ZitatWie viel an mir ist nur die Rolle/das Verhaltensmuster?
Hallo Joe,
ich stelle mir gerade eine Rolle vor, z. B. eine Gesangsdarbietung. Über die Jahrzehnte wird sie immer wieder von wechselnden Sängerinnen gesungen. Und jedesmal merkt man, daß sie ganz anders interpretiert wird. Ich glaube, es ist nicht zu trennen. Man selber IST seine Biograpie, aber man kann heute jeden Tag die Biograpie selber weiterschreiben. Irgendwann wechselt die Perspektive vom Stück Papier, das beschrieben wird - hin zum Schreibstift, der auf Papier schreibt.
Mir fiel das auf, als ich neulich mal die verschiedenen Versionen von 'O mio babbino caro' im Internet durchgehört habe, von bekannten und unbekannten Sängerinnen. Immer dasselbe Lied, aber jedesmal hörte ich andere Nuancen heraus. Die Tiefe, aus der manche dieser Frauen schöpfen können, war vielleicht früher auch mal ein Abgrund, das weiß ich nicht.
Bei mir setzt die Erinnerung an den Alkoholkonsum meiner Mutter sehr früh ein, jedenfalls lang vorm 10. Lebensjahr schon. Der veränderte Geruch, dieser saure Haut- und Mundgeruch. Dann ihre völlige Abwesenheit, obwohl sie körperlich da war. Auch daß sie x mal am Tag Harmlosigkeit vorspielend pfeifend in den Keller ging und kurz darauf wieder zurück kam. Das Essen war manchmal versalzen. Beim Kämmen hat sie mir die Haare ausgerissen. Da war noch mehr.
Kapiert habe ich das mit 25 noch nicht, aber genau weiß ich das nicht mehr, weil bei mir durch die Dissoziation die Zeiten vom Nebel verschluckt sind. Ich habe zu der Zeit, glaube ich, mit der ersten Therapie begonnen und die ersten entsprechenden Bücher gelesen. Schwerpunkt, daß ich mich nicht spüre. In Zusammenhang mit dem Aufwachsen als Kind mit einer alkoholkranken Mutter und den anderen Dingen, die damals geschahen, habe ich es erst später gebracht. Als ich stabilisierter war und mehr Abstand hatte.
LG, Linde