Hallo Anonymia,
mir ist vor Jahren aufgefallen, daß ich in der Peripherie ziemlich fit war, aber je näher ich mir selber gekommen bin, um so schwieriger wurde es. Es fiel mir leichter, an anderen herum zu tüfteln, als meine eigenen Dinge zu regeln.
Ich habe dann herausgefunden, daß es etwas damit zu tun hatte, daß ich mich selber nicht fühlen konnte oder wollte. Denn aus Kindheitserfahrungen heraus sind meine eigenen Gefühle ein Minenfeld. Irgendwann war es "leichter" gar nichts mehr zu fühlen, als die ganzen schlimmen Gefühle meiner Kindheit.
Je mehr etwas mit mir selber zu tun hatte, desto beängstigender wurde die Situation und desto unvorstellbarer wurde es, daß ich selber etwas an meiner Situation verbessern konnte. Komplette Handlungsunfähigkeit ist kein schönes Gefühl. Genausowenig wie das Ohnmachtsgefühl, das sich eingestellt hat, weil man ja nichts tun kann, wenn man nichts spürt.
Von daher bewegte ich mich leichter in der Peripherie, im Außen, bei anderen... jahrelang: in den Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Familie. Ich war überall, nur nicht wirklich bei mir.
Der Rückweg zu mir selber hat lange gedauert und war und ist tägliche Aufgabe. Es ist nicht einfach, den Fokus zu verändern, wenn man die eigene Mitte nicht spürt. Ich hatte panische Angst mich zu spüren. Wenn ich das Fensterchen aufgemacht hätte für schöne Gefühle, wären ja gleichzeitig durch diese Öffnung auch die schlimmen Gefühle dagewesen. Davor hatte ich zu große Angst. Also dichtmachen und weit, weit weg von mir aktiv werden...
Es ist ein Prozeß. Ich habe Vertrauen darauf, daß irgendwas in mir drin richtig tickt und weiß, wo der Weg lang geht. Immer wieder hinspüren, wie sich was anfühlt. Mir hat es geholfen zu schauen, ob ich grad im Hier und Heute bin, oder ob ich gerade in einer alten Zeitschleife festhänge. Denn HEUTE kann ich ja tatsächlich was bewegen, damals nicht.
LG, Linde