Hallo zusammen,
mir steht es nicht zu, mich zu dieser Frage mit allgemein hilfreichen Antworten zu äußern. Hierüber gibt es im Forum in der linken Spalte des Portals unter dem Punkt „Häufig gestellte Fragen zum Alkoholismus“, ausführliche Antworten. Ich empfehle jedem, der hier Rat und Hilfe sucht, zunächst einmal diese Rubrik aufmerksam zu lesen. Manch eine Fragestellung beantwortet sich dadurch vielleicht von selbst.
Häufig sind die Fragen speziell in der Rubrik „Alkoholsucht im Alkoholiker Forum“ in ihrem Kern gleich : „Bin ich schon Alkoholiker ?“ oder „Kann man sich selbst therapieren ?“ oder „Ist ein Selbstentzug zu Hause gefährlich ?“ Admin oder Moderatoren könnten sich eigentlich eine „Standard-Antwortseite“ abspeichern. Tun sie aber nicht, weil hier auf jeden Fall persönlich eingegangen wird.
Ich hatte die Idee, den Ablauf meines körperlichen Entzuges (Entgiftung) im Krankenhaus ähnlich der Form eines Tagebuchs im öffentlichen Bereich zu schildern. Durch diese Schilderung wollte und will ich diejenigen, die den Schritt zu einer solchen Maßnahme trotz beginnender oder schon vorhandener Abhängigkeit noch nicht unternommen haben, Bedenken oder gar Angst nehmen.
Mein Erlebnisbericht konnte natürlich nur individuell sein, aber der medizinische Ablauf wird überall sehr ähnlich sein. Auch die Dauer des körperlichen Entzuges wird je nach dem persönlichen Zustand des Patienten variieren. Hier waren es 9 Tage. Der Bericht ist unter der Überschrift „schreck in der Entgiftung“ in der Rubrik „Hilfe bei Alkohol durch die Schulmedizin“ nachzulesen.
Wieso habe ich mich zu einer Entgiftung entschlossen ? Weil ich selbst die Erkenntnis hatte, dass ich die schleichende Entwicklung vom Genußtrinker zum Gewohnheitstrinker nicht mehr unter Kontrolle hatte. Weil es mir eines Morgens so schlecht ging, dass ich den Weg zum Arzt fast nicht mehr geschafft hätte. Weil ich Angst hatte, dass ich mir schon körperliche (organische) Schäden zugefügt habe.
Deshalb : Ich wiederhole was hier schon unzählbar oft gesagt worden ist. Die richtige Reihenfolge einer erfolgreichen Entwöhnung konnte für mich nur sein :
1. die Erkenntnis
2. der Arztbesuch
3. der körperliche Entzug
4. die Therapie
Punkt 4 habe ich noch vor mir. Er wird mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die anderen drei genannten, die die notwendige und erforderliche Basis sind. Ich hatte nicht solche Gedanken wie, jetzt nehme ich den Kampf auf. Es gibt keinen Kampf, wenn man die Erkenntnis, die Bereitschaft und den Willen hat. Warum sollte ich meinen Entschluss mit Negativem belasten ? Erkenntnis und Entschluss etwas zu verändern haben für mich doch das Ziel, etwas Positives zu erreichen. Das es auf dem Weg dorthin nicht einfach sein wird, war bzw. ist mir völlig klar. Aber wo ist denn die Alternative ?
Es gibt so viele Wortspielereien wie "Schalter umlegen", "Klick machen" usw. Völlig richtig. Die geistige Einstellung muss geändert werden oder, wie ich mal schrieb, das Gehirn muss aufgeräumt werden. Andere nennen es Verinnerlichung, jeder nach seiner Facon. Ungemein wichtig ist, dass diese Erkenntnis früh kommt. Was aber nicht heißen muss, dass sie zu spät kommen könnte.
Ich schreibe hier als Einer, der noch am Anfang steht. Würde ich mir heute schon Gedanken darüber machen, dass mich ein Rückfall in alte Gewohnheiten ereilen könnte, dann wäre ich geistig noch nicht umgepolt. Fort mit dem Negativen. Wenn ich mit dem Auto losfahre, denke ich ja auch nicht an einen möglichen Unfall. Was mich aber natürlich nicht zur Leichtsinnigkeit veranlasst.
Dass man als Entwöhnungswilliger permanent mit Alkohol konfrontiert wird, ist nicht zu ändern. Selbst vor dem Krankenhaus lagen Schnaps-und Sektflaschen in Papierkörben. Im Supermarkt und an der Tankstelle türmen sich die tollsten Alkoholika. Der Nachbar schleppt morgens schäppernd seine leeren Flaschen in den Keller. Im Fernsehen werden Spielfilme mit saufenden Schauspielern durch Alkoholwerbung unterbrochen, vor dem Kiosk, bei dem ich meine Zeitung hole, stehen lallende Dosenbiertrinker und wenn ich den Wald zum Spazieren gehe, liegen neben der Tüte eines Hamburger-Herstellers leere Vodka- und Orangensaftflaschen als Relikte der Mixturen von Jugendlichen. Ich gehe gerne aus essen, weil ich außer Spiegelei nicht viel auf die Reihe bekomme; am Nebentisch trinkt ein Pärchen eine ganze Flasche Wein. Und Karneval steht auch vor der Tür. Das alles ist so und kann nicht negiert werden.
Natürlich soll man sich nicht bewusst Gefahren aussetzen, erst recht in der Zeit, wo man sich das Alkoholtrinken gerade abgewöhnen will. Will sagen : Mein Umfeld kann ich nicht ändern, aber ich mich. Ein Spruch übrigens, der nicht von mir stammt.
Einen Fehler habe ich hier gemacht : viel zu viel geschrieben. Aber wenn meine Schilderung auch nur eine(n) dazu bringt, es mir nach zu tun, dann wünsche ich ihr/ihm so viel Optimismus und Energie wie ich glaube zu haben.
Danke Forum.
LG schreck