Hallo Slowly,
ich hatte mal ein ähnliches Erlebnis in einem Supermarkt. Die Mutter war von ihrem pausenlos schreienden Kind völlig genervt. Ich hatte den Eindruck, daß es ihr auch peinlich war, daß sie das Kind nicht ruhig bekam. Sie wurde immer verzweifelter und lauter, drohender. Ich habe ganz anders reagiert. Bin erst in die Nähe und dann hin und habe sie ganz nett und fröhlich angesprochen. Irgendwie sowas wie, ach das ist ja aber ein kleiner Rebell, hat keine Lust mehr zum Einkaufen, will nach Hause ins Bettchen, wie lieb der schaut usw.. Habe mich dann vor den Kinderwagen gehockt und mit dem Kleinen direkt geredet, na was bist du denn für ein Rocker, dich nervt das alles hier, willst nach Hause, nicht wahr...
Sofort entspannte sich die Situation, vor allem bei der Mutter. Auch der Kleine war ganz perplex von der anderen Stimme und dem fröhlichen Ton. Die Mutter konnte total rasch umschwenken und den Druck rausnehmen. Wir redeten noch kurz, wie anstrengend es sein kann, mit den Kindern einkaufen gehen zu müssen, daß das jedesmal wie ein Sechser im Lotto ist, wenn man ohne Schreierei wieder heimgekommen ist usw.
Ich weiß nicht, aber Drohung mit der Polizei hätte in dem Moment ja nur den Streß der Mutter erhöht. Auch das Begafftwerden von den anderen Leuten war Druck pur für die sie. Freundlich hinwenden, Zuhören und fragen ob man ihr helfen kann, das hat den Druck sofort rausgenommen. Es sind ja nicht alles Kinderprügler, wenn man so eine Situation beobachtet. Manchmal ist es einfach eine ganz kurzfristige Überforderung, wo jemand an seine Grenzen kommt, dachte ich mir.
Ich erinnere mich aber auch an eine Situation, die mir lange, lange nachgegangen ist. Da war ich ungefähr 20. Abends konnte ich von der Straße aus durch den Vorhang in ein erleuchtetes Fenster schauen, wie ein Mann ein schreiendes Kind prügelte.
Und ich konnte nichts, aber auch gar nichts machen. Ich war wie gelähmt. 
Lieber Gruß, Linde