So, jetzt ist mal Schluss mit meiner ganzen Gefühlsduselei. Die geht mir nämlich jetzt mittlerweile selbst auf den Nerv. Was ist denn die Wahrheit? Ich bin ein Wassermann, ein logisch denkender Mensch, freiheitsliebend, verändernd, dynamisch, egozentrisch. Ich bin ebenso ein Krebs, voller Gefühl, festhaltend, klammernd, immer die Sicherheit im Auge.
Was hab ich denn gehabt? Eine Abhängigkeitsbeziehung. Eine Geschichte mit einem Mann, der überhaupt nicht zu mir passt. Eine Geschichte, die ich mir passend malen wollte. Immer und immer wieder. Ich habe gedrückt und bin gegen Mauern gelaufen, wollte sie umrennen, wollte ihn überrennen. Er hat das nicht mit sich machen lassen. Ist immer seinem Weg gefolgt, ob ich das nun wollte oder nicht. Meistens wollte ich nicht, wollte ihn anders.
Ich wollte Liebe, die ich nicht bei ihm fand. Ich wollte Tiefe, die er nicht besitzt. Ich wollte besitzen. Seine Luft atmen. Sein Leben leben. Seins zu meinem machen. Ich wollte, dass er mich in meiner Tiefe erkennt. Ich wollte, dass er mich anerkennt. Und habe die ganze Zeit dabei geschwiegen. Geschwiegen, weil er meine Worte nie verstand. Geschwiegen, weil ich meine Situation nicht verändern wollte. Geschwiegen, weil ich bei ihm - nicht bei mir - sein wollte. Ich wollte, dass er genauso von mir abhängig ist, wie ich es von ihm bin.
Dabei hatte er mich längst erkannt. Er erkannte mein Versuche, ihn zu manipulieren. Er erkannte, dass ich mir selbst mit meiner tiefen Oberflächlichkeit auf den Nerv gehe. Er wusste längst, was ich nie sehen wollte, dass ich eines Tages weitergehen werde. Ohne ihn. Ich habe mich gewunden. Mich durch jede Lücke geschlängelt, die ich fand, um ihm zu folgen. Ich habe gekämpft. Gegen mich. Die ganze Zeit. Ich dachte ich kämpfe für mich, für uns.
Ich hätte niemals kämpfen brauchen. Es war von Anfang an aussichtslos. Ich hätte es die ganze Zeit nehmen können, wie es ist. Und viel eher weitergehen können. Er hätte mich zwar festgehalten, doch nicht aufgehalten. Er wollte, dass ich bei ihm bin, denn ich gab ihm ein gutes Gefühl. Ich gab ihm ein Stück mehr Einfach für sich und sein Leben. Er hat mich gut und behutsam festgehalten. Zuckerbrot und Peitsche. Und mir doch auch immer die Wahl gelassen, das zu tun, was ich wollte. Zu gehen.
Ich will mich schütteln. Abschütteln. Mir selbst an die Stirn tippen und einen Vogel zeigen. Dreh dich Brumkreisel, dreh dich. Wie blöd bist du eigentlich? Die Wahrheit liegt vor deinen Augen und du siehst sie, aber reagierst nicht. Du kapierst alles, aber tust nichts. Willst lieber warten, bis die Welt sich ändert. Bis der Ritter in der schwarzen Rüstung dich rettet! Ja, es ist alles bedeutend. Liebe und so. Bist extrem. Extrem dämlich. Mach die Augen auf! Wach auf! Es ist dein Leben. Du machst es dir kaputt. Kein Anderer.
... Wie er jetzt wohl sagen würde, nen kleinen Schuss so mit Leben und Therapie haste ja schon immer gehabt ...
kk.