Beiträge von dagmar007

    Weißt Du Doro, ich möchte Dich nicht in Eck drängen. Du bist schon ganz weit gekommen und Dir wirklich selber ganz nahe gekommen.

    Derzeit habe ich das Gefühl - verzeih wenn es nicht so ist, aber so empfinde ich es halt - als ob Du ihm näher und näher kommst. Als ob wieder in Dir alte "Schuldzuweisungen" Dich drängen ihm auf seinen Weg zu bringen, der doch der Beste und sozial "normalste" wäre.

    Doro, auch ich war fertig. Vielleicht auch heute noch den einen oder anderen Moment, das verstehe ich nur zu gut. Aber ich habe bei Dir das Gefühl als wärst Du auf einer Rolltreppe - hoch zu seiner Selbstverantwortung - die immer schneller wird. Hoffentlich nicht so schnell, dass Du stürzt.

    Mensch, ist so schwer zu schreiben, weil es mich nichts angeht und es Deine Entscheidung ist. Auch wenn es eine Entscheidung für ihn sein sollte. Nur dann muss sie bewußt von Dir getroffen werden und nicht im Laufe einer immer schneller werdenden Rolltreppe, die Du selber in Normalgeschwindigkeit empfindest.

    Ich habe den Eindruck, Du willst ihm helfen, ihm quasi als letzte gute Tag noch den richtigen Weg zu weisen. Ihm einen Absturz ersparen.... Doro, ich befürchte, das hält ihn alles noch weiter in seiner Sucht. Und Dich weiter weg von Dir und (D)einer Zufriedenheit und auch der Ruhe, die jetzt wohl wichtig wäre (vielleicht auch manchmal schwer zu ertragen).

    Mir steht es nicht an Deine Situation zu beurteilen, ich würde mir nur wünschen, dass Du ganz bewußt mit den Dingen umgehst und Dich einfach fragst, ob Dein Alltag sich mehr um Dich oder um ihn dreht.

    Lieben Gruß von Dagmar

    Ich

    Liebe Doro,
    ich bin etwas erschreckt darüber, wie Du noch als "Jocker" in Händen Deines Partners versteckt bist.

    Ist es von Dir eine ganz bewußte Entscheidung Dich wieder in sein Leben zu involvieren, denn so wirkt es gerade auf mich. Bei mir kamen immer nach großen Schritten und der fast erreichten nächsten Stufe, genau jene - Deine - Gedankenansätze. Bin ich standhaft geblieben, dann tat sich etwas neues auf.

    Ich habe (auch wenn es mich nichts angeht) etwas Angst, dass Du Dich gerade am "verlieren" bist.

    Höre in Dich rein....

    Lieben Gruß von Dagmar

    Unterschrieben und fett unterstrichen, liebe Koketterie.

    Die Gedanken sind noch ab und zu im "es war einmal" aber emotionslos. Kein Wut, kein Hass, keine Sehnsucht keine zurück-haben-wollen. Gerade so, als lebten wir auf unterschiedlichen Planeten.

    Wobei in einem Punkt habe ich mich geirrt und da muss ich noch sehen, wie sich meine Ansichten und Gefühle ändern. Ich war der Meinung durch Trennung und seinen Wegzug gibt es keine Berührungspunkte mehr und alles ist weit, weit weg und wird nie wieder als "Gegenwart" in mein Leben Einzug halten.

    Das wird aber nicht so sein. Ich habe mich mit jemandem näher unterhalten, der so einiges über sich erzählte bei Sichtung von Fotos war gleich der erste "hallo-wach-Moment" derjenige mit dem mein Ex zusammengezogen war und mit dem auch ich dann in dieser WG gelebt hatte. Der einzige, zu dem mein Ex noch Kontakt haben dürfte. Im Moment ist das alles noch ziemlich weit weg und uninteressant. Sollte sich aber eine kameradschaftliche Basis entwickeln - und zu spüren ist gerade etwas - werde ich mir Gedanken machen müssen.

    Sprich: ich lebe, wie Du, anders als zuvor, bin in mir zuhause und geschützt. Wenn aber die Berührung der einzelnen Zeitzonen ansteht, dann werde ich eine weitere Veränderung mitmachen müssen.

    Ich finde es genial, liebe Koketterie, dass es Dir ähnlich zu gehen scheint wie mir. Zeigt es doch, dass sich Mut auszeichnet und keinesfalls unser Weg für immer verkokst bleiben muss. Steinig, ja klar, das wird er sein - aber keine Einbahnstraße :)

    Lieben Gruß von Dagmar

    Ja, aber herrje, wie fühlt sich denn das an? Komme ich etwa so langsam bei mir an?

    Ach Hilfe, das kenne ich ja alles gar nicht mehr....
    Heute morgen habe ich mal tatsächlich zu Lippenstift und Kajal gegriffen. Ich bin keine Schminktante und zumeist ist es mir eher lästig, aber irgend was ritt mich heute morgen. Früher war das normal, die letzten paar Jahre, einfach keinen "Bock" mehr.

    Aber hallo, was ist denn das nun wieder: diese Gespräche zwischen Männlein und Weiblein, wo Familienstand ect. abgecheckt wird. Diese komische Situation zwischen Frotzeln und Aufmerksamkeit, in der immer mal wieder einer ins Fettnäpfchen tritt und das Gespräch stockt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Ja Hilfe, das gab es früher mal regelmässig .... Wertfrei betrachtet!

    Nur kenn ich dieses "abchecken" nicht mehr, dieses "Nähe suchen", dieses "Informationen über sich selber weitergeben" (was ich von mir persönlich noch nicht mache wie mir auffällt).

    Das fühlt sich ganz eigenartig an. Ein anderes Umfeld zu haben, welches größer ist. Man/Frau stellt fest dieser und jener hat Urlaub, diesen und jenen habe ich nicht gesehen, ach schade, heute hat diese oder jener Urlaub, sehe ich also heute nicht.

    Wie ein Weckerrasseln ist mir das heute morgen aufgefallen. Ein Gefühl, welches ich nicht hatte als ich vor 8 Jahren beim vorherigen Arbeitgeber anfing. Aber ein Gefühl, welches ich in jungen Jahren hatte, als ich selber noch keine so verschrobene Auswahl im Partnerbereich hatte.

    Na komisch - ob das wohl ausgelöst wurde durch ein ganz eigenartiges Erlebnis am Samstag, als ich bei meiner Mutter war. Neben ihr wohnt einer meiner Ex-Teenager-Freunde (also schon gar nicht mehr wahr) irgendwann abgestürzt, Alkohol-Therapie ect und wohl wieder stabil. Ich bin diesem Menschen seit zig Jahren aus dem Weg gegangen, einfach weil ich nicht wusste wie man sich gegen über tritt. Am Samstag nun hatte ich das Problem nicht. Ins Gesicht gesehen "Hallo".

    Das was früher quasi ein "Verstecken" war wich einem offenen Blick. Gerade so, als hätte ich den Schatten einer Minderwertigkeit abgestreift. Ist ganz schwer zu erklären, weil dieser Mensch für mein Leben keine Rolle spielte und es mehr eine Teenager-Kurz-Beziehung war. Aber es schien so, als rolle da gerade so eine Aha-Welle über mich hinweg.

    Speziell jetzt muss ich ganz besonders aufpassen, dass ich keine Vorverurteilungen tätige (habe mich nämlich dabei entdeckt). Ich bin mir noch nicht so ganz im Klaren, wie ich das am Klügsten bewerkstellige.

    In Momenten der Unsicherheit habe ich bemerkt, dass ich (unbewußt) den Weg des Schrittes zurück antrete und dann auch selbstsicherer wirke als ich es bin, eventuell um mich vor Fortsetzungen oder Verletzungen zu schützen (weil eben schon eine Vorverurteilung) erfolgt sein könnte.

    Was ich ganz klar noch nicht kann ist das differenzieren der verschiedenen Arten von Interesse an einem Menschen. Ich habe da ein bischen Probleme wenn ich den Eindruck habe es ist etwas mehr "Interesse als die Standardversion" gegeben. Ob ich mich da aber im Bereich der Einbildung bewege oder einfach schon im Vorfeld mit Verdrängung reagieren möchte, kann ich absolut nicht beurteilen.

    Na, hoffentlich muss ich nicht nochmal durch die Pubertät ;)

    Lieben Gruß von Dagmar

    Wer ist schuld, liebe Doro, wenn jemand zum Alkoholiker wird? Ich weiß es nicht... Gene, Vorleben der Eltern, eigene Masslosigkeit, Selbsmedikation durch Alkohol. Alles möglich....

    Aber eines weiß ich ganz sicher: kein Partner hat das verursacht und muss sich somit auch garantiert nicht darum kümmern, dass sein Gegenüber die "Erleuchtung" erlangen möchte.

    Aber eines dürfte Fakt sein, dass Alkohol kein Spielzeug ist dürfte jeder wissen und niemand ist gezwungen dass Zeug zu konsumieren. Da nämlich wieder sind wir bei der Eigenverantwortung. Da, wo wir für uns verantwortlich ist und Dein Gegenüber beispielsweise für den Konsum oder aber den Weg aus dem Konsum.

    Ja Doro - würden sie wenn .... Wenn es morgen Steine regnen würde, würdest Du oder ich wohl darunter stehen ;)

    Ich habe lange diese was wäre wenn Fragen gespielt - ohne Ergebnis. Halt doch: vergeudete Zeit zum einen und zum zweiten das Verdrängen der Realität. Denn die Ist-Situation war ja eindeutig, da war mein "was wäre Science-Fiction-Roman" reine Zeitverschwendung.

    Job, Familie, ich weiß nicht, ob das ab einem gewissen Stadium überhaupt noch wahr genommen wird. Ich kann mir ebenso vorstellen, dass weder Freude noch etwas anderes zu finden ist, sondern einfach nur Tag für Tag so gutr wie möglich überstehen.

    Dich beutelt es gerade ganz gehörig, arme Doro. Ich kenne das nur zu gut. Aber es wird Monat für Monat besser.

    Lieben Gruß von Dagmar

    Lieber Legolas,
    wenn ich mir Deinen "Namen" betrachte, dann denke ich an den "Herrn der Ringe". Du auch? Dann betrachte Dir - falls es kein Zufall war - diese Person.... dann müsstest Du selber auf Deinen Weg kommen ;)

    Was würde anders werden wenn Du wieder zur Flasche oder zum Glas greifst? Die Oberflächlickeit der Bekanntschaften, die Du anfänglich ansprachst, wäre eben wieder da. Es wäre ein Zusammen ohne gemeinsame Grundlage. Ja, Du würdest Deiner "Einsamkeit" entfliehen und Dich selber der Chance berauben zu erfahren wie schön "allein sein" sein kann. Es ist keinesfalls gebunden an Einsamkeit.

    Für mich ist es herrlich alleine mit meinen Tieren zu sein, die Quelle an meinem Haus zu hören und zu wissen "ich bin zu Hause". Ich bin kein erfahrener "Fuchs" sondern war lange Zeit co-abhängig von einem Partner, der keine Freude am Leben empfand. Werder mit noch ohne Alkohol....

    Dann doch lieber ohne Alkohol in Erfahrung bringen, was einem etwas bedeuten könnte als sich freudlos die "Birne zuknallen"

    ... oder sehe ich das falsch....

    Lieben Gruß von Dagmar

    Liebe Ri,
    ich war anfänglich innerhalb meiner Beziehung so naiv zu glauben, dass mein Ex-Partner weder 9 Jahre wegwirft, noch sich selber.

    Also war für mich klar, er wird etwas tun (was dann jedoch nicht geschah).

    Eines war für mich wichtig:
    Ich wollte ein selbständiger Mensch werden, der auch ohne Partner seine Verantwortung leben kann. Denn nur dann wäre es möglich gewesen vielleicht (wenn überhaupt) eine Partnerschaft mit ihm zu führen.

    Ich wollte Geradlinigkeit und Konsequenz leben, damit "er" begreift warum und wie das wichtig ist für jeden Menschen.

    Ich wollte eine weitere Chance mit ihm, diese aber konnte es nur geben, wenn ich gegen meine Beziehungssucht, Co-Abhängigkeit oder einfach meine Beziehung zu ihm, die meinerseits keine Grenzen für mich kannte, angehe.

    Ich habe alle Grundlagen gelegt, um eventuell zu einem späteren Zeitpunkt mit ihm eine autonome Beziehung zu leben. Nun gut "er" hat kein Interesse daran, die Sucht hat mehr Bedeutung. Dadurch aber, dass ich eine autonome Partnerschaft wollte bin ich den Weg zu mir gegangen.

    Jetzt habe ich mich gefunden und es geht mir gut, auch ohne ihn.

    Hätte es eine Zukunft mit ihm gegeben, dann nur unter den Voraussetzungen, die ich oben benannt habe. Das wäre nämlich mein Rezept gewesen für die Entwicklung zu einem autonomen Menschen, der sich mit einem anderen autonomen Menschen zusammen schließen kann. Hätte mein Ex-Partner nämilch die Sucht begriffen bzw. Interesse an mir würde er benötigen:
    einen selbständigen Partner
    einen autonomen Partner
    einen direkten und ehrlichen Partner, der weder eigene Grenzen verletzt noch die von anderen verletzt.

    Hätte sich mein Ex-Partner aus der Sucht befreien wollen, hätte er keinen Partner benötigt, der sich Gedanken oder angstvolle Gefühle macht sondern er hätte einen Partner von Nöten der Vertrauen zu ihm hat und nicht an ihm zweifelt.

    Hätte mein Ex-Partner den Weg aus der Sucht gehen wollen, so hätte er die Freiheit benötigt für sich selber zu entscheiden was gut oder schlecht ist ohne von mir ständig kontaktiert zu werden. Denn er würde dann Zeit benötigen um mit sich selber klar zu kommen.

    Ich für meinen Teil habe meinem Ex gesagt dass es keine Schande ist alkoholkrank zu sein, aber sehr wohl eine nichts dagegen zu tun. Ich habe ihm klar und deutlich gesagt, dass für den Fall, dass er sich fachmännische Hilfe holt in einer Phase der Krankheitseinsicht wir uns gerne unterhalten könnten ob wirklich einmal etwas war oder zu dem Zeitpunkt sein wird.

    Ich habe ihn nicht vor die Wahl gestellt der Alk oder ich, niemals, denn diese Auswahl wusste ich zu verlieren. Ich ging weil ich so nicht mehr weiter machen wollte. Diese Angst, die Du gerade beschreibst, hat mich nicht nur krank gemacht, sie hat mich immer weiter von mir entfernt. Ich war am Schluss nur noch ein angstliches Bündel aber nicht mehr ich selber.

    Der Weg zu einer glücklichen, trockenen Partnerschaft würde bei mir immer der Weg sein, der über mich und meine gesunde, stabile, autonome Psyche zum Partner führt.

    Schwer nachvollziehbar, aber les Dich mal bei jenen ein, die den Weg geschafft haben, vielleicht kann auch der eine oder andere seinen Senf zu meinen Mutmaßungen "beifügen".

    Lieben Gruß von Dagmar

    Liebe Ri,
    egal, was andere erlebt haben oder wann was wie gut oder schief gegangen ist: du bist du, er ist er und andere sind andere.

    Gerne würdest Du Hoffnung aufbauen, oder? Gerne würdest Du hören, dass es für EUCH eine Chance gibt, oder? Lies einfach mal im Alkoholiker-Bereich. Dort wirst Du Geschichten lesen, die ein gutes Ende nehmen/nahmen - und auch genau das Gegenteil. Keine dieser Geschichten aber ist Deine bzw. Eure.

    Du hast die Möglichkeit das entweder "durchzustehen" und das "uns" vor das "ich" zu stellen oder aber Deinen Weg zu gehen.

    "Er" sagt, er braucht Zeit. Er hat das Recht sich zu entscheiden - egal, für welchen Weg. Selbiges Recht und selbige Verantwortung die Du hast (für Dich) die Dir niemand abnehmen kann.

    Lieben Gruß von Dagmar

    Guten Morgen, liebe Doro,
    bevor ich Brötchen verdienen gehe will ich mich doch mal kurz einklincken in diese mir doch so bekannte Situation ;)

    Nachdem Verbalattaken und ähnliche Situationsspiele nicht viel bewirkt haben erfolgt nun die nächste Nummer. Eventuell auch provuziert durch Probleme Deines Ex-Partners, in welchen er sich nun befindet und gerne hätte, dass ein anderer die Lösung findet, zumindest aber diktiert (um dann auch die Verantwortung zu tragen).

    Ja Doro, noch mehr engagieren ;) Immer schneller im Hamsterrad, immer engagiert, mit immer mehr Kraft. Was aber, wenn das Rädchen bricht? Repariert derjenigen es, für den Du darin Deine Runden gedreht hast?

    Genau diese Anfrufe (die ich kenne) werfen Dich wieder in die Sucht zurück oder? Jetzt nämlich ist bei jedem Klingeln des Telefons die Frage "ist er es, meldet er sich". Somit hat er es also geschafft Dich wieder an Deinem Suchtmittel schnuppern zu lassen ;)

    Wie ich das kenne: die vorbeifahrten an meinem Haus, das Abladen irgendwelcher Gegenstände vor meinem Haus. In den ganz schlimmen Phasen habe ich mich einfach zu "Boden" geworfen. Vogel Strauß-Taktik sich einfach selber die Augen in den Sand zu stecken um das "Übel" draussen nicht sehen zu müssen. Zwar musste ich seinen Ablade-Sound hören, aber ihn zumindest nicht sehen.

    ... nicht sehen um mich in irgendwelche Jahre zurückliegende Phantasien zu bewegen, die schon lange nicht mehr der Realität entsprechen ...

    Du machst Deinen Weg, Doro!
    ... aber nicht im Hamsterrad...

    Lieben Gruß von Dagmar

    Hallo, liebe Karlotta,
    irgendwie "juckt" es mich in den Fingern ganz provokativ zu fragen "wieso negative, traurige und gescheiterte Beispiele, wo es am Ende auf Trennung hinausläuft."?

    Wenn ein Alkoholiker sich für seine Promille entscheidet ist es seine Entscheidung und für ihn in dem Moment seiner Entscheidungsfindung nicht negativ....

    Auch wenn eine Trennung traurig ist, so haben hinterher viele Partner endlich in ein selbstbestimmtes und freies Leben für sich gefunden, in welchem sie nicht mehr durch die Launen und Erlebnisse einer Sucht von "himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt" gebeutelt werden.

    Negativ erscheint mir das nicht unbedingt, nur weil es eine Trennung in der Vorstufe mit sich brachte.

    (D)Ein Handtuch werfen und (D)eine Hoffnung aufgeben, nun, das ist wohl eine Entscheidung, die Du mit Dir und Deinem Gefühlsleben ausmachen musst. Ob er aber Lust oder Interesse hat etwas zu lernen oder zu verändern, dass ist die Sache Deines Partners, auf die Du keinerlei Einfluß hast.

    Du schreibst von "Liebe". Allerdings musste ich für mich schmerzhaft erfahren, dass Liebe nur da möglich ist, wo zuvor eine Selbstliebe da ist. Diese Selbstliebe schließt aber zwangsläufig aus, dass ich eine Partnerschaft mit einem Menschen führe, der mir nachhaltig schaden kann. Dieses ist aber zwangsläufig der Fall, falls ein Mensch (auch nur einen!) Black out haben könnte. Nicht nur, dass dabei Gerhirnzellen auf der Strecke bleiben, es weiß ja im Regelfall keiner, was während der Blackout-Zeit passierte.

    Auch mir ging es wie Dir: Alkohol in der süchtigen Form war mir fremd. Viel zu lange dachte ich, dass kann doch gar nicht sein. Es war so, es kam noch viel schlimmer und ich habe für mich gelernt, dass ich nur mir und meinem Bauchgefühl vertrauen kann.

    Was sagt Dein Bauchgefühl? Wie fühlst Du Dich wenn er abstürzt bzw. wenn Du glaubst, es könnte passieren? Bist Du noch in der Lage einen gemütlichen Abend mit Freunden zu verbringen, während er sich vielleicht die "Kanne" gibt?

    Wie stellst Du Dir Euren Weg vor? Wie stellt er sich diesen Weg vor? Redet Ihr darüber?

    Lieben Gruß von Dagmar

    Hm Julchen,
    Verständnis für Suchtkranke stimmt nicht ganz. Aber vielleicht innerhalb einer Abwandlung: ich komme - egal wie - nicht an Leben, Herz, Psyche oder Gesundheit eines (sucht-)kranken Menschen.

    Ich bin absolut machtlos ihm gegenüber und dem, was sein Leben bestimmt. Schau, ich bin jetzt über 6 Monate weg und konnte zur Ruhe kommen, das wirkt sich aus.

    Ich stehe nicht mehr im Dunstkreis seiner Wut und Agression, ich sehe ich nicht, ich habe keinen Kontakt, ich versuche abzuschließen - seine Welt von meiner zu trennen. Nach allen den Gefühlen, die Du jetzt gerade verspürst, kommt mit der Zeit etwas anderes, zumindest bei mir. Abstand - den Partner nicht mehr sehnsuchtsvoll zurücksehnen - das eigene Leben in Angriff genommen zu haben. Je mehr ich selber in die Wege leite und mein Leben lebe, desto weiter weg ist er und das damalige Leben innerhalb der Suchtbeziehung.

    Weißt Du Julchen, es ist einfach so, dass ich nicht die geringste Lust habe zu hören, dass Menschen von einem anderen klein gemacht werden, heruntergezogen oder seelisch kaputt gemacht zu werden. Mein Weg ist mittlerweile der, Menschen, die so etwas tun (das können auch cholerische Chefs sein, die keine Alkoholiker sind) sind für mich krank.

    Menschen, die extrem einen sozialen Kontext verlassen sind für mich krank in der Seele. Gut was ist krank - was ist gesund? Ist alles relativ. Somit ist mir "relativ wurscht" was ein Mensch denkt oder tut, der soziale Regeln mit Füßen tritt.

    Da, wo es mir noch nicht "wurscht" ist, muss ich es noch lernen. Das ist derzeit meine Baustelle - rechtzeitig abgrenzen von Menschen, Dingen oder Anliegen, die mir schaden oder mich bevormunden. Aber auch diesen "Käse" kriege ich noch so hin, dass er mir "wurst" ist.

    Lieben Gruß von Dagmar

    Ladies,
    ich denke mal, Euren Partnern fehlte zu dem Moment einfach der "klare Durchblick". Mein Arzt sagte mal zu mir ganz lapidar "und schuld sind die eh nie, krank sind sie auch nicht, und überhaupt haben sie immer recht".

    Das was Ihr schreibt ist sicherlich nicht bei allen suchtkranken der Fall. Manch einer wird noch Verantwortungsgefühl haben, ein gewisser Teil aber, der dürfte gar nicht mehr begreifen was wirklich abläuft. Ich weiß auch nicht ob ein hochgradig suchtkranker noch sehen kann was Kinderbetreuung ist. Haben diese Partner sich in den letzten Jahren schon herausgehalten, dann sind sie den Kindern - und damit auch dem täglichen Arbeitsanfall - fremd. Ich glaube noch nicht einmal das es böswillig ist sondern einfach die Konzentration nur noch auf sich selber. Nicht aus Bösartigkeit, sondern einfach auf Grund von Krankheit.

    Schaut mal, so schwer es für die Herren ist ihr Leben zu regeln, so haben sie das Gefühl überfordert zu sein. Ich denke, einem Suchtkranken fällt die Bewältigung des Tages einige Male schwerer als jemandem, der nicht Suchtkrank ist. Somit können Eure Partner nur bemerken dass ihnen sauschwer fällt, was bei Euch aussieht wie ein Spaziergang.

    Gewiss, es ist entgegen aller Logik, die Geschichen, die Ihr schreibt. Aber genau so ist die Sucht : entgegen aller Logik und aller Ethik....

    Lieben Gruß von Dagmar

    Ja, liebe Doro: das darüber reden bedeutet der Wahrheit ins Auge zu sehen und es mit dem eigenen Mund zu sagen. Dadurch, denke ich mal, muss das Gehirn überlegen was gesagt wird und der Inhalt "brennt" sich eher ein.

    Ich habe bei mir festgestellt, dass alle Emotionen stärker sind, als bei Normalos. Das dürfte bedeuten, auch meine Bereitschaft zu leiden, zu lieben, mich zu freuen und zu trauern. Somit also stecke ich mehr weg als ein "Normalo". Dennoch bekomme ich selbige Wunden, die nur schmerzhaft heilen.

    Da ich keinesfalls Sado-/Maso-Tendenzen habe muss ich mir so viel wert sein, mich diesen Dingen zu entziehen. Schwer, ungewohnt, aber wichtig für mich und mein weiteres Leben.

    Davon mal abgesehen, was gesagt wird: zuweilen reicht schon ein geringschätzender Blick, wir spüren ihn, er verletzt uns, wir wissen auch dass dieser Blick uns verletzen soll und wir kämpfen jeden Tag darum nun endlich als "Wiedergutmachung" einen liebevollen Blick zu erhalten. Wir machen uns quasi zum Spielball....

    Auf Mädels: Ballwechsel ;)

    Lieben Gruß von Dagmar

    Also liebe Kathrin,
    geteiltes Leid ist halbes Leid! Lass es uns angehen!!!!

    Da geht es uns wohl gleich, wir fühlen uns nicht wohl in der Situation, aber unsere "gute" Erziehung sagt "ach Mensch, ertrag es".

    Egal, liebe Kathrin, ob nett oder nicht. Ist mein Nachbar auch - und bringt immer Geschenke mit - aber in meinem Fall komme ich aus meiner Ruhe. Nicht nur das, mein Wohlfühl-Gefühl ist weg. Wirklich weg - ich fühle mich gestört und ich fühle mich vereinnahmt! Denn es können auch drei Anrufe in Folge kommen. Das bedeutet für mich "er will quatschen" und es interessiert nicht ob ich das auch will oder anderweitig beschäftigt bin. Für mich sagt das "hallo, lass Dich nicht überfahren".

    Ich für meinen Teil möchte und werde mich hoffentlich dagegen wehren. Denn: ich merke ich werde unzufrieden, wenn ich es ertrage....

    Na, dann halten wir uns mal auf dem Laufenden, liebe Kathrin. Und mal ehrlich: sind die wirklich "nett" dann verstehen sie das und wünschen dass es uns gut geht. Wenn nicht, dann haben sie uns/mir das "nett" vorgegaukelt ;)

    Lieben Gruß von Dagmar

    Liebe Antje,
    für dich und dein Kind würde ich wünschen, dass Du stark bleibst und Dir gewahr wirst dass Dein Leben viel wert ist und seelische Gewalt böse Wunden hinterlässt. Das musst Du Dir nicht antun.

    Davon mal abgesehen, liebe Antje, Du weisst noch nicht wie sich die Situation entwickeln könnte. Er könnte aufhören, aber er könnte auch weiter und weiter in den Sumpf gezogen werden.

    Bist Du an Deiner Seite lässt Du Dich mit in den Sumpf ziehen und tunkst Dein Kind ebenfalls noch mit in den Morast.

    Ganz viel Kraft wünscht dir dagmar

    Überdimensionale Gefühle.

    Ja, auch das ist noch eine Ausgeburt aus der suchtbezogenen Zeit. Langsam aber sicher angestaut, viel zu spät "rebelliert" und dann eine imense Wut in sich spüren.

    Grenzen sind es, die es heisst rechtzeitig zu ziehen. Nicht nur beim alkoholkranken Partner sondern vor allen Dingen im eigenen Leben.

    Seit ich hier lebe gibt es einen Nachbarn, der beständig anruft oder vor der Türe steht. Er meint es nett und lieb, aber ich will oft meine Ruhe haben und alleine sein. Ganz vorsichtig teilte ich das mit. Logisch, der gute Co will ja nicht verletzen. Nur klar, der andere will das nicht hören und somit wird das auch überhört.

    Nun gut, da ich sehr spät meine Grenze ziehe muss ich das nun eben überdeutlich machen: "ich will alleine sein" aus - ende - keine weiteren Diskussionen. Diese Erklärung aber auch nur einmalig, damit es deutlich ausgesprochen ist, dann bleibt zukünftig die Türe zu selbst wenn der BIMMELNDE weiss dass ich zu Hause bin.

    Monat für Monat habe ich bemerkt wie mir diese Unruhe nicht bekommt, die mein Besucher abends ins Haus bringt, Zumal ein Abend - eigentlich bis auf Ausnahmen, jeder - mir gehört und ruhig und gelassen von statten gehen soll. Die Tiere im Haus und ich mir mir im Reinen.

    Bimmel bimmel, Unruhe bei den tieren, der eine oder andere wieder draussen, meine Aktivitäten unterbrochen, am Krimi die Handlung verpasst oder Essen kalt geworden. Alles Dinge, die ich schon viel früher hätte unterbinden sollen.

    Nun aber bin ich wütend, und spüre dass Gefühle jeglicher Art überdimensional zum Tragen kommen. Mit gesunden Grenzen hätte ich schon vor Monaten gesagt stop und hätte mich nur kürzer zurückziehen müssen aus diesem Kontakt, nunmehr möchte ich über eine lange Zeit meine Ruhe weil ich das für mich benötige.

    Das muss ich lernen: mich nicht überdimensional zu ärgern, auch dann wenn Menschen (ein anderer Fall) pentrant, nervig und fordernd sind, obwohl ich sie gar nicht kenne und diese Menschen etwas von mir wollen. Auch hier hatte ich mich sehr über eine Mail geärgert von jemandem, der etwas wollte, den ich nicht kannte, und der dann auch noch unverschämt nachhackte.
    Es muss mich kalt lassen, denn unverschämte Menschen wird es immer wieder geben. Hier gehörte die Person zu eine Gruppe, die WErbung für sich betreiben wollte und das innerhalb meiner Internetpräsenzen. Was ärgere ich mich eigentlich? Einfach nicht reagieren, aber ich merke immer wieder dass ich mich ärgere. Gerade auch weil es so Finanzgesellen sind, die andere über den Tisch ziehen wollen.

    Anstatt ruhig zu sein, denn der Ärger ist bei mir Vergeudung und es einfach zu vergessen liegt es mir wie ein Wutbrocken im Bauch, was ich gerne sagen würde. Lasse ich natürlich, denn jede Art von Antwort wäre ebenfalls Vergeudung.

    Ansonsten Berufsleben immer noch gut, zuweilen muss ich ganz besonders auf mich achten, weil ich schon merke, dass ich trotzt Teenager-Spätlese, noch nicht aus dem Flirtalter raus bin. Da heisst es einfach sehr vorsichtig zu sein, da ich noch nicht so ganz bei mir angekommen bin.

    Dadurch, dass ich Emotionen (wie den oben beschriebenen Ärger) noch nicht so abgrenzen kann wie ich möchte sollte das auch auf keinem anderen Terrain der Fall sein....

    Lieben Gruß von Dagmar

    Der es gut geht, seit sie weiß, dass diese abendlichen Besuche störend sind. Die munter Blumen vorzieht und viel Farbe beginnt in die Wohnung zu bringen.

    Liebe Karlotta,
    auch mein Ex war Problemtrinker, der dadurch wohl langsam zum Alkoholiker wurde. Zig Jahre Alkoholmissbrauch und innerhalb von wenigen Wochen einige Todesfälle in seiner Familie sorgten dafür dass er zum unberechenbaren und gewalttätigen, wie auch morallosen, Menschen wurde.

    Aber wurde er es wirklich erst durch den Alkohol und die Todesfälle? War die Psyche nicht schon zuvor desolat und wurde in ein gesellschaftsfähiges Mäntelchen gepackt. Unauffällig, liebenswürdig oder gutmütig?

    In meinem Erleben muss ich sagen, ich denke, der masslose Trinker ist seinen eigenen Gefühlen und seiner eigenen Psyche nun viel näher als zuvor. Das was ich zu sehen bekam, die Gutmütigkeit ect. war aufgetischt und eben das geboten, was die Gesellschaft wünscht.

    Denn beileibe nicht jeder Alkoholiker ist ein anderer Mensch wenn er/sie trinkt. Zumindest nicht eine Umkehr von "gedachten" Grundcharakterzügen.

    Du hast ihn hängen lassen, aber doch nicht durchhängen, ich denke das ist o.k., weil Du nur tun kannst, was Dir Deine Gefühle erlauben. Du wirst sehen ob sich etwas ändert, ob er sich helfen lassen will und ob er diesen langen Weg geht oder ob er einfach "Ruhe in das baumelnde Seil" bringen wollte und nun wieder beginnt auf dem Seil zu tanzen.

    Ich persönlich muss im Falle meiner ehemaligen Beziehung sagen, zuerst hätte der Alk weg gehört um sich um die Psyche zu kümmern (Fachleute natürlich). Wenn aber die Psyche so instabil ist, dass sie den Alk zum überleben benötigt, wird das ein schweres Unterfangen, speziell dann, wenn eine Einsicht in diese Probleme fehlt.

    Und ich, liebe Karlotta, hatte es satt mir anzuhören dass er sich nun die nächste Brücke suche, ich hatte es satt Don Promillo am Steuer zu wissen, ich hatte es so satt, unter Druck gesetzt zu werden. Denn genau das sind solche Drohungen doch, oder? Einem anderen Menschen die Verantwortung geben damit dieser sein Verhalten verändert um einen Suizid nicht mehr als nötig erscheinen zu lassen.....

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem/Euren Weg und wünsche Dir mehr Einsicht bei Deinem Partner, als die, wozu "meiner" fähig war.

    Lieben Gruß von Dagmar

    Jetzt kann ich falsch liegen, aber wenn sie gemerkt haben, dass Du nicht in der Lage bist Grenzen zu ziehen, dann dürfte ihnen klar gewesen sein, dass es unsinnig ist gegen ihn und gegen Dich zu kämpfen.

    Ich weiß es nicht Julchen. Aber die Frage wäre gewesen, wie wäre die Reaktion gewesen, wärst Du als Julchen von heute dort erschienen? Als Julchen, die die Automatismen kennt und nicht mehr bereit ist alles mit sich machen zu lassen. Eventuell hätten da die Therapeuten einen anderen Weg gehen können.

    Weißt Du Julchen, durch Gespräche mit Ärzten und der Polizei in meiner Situation habe ich bemerkt dass es recht selten ist dass Partner tatsächlich gehen. Die meisten erdulden und erdulden. Wie kann da ein Arzt, Therapeut oder Polizist helfen?

    Alle vorhandenen Institutionen, Ärzte ect. können uns nur so gut unterstützten, wie wir bereits einen Weg eingeschlagen haben. Merkt Arzt/Therapeut oder Institution, dass wir uns selber nicht schlüssig sind, wo sollten sie dann ansetzen? Und last not least waren es natürlich "seine" Therapeuten....

    Weißt Du, Julchen Lug und Trug ist so eine Sache. Er wollte evtl. nicht, deshalb hat es bei "ihm" nicht angeschlagen. Aber ich denke wirklich, dass wenn jemand etwas ändern will, dann kann er aus jedem Therapiekonzept oder Therapieplatz etwas mitnehmen.

    Der Abhängige selber hatte vielleicht auch einmal vor das alles durchzuziehen, aber er/sie hatte es sich "einfach(er)" vorgestellt als es war. Letztendlich sind ja ganz viele Lebenssituationen zu verändern, neues zu leben und erleben, es ist sicherlich hart und ganz schlimm für Seele und Herz solche Veränderungen herbeizuführen. Das sehen wir ja an uns. Aber wir haben den Vorteil uns a) bewußt zu sein über unsere Schwachstelle und einen soweit klaren Kopf zu behalten. Auch dürfte bei uns das Hirn noch weitestgehend funktionieren, was bei manch einem Alkoholiker evtl. nicht mehr der Fall ist.

    Und Julchen, dem schreibe ich ganz viel zu, wer jahrzehntelang in der Sucht gefangen war und eventuell schon schlampig oder nachlässig wurde und es seit jahrzehnten war, das wieder anders zu lernen ist sehr, sehr, sehr schwer.

    Ich denke da gerne an "unseren Erdling" der schon recht früh ausgestigen ist, früher als wohl sonst das Durchschnittsalter. Ich habe den Eindruck, er geht einen guten und straighten Weg. Gottsei Dank hat er vor 30 begriffen was läuft. Was wäre mit Mitte 40 gewesen? 15 Jahre leben durch, in und mit der Sucht - den Alltag durch und mit der Sucht gerade mal einigermaßen hinkriegen, ich denke, dass wieder auf ein soziales und normales Level zu bekommen ist verdammt schwer. Je nachdem, wie "tief" jemand gefallen ist.

    Lieben Gruß von Dagmar

    Lieben Gruß von Dagmar

    Ich glaube nicht, liebes Julchen, dass das ganze so einfach zu beantworten ist, was Du da schreibst.

    Korrekt ist ganz sicher, wenn eine Suchtbeziehung später funktionieren soll, wenn beide entzogen haben, so muss für beide eine neue Basis geschaffen sein. Also müssen sich auch beide ändern.

    Wärst Du "gegangen" bzw. wäre es Dir damals schon möglich gewesen Dich abzugrenzen, dann wären Dir diese Aussagen egal gewesen und Du hättest Deine Sandburgen eben ohne ihn gebaut :)

    So aber hat er immer noch einen netten Spaten im Hintergrund, mit dem er in Dein Sandburglein reinhauen konnte. Schlimmerweise hast Du ihm irgendwann mal das Schäufelchen in Deiner Verliebtheit geschenkt ;)

    Weißt Du Julchen, Therapie aufhören, weil jemand nicht das sagt, was der gerade "therapierte" hören will, hat ja schon nichts mehr mit Einsicht in die eigene Krankheit zu tun. Wäre das nämlich so, dann würde er ja die Therapie für sich machen und einen Teufel tun sie abzubrechen, oder?

    Gar nicht so einfach, liebes Julchen, oder?

    Lieben Gruß von Dagmar

    Für mich bedeutete es eine nie gekannte Ruhe - vielleicht sogar eine, an die ich mich gewöhnen musste.

    Vorbei die beständigen Sprünge auf einem Riesentrapez. Zu Boden geschmissen wenn Wutattacken an der Tagesordnung waren, in die Luft gewirbelt wenn es so schien, als wäre Normalität eingekehrt. Entzug vom ständigen auf- und ab, das mein Körper mit Krankheiten beantwortete.

    Ja es ist Entzug! Glasklar bei mir! Je weiter er weg war, desto mehr sehnte ich mich nach meiner Illusion. Stand der Wutbrocken vor der Türe oder suchte er Kontakt, so war auch das schon eine Ohrfeige, weil das, was da stand, das wollte ich auf keinen Fall....

    Entzug von vielen Worten, denen keine Taten folgten. Worte, die oftmals verlogener waren als die Prognosen für Sommer oder Winter.

    Entzug heisst endlich frei zu sein von Vorhaltungen gegenüber dem anderen weil sein Leben mich nicht mehr beeinflußt. Wut und Hassgefühle entdlich zu überstehen, weil keine Präsenz mehr da ist, die mich wütend oder traurig macht. Aber es ist Entzug...

    Ja, der seelische Entzug dürfte dem körperlichen sehr ähnlich sein, den ein Alkoholiker überstehen muss: schlechte Nächte, schlimme Träume, Angstgefühle und Zukunftsängste.

    Entzug bedeutet aber auch dass Belastungen entzogen werden, die wir vielleicht nicht als Belastungen verspürt haben. Dinge, die wir als Zugeständnisse ertrugen, der Form halber um das Deckmäntelchen weiterhin zu bedecken über seine Sucht und unsere Untertützung der Sucht.

    Entzug bedeutete für mich kein TV mehr während des Schlafens - Entzug bedeutete kein Schnarchen mehr hören zu müssen, wegen erhöhtem Alkoholspiegel - Entzug bedeutete keine Hochspannung mehr, die beim absinken fast mein persönliches Kraftwerk entladen hat.

    Entzug verbinde ich mit negativem! Wenn ich es in Bezug auf meine Beziehung und meine Veränderung annehme, dann wurde mir negatives für mein Leben entzogen. Belastungen, von denen ich meinte, mein Gott, so kleinkariert kannst Du doch nicht sein, durfte ich endlich als Belastung sehen und ablehnen. Entzug bedeutet für mich nicht mehr kooperativ zu sein nur um meine Gesundheit zu schützen oder vielleicht eine bereits "verseuchte" Beziehung als Virenträger weiterhin am Leben zu erhalten.

    Nein, ganz entzogen habe ich noch nicht. Die Gedanken wandeln immer wieder um mein Suchtmittel. Ruckzuck bin ich wieder (wie wohl ein stofflich abhängiger) an einem Ort der mir Erinnerungen bringt. Aber entgegen meiner ersten Phase im Entzug, wo mich mein Gift noch anfassen, erreichen und umwerfen konnte, so ist das mir gefährliche Gift nun so weit entfernt, dass es mich nur erreichen könnte wenn ich einige Schritte auf mein Gift zugehe. Was ich hoffentlich nicht tun werde!
    Nein, derzeit ist dann meine Aufgabe, wenn die Gedanken in Richtung "Verschwendung" gehen zu mir zu sagen, halt es gibt so viele schöne und sinnvolle Dinge in der wenigen Zeit, die Dir verbleibt, schicke den schlechten Jahren nicht auch noch weitere Minuten dazu aus dem jetzigen Leben.

    Entzug bedeutet für mich in den Hintergrund zu stellen was war und mich auf das konzentrieren was heute ist.

    Aushalten - durchhalten - entziehen. Verlangen wir das nicht auch von einem Alkoholiker? Erwarten wir nicht, dass ihm die Beziehung zu uns so viel wert ist, dass er von seiner stofflichen Sucht Abstand nimmt?

    Warum also, soll unser Entzug leichter sein als der "Seinige"?

    Erwarten wir nicht vom Alkoholkranken, dass er seinen Entzug mit Hilfe von Fachleuten überwindet und in Therapie geht? Dann also gilt für mich ich möchte selbiges erst mal selber ausprobieren um überhaupt zu wissen, wovon ich spreche. Es ist leicht zu sagen "mein Ex hat mir dieses oder jenes angetan, dabei ist er nüchtern doch ganz anders". Wie bin ich denn nüchtern????

    Bin ich vielleicht auch wenn ich auf Entzug bin wüten oder aggressiv? Ich persönlich war traurig und hatte nicht mehr die Kraft für Wut oder ähnliches. Aber mit welchem Recht habe ich persönlich einen Vorwurf gestartet über die Veränderung der Psyche, wo doch meine sich auch schon geändert hatte und erst durch einen "Entzug" eventuell wieder gesunden kann?

    Lieben Gruß von Dagmar