Zeit für eine Zwischenbilanz 
Rund 3 Monate lebe ich nun hier in diesem kleinen Ort und es scheint derzeit so, als hätte ich keinen besseren Ort finden können.
Ein super Scheunennachbar. Und weitere Einwohner, die echt klasse sind und mit denen ich schon - auch über die Katzen - Kontakt aufbauen konnte. Darunter auch ein Schreiner, der Katzenspielzeug, eine Spielbox, selber herstellt. Er hat mir gestern eine vorbeigebracht. Da haben meine Racker was zum spielen und ich einen schönen Bericht für meine Katzencommunity.
Derzeit bin ich dabei die vielen geschenkten Äpfel zu verarbeiten. Stress pur, aber eine Freude wenn dann mal alles im Gefrierschrank ist. Gestern war Pizzatime: jede Menge gemacht, eingefroren und bei Bedarf geht sie in den Holzofen.
Ich spüre hier die Natur und mich - auch durch das Holz, das feuern mit Holz, das selber machen des Anzündeholzes, das Geschenk des Schreiners. Da denke ich so oft an meinen Vater, der schon lagen tot ist, der Schreiner war und zum Holz einen tiefen Bezug hatte.
Vor kurzem war eine Nachbarin aus dem alten Wohnort zu Besuch, die feststellt, dass meine Haut - im Gegensatz zu früher - grandios wäre. Sie ist kein Katzenfreund, stellte aber fest, dass alle meine Tiere nun viel ausgeglichener und ruhiger sind. Während sie früher durchs Haus stobten und Neulingen aus dem Weg gingen, so spickeln sie nun wer ins Haus kommt.
Das alte Haus hatte auf mich immer ein ganz schweres Gefühl. Ich schob es auf die mangelnde Helligkeit. Auf das eingaut sein in den Berg oder oder oder. Ich war mir sicher, dass dieses Haus irgendwelche traurigen Schicksale begleitet hat. In so vielen Häusern habe ich gelebt, aber niemals ein solches Gefühl der Schwere verspürt.
Vielleicht weiss ich nun warum: dort wurde massig im Sinne der Metzgerei getöte. Und das ist etwas, auch wenn ich Fleisch esse, so war es für mich schon immer übelst wöchentlich am Samstag beim Nachbarn unter mir zu hören wie die Schweine toben wenn sie verladen werden sollen. Darauf gebracht wurde ich weil ich gefragt wurde ob es den "Blutabfluss noch gäbe" Hä??? Nun ja, vielleicht spinne ich ja, aber das Haus gab mir immer ein sterbensgefühl...
Ich muss (leider, im Sinne des anderen) auch immer wieder erfahren, dass meine Entscheidung richtig, notwendig und keinen Tag zu früh war. Es scheinen sich nun die Basisbausteine Isolierung, Berufsverlust, mangelnde Hygiene am Arbeitsplatz ect. einzustellen.
Schade, um ein weiteres Leben, dass dem Alk zum Opfer fällt, aber eine bewußte (?) Entscheidung, über Jahrzehnte intensiviert und gelebt.
Die Ex-Nachbarin erzählte mir, dass sie etwas Angst gehabt hatte, dass ich mich einsam fühlen würde. Nein, einsam gefühlt habe ich mich hier nie! Ob das an meinen Katzen liegt, an meinen Freunden an der Natur, die hier so lebt, wie ich es nicht übersehen kann. Ich weiß es nicht.
Wenn nun auch irgendwann einmal die jobtechnische Seite klappen wird, dann befinde ich mich wieder in einer Art "normalem, friedvollen, Leben" mit den kleinen Glücksmomenten. Die großen, die brauche ich gar nicht
auch wenn ich mich freue, wenn sie mal an die Türe klopfen sollten.
Mit ziemlich viel Dusel habe ich recht günstig Duftöle ersteigert, die ich liebe - nebst einem passenden Setzkasten, für eben Duftöle. Einfach schön! Ich freue mich darauf, weil hier schon seit Wochen das ganze Haus duftet: warmes Holzfeuer und leichter Gerucht von Zimt, Vanille oder Weihnachtsduft.
Heute, wie gesagt, zieht noch der Duft von Apfelstrudel durchs Haus. Es könnte sein, dass heute abend noch der Nachbar vorbeisieht, macht er gerne Sonntags, da sind dann noch Hohenloher Apfelflädle fertig für den Holzofen (einfach Pfannkuchen mit Apfelschnitzen).
Wenn ich überlege, wie ich am Anfang hin und her gezaudert habe, gewankt zwischen "nicht los lassen können" und "Angst vor meiner Zukunft" so stehe ich nun in einem Leben, welches ganz anders wurde als meine Ängste es zuvor hatten ahnen lassen.
In diesem Sinne:
Happy Weekend
wünscht Dagmar