Beiträge von Insulaner

    Hey Sunny,

    Hast Du aktuell noch Kontakt zu Deinem Vater, oder anders gefragt, könntest Du zur aller grössten Not übergangsweise zu ihm gehen? Ich finde, dass es einen Versuch wert ist, und mehr als Nö sagen kann er ja nicht.

    Zitat

    .., frage ist nur, wie lange wird sie brauchen um wieder trocken zu werden?


    Was meinst mit der Frage?
    Ich sag mal so, wenn sie mit'ner Fahne zur OP erscheint schicken sie sie wieder nach Hause. War das das was Du meintest?? Ansonsten braucht es einige Tage, bis der Körper den Alkohol vollständig abgebaut hat (Faustformel ohne Gewähr ca 0,15 promille/Stunde). Es kommen aber noch die Entzugserscheinungen, die sie sicher haben wird, wenn ich Deine Schilderungen so lese. Das dauert länger und sollte unbedingt unter ärztl Aufsicht passieren ("kalter" Entzug kann tödlich enden..) Trocken ist sie dann aber nicht, das wäre sie evtl. nach einer Entgiftung/Entziehungskur.
    Kann also durchaus sein, dass es aus o.g. Gründen entweder nix wird mit der OP oder es wegen der Wechselwirkungen und den Entzugsymptomen zu Komplikationen kommt. Aber mach das nicht zu Deiner Baustelle, sie ist erwachsen, Du bist nicht ihr Kindermädchen. Und wenn Du ihr von diesen Komplikationmöglichkeiten erzählst, dann kann es sein, dass sie die OP sausen lässt. Damit wär ja auch keinem geholfen. :?

    Was das finanzielle angeht: Wirst Du noch beim Jugendamt geführt? Dann würd ich da mal vorsprechen. Wenn die nicht zuständig sind, dann werden sie Dich zum Sozialamt schicken. Und geh zu einer Suchtberatung (gibt's das bei Euch??), z.B. von der Diakonie oder der Caritas. Die können Dir ggf auch kurzfristig ein vorübergehendes "zuhause" organisieren, wenn's ganz schlimm sein sollte, und so klingst Du im Moment.
    Ja, ich weiss, Du selbst bist ja gar nicht abhängig, aber die helfen auch Angehörigen, den sogenannten "Co-Abhängigen".

    Wichtig ist, Dir geht's schlecht, und daran musst DU was ändern. Im Zweifel wirst Du den Weg dann ohne Deine Mutter gehen müssen. Wenn Deine Mutter sich selbst zu Grunde richtet ist es immernoch besser, sie macht's allein, als wenn sie Dich auch noch mit runter zieht. Sie ist offensichtlich noch nicht weit genug unten. Manche Alkis sehen ihr Problem halt nie.

    Aber ich glaube und hoffe, dass Du Kraft genug hast und aufbringst, um DICH aus dem Sog zu befreien.

    Wenn's hilft, dann schreib doch mal, was Du als nächste Schritte planst und wie es mit der Umsetzung klappt, OK??

    Alles Gute und bis bald

    Der Insulaner

    Hey Sunny,

    Erstmal willkommen hier im Forum, schön, dass Du hergefunden hast.

    Erste Frage der Vollständigkeit halber:
    Wie sieht's mit Deinem Vater aus? Kennst Du ihn, lebt er noch, weisst Du, wo Du ihn finden kannst?

    Deine frage kannst Du Dir denk ich fast selbst beantworten. Deine Mutter hat nicht aufgehört zu saufen, als das Jugendamt kam, sie hat nicht aufgehört, als Du wiederkamst. Glaubst Du, sie würde aufhören, wenn Du jetzt wieder ausziehst?? Das wird sie sicher nicht tun, ganz im Gegenteil, wahrscheinlich ist sie sogar noch froh, dass Du endlich aus dem Weg bist und sie in Ruhe mit ihren Leuten weitersaufen kann.
    Eigentlich würd ich sagen, pack Deine sieben Sachen und zieh besser heut als morgen aus. Kannst Du nicht irgendwie bei Freunden für ein paar Tage unterschlüpfen??
    Hast Du denn Deiner Mutter in einem nüchternen Moment schonmal gesagt, dass es Dir schlecht geht und das Du ihre Sauferei nicht mehr ertragen kannst?? Und wie hat sie reagiert (kann's mir denken)?
    Wenn Du's Ihr schon gesagt hast dann verfahre wie oben, Sachen packen und ab die Post..!!
    Wenn Dir das zu endgültig und zu spontan ist und Du leidenstechnisch noch für ein paar Wochen Reserve hast, dann könntest Du die bevorstehende OP (und die damit möglicherweise einhergehende Nüchternheit) nutzen um ihr ein Ultimatum zu stellen. Sei Dir aber bewusst, dass Du's dann auch durchziehen musst, also drohe nichts an, was Du nicht bereit bist, auch umzusetzen. Diese Variante hätte auch den Charme, dass Du noch ein wenig zeit hast, um Dich auf die Konsequenzen entsprechend vorzubereiten. Du müsstest dann nicht nachts bei Regen mit dem Schlafsack unterm Arm Deine Kumpels abklappern (übertrieben gesagt), sondern könntest Dir schonmal eine Unterkunft suchen etc.

    Ich wünsch Dir auf jeden Fall ganz viel Kraft dafür, die wirst Du brauchen. Und schreib hier ruhig alles, was Dir auf dem Herzen liegt.
    Und kümmer Dich in erster Linie um Dich, Deine Mutter kann sich leider nur selbst helfen.

    Alles Gute und bis bald

    Der Insulaner

    Hey Nicole,

    OK, Du hast eine Rangfolge aufgemacht, wer Dir in Deiner Family am wichtigsten und am liebsten ist.

    Mir fallen zwei Dinge dabei auf:
    1. Deine Mutter und Deine SchwieMu kommen nicht vor. Wo würdest Du sie einsortieren?
    2. Vielleicht täusch ich mich, aber um Tinis Beitrag nochmal zu verstärken, es sieht nicht so aus, als würdest Du dieses Ranking leben. Immer, wenn aus dem Umfeld Papa/Mama irgendwas kommt lässt Du alles stehen und liegen und kümmerst Dich erstmal um "Deine Pflicht" Deinem Vater gegenüber.
    Wenn Dein Mann Dir wichtiger ist als Dein Vater, dann lass Deinen Mann das auch spüren, zeig ihm, dass er Dir wichtig ist, akzeptiere seine Meinung, auch wenn sie nicht Deiner entspricht und respektiere, dass er eine eigene Meinung hat. Mir scheint, dass er die Dinge klarer sieht als Du. Und wenn er verächtlich über Deine Eltern bzw Deinen Vater spricht, so ist das durchaus nachvollziehbar. Wenn meine Mutter nicht meine Mutter wäre, dann wäre sie für mich einfach nur eine armselige Säuferin, mit der ich schon lange nix mehr zu tun hätte und die ich ohne schlechtes Gewissen in ihrer eigenen Sch... liegen lassen würde.
    Dein Mann hat bereits erkannt, dass Deine Eltern bzw Dein Vater Dir nicht gut tut. (Deine Mutter ist übrigens ein Paradebeispiel eines Co-Abhängigen..!!) Jetzt bist Du dran, öffne die Augen, versuch, das Ganze auch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
    Übrigens, dass Dein Mann Dir immer gleich eine Lösung präsentiert ist eine typisch männliche Eigenschaft. Bitte ihn, Dir einfach nur zuzuhören OHNE eine Lösung zu erdenken. Wenn Du ihm nicht sagst, dass Du ihm das alles nicht erzählst, um eine Lösung zu bekommen sondern, um ihn an Deinem Seelenleben teilhaben zu lassen, wird er Dir immer eine Lösung präsentieren. Für ihn ist's von der Herangehensweise egal, ob Du ihm von einer kaputten Glühbirne erzählst oder von den Problemen mit Deinen Eltern. Birne kaputt, neue Birne rein, Problem gelöst. Das ist männliches Denken. Betrachte sein Verhalten mal unter diesem Gesichtspunkt. Aber ich schweife ab.. :P

    Du hattest vor einiger Zeit mal geschrieben, dass Du, als sich Deine Eltern mal wieder angezickt haben, Deine Zwerge geschnappt hast und einfach abgedüst bist (das die SchwieMu dann sauer war würd ich jetzt mal als Kolateralschaden bezeichnen), das hat mir gut gefallen. Leider war das die erste und scheinbar auch einzige Aktion dieser Art. Aber genau das war ein Schritt in die richtige Richtung. Mehr davon. Du hast natürlich hier eigentlich gleich zwei Baustellen. Die erste ist, dass Dein Vater nicht einsieht, dass er Alki ist, vollkommen klar und auch nicht weiter diskussionsbedürftig. Die zweite ist, dass Deine Mutter nicht begreift, dass niemand ausser Eurem Vater Schuld daran ist. Aber sie wiegt sich in Sicherheit, klein Nicole kümmert sich ja, damit ist sie fein raus, und wenn's mal nicht so läuft, na ja, eine kleine Drohung zur rechten Zeit und der Laden läuft wieder. Hat Deine Mutter eigentlich schonmal an trennung gedacht? Kann mir nicht vorstellen, dass sie sich in der Situation wohlfühlt. Wann hat Deine Mutter eigentlich Dir gegenüber mal liebevolles Verhalten gezeigt?? Nicht oft, wie ich annehme. Mit welchem Recht fordert sie dann von Dir liebevolles Verhalten ihr gegenüber ein? Klingt abgedroschen, aber auch hier ein stückweit keine Leistung ohne Gegenleistung, oder abstrakter formuliert: Wie man in den Wald hineinruft,...
    Zeig Deinen Eltern (wohl auch und besonders Deiner Mutter), dass Du es nicht mehr akzeptierst, dass sie nicht nur sich selbst sondern auch noch Deine Familie zerstören werden und daß Du notfalls auch ohne sie leben wirst und auch kannst. Versuch mal, Dich ein bißchen rar zu machen. Meld Dich nur, wenn's sich nicht vermeiden lässt und wenn DU ES WILLST. Wenn sie Dich anrufen sag "Jetzt nicht, ich hab dies und das und jenes zu tun..!" oder geh nicht ran und lass sie auf den AB quatschen. Mit anderen Worten: Du bestimmst, wann Du Zeit für sie hast, nicht sie. Oder mach mal was unkonventionelles. Warum immer alles unter den Teppich kehren?? Wenn die Nachbarn nix mitkriegen sollen (und die wissen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eh schon alle, was da gespielt wird), dann wär eine spektakuläre Aktion vielleicht auch lehrreich. So'n Polizeieinsatz wirkt manchmal Wunder..!! :wink: Dann bricht das ganze Gebilde aus Lügen, Heimlichkeiten, Schauspiel, Fassade usw plötzlich in sich zusammen. Klingt ein bißchen gehässig, ist's vielleicht auch, aber ich finde es peinlicher, seine Probleme (die z.T. offensichtlich sind) unter den Teppich zu kehren als seine Probleme zu erkennen, zu ihnen zu stehen und sie zu lösen. Das wär was, worauf ich stolz wäre, und nicht darauf, dass ich meiner Umwelt Jahrzehntelang "Heile Welt" vorgespielt habe. Ist ja auch irgendwie und im weitesteten Sinne Betrug..

    Puh, so da hab ich dir doch wieder ganz schön was zum Lesen mitgegeben.
    Danke nochmal für's Vorbeischauen bei mir..!! :D

    Alles Gute und bis bald

    Liebe grüße

    Der Insulaner

    Hey Nicole,

    Danke, dass Du auch mal bei mir vorbeischaust zum "Mut machen". :D

    Ich habe gestern mit dem Sozialdienst telefoniert und es war erstaunlich entspannt und konstruktiv, oder besser beruhigend. Seltsam, die Dame ist die Frau von dem Arzt, der sich von meiner Mutter hat einspannen lassen, um mich auf die Insel zu lotsen. Meine Befürchtungen, dass die Sozialdame in das gleiche Horn tuten könnte haben sich aber in keinster Weise bewahrheitet. Eher im Gegenteil. Habe heute nacht bis zum Weckerklingeln durchgeschlafen..!!! :D
    Es hat mich sehr beruhigt, dass sie mir erzählte, dass meine Mutter nun in so einer Art "Pflegemaschinerie" ist (ich hatte ja schon erzählt, dass einmal am Tag der Pflegedienst nach ihr geschaut hat), aus der sie nun nicht mehr so einfach rausfällt, es sei denn, sie will es so. Gegen ihren Willen können sie sie natürlich nicht da drin behalten. Aber erstmal ist sie dort (im Khs) gut aufgehoben, sie versuchen, den Grund ihres Sturzes zu finden (ob Alk oder Tabletten oder "zufall"). Wahrscheinlich werden sie sie auch nochmal in eine andere Klinik verlegen, ob Neurologie oder Psychiatrie (wg Depressionen) oder "gemischt" wollen sie nach den Untersuchungen entscheiden. Derzeit ist meine Mutter ohnehin kaum reisefähig, aber auch darum wird sich gekümmert. Und selbst die liegengebliebene Post wollen sie mit ihr zusammen abarbeiten. Ich bin begeistert..
    Glücklicherweise kennt die Sozialdame meine Mutter schon, sie sind zusammen in so'ner Bibelkreis-Runde, insofern kann sie ganz gut einschätzen, wie meine Mutter "normalerweise" ist. Manchmal sind so kleine Orte auch von Vorteil..!!
    Mit meiner Mutter selbst hab ich noch nicht gesprochen, gestern waren zwar zwei Anrufe auf dem AB, aber keine Nachricht. Das könnte sie gewesen sein... :?: Sie soll wohl noch sehr schwach sein und auch geistig langsamer als gewöhnlich, aber wohl nicht wirr. Sie hat sogar gesagt, dass sie sich sowas wie betreutes wohnen vorstellen könne. Na, ja, mal sehen, wie das aussieht, wenn sie wieder zu Kräften gekommen ist. Scheint wohl jetzt der viel beschriebene absolute Tiefpunkt zu sein, dender Alki braucht, um seine Sucht zu erkennen. Ich werde wegen des betreuten Wohnen auf jeden Fall mal meine Tante mal anrufen, die hat mal in einer grossen Pflegeeinrichtung in der Leitungsetage gearbeitet, die weiss da bestimmt mehr.
    Zu uns kommt meine Mutter jedenfalls nicht. :!: Ich bewundere ja die Leute, die es schaffen, einen Elternteil (mal völlig unabhängig davon, ob Alki oder nich) bis zum ende zu Hause zu pflegen, ich könnt das nicht. Das hat auch nichts mit undankbarkeit oder verlassen auf soziale Hängematte zu tun. Nicht umsonst ist Altenpfleger ein Ausbildungsberuf..

    Mir selbst geht's, wie oben schon angedeutet, ziemlich gut, habe gestern mal wieder zwei Stunden auf der Gitarre rumgeklimpert und da hab ich bei Stress und schlechter Stimmung meistens keine Lust zu.
    Wenn sich das, was die Sozialdame so in Aussicht gestellt hat, nur zur Hälfte bewahrheitet, dann kann man echt beruhigt und halbwegs sorgenfrei in die Zukunft blicken. Es kommt zwar vielleicht noch der Umzug meiner Mutter ins betreute Wohnen und ggf zum Festland auf mich zu (keine Angst, ich würd's von einer Firma machen lassen, aber überwachen muss man das ja schon), aber da wüsst ich dann wenigstens, wofür's gut ist.
    Also alles in allem, positive Grundstimmung, das WE kann kommen.. :wink:

    Ich wünsche Dir, dass auch bei Dir die Stimmung bald besser wird..

    Liebe Grüße

    Der Insulaner

    Hey Nicole,

    Wenn Dein Mann sagt, dass für ihn die einzige Konsequenz ist, den Kontakt zu Deinen Eltern abzubrechen, dann muss ich Dir leider sagen: Recht hat er.
    Und das er masslos eiffersüchtig auf seinen Kumpel ist überrascht Dich doch nicht wirklich, oder?? Würdest Du an seiner Stelle anders reagieren?? Sicher nicht.!!

    Ich kann durchaus nachvollziehen, dass Du als diejenige, die immer alles regelt und zusammenhält (typisches Alki-Kinder Verhalten übrigens) Schwierigkeiten damit hast, Schwäche zuzugeben und Hilfe von anderen anzunehmen bzw erstmal an Dich ran zu lassen. Aber wenn ich Dich richtig verstehe, dann kennt Dein Mann bereits Deine "dunkle Seite" oder ahnt wenigstens etwas davon. Wenn Du auf ihn zu gehst und versuchst ihm zu erklären, wie's in Dir aussieht und wieviel Du davon nach aussen kommen lässt (Ich sage nur:"..Wenn du wüßtest, wie besch* ich eigentlich bin.."), dann würdest Du vielleicht wenigstens die Baustelle kitten können und verhindern, dass er Dir bei nächster Gelegenheit auch noch in den Rücken fällt. Wenn er eh Bescheid weiss, dann bring ihn auf Deine Seite. Vielleicht könnt Ihr miteinander ein Gespräch vereinbaren (evtl auf "neutralem Boden"), wo Ihr Euch gegenseitig Redezeit zugesteht, in der der andere nur zuhören darf. Keine Fragen, keine Kommentierungen, und vor allem keine Vorwürfe, ein sachliches Gespräch (ggf mit "Moderator"??) auf das sich auch jeder vorbereiten sollte. Ihm scheint ja sehr viel an Dir zu liegen, das würd ich nicht auch noch auf's Spiel setzen. Mir scheint, Ihr zieht zwar am selben Strick, nur nicht in die gleiche Richtung..!! :lol:


    Es kommt mir zum Teil so vor, als ob Du (nicht böse sein) möchtest, dass alles besser wird, aber bitte ohne Veränderung. Das wird nicht gehen. Nichts wird sich ändern, wenn DU nicht anfängst. Und wirf die Fassade über Bord. Wie glaubst Du soll Dir jemand helfen, dem Du auf die Frage "Wie geht es Dir?" mit "Gut" antwortest? Wenn Du von anderen Ehrlichkeit erwartest musst Du die erste sein, die ehrlich ist. In erster Linie zu Dir selbst, aber natürlich auch zu den anderen (zu Deinem Mann, Deinen Kiddies, und auch zu Deinem Vater und Deiner Mutter)!! Und offen und ehrlich sein kannst Du, da bin ich ganz sicher, Du zeigst es ja hier und Du zeigst es auch bei dem Bekannten von Deinem Mann und Deiner besten Freundin. Das braucht sicher Kraft, aber der erste Berg ist immer der schwerste.

    Du wirst sehen, es lohnt sich.

    Alles Gute und bis bald

    Der Insulaner

    Hallo Nicole,

    Ich bin neu hier und hab lange überlegt, ob und wenn dann was ich Dir antworten könnte.
    Ich habe mir Deine Geschichte mehrmals durchgelesen und mir kommt jedes mal fast die Galle hoch bei bestimmten Passagen..

    Tut mir leid, aber ich habe den Eindruck, dass es bei Dir noch nicht bis ins innerste durchgedrungen ist, dass Du nicht für Deine Eltern bzw für Deinen Vater verantwortlich bist. Du kannst nichts tun ausser auf Dich selbst und natürlich DEINE Family aufzupassen. Auch wenn's weh tut und Dich Dein "verantwortungsbewusstsein" und der Terror Deiner Mutter fast verrückt macht. Wenn Du wie Du sagst "Papas Liebling" bist, dann hilft es ihm nichts (klingt paradox, ist aber so) wenn Du ihm in die Seite springst wenn er von anderer Seite angegangen wird. Das Gegenteil ist der Fall, er wird so weiter machen, weil Du ja zu ihm hälst. Damit deckst Du automatisch seine Sauferei, zumindest aus seiner Sicht. Ein Alki denkt nicht rational..!!!

    Hast Du schonmal dran gedacht, dass der Auszug Deines Bruders und das Brechen mit Deinem Vater vielleicht seine Art war, mit seiner (wenn auch unbewussten) Co-Abhängigkeit umzugehen?

    Du stellst viele Fragen am Ende Deines letzten Posts. Warum stellst Du diese vielen Fragen nicht einfach mal Deinem Vater?? Und am besten Deiner Mutter gleich mit, die scheint ja auch nicht ohne zu sein. Lass Dir nicht einreden, dass Du an irgendwas schuld bist. Deine Eltern waren früher da als Du, das heisst ihre "Misere" war wohl auch schon früher da..
    Oder hast Du Deinen Vater vielleicht genötigt, zu saufen, getreu dem Motto "Trink noch einen, dann geht's Dir bestimmt besser?" Sicher nicht..!!!

    Du musst Dich lösen, auch wenn das aus der Sicht deines Vaters so aussehen wird, als ob Du Dich mit Deiner Mutter und Deinem Bruder gegen ihn verbündest, aber es ist wohl der einzige Weg, um DEINE Family nicht auch noch zu zerstören. Du musst auch Deine Mutter (wird bestimmt nicht einfach) mit einbeziehen, vielleicht ist sie ja einsichtiger als Du denkst. Und wenn's per Gespräch nicht geht, der gute alte Brief hat hier schon manchem geholfen, seine Standpunkte und Gefühle den anderen Familienmitgliedern gegenüber sachlich, klar und ohne Vorwürfe zu artikulieren. Vielleicht wär das eine Möglichkeit.
    Wieviel Verständnis bringt Dir eigentlich Dein Mann entgegen? (Hast Du vielleicht oben schon geschrieben, dann hab ich's wohl überlesen?!?) Vielleicht redest Du nochmal ganz in Ruhe mit ihm, damit sich wenigstens da keine zusätzliche Baustelle auftut.
    Apropos, was macht die SchweiMu Baustelle?? Klang ja so, als hätt sich das wieder einigermassen eingerenkt?!?!?

    Ich wünsch Dir auf jeden Fall alle Kraft, die Du brauchst und vielleicht sogar noch etwas mehr.. :)

    Liebe Grüße

    Der Insulaner

    Hallo zusammen,

    Ich schreibe heute (abgesehen vom Vorstellungsbereich) meinen ersten Thread. Hurra, würd ich sagen, aber mir bleibt das grad im Halse stecken..!!
    Ich stelle mich am besten erstmal vor. Ich bin 37 Jahre alt, bin auf einer Nordseeinsel aufgewachsen, bin aber bereits mit 16 von der Insel weg wegen weiterführende Schule etc und bin beruflich und auch ansonsten dort nicht mehr wirklich heimisch geworden, bin zwar im Urlaub ab und zu nochmal da und ist auch schön (na ja, mehr oder weniger), aber heimisch würd ich das jetzt nicht nennen. Mein Vater ist schon vor längerer Zeit verstorben, nur meine Mutter (71) lebt noch dort. Wobei, leben kann man das eigentlich nicht nennen. Denn Ihr ahnt es schon, sie ist Alkoholikerin bzw Suchtkrank im Allgemeineren. Bevor Freund Alk daher kam hat sie sich bei Depressionsanfällen mit Tabletten "glücklich" gemacht, seit aber die Ärzte ihr nix mehr aufgeschrieben haben...
    Das geht inzwischen schon mindestens seit 2002, da ist sie das erste mal im Khs gewesen zur Entgiftung. 2003 war sie sogar in einer Entziehungskur (aber ich glaube nicht ganz aus freien Stücken). Ist aber immer mal wieder (ich hab aufgehört zu zählen als ich beide Hände dafür brauchte) zur Entgiftung im Khs gewesen. Aber eine erneute Kur "brauche nicht, das mache ich nie wieder" (O-Ton). Und es war immer irgendwie jemand (nicht nur ich, auch z.B. die Nachbarn) da, der ihr sprichwörtlich die Sch.... weggeräumt hat, ein Fehler, was ich hier schon so rausgelesen habe, aber man will's ja am Anfang nicht wahr haben.
    Na ja, lange Rede kurzer Sinn, sie war Weihnachten hier bei uns mit "SchwieEl" und allem PiPaPo. Hat auch alles super geklappt und sie ist auch gut hin und her gekommen (750km mit Schiff und Bahn) und ich hatte den Eindruck, dass sie wirklich (wie sie behauptet hat) die letzten zwei jahre trocken gewesen ist. Ein Trugschluss, denn kaum war sie wieder auf ihrer Insel hat sie sich nicht mal mehr zu Neujahr gerührt. Hat wohl "wiedersehen" mit ihrem besten "Freund" gefeiert. Ende vom Lied, sie wurde vom Arzt und von den RTW Fahrern als hilflos eingestuft und sie haben sie einfach mitgenommen. Dann haben sie sie auch noch, weil sie sich nachts eingenässt hat, in die Neurologie geschafft und dort eine Durchblutungsstörung von irgendwelchen Kappillaren im Hirn festgestellt (hat das was mit Wernicke-Korsakov zu tun?) und sie nach einiger Beobachtung nach hause entlassen.
    Der Arzt im Khs hatte mich in dem Zusammenhang gebeten, doch zur Insel zu kommen und ein paar Tage "auf sie aufzupassen", sie hätte solche Angst, nach hause zu gehen, damit sie nicht in zwei Wochen wieder bei ihm auftaucht. Faselte noch was von ich könne mich auf Dauer nicht auf die soziale Hängematte verlassen und ich hätte das doch ahnen können und so weiter. Schlussendlich scheint meine Mutter ihn entsprechend "geimpft" zu haben. Zum Glück ist das nicht ihr Hausarzt..!! Den hab ich nämlich auch gesprochen und der meinte, ich könne nur was für mich tun, für meine Mutter nicht. Recht hat er..!!!

    Achtung, Zeitsprung: Ich war auch da, allerdings direkt, nachdem sie ins Khs eingeliefert wurde. Auch wenn's ein Fehler war, ich hab die Bude ein bißchen auf Vordermann gebracht und hab die Gelegenheit genutzt, mir einen Überblick zu verschaffen, auch, was die finanziellen Dinge angeht. Insbesondere die stinkende Matratze hab ich entsorgt und durch eine neue ersetzt. Steinigt mich jetzt nicht, ich habe das 1. nicht ihr zuliebe gemacht sondern eher ihrer lieben Nachbarin wegen (auch, wenn's für meine Mutter auf's selbe rauskommt) und 2. hab ich ihr die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt, dass das das letzte Mal war, dass ich ihre Sch.. wegräume, noch eine Lüge und sie sieht mich nicht wieder..

    Zeitsprung zurück:
    Sie ist dann auch vor ca. 5 Wochen entlassen worden, hatte einen Pflegedienst, der Kuckt, ob sie aufsteht, ob sie ihre Pillen nimmt (auch wegen der Durchblutungsstörung) usw. und sie sagte mir am Telefon, dass das gut klappt und sie guten Mutes ist und dass sie die Drohung der Neurologie, dass sie auf gar keinen Fall mehr Alkohol trinken darf, weil sich das 1. mit den Pillen gar nicht verträgt und 2. ihr Hirn auch schon so geschädigt ist, dass sie beim nächsten Rückfall ein Pflegefall wird, auf jeden Fall einhalten will und auch kann (Ist ja kein Problem!!).
    Na ja, seit heute ist sie wieder im Khs, ob sie wieder gesoffen hat weiss ich nicht, ist auch eigentlich unerheblich. Jedenfalls werde ich nicht hinfahren..!!!! Laut Mitarbeiterin vom Pflegedienst hat meine Mutter mir am Telefon die Tage vorher nämlich wieder irgendwas erzählt , aber sicher nicht die Wahrheit. Sie hat die NEUE Matratze wieder vollgep..., hat so gut wie nichts gegessen, nimmt nur die Pillen, die sie möchte (könnte also durchaus sein, dass sie sich wieder Stoff besorgt hat und deshalb die Antiepileptika nicht mehr nimmt) und ist wohl gestern oder heut nacht gestürzt mit Platzwunde und Orangengrosser Beule am Kopf.
    Der Pflegedienst hat bereits eine Pflegestufe für sie beantragt. Ich hab leider überhaupt keine Ahnung, wie sich das mit diesen ganzen Sachen verhält. Die Pflegedientstlerin sagte mir auch, dass bei meiner Mutter in der Wohnung viel unbearbeitete Post rumliegt, wo mit sicherheit auch unbezahlte Rechnungen und Mahnungen usw bei sind. Ist aber ja eigentlich nicht meine Baustelle. Muss nur drauf achten ,dass es nicht meine wird ,bei bestimmten Sachen können ja auch die Angehörigen herangezogen werden, oder??.
    Meiner Meinung nach braucht sie mindestens einen Betreuer (ich mach das mit Sicherheit nicht), oder soll ich sie gleich in die "Klappse" stecken (bei Depressionen mit Eigengefährdung könnte das ja sinnvoll sein?!?!) lassen??
    Werde morgen noch mit dem Sozialdienst vor Ort telefonieren, und der Pflegedienst kümmert sich auch rührend, aber dann bin ich eigentlich raus aus der Nummer, schliesslich kann mich ja keiner auf Helfen verklagen.
    Könnt Ihr mir vielleicht noch Tips geben, wie sowas funktioniert, ob das evtl sogar seinen "sozialistischen Gang" geht, wenn man einfach nix macht..?

    So, soweit die Geschichte, viel text, aber ich bin's los, das musste mal sein.
    Ihr werdet sicher fragen, wie's mir dabei geht..!!!
    Nun ja, heute, wo ich gehört hab, dass sie wieder im Khs ist, geht's mir natürlich nicht doll. Werde aber nicht von meinem geplanten Ablauf abweichen, sprich, ich fahr nicht hin. Ich werde auch nicht versuchen, sie im Khs anzurufen, sie muss sich melden..!! Ich gehe haut abend wie jeden Mittwoch zum Badminton zum Abreagieren (der arme Ball)! Vielleicht stell ich das Telefon auch ab, mal sehen..!!
    Zum Glück habe ich eine sehr harmonische Beziehung mit meiner (noch) Freundin, die in jeder Beziehung zu mir hält und mich unterstützt. Und wir werden dies Jahr mal ein oder auch zwei Projekte in Angriff nehmen, die wir (vielleicht unbewusst aus Rücksicht auf meine Mutter?!?!) immer wieder vertagt haben.

    Ich danke Euch schonmal im voraus für's durchlesen,

    Bis bald
    Der Insulaner