sowieso der tiefere Grund für den Gruppenzusammenhalt ist.

    Anders verhält es sich, meiner Meinung nach – und ich kann hier nur von meinen Erfahrungen und meinem Umfeld sprechen – wenn der Freundes- und Familienkreis aus mäßigen Alkoholtrinkern besteht. Ein kleines Beispiel: Du bist auf einer Grillfeier zum Geburtstag Deiner Schwester eingeladen. Deine Schwester, ihr Mann, die Kinder, die Eltern und Schwiegereltern und an die 20 Freunde deiner Schwester (teilweise auch mit Kindern) werden kommen. Es verspricht ein schönes Fest zu werden. Die einen trinken Saft, die anderen ein, zwei Bier, zur Begrüßung bekommt jeder ein Glas Sekt. Aber: Die engsten Freunde wissen um deine Krankheit und man drückt Dir ein Glas Orangensaft in die Hand. Du weißt, es gibt kein Hänseln, kein Überreden, usw. Im Gegenteil: Würdest Du um ein Bier bitten, würdest Du Kopfschütteln ernten und auch keines bekommen. Würdest Du dieser Feier fernbleiben?

    Teilst Du Deinen Freundeskreis in trinkende und nichttrinkende Menschen ein?
    Oder sagst du dir: Ich verzichte doch nicht auf jede Feier, auf jeden Restaurantbesuch, auf jede Hochzeit, nur weil da Alkohol getrunken wird! Ich muss ja nicht. Solange ich keinen Trinkdruck verspüre und nicht „neidisch“ auf die anderen sehe, tut es mir gut, mich nüchtern in angenehmer Gesellschaft zu bewegen.

    Eure Meinung würde mich sehr interessieren.

    ps: Natürlich ist Alkohol in der Wohnung meiner Partnerin und mir tabu.

    Liebe Grüße,
    EinNeuer

    Hallo Karsten,

    Danke für Deine Antwort! Und Du hast recht: ich lebe jetzt gut einen Monat ohne Alkohol. Nicht das erste Mal, aber für dieses Jahr bisher der längste Zeitraum. Auch die vielzitierte Euphorie in den ersten Wochen, die feste Überzeugung, nichts mehr trinken zu wollen, kenne ich.

    Die Zeit wird unterschätzt. Du sagst es. So war es bei mir auch immer. Monateweise ohne und dann aus heiterem Himmel – vielleicht sogar ohne ersichtliche Krise – der Gedanke, dass ich jetzt schon mal wieder was trinken könnte. So still und heimlich in meiner Wohnung, wenn ich mal alleine bin. Merkt ja niemand und ist ja nur für heute Nacht. Also losgerauscht, eine Flasche Whiskey besorgt und ab die Post. Tja, und wen wundert es? Immer wieder auf die Schnauze gefallen. Aus einer Nacht wurde der nächste Tag, der darauffolgende Abend, usw.

    Wenn ich es schaffe, in ein paar Jahren immer noch trocken zu sein (und das will ich!), denke ich vielleicht wirklich anders über das Thema "Umfeld".

    Ich habe mich eben durch ein trinkendes Umfeld nie gestört gefühlt und kann mir nicht vorstellen, dass das Auslöser von Rückfällen war. Vielleicht war es das aber unbewusst. Ich für mich halte mich zb von Musik fern, die mich zum Trinken animiert hat, von Filmen, von Büchern, in denen immer wieder von einsamen "trinkenden" Helden die Rede ist. Das tut mir nicht gut. Dessen bin ich mir bewusst.

    Was mir schon auffällt, ist, dass ich draussen manchmal die Leute bzgl ihres Alkoholkonsums "beobachte". Nicht neidisch, sondern einfach bewusster als noch vor 10 Jahren. Auch fällt mir auf, und das finde ich sehr positiv, dass das Fruchtsafttrinken, das Latte-Macchiato-Schlürfen, das Tee-Genießen heute vermehrt zu sehen ist. Liegt vielleicht auch an dem reichhaltigeren alkoholfreien Getränke-Angebot und dem Bewusstsein der Menschen. Auch vielleicht an den immer strengeren Polizeikontrollen beim Autofahren usw.

    Früher sah man abends in einem Gastgarten ja nur Bier, Wein, Apfelsaft und vielleicht mal ne Cola. Heute schaut einen niemand mehr komisch an, wenn man einen Eistee bestellt.

    Jetzt schweife ich aber ab.

    Liebe Grüße,
    Ein Neuer

    Hallo Murmeltier,

    Ich habe jetzt nicht alle Beiträge gelesen, möchte aber auf den Titel des Themas noch eingehen.

    Ein berühmter Mensch sagte mal:

    "Jeder Idiot kann eine Krise meistern. Der Alltag ist es, der uns fertigmacht."

    Gut, das ist relativ. Kommt drauf an, was man als Krise versteht und was diese auslöst.

    Aber zum Thema:
    Ich möchte mir hier nicht anmaßen, die Grundbausteine zu kritisieren. Viele halten sich mit Diszipin und Ausdauer genau an diese Regeln. Und das ist gut so. Die meisten der Regeln kann ich auch gut nachvollziehen und halte mich daran. Allerdings – und jetzt kommt das mit dem Umfeld:
    Unsere Wohnung ist alkoholfrei. In unserer Wohnung wird nicht getrunken. Punkt. Das ist mir sehr wichtig. Meine Partnerin hat damit auch überhaupt kein Problem.
    Ich lege darauf besonderen Wert, da ich immer zuhause getrunken habe. Nie oder kaum in der Öffentlichkeit. Also ist dieser Raum der "gefährlichste" für MICH.

    Aber: In der Öffentlichkeit, im Café, im Restaurant, bei Freunden, bei Familienfeiern ist es mir ziemlich egal, wer was und wieviel trinkt. Ich verspüre da auch überhaupt keinen Trinkdruck. Wie kommt mein Umfeld dazu, wegen mir auf Bier, Wein oder Sekt zu verzichten? Das wäre, wie wenn ich Diabetis hätte, und alle rund um mich essen keinen Kuchen. Aus Solidarität oder so. Nein, dann käme ich mir erst recht blöd vor.

    Und wenn ich mich nur zuhause einigeln würde, jeden Kontakt nach draussen (und der ist in unserer Gesellschaft leider eben hautpsächlich mit alkoholtrinkenden Menschen verbunden – bitte richtig verstehen: ich schreibe hier nicht von übermäßigen Trinkern, sondern von den "normalen") vermeiden würde, würde ich erst recht depressiv werden.

    Am Samstagvormittag in die Stadt, den Markt besuchen, eine gute Tasse Kaffee trinken, Bekannte treffen und quatschen. Am Abend vielleicht mal Grillen bei Freunden oder mit der Familie – das ist für mich Lebensqualität. Gerade jetzt im Sommer. Und Lebensqualität bedeutet für mich auch Trockenheit. Aber was die anderen machen, kann und will ich nicht beeinflussen. Ob jemand am Nachbartisch ein Bier trinkt, ob der Schwiegervater zum Essen ein Glas Wein trinkt. Das stört mich jetzt nicht.

    Hoffe, das kam jetzt nicht falsch rüber.

    Wünsche Euch alles Gute und Danke fürs Lesen,
    Ein Neuer

    Hallo zusammen,

    Ja, das sind Situationen, in die die meisten von uns immer wieder kommen. Meine Familie, meine Freunde und die engsten Geschäftspartner wissen Bescheid.

    Ich bin aber auch der Meinung, dass man seine Krankheit nicht jedem auf die Nase binden muss. Das verstehe ich auch als Selbstschutz. Es ist schade, dass die Alkoholkrankheit in unserer Gesellschaft immer noch nicht wirklich als Krankheit verstanden wird. Meistens sage ich bei Menschen, die ich nicht gut kenne, dass ich noch autofahren muss und darum nichts trinke.

    Natürlich hängt das Ganze sehr vom Umfeld ab. Mäßige "normale" Trinker werden nicht anfangen, zu hänseln oder einem etwas aufzureden. So erwachsen sind die Menschen meistens, mit denen ich mich umgebe.

    Letzthin habe ich eine Kurzgeschichte eines amerikanischen Autors gelesen. Ich schätze ihn sehr, weil seine Stories schräg, voll mit schwarzem Humor und sehr witzig sind. Nun, er schreibt, dass er mit dem Trinken aufgehört hat, weil er eben in der Vergangenheit zuviel getrunken hat. Nun ist er in Frankreich und auf einem Empfang eingeladen. Als die Gastgeberin ihm Champagner anbietet und er darauf erwidert, dass er nicht trinkt, ist die Dame fast beleidigt und versucht ihn zu überreden. Er verneint abermals und erklärt, dass er trockener Alkoholiker ist. Darauf die Gastgeberin: "Ok, dann nur ein halbes Glas." Der Autor vermutet, dass man in Europa erst als Alkoholiker gilt, wenn man morgens halbnackt auf der Straße liegt und Spiritus aus einem Schuh trinkt. In den USA würde ein "Nein, ich trinke nicht" sofort verstanden und der, der anbietet, würde die Situation verstehen, die Beherrschung seines Gegenübers loben und sich und seine Trinkgewohnheiten reflektieren.

    Gut, im Originaltext kommt das witziger rüber. Steckt aber schon was Wahres drin.

    Liebe Grüße,
    EinNeuer

    Hallo Anke18,

    Ich kann mich meinen Vorschreibern in den meisten Punkten nur anschließen. Auch kann ich gut nachvollziehen, dass Du einen ansprechbaren, "vernünftig" erscheinenden Partner – nach wahrscheinlich schlimmeren Zeiten – schätzt.
    Aber wie schon Karsten geschrieben hat: Eine Flasche Wein am Abend ist nicht normal. Und auch nicht kontrolliert. Dein Mann wird wieder in alte Trinkmuster zurückfallen. Solange er nichts Grundlegendes ändert.

    Die Vorstellung, nie wieder im Leben Alkohol trinken zu dürfen, (ich schreibe jetzt absichtlich "dürfen", besser "müssen") kann bei einem Co auch Mitleid mit der kranken Person entstehen lassen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Das ist aber nicht der richtige Weg. Ich denke, dass es jetzt auch noch zu früh ist, ihn mit diesen Aussichten zu konfrontieren. Das kommt mit der Einsicht in seine Krankheit. Und Therapeuten gehen am Anfang sowieso Schritt für Schritt vor.

    Mein Vorschlag: Besuche doch die Ambulanz in der Suchtberatungsstelle. Und wenn Dein Mann noch nicht mit will, geh' erst mal alleine hin. Beim zweiten Mal muss er aber mitgehen.

    Ich kann auch Deine Reaktion auf die anderen Patienten nachvollziehen. Das kenne ich auch von mir selber. Man fühlt sich nicht zugehörig. Aber denk immer dran: Wenn Dein Mann weitersäuft, könnte er bald auch so "aussehen" wie die Menschen, die Du beschrieben hast. Das geht schneller, als man denkt. Die Alkoholkrankheit macht auch vor gebildeten, gepflegten und auch vermögenden Menschen nicht halt: zb Ärzte, Anwälte, Manager, Politiker, Künstler ...
    Mir scheint, Du hast noch ein wenig das Bild vom "trinkenden Penner" vor Augen.

    Ich wünsche Dir alles Gute für die nächsten Schritte,
    EinNeuer