Wie erkläre ich es den Angehörigen

  • Hallo Stehaufmännchen,

    niemand kann das so einfach verstehen, der nicht selbst betroffen ist.

    Als mein Ehemann mich damals auf meinen Wunsch in die Entzugsklinik brachte, wurde er ärgerlich als ich ihn bat, mir doch ein paar Zigaretten dortzulassen. Er meinte die paar Gläser Wein wären doch nicht so schlimm, ich sollte lieber aufhören zu rauchen, das wäre viel ungesünder!

    Nun, lassen wir das, inzwischen habe ich mich endgültig von ihm getrennt und lebe in einer neuen wirklich glücklichen Beziehung.

    In meiner Familie sind Suchtkrankheiten in verschiedenen Formen über Generationen hinweg fest verankert. Kaum zu glauben, doch ich bin tatsächlich die Einzige, die es offen zu gibt und durch unbedingte Abstinenz meine Krankheit zum Stillstand gebracht hat.

    Ich gelte jetzt als das Sorgenkind der Familie und alle meinen mich wie ein rohes Ei behandeln zu müssen. Dass es mir sehr gut geht ohne Alkohol, kann sich keiner vorstellen, weil sich alle ein Leben ohne ihr Suchtmittel nicht mehr vorstellen können.

    Suchtkranke, die sich ihre Sucht nicht eingestehen können, haben scheinbar noch weniger Verständnis für mich, als Menschen, die nicht abhängig sind. Das ist bstimmt nicht allgemeingültig, doch ich erlebe es so.

    Große Achtung und Respekt erlebe ich mir gegenüber überraschenderweise von Kollegen und meinen Vorgesetzen für meinen offenen und ehrlichen Umgang mit meiner Erkrankung, als von meinen eigenen Verwandten, denen dieses Thema eher unangenehm ist und sie meine Erkrankung am liebsten totschweigen würden.

    Ich habe es gerade heraus gesagt. Die Reaktionen waren mir damals schon nicht so wichtig, weil es für mich sehr wichtig war, dass alle bescheid wissen.

    Dazu kann ich einfach auch nur jedem raten. War auch wirklich nicht so schwer. Einfach anfangen zu reden und den Satz aussprechen: Ich bin Alkoholiker/in. Wer das sich selbst gegenüber ohne Schwierigkeiten kann, hat auch gegenüber anderen damit keine Probleme.

    Die Reaktion anderer ist untergeordnet. Es ist so wichtig für seinen eigenen trockenen Weg, das diese keine zu große Rolle mehr spielen darf. Es kann natürlich zu Enttäuschungen kommen, doch die muß man dann in Kauf nehmen. Für sich selbst!

    lg
    Teufelchen

  • Hallo Stehaufmännchen

    Ich hatte dir ja schoneinmal etwas darüber geschrieben - ich bin auch heute noch der gleichen meinung und mir sicher, deine mutter wird die weltbeste eis ohne alkoholserviererin der welt .

    L.G.
    Marie :)

  • Hallo Stehaufmännchen,

    ich kann mich in allem nur Teufelchens Worten anschliessen. Wann man es sagt, kommt immer auf die Situation drauf an, denke ich. Den Angehörigen sollte man es schon besser in einer ruhigen Minute sagen, sie reagieren oft anders, als man erwartet. Erst mal sind sie sicher schockiert, was ja noch nicht sooo schlimm ist, man sollte es dann in Ruhe erklären, so gut man halt kann. Wenn sie einen lieben, werden sie auf jeden Fall helfen wollen. Sollten Vorwürfe Deines Vaters kommen, lass die nicht zu sehr an Dich ran. Es ist oft nur eine Reaktion der vermeintlichen Hilflosigkeit und sie müsen sich erst an den Gedanken gewöhnen. Sollte es Vorwürfe geben, geh dann besser, lass den anderen Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, was los ist.

    Anders ist es bei ir auf Feierlichkeiten, wenn Leute es nicht wissen und mich nerven: Trink doch auch was, nur ein Glässchen bla bla bla, dann red ich mich nicht raus, ich muss noch fahren, ich mag heut nicht...bla bla, dann sag ich halt ganz schlicht: Ich trinke keinen Alkohol, ich bin Alkoholikerin ! Und fertig. Meist ist dann die Reaktion, so, das sie sagen: Ach so. Mehr nicht. Und wenn sie es genauer wissen wollen, können sie mich fragen und ich kann dann mit ihnen drüber reden. Von mir aus muss ich nichts erklären, aber wenn Fragen kommen, beantworte ich sie auch ehrlich.

    Weiß jetzt nicht, ob Dir das was geholfen hat?
    Hab keine Angst davor, es zu sagen, es ist nicht schlimm und vor allem ist es eine unheimliche Erleichterung, nicht mehr lügen zu müssen.

    Gruß von der Lilly

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