Bin zwar nicht so ganz neu

  • hallo salt & pepper,

    erstmal hallo und herzlich willkommen.
    ich lese bei dir eine gewisse unsicherheit oder sogar angst?
    ich weiss nicht so richtig ob es jetzt um dich oder um deine mutter geht.
    oder um euch beide?

    für euer gemeinsames vorhaben drücke ich gerne die daumen.

    frage ruhig noch genauer

    schorni

  • hallo salt & pepper,
    jetzt verstehe ich dich besser.
    es wäre blödsinn, wenn ich sagen würde: ich kann mir vorstellen... .
    kann keiner, kannst nur du, es zeigt wieder was der alkohol aus einem menchen machen kann. das sogar die urinstinkte einer mutter außer kraft gesetzt werden.

    schorni

  • Hallo Salt & Pepper,

    mit dem Daumen drücken geht klar.

    Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich Dich richtig verstehe.
    Vorab, Du hast kein Alkoholproblem. Das freut mich aufrichtig. Sehr schön.

    Ich bin Alkoholikerin und Mutter. Meine Mutter war und ist auch Alkoholikerin. Du begründest es damit, sie war noch nie stark. Ich habe 20 Jahre getrunken davon die letzten 5 Jahre ausschließlich heimlich. Niemand in meiner Umgebung hatte eine Ahnung davon. Ich mußte 90% meiner Energie allein dafür aufwenden, dass niemand meine Sucht erkannt hat und im Leben mußte ich auch noch unauffällig funktionieren. Alkoholiker sind nicht schwach. Sie können enorme Kräfte entwickeln, wenn es darum geht ihre Sucht zu befriedigen. Die Prioritäten verschieben sich. Das heimtückische am Alkoholismus ist, er richtet nicht nur großen körperlichen Schaden an, sondern er verändert die Persönlichkeit des Abhängigen.

    Ich persönlich war Alkohol. Mein Denken, Fühlen, Handeln bestimmte der Alkohol. Nur eine Frage gibt die Richtung im Leben an: Wie komme ich an meinen Stoff? Für einen nicht Betroffenen ist das unmöglich zu verstehen. Doch auch der Betroffene will das auch lange wahrnehmen und wenn er es dann erahnt, helfen nur das sich Selbst belügen und betrügen, weil die dadurch entstehenden Scham- und Schuldgefühle so unerträglich werden, dass sie selbst mit Alkohol nicht mehr zu betäuben sind.

    Schuldgefühle gegenüber den eigenen Kindern sind die allerschlimmsten.
    Hinzu kommt dann das Gefühl durch und durch zu versagen. Ich selbst hielt mich für die schlechteste Mutter auf dieser Welt. Es hat lange gedauert, bis ich mir verzeihen konnte, was ich meinen Kindern angetan habe. Mein ältester Sohn ist heute 22 mein jüngster 7 Jahre alt. Ich war nicht in der Lage ihnen die Liebe und Zuwendung zu geben, die sie brauchten. Ich habe es auf ein Minimum begrenzen müssen. Dies zu erkennen, tat unglaublich weh. Den Schmerz habe ich dann in Alkohol ertränkt.

    Du schreibst Deine Mutter ist Dir egal. Aber irgendwie doch nicht wirklich egal.
    Mmm...? Kommt mir bekannt vor. Mal die Kurzfassung meiner Geschichte:

    Schon als ich ein kleines Mädchen war, war ich meiner Mutter egal. So empfand ich es jedenfalls. Heute weiß ich es besser, weil ich als Alkoholikern heute nachvollziehen kann, was in ihr vorging.
    Ich bemerkte also, meine Mutter ist unglücklich mit mir. Das tat mir leid.
    Also wollte ich besonders lieb sein zu ihr. Ich habe alles getan, damit sie mich lieb haben konnte. War immer ganz brav und lieb zu ihr. Habe mich viele Jahre lang, noch als ich längst erwachsen war, um ihre Liebe bemüht. Nutzte aber nichts. Ich war dann wütend und enttäuscht, weil sie mir immer noch das Gefühl vermittelte, mich nicht zu lieben. Dabei habe ich doch alles versucht. Ich liebte sie, fing jedoch auch an sie gleichzeitig zu hassen. Schließlich schämte mich dafür, dass sie trank. Vielleicht trinkt sie auch, weil ich nicht lieb genug war und ihr immer so viel Kummer gemacht habe. Sie doch so schwach! Meine Mutter trinkt und es ist meine Schuld.

    Ich hatte soviele schlechte Gefühle in mir, dass ich ebenfalls anfing zu trinken. Dann mußte ich sie nicht mehr wahrnehmen. Ich beschloß dann, meine Mutter ist mir egal. Aber irgendwie war sie es doch nicht. Ist doch schließlich meine Mutter, die darf mir doch nicht egal sein. Also noch mehr zusätzliche Schuldgefühle.

    Heute trinke ich nicht mehr. Das hat mich in die Lage versetzt, mir meine Gefühle zu meiner Mutter bewußt zu machen. Das war nicht leicht. Jahrelang habe ich sie verdrängt oder betäubt. Jetzt waren sie alle da und ich wußte gar nicht, was ich mit ihnen machen sollte. Ich habe sie ernst genommen meine Gefühle. Versuchte mich zu erinnern, in welchen Situationen sie entstanden sind. Waren es Situationen und Ereignisse, die ich heute viele Jahre später meiner Mutter verzeihen konnte? Wenn ja tat ich es, wenn nicht, tat ich es nicht. Und ich habe keine Schuldgefühle mehr dabei. Ja, sie ist meine Mutter. Doch inzwischen habe ich eines begriffen: Kinder müssen sich nicht um die Liebe ihrer Mutter bemühen, sondern es ist umgekehrt, die Mütter müssen sich um die Liebe ihrer Kinder bemühen!

    Meine Mutter hatte ihre Chance. Heute weiß ich, dass sie nicht anders konnte. Sie ist Alkoholikerin. Natürlich fällt es mir als Alkohlikerin leichter ihr das zu verzeihen. Doch die Verletzungen sitzen doch ziemlich tief. Heute weiß ich aber unter welchen Umständen sie entstanden sind und kann mit dem Schmerz umgehen.

    Distanziert habe ich mich trotzdem von meiner Mutter. Noch mehr als früher. Sie ist Alkoholikerin, doch tut nichts dagegen, um ihre Krankheit zu stoppen. Sie ist nicht in der Lage zu akzeptieren, dass sie Alkoholikerin ist. Sie wirft mir meine Erkrankung vor, weigert sich aber ihre zu erkennen. Aus Selbstschutz bin ich gezwungen mich von ihr zu entfernen. Es tut mir nicht gut, zuzusehen wie sich selbst kaputt macht und ihren Vorwürfen gehe ich lieber aus dem Weg.

    Hoffentlich konnte ich Dir ein bißchen Helfen. Wenn ich Dir einen Rat geben darf: Sei ganz ehrlich zu Dir selbst und versuche Dir Deine Gefühle zu ihr bewußt zu machen. Überlege Dir ganz genau, was Du noch von ihr erwartest. Erwartest Du überhaupt noch etwas?

    Viel Glück!

    lg
    Teufelchen

  • hallo salt & pepper,

    bin erst mal geschockt. kennst du deine mutter nur gewalttätig?
    hat sie auch mal nicht getrunken, was ist mit deinem vater, hast du da noch kontakt.
    wenn du nicht drüber reden willst ist auch ok.

    gruss schorni

  • Ja, das ist unverzeihlich! Es ist unmöglich, so etwas zu verzeihen.
    Kein Mensch hat das Recht, dir soetwas anzutun. Niemand, schon gar nicht Deine Mutter. Es spielt auch keine Rolle, ob sie krank war oder nicht.

    Du mußt ihr nicht verzeihen!

    Ich bin mir nicht sicher, ob es möglich ist, diese Demütigungen ohne Hilfe aufzuarbeiten. Doch ich fürchte, um die Aufarbeitung kommst Du nicht herum. Nicht um zu verzeihen, sondern damit Du endlich Ruhe finden kannst.

    Ich wünsche Dir viel Mut und Kraft für die Zukunft!


    lg
    Simone

  • hat sich ne menge angestaut, ist mir auch verständlich.
    hast du mal über professionelle hilfe nachgedacht, verdrängen wird nicht gehen.

    gruss
    schorni

  • hallo salt & pepper,

    freud mich zu hören.
    ich war um eine stunde vor dir im bett, habe allerdings die gleichen probleme.
    meine älteste ist heute 30 jahre, wir haben reingefeiert, viel leute, viel laut, ich glaube werde langsam alt.

    lg
    schorni

  • vielleicht schaffen ja du und dein zukünftiger mann sogar noch den grund für eine dritte schöne feier.
    ich würde mich sehr für dich freuen, :D

    lg
    schorni :wink:

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