In vielen Beiträgen habe ich nun schon gelesen, dass viele hier erst einmal „allein probiert“ haben, ohne Alkohol auszukommen. Selbst Karsten hat an der einen oder anderen Stelle dazu ermutigende Worte gefunden, während er an anderer Stelle offensichtlich ganze Beiträge zu diesem Thema gelöscht hat, da er diese Praxis nicht unterstützt.
Sicher muss man relativieren und schauen ob es sich wirklich um so etwas wie einen kalten Entzug handelt oder ob jemand noch in der Lage ist, auf diese Weise gefahrlos trocken zu werden.
Ich möchte an dieser Stelle trotzdem dringlichst davor warnen, derartige Experimente an sich selbst vorzunehmen oder bei anderen zu unterstützen ! So etwas kann schnell lebensgefährliche Dimensionen annehmen.
Ich persönlich spreche als Betroffener eines solchen „Experiments“ – ich wollte allerdings „nur ein bisschen weniger trinken“ um wieder leistungsfähiger zu werden. Nach zwei Tagen Einschränkung meines Alkoholkonsums bekam ich einen Kreislaufkollaps und alle Symptome des kalten Entzuges die man so kennt: Krampfanfall, Blutdruckentgleisung, irrationale Todesängste, Zittern, Schüttelfrost.
Das war zwar der Tag, der mir endgültig klar gemacht hat, dass ich etwas gegen meine Alkoholkrankheit unternehmen muss und insofern ein fast schon positiv zu nennendes Ereignis – nichts destotrotz hätte an diesem Tag meine Alkoholsucht auch ein abruptes Ende nehmen können, nämlich durch mein plötzliches Ableben ! Ich habe für dieses „Vorgehen“ weder von meiner Ärztin, noch von den Ärzten in der Entzugsklinik oder den späteren Therapeuten in der Langzeittherapie ein Lob erhalten!
Aufhören zu trinken hat nichts damit zu tun, dass „man es schon alleine schafft, wenn man nur stark genug ist“ und man angeblich keine Hilfe braucht um trocken zu werden. Im Gegenteil – ich glaube eher, dass gerade die Leute, die sich zunächst entscheiden es alleine zu probieren, genau genommen doch gar noch nicht wirklich richtig bereit sind, mit aller Konsequenz gegen ihre Krankheit angehen zu wollen. Denn dieses „alleine schaffen“ ist im Grunde genommen die Vorbereitung für einen weiteren Selbstbetrug und nichts anderes als das Offenhalten einer „Hintertür“ – merkt ja keiner wenn ich scheitere bei diesem Versuch, probiere ich es morgen, nächste Woche, nächsten Monat noch mal, usw. und bis dahin saufe ich weiter.
Ich sage „Glück gehabt“ jedem, der es so geschafft hat, trocken zu werden und zu bleiben und ich wünsche für die Zukunft das Allerbeste – Respekt habe ich davor nicht ! Respekt habe ich vor denjenigen, die den Mut aufgebracht haben, Ärzten, Familienangehörigen, Freunden und vor allen Dingen sich selbst einzugestehen, dass sie alkoholkrank sind und um Hilfe gebeten haben.
Liebe Grüße
DerKroepel
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