Selbsterkenntnis (?)

  • Moin Alex,

    ich kann deinen bisherigen Weg etwas nachempfinden.
    Auch mein Trinkverhalten hat sich über viele, viele Jahre verändert. Es ist eben eine schleichende Krankheit. Es wurde alles schlimmer.
    Zuhause hatte ich eigentlich nie einen Tropfen Alkohol, das war sozusagen mein Refugium, wo ich mich entspannt zurücklegte und die Strapazen des Alkohols auskurierte und Wasser, Milch oder Säfte trank.
    Aber sobald ich eben das Haus verließ, animiert durch mein Suchtdruck und auch Kameraden, die mich beim Saufen dabei haben wollten, war der Exzess und Filmriss vorprogrammiert.
    Einmal Blut geleckt, konnte ich nichts mehr steuern, da halfen die besten Vorsätze nichts.
    Am schlimmsten waren bei mir eigentlich die Wochenenden, weil man keine beruflichen Pflichten zu erfüllen hatte und zuviel Freizeit da war, die ich seinerzeit mit dem Saufen verschwendet habe.
    Teils brauchte ich dann auch immer den (die) Tag(e) an Regeneration, die ich auch gesoffen hatte. Das waren so gesehen kalte Entzüge, die sehr, sehr gefährlich sind, wie ich heute weiß.
    Danach ging es mir dann wieder „gut“ und manchmal habe ich noch etliche Tage alkoholfrei daran gehängt, um meinem Körper etwas „Gutes“ zu tun und vielleicht mir auch zu beweisen oder einzureden, dass ich ja noch so manches im Griff habe.
    Aber es war eigentlich Selbstbetrug, der nächste Absturz war suchtbedingt vorprogrammiert.
    So habe ich eigentlich bis zur endgültigen Selbsterkenntnis, dass es ohne fachliche Hilfe nicht geht, viel Zeit vertan. Aber besser spät als nie.
    Wie bei mir sehe ich in deinen Schilderungen, dass hier eine Alkoholabhängigkeit vorliegt.
    Sämtliche Verharmlosungen werden dein Leiden nur verlängern.
    Ich kann dir nur den lieben Rat geben: Tue etwas dagegen – heute ist besser als morgen.
    Bei mir liegt diese Entscheidung nunmehr über 5 Jahre zurück und ich habe jeden Tag genossen und kann mir überhaupt noch kaum vorstellen, mit dieser immensen Belastung tagtäglich rum gelaufen zu sein.
    Dieses Freiheitsgefühl, ein Leben gänzlich ohne Alkohol, wünsche ich dir !

    Gruß, Freund.

  • Moin Alex,

    ich bin vor über 5 Jahren zu meinem Hausarzt gegangen, der mein Problem kannte, und habe ihn nach Möglichkeiten gefragt. Er hat mir einen Überw.-schein für die Med. Hochschule Hannover gegeben, die neben einer fachspezif. Abteilung (dort werden auch Entzüge gemacht) auch Suchttherapien in verschiedenen Gruppen(-größen) durchführt.
    Ich bin seinerzeit gleich am nächsten Tag hin, hatte ein "Vorstellungsgespräch" bei einem Psychologen und konnte dann noch am gleichen Tag an einer Gruppe teilnehmen. Nach einigen Malen (1x wö.) konnte ich dann in eine kleinere Gruppe (ca. 6-8 Pers.) wechseln, an der ich gut 3 Jahre teilnahm. Für mich persönlich war das wirklich ein Glücksgriff und summasummarum ein großer Erfolg. Das Positive an meiner Maßnahme war, dass man wirklich über die gesamte Zeit Therapeuten und Ärzte, die unserer Gruppe beisaßen und diese natürlich auch steuerten, als Ansprechpartner und "Leitwölfe" fachlich zur Seite hatte. Mitgenommen habe ich immer etwas von diesem 90-minütigem Event, egal wie die Themen ausfielen. Und das war Nahrung, mit der ich mich geistig und selbsttherapeutisch für die nächsten 7 Tage nährte.
    Informiere dich doch mal bei größeren Kliniken in deinem Umfeld.
    Natürlich gibt es aber auch andere Institutionen mit anderen Gruppen, die man über z.B. Caritas, Suchtberatung etc. erfahren kann.

    Soweit erst einmal,
    Gruß, Freund.

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