Hallo,
danke für eure Beiträge. Zwei ganz wichtige Punkte: Zum einen, daß schon Schubsen und Zerren schlimme Grenzüberschreitungen sind, da sollten die Alarmglocken klingeln.
Das zweite sind die Nachbarn, die geholfen haben. Das ist einfach toll gewesen!
Jede/r kann jederzeit Zeuge/Zeugin von häuslicher Gewalt werden.
Manchmal sieht man eine Nachbarin oder Kollegin mit Sonnenbrille einkaufen gehen, während die Regenwolken gerade den Himmel verdunkeln. Warum trägt sie eine Sonnenbrille?
Manchmal gehen Frauen plötzlich nicht mehr ins Schwimmbad, in die Sauna oder ins Fitneßstudio. Man könnte die blauen Flecken sehen.
Manchmal hört man etwas in der Nachbarswohnung. Oder man sieht abends beim Gassigehen mit dem Hund eine Silhouette in einem beleuchteten Fenster, die sich vornüber beugt und schlagende Bewegungen macht. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Gestalt gerade den Teppich ausklopft?
Wird eine Frau von ihrem Begleiter kontrolliert, überwacht? Hat sie plötzlich keinen Zugriff mehr auf ihre Post, ihr Handy, ihr Konto?
Wenn man etwas mitbekommt, könnte man bei in einer ruhigen Gelegenheit das Gespräch mit der Frau suchen. Man kann ihr anbieten zuzuhören. Es kann sein, daß die Frau vehement den Verdacht auf häusliche Gewalt abstreitet. Es kann sein, daß sie anfängt zu weinen, daß sie völlig erstarrt oder daß sie sie sich umdreht und geht. Man kann versuchen ihr einen Zettel zu geben mit der eigenen Telefonnummer oder der einer Beratungsstelle oder dem Frauenhaus. Dazusagen, daß sie den Zettel in die kleine Tasche vorne rechts in die Jeans stecken kann. Man kann ihr vorschlagen, sie sofort zu begleiten, sie sofort aus der Situation zu holen. Man kann ihr anbieten, sie ins Krankenhaus, ins Frauenhaus, zur Polizei, zu einer Freundin, zu Verwandten begleiten.
Manchmal ist es aber sinnvoll, zum Telefonhörer zu greifen und die Polizei anzurufen. Vor allem, wenn man sich selber in Gefahr bringen würde.
Wenn es um häusliche Gewalt geht, sind oft auch die Kinder betroffen.
Verhalten sich Kinder anders als sonst: Verschreckt, schweigend, überdreht, se6ualisiert, nervös, lügend, abweisend, abwesend, passiv, prügelnd; fällt ihre schulische Leistung ab, wollen sie nicht mehr nach Hause gehen, zeigen sie selbstverletzendes Verhalten, kommen sie nicht mehr aus ihrem Zimmer heraus, verschwinden sie in Bücher- oder PC-Welten... das alles können Hinweise sein.
Zivilcourage kann Leid verkürzen und manchmal sogar Leben retten. Bitte nicht wegschauen. Bitte sich nicht selber in Gefahr bringen. Bei manchen Sachen ist es besser, wenn die Profis eingreifen. Die 110 wählen und sagen wo Hilfe benötigt wird und was los ist.
LG, Linde