Provozierende Fragen an Alkies und CO`s

  • Was ist Schuld?
    Die Antwort daruf kann sehr vielfältig ausfallen. In jedem Falle ist Schuld aber eine Erfindung des Menschen und also verhandelbar und nicht irgendwie natur- oder gottgegeben.
    Juristisch ist Schuld ja sehr konkret in Paragraphen gefasst, im Philosophisch-Moralischen schon diskutierbar und im Zwischenmenschlichen eben frei und individuell verhandelbar.

    Ich persönlich kann in diesem Bereich auf den Begriff der "Schuld" restlos verzichten, weil er nicht weiterführt. Kein Mensch sollte hier selbstgerecht über einen Menschen richten außer über sich selbst.
    Ich meine in einer gleichberechtigten Beziehung geht es immer 50:50, sonst ist eh der Wurm drin ... ob nun Alkohol im Spiel ist oder nicht.
    Ausnahme sind (hoffentlich seltenere) Vorfälle von körperlicher oder psychischer Gewalt, aber das fällt dann schon wieder ins Juristische und wir brauchen hier darüber nicht zu dikutieren.

    Ich selbst habe mich nach meiner Auffassung an niemandem schuldig gemacht, außer an mir selbst, bin also auch nur mir Rechenschaft schuldig.

    Aber das muss jeder mit sich selber abmachen.
    Ich finde in diesem Zusammenhang noch interessant die Frage der Schuldfähigkeit und die des Schuldbewusstseins.
    Die des Bewusstseins deswegen, weil es sich beim Alkoholismus ja um eine Krankheit handelt, bei der sich der Betroffene zwanghaft eine bewusstseinverändernde Substanz zuführt.
    Und die Frage der Schuldfähigkeit, die zur Vorrausetzung hat, dass der Handelnde eine Option hatte anders zu handeln, in dem Fall: Nicht zu saufen. Also ob man die Frage der Willensfreiheit positiv beantworten kann.
    Ich bin als trockener Alkoholiker geradezu dazu gezwungen, diese Willensfreiheit und damit die Frage der Schuldfähigkeit positiv mit "Ja" zu beantworten, da ich mir selbst beweise und außer mir viele viele andere auch beweisen, dass man sehr wohl die Wahl hat, den zerstörerischen Kreislauf zu verlassen und es keinesfalls eine "Ausrede" sein kann und sich durch den Suff etwas zu entschuldigen.
    Damit darf niemand durchkommen ... und es darf sich auch kein Co darauf einlassen. Beides nicht. Hier hebt sich die "Schuld" gegenseitig auf.

    Das Schönste kommt noch

  • Zitat von Lilly12


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    Dann noch ein paar Fragen zu CO-Angehörigen.

    Gibt es eine gewisse Bereitschaft, zum CO zu werden ? Oder sind immer nur die Alkies an allem „schuld“ ?

    Lilly

    Ich habe auch schon gelesen, daß cos Menschen mit geringem Selbstwertgefühl seien, die ihr Selbstbewußtsein daraus ziehen, für jemanden anderen da zu sein. Hm, wenig schmeichelhaft finde ich.

    Ich kann mich nicht erinnern schon mal in einer Co-Abhängigkeit gewesen zu sein. Habe trotzdem viel darüber nachgedacht, ob das ein typisches Verhaltensmuster bei mir ist.

    Die meisten Menschen empfinden mich als rational denkend, stark und eher dominant. Ich bin selbständig, finanziell unabhängig und zufrieden damit.

    Woher kommt die Bereitschaft zur Co-Abhängigkeit? Keine Ahnung, aber ich werde der Frage nachgehen, allein schon, damit ich für die Zukunft etwas ändern kann und es sich nicht wiederholt.

  • Ich habe mich sozusagen schleichend zum Co entwickelt, weil ich das als Kind gelernt habe. Wichtig war irgendwie immer, dass "die Leute" nichts merkten. Und aussprechen kam irgendwie auch nicht in Frage. Irgendwann habe ich das dann übernommen.

    LG, Meni

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