Tockenes Resümee eines Co's

  • Sehr Ihr, Ihr Lieben,
    viel vielseitig unsere Auswirkungen auf unser Leben sind - ebenso wie bei allen anderen Suchtkranken greifen diese Grundzüge auf viele, vielleicht gar auf fast alle, Lebensbereiche.

    Mit diesem Wissen aber ist es sehr wohl möglich, wie Du schon schreibst, liebe Kathrin, selber Grenzen zu setzen. Davon mal abgesehen dürfte das auch im Interesse des Arbeitgebers sein (so verrückt es klingt) eventuell müssen wir ja auch Kunden oder Lieferanten Grenzen setzen....

    In diesem Sinne: Happy Weekend

    Dagmar

  • Hallo liebe Dagmar,
    ich arbeite seit Januar in einem Sportgeschäft.
    Ich stellte diese Woche fest, dass diese Angst, etwas falsch zu machen, nicht perfekt zu sein, so tief in mir drinsteckt. Ich bin richtig erschrocken.
    Solange zu anderen kein "abhängigkeitsverhältnis " besteht, bin ich locker, sebstbewußt, kann nein sagen, meine Meinung vertreten.
    Aber sobald ich ich mich irgendwie abhängig(Arbeitgeber) fühle, ist es aus mit dem Selbstbewußtsein.
    Ich liebe diesen Job, hab echt das goldene Los gezogen, denn es ist hier in dieser Kleinstadt wie ein sechser im Lotto, sowas zu finden.
    Ich habe diese Woche zweimal etwas falsch gemacht, wirklich peanuts, war auch kein Problem, aber ich bin nachts panisch aufgewacht und war verunsichert wie ein kleines Mädchen.
    Ich male mir dann sofort aus, was die Chefs jetzt wohl denken über mich usw.
    Echt furchtbar.
    Bei meiner letzten Arbeitsstelle (Floristik) hab ich so viele Überstunden geschoben, teilweise bis nachts um 23.00 Uhr, bin am Wochendende hingefahren, weil wir so viele Aufträge hatten, habe Intrigen der Chefin reingefressen-weil ich mich abhängig fühlte!!! Bis ich bei dem Gedanken an diese Arbeit samt Chefin nur noch mit einem riesen Druck auf der Brust rumgelaufen bin, nachts wach lag und nicht mehr wußte, wie ich es ihr noch rechtmachen konnte. Ich habe mich einmal geweigert, am Vatertag zu arbeiten, von da an machte ich ihr nichts mehr recht.
    Dann kam der große Knall, ich hab von jetzt auf gleich gekündigt und bin gegangen.
    Aber ich brauchte auch hier wieder mal meinen Tiefpunkt, ich hielt solange durch, bis ich nicht mehr konnte, nur aus Angst, mich unbeliebt zu machen, wenn ich NEIN sage.
    Bei meiner jetzigen Arbeitsstelle habe ich sage und schreibe drei Wochen gebraucht, bis ich mich getraut habe, nach dem Stundenlohn zu fragen!!!!

    Sie haben mich genommen wegen meiner Sportlichkeit, meines offenen, SELBSTBEWUßTEN Auftretens.
    Süß, gell?
    Aussen hui, innen pfui.

    Mein Post ist jetzt doch etwas länger geworden, aber Du hast da ein brisantes Thema angesprochen, Dagmar.
    Gibt schon noch viel zu tun.
    Aber es ist uns zumindest schon mal bewußt.

    Ich wünsche Dir das Allerbeste, liebe Dagmar, denn ich bewundere Dich für deinen Weg, für das, was Du bis jetzt geschafft hast, für deinen aufrechten Gang.
    Ich lese Dich immer gerne.
    Liebe Grüße von Thelma

  • So, liebe Thelma,
    sie haben Dich genommen weil Du offen bist. Und das bist Du ja auch - Du musst nur den Mut haben, es dort auch zu sein! Oder? Mehr ist es doch nicht!

    Nix aussen hui - innen pfui - es sind einfach kleine Unsicherheiten, die manche Bereiche begleiten. Und Thelma, wir sind Teenager-Spätlese und die Jobs liegen nicht rum. Deshalb dürfen wir uns nicht verteufeln weil wir kompromissbereiter sind oder unsicherer als wir es sein möchten.

    Wir können daran arbeiten! Denn das Problem ist oft nicht der Arbeitgeber sondern wir mit den falschen Forderungen die wir an uns stellen. Da wir aber keine Maschinen sind (die auch mal Wartung brauchen) sondern Menschen können Fehler passieren. Und Fehler machen menschlich, oder?

    Das schlimme empfinde ich für mich, dass ich früher nicht in der Lage war auch unverschämte Forderungen abzulehnen vor lauter Angst um die finanzielle Existenz. Allerdings habe ich mich dann passend revanchiert :) Ich habe nach 8 Jahren Krallen gezeigt, die mir niemand zugetraut hätte :)

    Nunmehr versuche ich bereits im Vorfeld Grenzen zu setzen, bevor ich die Krallen zücken muss. Allerdings bin ich immer noch stolz auf die damaligen Krallen :) denn die haben Spuren hinterlassen :) bei denen, die nicht merkten dass sie den Grad des menschlichen verlassen haben.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Dagmar,
    Zitat:
    Allerdings habe ich mich dann passend revanchiert Smilie Ich habe nach 8 Jahren Krallen gezeigt, die mir niemand zugetraut hätte.

    Ja, das kommt mir bekannt vor.

    Aber, wie du schon schreibst, sich so zu verhalten, dass diese Krallen nie nötig werden, das ist mein Ziel.

    Yes, we can.

    Thelma

  • Ja und nein, liebe Thelma,
    mal ganz ehrlich: da wo ich jetzt arbeite habe ich nicht das Gefühl dass mir Unehrlichkeit entgegengebracht wird. Somit auch vor den Krallen die Grenzen.

    In dem Samariter-Unternehmen, hähä da ist schon der Name blanke Lüge, da lief von Anfang an der Hammer und entsprechende Behörden hätten sich gefreut. Das hat alles so kommen müssen wie es damals kam: genau so und nicht anders. Einfach deshalb, weil ich von mir aus nie gegangen wäre weil mir die Oldies am Herzen lagen. Dann aber kam der unnötige Tod eines dieser Oldies und bei mir das "Aus"

    Rechtsanwalt und Arzt für alle war alles nachvollziehbar und der Versuch, mich kostengünstig los zu werden ging so was von ins Auge. Nur: so souverän konnte ich nur sein weil alles das zuvor geschehene mich stark werden ließ. Alles das hat sein müssen, damit ich beweisen konnte was dort lief und das Packet umkehren. In diesem - dortigen - Fall war es notwendig dass alles so läuft wie es lief.

    Es war auch notwendig dass der Job-Horror zusammenkommt mit dem Beziehungs-Horror. Ich hatte nichts mehr - somit auch nichts zu verlieren. Nur noch zu gewinnen.....

    Aber das war. Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens :)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Dagmar,
    ich finde es immer wieder interessant, dass man immer das erlebt, was man anscheindend zu diesem Zeitpunkt zur Weiterentwicklung braucht.

    Ich hab damals auch diese intrigante, geldgierige Chefin gebraucht, um wieder mal mit der Nase auf meine "Baustelle" gestossen zu werden.

    Jetzt habe ich sehr liebe, ehrliche und ansändige Chefs und Kolleginnen, ich fühle mich so wohl dort. Es stimmt alles.
    Also, denke ich, bin ich in meiner Entwicklung schon wieder ein Stück vorangekommen.
    Verstehst Du ,was ich meine?

    Ich bin der Überzeugung, es gibt keine Zufälle im Leben.

    Unter der Dusche ist mir gerade aufgefallen, dass ich mich in meinem vorherigen Post wieder mal kleiner gemacht habe, als ich eigentlich bin.
    In mir steckt schon eine riesen Portion Selbstbewußtsein. Sonst häte ich mich nicht dort so unbekümmert beworben.
    Es haben sich ca.100 Frauen beworben, darunter weitaus jüngere als ich. Aber sie haben MICH mit meinen 41 Jahren genommen.
    Meine Söhne waren so lieb. Sie meinten ganz trocken:
    Ja, Mama, wen hätten sie denn sonst nehmen sollen?

    Das geht natürlich runter wie Öl.

    Ja, Dagmar, das Kleine Mädchen in mir, dass dankbar für Zuwendung und Anerkennung jeglicher Art ist,macht sich manchmal noch sehr breit.

    Aber vielleicht ist das ja auch ganz normal, und garnicht so krank oder "co",wie ich denke.

    Dieser Begriff "Co-Abhängig" ist für mich manchmal zu gewichtig.

    So, danke, dass ich meine Gedanken bei Dir loswerden durfte,
    Liebe Grüße von
    Thelma :)

  • grüss dich dagmar,

    sorry wenn ich es hier in deinen thread schreibe, aber pn geht nicht und einen eigenen thread aufmachen dafür...hmmm...

    ich habe eine frage, ein liebes vögelein hat mir gezwitschert, dass du katzenliebhaber bist...;-)

    eine katze rupft sich ihr fell ab, kaut und schluckt selbiges... :shock:

    wie habe ich damit umzugehen ?
    magenprobleme, verhaltensstörung ?

    was denkst du als profi...;-) ?

    wenn du nicht antworten möchtest, ist dies auch okay...
    aber es war mir (m)ein versuch wert...

    lg
    fuego

  • Ich glaube, liebe Thelma, meine Meinung zum Thema Co-Abhängig ist so und so vielschichtig. Ich bin weder der uneingeschränkten Meinung, dass so etwas schon vor einer Beziehung zu einem "kranken" Partner war (ich vertrete die Meinung, dass es eine Schutzreaktion auf Grund dieser extremen Belastungen ist) noch dass alle Handlungen oder Gedanken immer auf Co-Abhängigkeit zurückzuführen sind.

    Aber Co-Abhängigkeit hat eine Portion dieser Verhaltensweisen. Letztendlich ist aber doch egal, wie wir dieses Kind taufen, oder? Wir lebten in schädlichen Beziehungen, unser Verhalten hat sich oftmals "zurück" entwickelt und genau das heisst es jetzt auf den richtigen Weg zu bringen. Egal, ob Co, Gmbh oder was auch immer ;)

    Eine gesunde und objektive Einstellung zu sich und über sich selber dürfte eine der schwersten menschlichen Aufgaben darstellen, schätze ich.

    Zufall - ich weiß es nicht. Aber eines ist klar, das was ich spiegle das kommt mir entgegen. Ich weiß noch, als ich meinen vorherigen Job antrat, da war ich lebenslustig und farbenfroh. Das hatte sich geändert - zeitgleich konnte man mich als Spielball verwenden.

    Wäre ich selbige geblieben, so hätte es vielleicht niemand versucht? Ich weiß es nicht. In jedem Fall ziehen Opfer Täter an und umgekehrt. Somit habe ich für meinen Fall mich selber als Opfer auf den Gabentisch gelegt und erlaubt mich zu "missbrauchen".

    Ich hoffe mal, dass ich die Stärke habe, das nicht wieder zu tun.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • So, hm, nun kann ich es wohl ein bischen besser einschätzen, warum bei mir in den letzten Tagen Träume kommen. Lange durfte ich traumlos und gut schlafen. Gut schlafe ich immer noch aber es begleiten mit Träume, die ich bisher nicht zuordnen konnte. Träume, die auf eine Veränderung zeigten, aber für mich ohne Sinn und Inhalt.

    Heute nacht nun wurden Personen eingesetzt, unter anderem ein hoher Polizeiangestellter, der jetzt in Rente ist und mit dem ich beruflich sehr eng zusammenarbeitete, so daß sich eine Art menschlicher Wertschätzung ergab.

    Polizei = Sicherheit - sein erscheinen und genau die Aktivitäten sollten mir wohl zeigen "Du bist sicher und geschützt". Hm, woran lag das??? Dadurch, dass ich mir Gedanken machte darüber nicht Co-Abhängigkeit nun am Arbeitsplatz oder in Kontakten auszuleben.

    Deutlich fiel es mir bei einem Bekannten auf, der mich partout zu gemeinsamen Unternehmungen "nötigen" wollte. Alle meine Neins brachten am Schluß "Du musst aber mal was anderes sehen". Nein! Nur ich selber weiß, was und wen ich sehen will. Bei meiner Freundin fühle ich mich wohl, dort gehe ich jede Woche hin oder sie kommt her, in meinem Haus fühle ich mich wohl, bei meinen Tieren und ich gestalte farblich neu, was Arbeit verursacht.

    Ich habe nun fürs Frühjahr gepflanzt, was Zeit kostet. Dinge, die mir wichtig sind, Dinge, die ich nicht muss sondern will - und keinesfalls das, was mir von anderer Seite diktiert werden soll. Denn wer, wenn nicht ich selber, kann wissen was ich will, möchte oder tun will um mich wohl zu fühlen.

    So, genau das dürfte der Konsenz sein des geschützt fühlens. Ich habe letzte Woche einen Liebling meiner Vierbeiner gehen lassen müssen. Erstmalig ging es zwar immer noch mit viel Trauer aber nicht mehr mit dem was ich früher kannte: ich will die Wahrheit nicht haben, ich will ihn nicht gehen lassen.
    Ich musste die Krankheit und den plötzlichen Tod annehmen und durfte dankbar sein, dass wenn auch zu früh, so gnädig über ihn und sein Leben entschieden wurde. Ohne Schmerz ohne Leidensweg - einfach so, als hätte das Herzlein aufgehört zu schlagen. Und erstmalig ist mein Trauerschmerz nur begleitet von "schön, dass es ihn gab".

    Lieben Gruß von Dagmar

  • hi du liebe !

    lass dich dennoch mal drücken...das mit deinem tier tut mir auch leid...ist immer schlimm sowas...
    ,-((...s gehört zum leben dazu...du hast ein gutes herz und ja auch noch ganz viele andere tiere...hmm...
    wie heisst es so schön:
    weine nich dass es vorbei ist,
    lächle dass es gewesen sein durfte...

    ansonsten gefällt mir dein obiges definieren über: geschütztes fühlen !

    ich finde, du hast dich sehr gut auf deinem weg / in deinem leben entwickelt...ich habe bei dir die anfänge gelesen...dazwischen nichts (gestehe...;-)) und jetzt hier und da...dich derart "stark" und "in dem wissen was einem gut tut" zu lesen find ich klasse...echt !

    dir ein schönes wochenende weiterhin
    lg
    fuego

  • Ja, Fuego,
    ich denke, dass sind die "Vorteile" des absoluten Absturzes und absoluten Tiefpunkt. Es konnte nicht mehr tiefer gehen, musste ja fast bergauf gehen.

    Na ja, nicht ganz es gab zwei Wege: aufgeben oder kämpfen. Wer aber nicht kämpft, der hat schon verloren. Also lohnt sich der Kampf um einen selber immer :)

    Ja Fuego: vom Unverständnis, der Angst und Panik um mein weiteres Leben hin in mein Leben. Schritte, die ihre Zeit kosteten, keine Frage - zuweilen durch Umwege gepflastert, aber auf dem Weg zu mir in mein Leben. Wohl mehr als es jemals der Fall war. Es ist noch mehr mein selbstbestimmtes Leben als vor der ungesunden Beziehung.

    Und genau das spiegelt mir mein äußeres Umfeld auch zurück. Ich fühle mich sicherer und schützter als in allen den Zeiten einer Partnerschaft. Gesichert durch mich selber und geschützt durch den Versuch der Umsicht.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • und darauf, liebe dagmar:

    Zitat

    vom Unverständnis, der Angst und Panik um mein weiteres Leben hin in mein Leben. Schritte, die ihre Zeit kosteten, keine Frage - zuweilen durch Umwege gepflastert, aber auf dem Weg zu mir in mein Leben.


    kannst du mächtig stolz und glücklich sein !
    mit deiner einsicht über deine umsetzung dies erreicht zu haben,
    und du wirst auch weiter nach VORNE gehen...

    dir einen schönen rest-samstag !!

    lg
    fuego

  • Liebe Dagmar, wollt mal nen Gruß dalassen und Dir auch sagen das Du echt toll bist und soooo viel geschafft hast...das freut mich immer sehr wenn ich deinen Namen lesen... weiter so...
    Ich glaube übrigens das Du auch ein Scanner bist, ein mensch also mit unendlich vielen Interessen. Dau ein Buchtip, vielleicht wäre das was für Dich:"Du musst Dich nicht entscheidne wenn Du tausend Träume hast"
    Sei ganz lieb gegrüßt...ich schreib nict mehr soviel, aber bei Dir les ich fast immer...macht Freude
    Karotte
    :wink:

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Überdimensionale Gefühle.

    Ja, auch das ist noch eine Ausgeburt aus der suchtbezogenen Zeit. Langsam aber sicher angestaut, viel zu spät "rebelliert" und dann eine imense Wut in sich spüren.

    Grenzen sind es, die es heisst rechtzeitig zu ziehen. Nicht nur beim alkoholkranken Partner sondern vor allen Dingen im eigenen Leben.

    Seit ich hier lebe gibt es einen Nachbarn, der beständig anruft oder vor der Türe steht. Er meint es nett und lieb, aber ich will oft meine Ruhe haben und alleine sein. Ganz vorsichtig teilte ich das mit. Logisch, der gute Co will ja nicht verletzen. Nur klar, der andere will das nicht hören und somit wird das auch überhört.

    Nun gut, da ich sehr spät meine Grenze ziehe muss ich das nun eben überdeutlich machen: "ich will alleine sein" aus - ende - keine weiteren Diskussionen. Diese Erklärung aber auch nur einmalig, damit es deutlich ausgesprochen ist, dann bleibt zukünftig die Türe zu selbst wenn der BIMMELNDE weiss dass ich zu Hause bin.

    Monat für Monat habe ich bemerkt wie mir diese Unruhe nicht bekommt, die mein Besucher abends ins Haus bringt, Zumal ein Abend - eigentlich bis auf Ausnahmen, jeder - mir gehört und ruhig und gelassen von statten gehen soll. Die Tiere im Haus und ich mir mir im Reinen.

    Bimmel bimmel, Unruhe bei den tieren, der eine oder andere wieder draussen, meine Aktivitäten unterbrochen, am Krimi die Handlung verpasst oder Essen kalt geworden. Alles Dinge, die ich schon viel früher hätte unterbinden sollen.

    Nun aber bin ich wütend, und spüre dass Gefühle jeglicher Art überdimensional zum Tragen kommen. Mit gesunden Grenzen hätte ich schon vor Monaten gesagt stop und hätte mich nur kürzer zurückziehen müssen aus diesem Kontakt, nunmehr möchte ich über eine lange Zeit meine Ruhe weil ich das für mich benötige.

    Das muss ich lernen: mich nicht überdimensional zu ärgern, auch dann wenn Menschen (ein anderer Fall) pentrant, nervig und fordernd sind, obwohl ich sie gar nicht kenne und diese Menschen etwas von mir wollen. Auch hier hatte ich mich sehr über eine Mail geärgert von jemandem, der etwas wollte, den ich nicht kannte, und der dann auch noch unverschämt nachhackte.
    Es muss mich kalt lassen, denn unverschämte Menschen wird es immer wieder geben. Hier gehörte die Person zu eine Gruppe, die WErbung für sich betreiben wollte und das innerhalb meiner Internetpräsenzen. Was ärgere ich mich eigentlich? Einfach nicht reagieren, aber ich merke immer wieder dass ich mich ärgere. Gerade auch weil es so Finanzgesellen sind, die andere über den Tisch ziehen wollen.

    Anstatt ruhig zu sein, denn der Ärger ist bei mir Vergeudung und es einfach zu vergessen liegt es mir wie ein Wutbrocken im Bauch, was ich gerne sagen würde. Lasse ich natürlich, denn jede Art von Antwort wäre ebenfalls Vergeudung.

    Ansonsten Berufsleben immer noch gut, zuweilen muss ich ganz besonders auf mich achten, weil ich schon merke, dass ich trotzt Teenager-Spätlese, noch nicht aus dem Flirtalter raus bin. Da heisst es einfach sehr vorsichtig zu sein, da ich noch nicht so ganz bei mir angekommen bin.

    Dadurch, dass ich Emotionen (wie den oben beschriebenen Ärger) noch nicht so abgrenzen kann wie ich möchte sollte das auch auf keinem anderen Terrain der Fall sein....

    Lieben Gruß von Dagmar

    Der es gut geht, seit sie weiß, dass diese abendlichen Besuche störend sind. Die munter Blumen vorzieht und viel Farbe beginnt in die Wohnung zu bringen.

  • hallo dagmar,

    ich hab da auch so einen nachbar. älterer herre und am abend ganz schön beduddelt. steht am abend vor der tür zum rauchen und drükt mich mit küsschen auf die wange. ich mag das gar nicht zumal die fahne mich extrem stört. ich brings nicht fertig ihm das zu sagen.siehste,lieber ertrag ichs.
    warum, wäre ich gesund im kopf hätt ich mir das schon lange verbeten ,aber so?da ertrag ichs halt.
    ist ja sonst ein netter.

    glg kathrin

  • Also liebe Kathrin,
    geteiltes Leid ist halbes Leid! Lass es uns angehen!!!!

    Da geht es uns wohl gleich, wir fühlen uns nicht wohl in der Situation, aber unsere "gute" Erziehung sagt "ach Mensch, ertrag es".

    Egal, liebe Kathrin, ob nett oder nicht. Ist mein Nachbar auch - und bringt immer Geschenke mit - aber in meinem Fall komme ich aus meiner Ruhe. Nicht nur das, mein Wohlfühl-Gefühl ist weg. Wirklich weg - ich fühle mich gestört und ich fühle mich vereinnahmt! Denn es können auch drei Anrufe in Folge kommen. Das bedeutet für mich "er will quatschen" und es interessiert nicht ob ich das auch will oder anderweitig beschäftigt bin. Für mich sagt das "hallo, lass Dich nicht überfahren".

    Ich für meinen Teil möchte und werde mich hoffentlich dagegen wehren. Denn: ich merke ich werde unzufrieden, wenn ich es ertrage....

    Na, dann halten wir uns mal auf dem Laufenden, liebe Kathrin. Und mal ehrlich: sind die wirklich "nett" dann verstehen sie das und wünschen dass es uns gut geht. Wenn nicht, dann haben sie uns/mir das "nett" vorgegaukelt ;)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Ja, aber herrje, wie fühlt sich denn das an? Komme ich etwa so langsam bei mir an?

    Ach Hilfe, das kenne ich ja alles gar nicht mehr....
    Heute morgen habe ich mal tatsächlich zu Lippenstift und Kajal gegriffen. Ich bin keine Schminktante und zumeist ist es mir eher lästig, aber irgend was ritt mich heute morgen. Früher war das normal, die letzten paar Jahre, einfach keinen "Bock" mehr.

    Aber hallo, was ist denn das nun wieder: diese Gespräche zwischen Männlein und Weiblein, wo Familienstand ect. abgecheckt wird. Diese komische Situation zwischen Frotzeln und Aufmerksamkeit, in der immer mal wieder einer ins Fettnäpfchen tritt und das Gespräch stockt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Ja Hilfe, das gab es früher mal regelmässig .... Wertfrei betrachtet!

    Nur kenn ich dieses "abchecken" nicht mehr, dieses "Nähe suchen", dieses "Informationen über sich selber weitergeben" (was ich von mir persönlich noch nicht mache wie mir auffällt).

    Das fühlt sich ganz eigenartig an. Ein anderes Umfeld zu haben, welches größer ist. Man/Frau stellt fest dieser und jener hat Urlaub, diesen und jenen habe ich nicht gesehen, ach schade, heute hat diese oder jener Urlaub, sehe ich also heute nicht.

    Wie ein Weckerrasseln ist mir das heute morgen aufgefallen. Ein Gefühl, welches ich nicht hatte als ich vor 8 Jahren beim vorherigen Arbeitgeber anfing. Aber ein Gefühl, welches ich in jungen Jahren hatte, als ich selber noch keine so verschrobene Auswahl im Partnerbereich hatte.

    Na komisch - ob das wohl ausgelöst wurde durch ein ganz eigenartiges Erlebnis am Samstag, als ich bei meiner Mutter war. Neben ihr wohnt einer meiner Ex-Teenager-Freunde (also schon gar nicht mehr wahr) irgendwann abgestürzt, Alkohol-Therapie ect und wohl wieder stabil. Ich bin diesem Menschen seit zig Jahren aus dem Weg gegangen, einfach weil ich nicht wusste wie man sich gegen über tritt. Am Samstag nun hatte ich das Problem nicht. Ins Gesicht gesehen "Hallo".

    Das was früher quasi ein "Verstecken" war wich einem offenen Blick. Gerade so, als hätte ich den Schatten einer Minderwertigkeit abgestreift. Ist ganz schwer zu erklären, weil dieser Mensch für mein Leben keine Rolle spielte und es mehr eine Teenager-Kurz-Beziehung war. Aber es schien so, als rolle da gerade so eine Aha-Welle über mich hinweg.

    Speziell jetzt muss ich ganz besonders aufpassen, dass ich keine Vorverurteilungen tätige (habe mich nämlich dabei entdeckt). Ich bin mir noch nicht so ganz im Klaren, wie ich das am Klügsten bewerkstellige.

    In Momenten der Unsicherheit habe ich bemerkt, dass ich (unbewußt) den Weg des Schrittes zurück antrete und dann auch selbstsicherer wirke als ich es bin, eventuell um mich vor Fortsetzungen oder Verletzungen zu schützen (weil eben schon eine Vorverurteilung) erfolgt sein könnte.

    Was ich ganz klar noch nicht kann ist das differenzieren der verschiedenen Arten von Interesse an einem Menschen. Ich habe da ein bischen Probleme wenn ich den Eindruck habe es ist etwas mehr "Interesse als die Standardversion" gegeben. Ob ich mich da aber im Bereich der Einbildung bewege oder einfach schon im Vorfeld mit Verdrängung reagieren möchte, kann ich absolut nicht beurteilen.

    Na, hoffentlich muss ich nicht nochmal durch die Pubertät ;)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Koketterie sprach mir heute so aus dem Herzen, was Veränderungen in einem selbst betreffen.

    Verhaltensveränderungen, über die ich sehr glücklich bin, aber auch die Frage wie ich mich einem kleinem Pflänzchen namens "Kontakt" nähere. Im erwachsenen Alter scheint das irgendwie nicht so ganz einfach zu sein, wenn es gegengeschlechtlich ist.

    Ich bin derzeit dabei mir zu erlauben auf Menschen zuzugehen, denen ich früher vor lauter Panik aus dem Weg gegangen bin. Bei einigen wenigen neuen Kontakten habe ich bemerkt, dass meinerseits eine gewisse Unsicherheit da ist, die schnell falsch interpretiert werden kann. Nämlich Unischerheit von mir, die wie Selbstsicherheit oder gar Arroganz oder Desineteresse wirken kann. Das war schon in jungen Jahren ein Problem welches mich begleitet hatte.

    Aber genau dieses "frei" sein, von dem Koketterie schreibt hat bei mir auch diesen Lebenbereich berühert. Da wo ich früher durch Unsicherheit passiv teilnahm bin ich nun bereit auch aktiv zu sagen "hallo, Menschlein, ich registriere Dich und freue mich Dich zu sehen".

    Eine Situation, von der ich niemals dachte, dass ich sie erreichen würde. Ein Gefühl frei zu sein im "Neu-"Kontakt mit anderen, gewissen, Menschen. Ich hatte zwar nie Kontaktschwierigkeiten, durch innere Unsicherheit habe ich das jedoch immer sehr flappsig, manchmal auch ironisch oder sarkastisch gestaltet. Nicht so ganz dolle, wenn das "Menschlein gegenüber einen nicht kennt und das nicht einordnen kann".

    Ich war sehr glücklich darüber, dass mir das derzeit anders möglich ist. Ohne Tarnung - oder pseudo-Grund, auf den anderen zuzugehen. Früher benötigte ich immer einen "Grund" für ein Gespräch mit jemandem, mit dem ich noch nicht so vertraut war. Heute ist das anders. Diese Angst, sich eine Blöße zu geben, sich zu "blamieren" die spüre ich nicht mehr.

    Allerdings muss ich sehr, sehr sorgsam bei mir sein und bei meinen Gedanken. Ich verhalte mich anders, mein Umfeld reagiert und ich bin somit in einer komplett neuen Situation, für die es heisst, die richtigen neuen Verhaltensweisen zu finden.

    Das beginnt schon damit, dass man/frau/Arbeitskollegen mir genau diese Veränderung ansehen und mich darauf ansprechen. Positiv, schön.... aber auch damit muss ich umgehen lernen.

    Über Jahre durfte niemand in meine Seele vordringen und ich war nie zu mehr bereit als zu einem oberflächlichen Kontakt (ausser bei engen Freundinnen zu denen ich Vertrauen habe). Nunmehr sieht mir das Umfeld in die Seele und bemerkt eine Veränderung an mir. Nunmehr spüre ich Interesse an meiner Person und Suche nach Kontakt auf die ich reagiere bzw. reagieren möchte. Nicht aber wie innerhalb meiner letzten Beziehung, wo ich passiv war, sondern als gleichberechtigter Gesprächspartner, der auch offen Sympathie zum Ausdruck bringen kann, darf und soll.

    Ist nicht so ganz einfach dieses Neuland, einfach weil man/frau/andere mir so vieles an der Nasenspitze ansehen. Die Nasenspitze, die ich zuvor lieber in Vogel-Strauß-Politik in den Sand bohrte.

    Nun ja, das gibt noch einen Weg...

    Lieben Gruß von Dagmar


    Lieben Gruß von Dagmar

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