Liebe Pandora,
na, da hast Du mal wieder "Pandoras Büchse" aufgemacht. Seit langer Zeit habe ich heute nacht mal wieder ganz komisch geträumt.
Und zwar suchte ich mein Auto und fand es nicht, wusste auch nicht, wo ich es abgestellt hatte. Das Auto bedeutet in der Traumdeutung weiterkommen und sich weiter entwickeln.
So, ich finde also das Auto nicht - die Weiterentwicklung hängt. Nein, welch ein Zufall, gestern fragte ich mich kurz vor dem Schlafen, warum ich überhaupt noch zuweilen den einen oder anderen Gedanken verliere an diesen Menschen, die Geschehnisse und die Aktionen. Ich habe sie überstanden, sie sind vorbei und begleiten mein Leben nicht mehr.
Gut, ich weiss es über den Kopf dass es vorbei ist. Aber die vielen Jahre lassen wohl noch den einen oder anderen Gedanken zu - und sei es nur durch ehemalige Gemeinsamkeiten, Orte ect.
Ich schließe mich Melanie an: Ob ein verzeihen unbedingt nötig ist ist die andere Frage, ich für mich denke mit einem "egal" besser bedient zu sein. Wenn ich ehrlich bin, so ist so viel Farbe mehr in mein Leben gekommen, seit ich eine Beziehung führte die schlecht für mich. Mehr Farbe, als das Leben vor der Beziehung hatte.
Wohl demonstrativ habe ich mir einen Teppich in Pastellfarben gekauft, der nun das Wohnzimmer wärmer macht. Die anderen Teppich habe ich heute in aller frühe in den Schnee gelegt und abgeklopft. Tierische Arbeit, meine Handgelenke sind lädiert, aber die Farben strahlen nun wieder herrlich - besser als von jedem Staubsauger. Wann wäre mir das früher möglich gewesen? Nie, nie, nie hatte ich so viel Platz für mich und meine Bedürfnisse. Hätte ich dieses Leben und diesen Platz ohne diese Beziehung. Nein! Ich wäre nicht hier gelandet in dieser Region! Ich wäre nicht an diesem Arbeitsplatz gelandet, wo ich Fototorten designen kann - auch wieder mit Farbe spielen.
Seit ich hier lebe gibt es keinen Tag, an dem ich nicht für irgendetwas dankbar sein kann, was unerwartet passiert oder über etwas, das mich freut. Nein, ich muss ihm nicht verzeihen, ich muss ihm sogar wohl dankbar sein, für das Glück welches ich hier und in mir und um mich herum finden durfte.
Auch dem was Ette sagt kann ich zustimmen: die Verletzungen geschehen durch jemanden der seine Person lebt, wie sie durch die Sucht geworden ist. Nicht mehr und nicht weniger.
Wichtig ist für mich einzig und alleine, dass ich mich aus der Suchtbeziehung gelöst habe und es mir gut geht - besser als je zuvor. Spielt der Alkoholkranke da wirklich noch eine massgebliche Rolle? Er ist da ... klar, wie die Schulzeit auch. Auch die Schulzeit war nicht immer schön, aber sie war da.
Ja, es ist früher viel passiert - was aber interessiert mich das heute, wo meine Teppiche in frohen Farben leuchten, wo ich noch vor habe Fastnachtsküchlen zu backen und vielleicht noch ein paar Berichte schreiben kann (vielleicht auch nicht, dann vielleicht morgen, schon die letzten Wochen wollte ich schreiben und kam nicht dazu... Na und .... dann eben irgendwann....)
Nein, das was ich jetzt im hohen Alter von 48 Jahren lebe ist mehr als je zuvor auch nur ansatzweise denkbar war.
Lieben Gruß von Dagmar