Hallo liebe Wegbegleiter!
Mit einem lieben Dankeschön an Backmaus für die guten Wünsche für das Jahr 2010 melde ich mich zurück aus der *Versenkung*!
Nachdem ich gestern im Schneechaos in NRW für knapp 200 km Autobahn über 4 Stunden gebraucht habe, bin ich nun auch wieder in heimatlichen Gefilden und seit heute auch mit vollem Programm wieder am Arbeiten. Allerdings wird dies eine kurze Woche, denn von Donnerstag bis Sonntag fahre ich zu meinem vorletzten Seminar meiner ehrenamtlichen Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer.
Die Tage im Zen-Kloster Daihizan Fumonji in der Nähe von Altötting waren für mich sehr nachhaltig und ich bin noch ein wenig mit dem Sortieren beschäftigt.
Es ist unglaublich, was im Inneren während der Meditation alles freigesetzt werden kann und wie sich dies beim Einzelnen äußert. Bei aller Fremdheit der Abläufe im Kloster haben mir dort die festen und wiederkehrenden Rituale und Regeln geholfen, mich dort zu orientieren und recht schnell zurecht zu finden.
Wir waren 17 Leute, die sich dort zum Neujahrs-Retreat zusammengefunden haben – davon waren 2 aus Österreich und eine Person aus der Schweiz.
Alles in dem Kloster war in seiner Einfachheit und Schlichtheit sehr klar und auf das Wesentliche reduziert.
Das Essen war schlicht vegetarisch – oft gab es etwas mit Möhren, Kohl, Mangold und Kartoffeln. Nicht viel Würze, um nicht vom Eigengeschmack der Zutaten abzulenken – und doch raffiniert in seiner Einfachheit.
Im Zen geht es ja u.a. darum, dass Du das, was Du gerade tust, mit ganzem Herzen machst. Wenn Du auf Deinem Meditationskissen sitzt, gibt es in diesem Augenblick nichts außer Deinem Sitzen und wenn Du in der Küche zum Kartoffelschälen eingeteilt bist, sollte es nichts außer dem Kartoffelschälen geben.... 
Ich schreibe bewusst *sollte*, denn ich bin ja auch so ein Multitaskingtalent, der es sehr schwer fällt, sich ganz auf eine Sache zu konzentrieren und nicht schon 1000 andere Dinge -zumindest im Kopf- zu wälzen.
Ich bin aber nach den Tagen im Kloster davon überzeugt, dass das achtsame und bewusste Tun eine Übungssache ist.
Übungssache ist auch das Sitzen auf dem Meditationskissen (idealerweise im Lotussitz, was aber sehr viel Disziplin und langjährige Praxis erfordert). Normalerweise dauern die Sitzperioden 30 Minuten und werden abgelöst von einer 15 minütigen Gehmeditation. Während des Sitzens sollte man ganz ruhig -wie ein Berg- sitzen und nicht dauernd rumruckeln, da dies die Stille in der Zendo stören würde. 
Ich habe gemerkt, dass es beim Sitzen keinen Zustand gibt, der erreicht werden kann und dann auch so bleibt. Es ist immer wieder anders – manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich mit der letzten Schwingung der Klangschale direkt in eine tiefere Ebene hinabgleiten und dort auch verweilen konnte. Doch recht oft ließ ich mich beim Sitzen von Außengeräuschen ablenken, oder dadurch, dass etwas an meinem Körper juckte oder der Fuß kribbelte. Der Sitzende sollte versuchen, diesen Schmerz auszuhalten und sich auf das Atmen zu konzentrieren (zählen soll auch helfen), aber irgendwann kam bei mir der Punkt, an dem das nicht mehr funktionierte. 
Na, ich bin ja noch am Üben. Dafür, dass ich eine der wenigen war, die überhaupt nicht über eine regelmäßige Praxis verfügt, wie sie in einem Zen-Kreis vermittelt wird, habe ich mich schon recht gut gehalten. Unser Zen-Meister meinte immer, dass es das wichtigste ist, dass wir überhaupt sitzen. Mit dem TUN kommt dann auch die Praxis.
Gegen die Kälte -bedingt durch die niedrige Raumtemperatur in der Zendo (Meditationshalle) und das regungslose Sitzen- gab es Decken. Wer wollte, konnte sich gleich mit mehreren ausrüsten, wovon vor allem die Frauen reichlich Gebrauch machten. Mir hat eine dünnere Wolldecke um die Beine gereicht – dazu Fleecejacke und Schal.
Über meine Empfindungen beim Schweigen werde ich noch gesondert berichten....
Liebe Grüße,
Schattenspringerin