Hallo Thorsten
und Herzlich Willkommen hier im Forum, prima, das Du hergefunden hast.
Na, der Weg, den Du da beschreiten willst, hört sich doch prima an, nach Nägel mit Köpfen.
Es ist eigentlich völlig unwichtig, in welchem Suchtstadium man sich befindet, entweder man ist abhängig oder nicht.
Abhängigkeit ist körperlicher und immer auch psychsicher Natur. Sie macht sich weder am Trinkverhalten noch an der Menge fest. Die Abhängigkeit besteht immer auch im Kopf, von daher ist das alles kein Indikator.
Die meisten hier sind auch immer arbeiten gegangen, haben ihre Pflichten erfüllt, so gut es eben noch ging. Aber irgendwann geht gar nix mehr. Alkoholiker sind ja nicht nur die Penner auf der Parkbank, es sind vollkommen "normale" Menschen, das wirst Du hier aber noch festsellen. Das einzig "unnormale" ist unsere Abhängigkeit.
Aber man kann trocken werden und wenn man noch nicht zu große körperliche Schäden hat, symtomfrei leben. Unsere Krankheit bleibt aber für immer in uns, denn sie ist unheilbar.
Der erste Ansprechpartner sollte immer der Arzt sein. Schämen brauchst Du Dich keinesfalls für Deine Krankheit, davon sind so viele betroffen, jeder Arzt hat auch Alkies als Patienten.
Ich habe es so gemacht:
Ich kam mit dem Notarztwagen ins KH. Nach meiner Entgiftung suchte ich mir eine neue Ärztin, weil ich nicht zu meinem Hausarzt mochte, es war mir einfach unangenehm, zumal wir uns recht gut kannten.
Mit der neuen Ärztin konnte ich sozusagen bei "Null" anfangen. Sie kennt sich sehr gut mit unserer Krankheit aus, wußte sogar, wann und wo die Treffen von SHG sind. Ich kann mit ihr über alles reden, sie fragt mich auch, wie es "innen" aussieht, weil sie weiß, das unsere Krankheit auch psychischer Natur ist. Und die Arzthelferinnen und Sprechstundenhilfe sind immer SEHR freundlich zu mir, nie kam ein schiefer Blick, ganz im Gegenteil. Sie freuten sich mit mir über jeden Fortschritt, bessere Blutwerte und ich geh da eigentlich richtig gern hin, soweit man überhaupt von "gern" in Bezug auf Arztbesuche reden kann.
Du mußt selber entscheiden, zu welchen Arzt Du gehen wirst, aber Scham ist völliger Unsinn, er wird Dir auf jeden Fall helfen. Ich hab mich viel zu lange geschämt und hätte mich fast totgesoffen. Dafür könnt ich mich heut noch in den Ars... treten
, aber naja, nicht mehr zu ändern.
Er wird wahrscheinlich eine Entgiftung einleiten, aber auch davor brauchst Du keine Angst zu haben, Du bist da unter ärztlicher Kontrolle, bekommst entzugslindernde Medis, das wars auch schon. Und wenn Du Glück hast, so wie ich es hatte, hast Du auch noch nettes Pflegepersonal, das Dich gut pflegt. Schiefe Blicke gab es auch dort nicht, da sind jeden Tag Patienten, die entziehen.
Eine Entgiftung ist aber nur der Grundstein für Deinen weiteren Weg in die Trockenheit, Du wirst einiges in Deinem Leben ändern müssen, aber das schaffst Du !
Was das alles ist, kannst Du hier in vielen Beiträgen nachlesen und stell auch gern Fragen, wir werden so gut wie möglich antworten.
Und wir hier betrachten und übrigens auch als SHG, besonders im Geschlossenem Bereich, wo wir offener und privater schreiben. Denn man will nicht immer alles dem www zur Verfügung stellen.
Wir begleiten Dich gern auf DEINEM Weg in die Trockenheit mit Rat und Unterstützung.
LG an Dich
Lilly