Hallo liebe Forummitglieder,
ich habe mich bereits im Vorstellungsbereich vorgestellt, da aber scheinbar nicht jeder darauf Zugriff hat, vorab noch ein paar kurze Info's über mich.
Ich habe mit 13 angefangen exzessiv Alkohol zu trinken (im Heim ging das leicht) und bin nun mittlerweile seit einem Jahrzehnt alkoholkrank. Nach etlichen Abstürzen in den letzten Jahren und dem Bewußtsein, dass über die Jahre viele Menschen, die mich kennengelernt haben, auch schnell wieder Abstand genommen haben, nachdem sie meine "Exzesse" miterlebt haben, habe ich mich letztes Jahr dazu entschieden, meine Krankheit anzugehen.
Ich suchte zunächst im Herbst letzten Jahres einen Psychotherapeuten auf, weil ich der Meinung war, dass meine Probleme psychische Ursachen haben. So war meine Schlussfolgerung, dass wenn ich diese lösen könnte, das Alkoholproblem von selbst verschwinden würde. Ich erzählte ich auch offen von meinem Alkoholproblem. Um die Therapie bewilligt zu bekommen, musste ich zu einem Hausarzt, um einen Konsiliarbericht einzuholen. Ich ging zu einer beliebigen Ärztin (war hier vorher noch nicht beim Arzt) und hoffte, dort den "Wisch" zu bekommen, wenn ich meine "vielen Probleme" erzählte, und das war's dann. Das tat ich auch so und blieb ehrlich.
Sie gab ihr Einverständnis für die Therapie, allerdings nur mit ärztlicher Begleitung. An den Folgeterminen befragte sie mich intensiv zu meinem Alkoholproblem, ich war mit ihr der Meinung, dass ich aufhören musste zu trinken. Zwischenzeitlich fing ich auch die Therapie an und war trotzdem immer noch der Meinung, dass es doch mit kontrolliertem Trinken funktionieren könnte.
Die Zeit vor Weihnachten, an Weihnachten und danach belehrte mich eines Besseren und ich hatte wieder meine heftigsten "Abstürze" (ich habe mich vor ein paar Tagen im Netz über die verschiedenen Formen des Trunkenheitszustandes informiert, und bei mir sind diese "Abstürze" wohl das, was der Fachmann einen "pathologischen" Rauschzustand nennt, das fand ich doch sehr heftig).
Wie auch immer, ich habe mich entschlossen, mit dem Trinken aufzuhören, habe mich über Therapien informiert und hatte vergangenen Donnerstag mein erstes "Vorstellungsgespräch" in einem ambulanten Therapiezentrum. Dort habe ich mit dem Pädagogen die sofortige "Abstinenz" ausgemacht, am 5.2. habe ich den Folgetermin, wo der weitere Verlauf geklärt werden wird. Klar, das ist jetzt die Testphase....sie werden ja sehen, ob ich am 5.2. dahin kommen, in immer noch abstinentem Zustand...
Vor ein paar Tagen bin ich nun zu diesem Forum gestossen, der moralischen Unterstützung halber, die ich hoffe hier zu bekommen und mich mit dem Thema natürlich weiter auseinanderzusetzen.
Ich habe mich hier schon durch so einige Beiträge hindurchgestöbert, was mir bis dato, doch, so denke ich, auch sehr geholfen hat.
Doch einiges lässt mich stutzen. Hier wird immer wieder davon gesprochen, dass man sich ein alkoholfreies Umfeld schaffen soll, da man ansonsten keine Chance hat, und wer glaubt, er könne dem Alkohol in jeder beliebigen Situation trotzen, irrt. Zumindest gilt das ganz hart und ohne Kompromisse für "Neuabstinenzler". Das kann ich auch sehr gut nachvollziehen, und im Moment fällt es mir auch nicht allzu schwer, da ich für meine Klausuren lernen muß (ich studiere) und ohnehin fast nur den ganzen Tag zu Hause hocke oder auf Arbeit bin und nicht mehr ausgehe. Nun ist es doch aber so, dass ich mich in dieser Stadt doch ziemlich einsam fühle und dieses Gefühl bisher durch häufiges Ausgehen (ja, auch mt reichlich Alkoholgenuß) kompensiert habe. Mir ist bewußt, dass dies nun zumindest für einige Zeit nicht geht, und ich denke, das bekomme ich auch hin, das ist es mir auf jeden Fall wert.
Dennoch frage ich mich, wann für mich die Zeit reif sein wird, dass ich mich wieder in gefährliches Terrain begeben kann. Ich bin ein Mensch, der sehr viel Menschen um sich braucht, oft und am liebsten den ganzen Tag. Sicher sind dabei auch Situationen, in denen Alkohol getrunken wird (beim clubben oder auf Feiern).
Kürzere Phasen (wie jetzt zum lernen, waren ja nur drei wochen), kann ich überbrücken, eingeschlossen in meinen vier wänden zu verbringen.
aber sehr lange, und ich vereinsame.
habt ihr vielleicht erfahrungsberichte, wann ich euch wieder rausgetraut habt? auch für andere ratschläge und unterstützung wäre ich sehr dankbar.
viele grüße
clare