Meine Geschichte

  • Hallo,
    ich weiß garnicht so recht wie ich anfangen soll.
    Normal hab ich keine Probleme meine Geschichte zu erzählen, jedoch eher vor Menschen die ich kenne. Möchte mich nun aber gern mit Menschen austauschen die damit Erfahrungen haben.

    Also erstmal zu mir, ich bin 22 fast 23 und lebe seit fast 2 Jahren mit meinem Freund zusammen. Er hat schon immer viel getrunken aber mit der Zeit ist es einfach schlimmer geworden. Es kommt mindestens ein bis zweimal die Woche vor das er sich komplett abschießt und nächte durchmacht. Dann kann es schonmal vorkommen das er 4 Pappen! Wein trinkt. Schon oft habe ich mit ihm Gespräche geführt, ihm gesagt das ich mir das nicht mein Leben lang anschauen will und das es so mein Leben nicht ist. Er trinkt nicht jeden Tag, dennoch weiß ich das es was er tut nicht normal ist. Zumal er ab und an auch Tagsüber getrunken hat. Was allerdings daran liegt das er in Schichten arbeitet, er ist Krankenpfleger, was vermutlich auch das Problem des Trinkens ist. Neulich sagte er mir in einem Gespräch er trinkt um Stress abzubauen und um über einige Sachen die auf Arbeit passieren nich nachdenken zu müssen. Er wüsste das sei nicht die beste Lösung aber es sei nun mal so. Und er könne mit mir darüber nicht reden weil er der meint ich würde es nicht verstehen und würde mir darüber mehr Gedanken machen als am Ende er selbst. An anderen Tagen sagt er wieder es gäbe kein Problem und er wüsste garnicht warum ich da son Aufstand machen würde. Er sieht es nicht als Problem. Allerdings ist er anders als die meisten die trinken, zumindest von dem was ich hier bis jetzt gelesen hab. Wenn er trinkt ist er nicht agressiv oder gar bösartig. Wenn er trinkt redet er über Sachen die er mir sonst nie erzählen würde. Er entschudligt sich bei mir das er trinkt oder fühlt sich dann selbst schlecht. Anfangs dachte ich das es sicher nicht so schlimm sei doch jetzt weiß ich für mich selbst, dass er definitiv ein Problem mit dem Alkohol hat. Er trinkt zwar nichts anderes als diesen Wein aus Pappen (selbst wenn dieser nicht im Haus ist, jedoch anderer alkohol da ist) aber er lügt für den Alkohol und neulich hat er eine Pappe vor mir versteckt und dies anschließend natürlich geleugnet. Das ist vermutlich auch der Grund warum ich nun hier bin, weil ich langsam nicht mehr weiter weiß, ich weiß ich kann ihm nicht helfen solange er sich selbst dagegn sträubt sich einzugestehen das etwas nicht stimmt. Aber ich muss mir selber helfen und hoffe auf Ratschläge wie ich damit umgehen kann. Ich bin allerdings niemand der nach Außen so tut als sei alles in Ordnung meine Freunde sowie Familie wissen darüber bescheid. Allerdings haben die auch keine Erfahrungen damit, zumindest nicht wenn es darum geht mit einem Alkoholkranken auf so engem Raum zusammen zu wohnen.

    Es kann sein das mein Text ein wenig durcheinander wirkt. Denn ich habe so viel zu erzählen das ich garnicht weiß wo ich anfangen soll und bin momentan auch ein bisschen aufgewühlt.

  • Danke für deine Meinung.
    Über die Trennung hab ich schon nachgedacht, allerdings bin ich emotional noch nicht so weit. Anscheinend habe ich mich wohl noch nicht genug gequält.
    Das mit dem Job hab ich ihm auch schon gesagt, aber er ist der Meinung es sei sein Traumjob und es ist der richtige für ihn.
    Nach dem ich den Alkohol gefunden hab, hab ich ihm gesagt er soll sich entscheiden der Alk oder ich. Er hat gesagt, wenn ich das will trinkt er für mich garnix mehr. Ich glaub nicht dran das es funktioniert. Jeder von euch hat sicher schon einmal diesen Satz gesagt. Im inneren weiß ich auch das es sicher nicht funktionieren wird, aber für eine Trennung bin ich noch nicht bereit, ich liebe ihn zu sehr.

  • Hi Dzan,
    herzlich willkommen hier.
    Du schreibst ganz klar, dass Du für eine Trennung nicht bereit bist. Das ist ok, das war ich am Anfang auch nicht, denn auch ich liebte ihn viel zu sehr.
    Irgenwann erkannte ich, dass mich nicht Liebe sondern Abhängigkeit mit ihm verband. Ging es ihm schlecht, ging es mir schlecht. Ging es ihm gut, ging es mir gut. Stürzte er ab, fiel auch ich solidarisch emotional ins Loch.

    Wir waren wie zwei Gehbehinderte mit Krücken und jede/r war die Krücke des anderen. Wie wollten wir so wieder selbständig laufen lernen?
    Irgendwann habe ich die Krücke zur Seite gelegt und meine ersten zaghaften Versuche gemacht, auf eigenen Füssen zu stehen. Er hat andere Krücken gefunden, auf denen er nun läuft. Ohne mich.

    Mir hat viel Lesen hier geholfen zu erkennen, dass ich nicht liebe, sondern dass ich abhängig bin. Vllt. magst Du es ja hier einmal versuchen. Einfach so als Anfang zu DEINEM Leben.

    Liebe Grüsse
    Skybird

    Lebendige Grüsse
    skybird

  • Hallo Dzan,
    Erdling sagt es wohl so klar, wie es klarer nicht geht: am Anfang ....

    Auch ich habe es so erlebt, dass ich das Feierabendbier nicht verpönen wollte, weil ich der Meinung war eine nicht neutrale Einstellung zum Alkohol zu haben. Es war ja nur ... und überhaupt, wenn der andere nur lieb und nett ist ... aber ...

    Ich habe erleben müssen dass sich dieses lieb und nett verwandelt. Ich hätte mir nie vorstellen können welche Veränderungen sich im Laufe der Zeit abspielen. Diese Veränderungen kommen schleichend und als Partner habe ich beispielsweise nicht einmal die Veränderungen - weil eben schleichend - registriert. Überlege für Dich, ob Du in diesem Fahrwasser bist oder darein kommen könntest.

    Es wird nämlich zunehmend schwerer sich aus einem solchen Strudel zu befreien. Die wenigsten sind soweit wie Erdling, die schon in "jungen Jahren" kapieren dass etwas falsch läuft und es selbständig verändern und angehen.

    Ich las hier von Menschen, die es geschafft haben: die aus eigenem Willen dem Alk die rote Karte gezeigt haben. Und ich hoffte, dachte - und täuschte mich natürlich - dass auch mein Ex-Partner erkennt dass er bereits am Abgrund steht. Meiner Meinung nach .... das entspricht aber nicht seiner Meinung! Er hat das Recht sich für das Trinken zu entscheiden und ich das Recht mich für mein Leben zu entscheiden wenn ich nicht Nr. 3 nach Alkohol oder mittlerweile Nr. 4 (nachdem er eine neue Mittrinkerin als Freundin gewonnen hat) zu sein.

    Dazu aber muss ich mir im Klaren sein was ich will, kann und was zu Lasten meiner Person geht. Ich selber hatte mich nämlich in den Jahren verloren, ziemlich abgeschottet und in meine Arbeit verrannt, dadurch musste - konnte und wollte ich nicht sehen, was sich um mich herum abspielte.

    Auch habe ich begreifen müssen ich kenne weder die Konsummengen des Alkohols, geschweige denn die körperlichen Auswirkungen, ganz zu schweigen vom Ändern der moralischen Grundeinstellungen. Ich für meinen Teil war blind, bin es teilweise immer noch (ohne es zu wollen, aber die wirklichen Steigerungen des Alkkonsums) sind für mich nicht nachvollziehbar weil ich grundsätzlich Logik voraussetze. Dieses ist aber bei einer Suchtkrankheit nicht möglich.

    Da auch ich mit der Sucht Co-Abhängigkeit ausgestattet bin war es mir selber ja auch nicht möglich logisch zu denken und zu handeln was die Beziehung betrifft. Sonst nämlich wäre ich gerannt was das Zeug hält, hätte meine Seele in Sicherheit gebracht und meine damalige psychische Stärke schnell stabilisiert.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo,

    vielen Dank für eure Antworten.

    Ja wie gesagt für eine Trennung bin ich noch nicht ganz soweit. Aber es entwickelt sich in diese Richtung. Was ich auch ihm schon immer sagte war: Das ist nicht mein Leben und ich werde mir nicht mein Leben lang anschauen wie der Mann den ich liebe sich kaputte macht.
    Die Logik ist ne tolle Sache, deswegen verstehe ich ihn nie und versuche ihm meine Logik aufzudrängeln und lege ihm alles so parad das er eigentlich garnicht anders könnte als zu sagen: "Ja stimmt, da hast du Recht." Aber er tut es einfach nicht.
    Verpönt habe ich das Trinken schon immer, weil von Anfang an klar war, es ist zuviel. Anfangs konnte ich es nicht einschätzen. Dann dachte ich es sei schon nicht so schlimm, weil er nur manchmal trinkt und dann aber richtig und zwischen drin eben auch mal Wochen nichts trinkt. Aber ich finde es doch ein sonderbares und in die Richtung Suchverhalten ziehlendes, wenn er Sachen vor mir versteckt und mich anlügt, obwohl er genau weiß ich glaube ihm nicht. Da sind wir wieder bei der Logik.
    Was ich bei ihm nicht verstehe, er ist in einem Beruf von dem er weiß wohin das führt. Ich bin mir auch sicher er weiß was da passiert gesteht es sich aber nicht ein.
    Was mich betrifft, ich stelle mein Leben nicht auf ihn ein, ich machte und mache auch weiterhin mein Ding. Wenn er nicht mitzieht dann ist das sein Problem. Wenn er betrunken ist dann gehe ich. Ich bringe ihm vom Einkaufen keinen Alkohol mit und unterstütze das auch sonst in keinster Weise.
    Wie gesagt ich stellte ihn vor die Entscheidung: Ich oder der Alkehol. Er hat sich dagegen entschieden. Allerdings bin ich mittlerweile an einem Punkt wo ich an nix gutes mehr glaube und auch daran nicht, weil er ja offiziell kein Problem sieht.

    Ich danke euch wirklich für eure Beiträge, ich bin total froh mit jemandem sprechen zu können der damit erfahrung hat.

    Was die Co-Abhänigkeit betrifft, so hab ich hier davon das erstemal gehört. Allerdings kann ich mich niergends einordnen außer in den Kontrollwahn.

  • Liebe Dzan,
    er kann vielleicht in gewissen Momenten Deiner Logik folgen, aber ab dem Moment wo die Sucht - sein Stoffwechsel im Körper - eine andere Handlungsweise diktiert ist er selber "hilflos". Erst mit Hilfe von Fachleuten könnte er da raus!

    Weißt Du, ich hörte oft "Darüber haben wir uns auch gestern am Stammtisch unterhalten, wir sind eh alle Alkoholiker" Witze darüber reißen ist einfach - wenn man sich dann noch in richtiger Runde befindet, so kann man sich selber glücklich reden.

    Wenn man/frau selber begreift was passiert, dann könnte auch der Frust des begreifens alles noch schwerer machen, oder?

    Ich habe meinen Partner nicht vor die Wahl gestellt. Zum ersten hätte ich, wenn, eine von ihm frei getroffene Entscheidung gewünscht und zum zweiten war mir irgendwann mal klar, dass er weder begreifen kann noch will was passiert. Er blendete gewisse Erlebnisse aus. Das kann ich nicht verhindern - aber ich kann für mich verhindern dabei anwesend sein zu müssen oder eventuell Konsequenzen tragen zu müssen.

    Co-Abhängigkeit.... Hast Du sie? Habe ich sie? Ich meine ja, meine Psychotherapeutin meint bei mir nein. Mir ist es egal ob ich dieses so "genannte Ding" habe oder nicht. Es ging mir schlecht, ich habe nicht mehr gut für mich selber sorgen können und bin in einer schädlichen Beziehung geblieben. Das ist für mich gefährlich uns muss geändert werden. So geändert, dass auch die anderen Lebensbereich, in welchen in mich eventuell selber unter Erfolgsdruck stelle um alles "richtig zu machen" davon profitieren.

    Lieben Gruß und viel Kraft wünscht Dir
    Dagmar

  • Hallo Dzan,

    ich habe damals auch mit der Trennung gewartet, bis ich so weit war.
    Weil ich es albern fand, zu drohen "Entweder... oder ich gehe", wenn man es dann nicht durchziehen kann. Und von außen meinten alle: Du musst dich trennen.
    Und ich hab immer gesagt: Ja, ich weiß, aber ich kann mich im Augenblick nicht trennen.
    Und ich denke immer noch: Das war eben so.
    Da mache ich mir bis heute keine Vorwürfe, obwohl das Ergebnis natürlich nicht gut war.
    Aber manche Erfahrungen muss man eben machen, bevor man so weit ist.

    Aber: Was du tun kannst, nimmst du jetzt in Angriff und das finde ich toll.
    Versteife dich nicht auf die Trennungsfrage, sondern tue für DICH, was du jetzt tun kannst, ohne dich zu trennen.
    Dich gründlich informieren, deine eigene Rolle zu reflektieren, Kontakt aufzunehmen, Erfahrungen zu hören, dich zu stärken.

    Darin möchte ich dich bestärken.

    Klar: Trennung wär wahrschienlich das beste.
    Aber ich kann dich total verstehen.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Liebe Doro,

    vielen Dank, deine Worte haben mich jetzt doch ein wenig bestärkt.
    Denn das ist mein eigentliches Ziel, mich erstmal so abkapseln von ihm. Mein eigenes Leben aufbauen. Eigentlich bin ich ziemlich eigenständig, da er wie gesagt in Schichten arbeitet, bin ich eh viel allein und muss auch viele Dinge alleine regeln.
    Es war nicht leicht für mich, mich hier anzumelden, weil ich das Gefühl hatte, ich würde ihn hintergehen und ich bin ein Mensch der sowas nicht kann. Ich finde es allerdings für mich schonmal gut, dass ich es vor Freunden sowie meiner Familie nicht verheimliche.
    Vielen Dank für deine Worte.

    Liebe Dagmar,
    die Logik die ich verstehen würde, besitzt er nie! Weder nüchtern noch betrunken. Denn wenn er einmal eine Geschichte angefangen hat, dann muss er sie zuende lügen. Doch das tut er so unglaubwürdig und verspinnt sich immer mehr in irgendwelche Lügen.
    Im Nachhinein denke ich es war ein Fehler zu sagen "entweder oder" abe ich wusste mir in dem Moment nicht zu helfen und hab es einfach gesagt.
    Tja Witze macht er nicht darüber denn wenn er trinkt, trinkt er allein. Er wüsste genau, seine Freunde würden das nicht unterstützen und würde es ihn auf den Kopf hinzu sagen. Einmal hat das auch schonmal ein Freund getan, danach kam er zu mir und meinte er müsse mal mit mir reden, er fand damals er würde zu viel trinken. Das hat sich allerdings ganz schnell wieder geändert.
    Ob ich Co-abhänig bin weiß ich nicht, ich würde momentan sagen nein, aber würde meine Hand dafür nicht ins feuer legen das ich es nicht noch werde.

  • Hallo Erdling,
    ja auch bei ihm schleicht es würde ich sagen.
    Alledings ist er noch nicht soweit das sein Körper den Alkohol braucht wenn er ihn nicht bekommt, denn wenn er Lust darauf hat und es nicht im Haus ist aber etwas anderes dann fasst er das andere aber nicht an.

    Nun ja, deswegen heißt es für mich nun abwarten. Entweder er hält die Entscheidung die er getroffen hat ein. (Was ich bezweifle) oder ich gehe. So konsequent muss ich dann nun mal sein, aber dann weiß ich auch das alles keinen Sinn mehr ergbit, denn dann hat unsere Beziehung keine Zukunft.

    Das mit der Furstration habe ich bereits gemerkt. Ich wollte einfach nur das er dazu steht und es zugibt. Was er natürlich nicht getan hat obwohl es offensichtlich war.

    Aber eure Worte helfen mir immer mehr die Augen zu öffnen und zu erkennen dass die Hoffnung, das es doch garnicht so schlimm ist, vergebens ist.

  • Hallo Erdling,

    momentan stelle ich mir häufiger die Frage ob ich mit der Anmeldung in diesem Forum hier nicht zu weit gegangen bin.
    Nur er selbst kann sagen ob er Alkoholiker ist oder nicht, das wird er niemals sagen! Denn wenn er das zugibt, dann müsste er seinen Beruf in Frage stellen. Von dem er allerdings sagt es sei sein Traumberuf und er könne sich nichts schöneres vorstellen.

    Vielleicht hat er aber auch innerlich für sich nach dieser Aktion gemerkt das etwas nicht stimmt und kann es mir gegenüber nicht zugeben. Was nix neues wäre denn er redet über Probleme die ihn betreffen mit mir nicht...bzw. über Sachen die ihn belasten weil er der Meinung ist ich nehme mir das zu sehr an und kann damit nicht umgehen und würde es nicht verstehen.

    Die Frage ob er Alkohliker ist oder nicht, kann ich nicht einschätzen, vermutlich kann das nur ein Arzt.
    Auch weiß ich nicht ob ich mit dieser Behauptung zu weit gehe. Aber dennoch weiß ich eines, nämlich das der Alkohol immer zwischen uns steht und das es nicht normal ist wie viel er trinkt.

  • Hey Erdling,

    da kann sicher auch niemand drüber urteilen der es nicht erlebt.
    Allerdings ist es defintiv nicht normal, zumal er sagt er trinkt um Stress abzubauen.

    Nun ja, von dem Kontrollzwang weiß er nix, das bekommt er nicht mit.
    Ich habe es ihm gestern gesagt, da war er völlig erstaunt drüber. Heißt im Klartext ich kontrolliere um die Gewissheit für mich zu haben, aber spreche es oftmals nicht an.

    Sein Trinkverhalten beinflusst mich in der Weise das ich sage so möchte ich nicht leben und sollte ich mal Kinder bekommen dann nicht mit ihm weil meine Kinder soetwas nicht miterleben sollen. Auch das habe ich ihm bereits gesagt.

    Kontrolliert hab ich schon immer, weil ich durch meine vorherige Beziehung geprägt bin, ich wurde betrogen. Und auch er hat mich schon oftmals angelogen weil er keinen Stress mit mir wollte.

  • Hallo Dzan,
    wie kannst du sicher sein, dass er es nicht bemerkt? Meinst Du nicht, dass vielleicht ein entsprechender Gesichtsausdruck zu seinem Empfang seine feinen Antennen ausfahren lässt? Nicht alles muss man/frau wissen - vieles kann man spüren - im dümmsten Fall durch ein schlechtes Gewissen noch selber schlimmer machen als es ist.

    Du sprichst es oftmals nicht an ;) einmal reicht schon für einen Hinweis, oder? Er muss ja mit seinem Problem überleben, somit doppelt scharfäugig und hellhörig sein, oder?

    Darf ich Dir widersprechen: ich kann mir vorstellen, dass die Antwort normal ist "zu trinken um Stress abzubauen". Ich habe das nicht nur von Alkoholikern gehört sondern auch früher von meinem Fahrschullehrer (ob das für ihn nicht eine Gefahr darstellt, ist eine andere Sache).

    Meiner Meinung nach könnte er ebenso sagen "im Himmel ist Jahrmarkt" Eine Ausrede wird immer gefunden werden. Ein Alter Herr hat mal zu mir gesagt, wer alleine trinkt, den hat die Sucht abgeschleppt. Ich habe die Worte lange nicht begriffen. Trinken in Geselligkeit entsteht (auch wenn ich es nicht gut finde) wer alleine "automatisch" zum Alkohol greift, der ist wohl schon im Schlepptau.

    Selbst wenn es stimmt, was Dir gesagt wird, dass nur der Stress Schuld ist, so kommen dann wieder Erlings Aussagen zum tragen, denn wer Stress durch Trinken beseitigt hat ein Problem (meine ich).

    Ich befürchte, egal, wie Du es wendest oder drehst, Dein Partner wird sich über sich selber Gedanken machen müssen und wie er gedenkt mit sich selber umzugehen. Stress wird ja erfahrungsgemäss selten kleiner wenn an Grundsituationen Arbeitsplatz/Umfeld ect. nichts geändert wird.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar,

    ich bin ganz deiner Meinung.
    Für mich ist es dennoch schwer ihn aufzugeben.
    Hmm wenn er es merkt, dann kann er verdammt nochmal gut schauspielern, was ich von ihm sonst nicht gewohnt bin.

    Er kann es nicht mal vernünftig um das Trinken zu verstecken!!!
    Ich finde es nicht normal wegen Stress zu trinken! Und schon garnicht wenn ich gesagt bekomme: "dann muss ich eine Zeitlang nicht über bestimmte Dinge nachdenken."

    @Erdling:
    Nein, ich habe das nicht falsch verstanden. Ich gebe mir für nix die Schuld, für mich ist nur der Schritt, die Einsicht ihn aufgeben zu müssen verdammt schwer. Als ich ihn kennenlernte, war er für mich der Traummann schlechthin.
    Aber nur er kann für sich entscheiden wie er leben will und was er dafür braucht.
    Ich wäre bereit mit ihm alles durchzustehen, wenn er nur dazu stehen würde. Das wird er nicht tun.

  • Also, so ganz verstehe ich die Diskussion "Ist er nun Alkoholiker oder nicht" nicht! :roll:

    Spielt doch eigentlich keine Rolle.
    Dich stört der Alkohol und er trinkt auf jeden Fall viel.
    Vielleicht ist er erst auf dem Weg zum Alkoholiker?

    Es gibt auch unter den Alkoholikern unterschiedliche Verläufe und manche sind wesentlich dramatischer als andere. Jedenfalls ist das mein Eindruck von den Geschichten, die ich höre.
    Damit will ich nicht sagen, dass es harmlose Verläufe gibt, aber zumindest rutschen nicht alle im gleichen Tempo ab und manche sind lange in der Lage, ein halbwegs geregeltes Leben zu führen.
    Mein Mann ist einer von denen, die NIX mehr auf die Reihe kriegen durch den Alkohol.
    Andere gehen noch regelmäßig arbeiten.
    Manche werden regelmäßig total aggressiv, andere nicht.

    Also, das bringt doch alles nichts mit diesen Diagnoseversuchen.

    Du hast ein Problem mit seinem Alkohol.
    Und du musst darüber nachdenken und dir klar werden, wo deine Grenze ist.
    Und wenn du sagst: So einen (solange er trinkt jedenfalls) nicht als Vater meiner Kinder, dann ist das schon sehr bedenklich. Jedenfalls wenn man sich grundsätzlich eine Familie wünscht.
    Andererseits: Wie gesagt, ich verstehe, wenn du einfach noch Zeit brauchst.

    Die Sache mit dem Kontrollieren macht man automatisch, wenn man ein Problem mit dem Alkohol eines anderen hat. Aber es ist trotzdem falsch, glaube ich. JEdenfalls dann, wenn man sich zu sehr damit beschäftigt. Es ist ein Dilemma: Einerseits will man sich ja nicht vom Partner veräppeln lassen und dieses heimliche Trinken ist total würdelos, finde ich. Ich hatte immer das Bedürfnis, meinem Partner/Mann zu zeigen: Ich durchschaue dich, ich merke, dass du trinkst, brauchst nicht immer so billige Tricks anzuwenden.
    Andererseits: Es zieht einen selbst runter, man fängt an, sich zu sehr mit diesen Dingen, die man doch nicht ändern kann, zu beschäftigen. Man riecht die Fahne und der Tag ist gelaufen. Man findet irgendwo leere Bierdosen und einem wird schlecht.
    Wenn ich das richtig verstehe, beginnt da schon die Co-Abhängigkeit.
    Aber ist das nicht normal, dass man sich darüber aufregt?

    Und mir geht es mittlerweile so, dass ich erkennen muss: Ich habe wahrscheinlich immer nur die Spitze des Eisbergs entdeckt. Vor 6 Wochen hatte mein Mann seinen großen Rückfall und jetzt fallen mir rückblickend immer mehr Trinkgelegenheiten der Vergangenheit ein, die ich übersehen habe, wo er vermutlich auch schon kleine Rückfälle hatte. Wo er mich dauernd ermutigt hat, wegzugehen, und ich schon gekränkt war. Aber das waren wohl solche Sachen. Also SOOO schlau war ich dann doch nicht, vieles hat er sehr wohl erfolgreich versteckt. Und vielleicht zum Glück, denn ich hätte nur darunter gelitten, geändert hätte es wohl nichts, wenn ich das auch noch alles gewusst hätte.

    Also: Das mit dem Kontrollieren ist zwar menschlich, aber man muss da aufpassen, dass man sich nicht selbst damit zerstört.

    Und warum soll es schlecht sein, dass du dich hier angemeldet hast?
    Solange es ein Thema für dich ist, seine Trinkerei, ist es auf alle Fälle richtig.
    Übrigens: vorher hast du geschrieben, du hättest das Gefühl, ihn mit diesem Forum zu hintergehen. - oder so ähnlich
    Das erinnert mich auch an meinen Mann und auch das ist irgendwie nicht gut, wenn du das so empfindest. Das hier ist doch ein anonymes Forum und da kannst du doch machen, was du willst und dir die Hilfe holen, die du brauchst. Auch wenn du ihn total falsch einschätzen würdest (was ich nicht glaube), was kratzt ihn das denn?
    Hier kann dir doch keiner sagen: Tu dies oder tu das.

    Vielleicht bin ich auch von meiner Ehe gestört. Ich sollte vielleicht bei mir bleiben und erzählen, wies bei uns war und dann kannst du sehen, ob da Parallelen sind:
    Mein Mann hat immer die Philosphie vertreten: Außer unserer Beziehung soll nichts nach außen dringen, weil von außen die Leute die Ehe kaputt machen wollen. Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich ihm da folgen und ich hab mich auch dran gehalten und fand das gut.
    Aber jetzt, rückblickend, sehe ich: Er hat doch sehr stark versucht, meine Beziehungen zu anderen Menschen und sogar zu Internetforen usw. zu reduzieren. Und ich glaube, auch das war ein Grund, dass ich ungesunde Sachen in usnerer Beziehung nicht mehr als solche wahrgenommen habe. Weil ich von außen gar kein korrektiv mehr hatte. Jetzt, wo wir getrennt sind, sagen mir alle möglichen Leute, dass sie dies und das und jenes schon die ganze Zeit komisch und krank fanden. Dass sie drunter gelitten haben, dass ich mich zurückziehe. Dass ich nach seiner Pfeife getanzt habe. Und jetzt sehe ich: Sie haben Recht!
    Er konnte mich vielleicht nur deshalb so schlecht behandeln, weil ich gewisse Einflüsse von außen nicht mehr zugelassen habe.

    Will ich alles euch nicht unterstellen, dass das bei euch auch so ist.
    Nur so als Denkanstoß.
    Ich sehe nicht, was an diesem Forum falsch sein soll.

    Liebe Grüße,
    Doro

  • Hallo Dzan!
    Vielleicht habe ich das "verdrängen" - was anderes war das Verschweigen, Verstecken, Verheimlichen nicht - auch als Ausrede genommen, nichts unternehmen zu müssen. Mich nicht trennen zu müssen, die Annehmlichkeiten des Lebens verlieren zu müssen, - wäre ja schon sehr schwer geworden.
    Vielleicht deshalb habe ich so lange (24 Jahre, bin überhaupt nicht stolz drauf) alles mitgemacht, was mein Mann auf seiner "Palette" hatte.
    Ich bin jetzt schon fast ein jahr hier im Forum, anfangs mit den gleichen "Befürchtungen" wie du, jetzt aber mit der festen Meinung, dass ich mein Leben selbst in der Hand habe. Und mein Mann seines.
    Wenn er mit Problemen nicht fertig wird, ist es seine Sache. Er allein muss für sich sorgen, sich Hilfe suchen, wenn nötig, ist für seine Trockenheit zuständig.
    Jetzt kann ich das schreiben, nach einem guten Jahr Forumslesen und - schreiben. :oops: Davor war ich einfach nur Co.
    Bin ich immer noch, aber mindestens einen Schritt weiter und fleissig am Arbeiten.
    Liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

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