Hallo,
aus aktuellem Anlaß möchte ich die hier schreibenden Co-Abhängigen bitten, diesen Thread zur Kenntnis zu nehmen.
Hintergrund ist der, daß uns seit längerem auffällt, daß über lange Zeit seitenweise Beiträge über die Angehörigen eingestellt werden. Sehr viel davon wird von uns gelöscht, um die Persönlichkeitsrechte Dritter zu schützen. Indirekt kommt bei manchen dadurch eine Veränderung des Blickwinkel in Gange, weg von Alkoholkranken, hin zu sich selbst.
In vielen Threads geht es wochenlang (manchmal monatelang) leider so gut wie ausschließlich um "meinen xy". Es werden eingehende Analysen über die möglichen Hintergründe seiner Sucht eingestellt, es werden Gespräche wiedergegeben, es wird detailliert erzählt was er macht oder plant und es werden Dutzende Gründe aufgeführt, warum man sich nicht trennen kann, warum man nachts um Drei unbedingt ans Handy gehen muß, warum man immer und immer wieder rückfällig wird und bei ihm in der Kiste landet, obwohl er säuft, schlägt, die Kinder mißbraucht oder stalkt usw. usw.
Bei rückfälligen Alkoholikern hier im Forum werden vergleichbare Threads geschlossen und die/derjenige in den Vorstellungsbereich verwiesen. Dort kann nochmal abgeklärt werden, ob die/derjenige wirklich zu Verhaltensänderungen bereit ist und dafür konkrete Handlungen unternimmt. Rumgeeiere bleibt im Vorstellungsbereich und kommt gar nicht erst ins offene Forum.
Bei den Angehörigen haben wir bisher so gut wie alle freigeschaltet, obwohl sie noch in der "Rumeier-Phase" sind, um es mal so zu formulieren. Aber es gibt Grenzen und nach vielen Jahren des Lesens riesiger Textmengen über all die vielen "xy" sind die Grenzen glaube ich bei uns im Forenteam erreicht. Dazu kommt die Frage, ob es überhaupt zielführend für die Betroffenen ist, Threads über zig Seiten laufen zu lassen, die m. E. die Co-Abhängigkeit durch gegenseitige Mitgefühlsbekundungen und Streicheleinheiten mehr zementieren als dabei helfen, sich aus ihr zu befreien.
Der Alkoholkranke sollte hier in diesem Forenbereich nicht der Schwerpunkt des Erfahrungsaustausch sein!
Es sollte hier um die EIGENE CO-ABHÄNGIGKEIT gehen. Was der Alkoholiker tut und denkt ist hier unwichtig.
Wichtig ist die Frage:
Wie komme ich aus meiner Co-Abhängigkeit raus und was kann ich dafür konkret tun?
Wer sich diese Frage NICHT stellt, sondern so gut wie ausschließlich um den Alkoholiker kreist, ist vermutlich noch nicht soweit für den Austausch hier im Forum.
Die Angehörigen, die sich NICHT mit dieser Frage beschäftigen wollen, sollten sich vielleicht einen anderen Ort des Austausches suchen, evtl. im real life. Unser Forum, speziell dieser Forenbereich hier, richtet sich ausschließlich an Angehörige, die an ihrer Co-Abhängigkeit arbeiten wollen und nicht an Angehörige, die uns hier monatelang erzählen wollen, was "er" bzw. "sie" gerade denken, machen, machen wollen, nicht machen usw. usw.
Es geht darum, den Fokus von ihm weg auf sich selbst zu richten und ins Handeln zu kommen. Irgendwann ist nämlich alles 7459 mal besprochen worden, irgendwann sollte man aufhören zu warten, daß "er" sich ändert, sondern selber in die Puschen kommen.
Ich könnte mir vorstellen, daß das vielen jetzt hart ankommt. Aber bevor man sich aufregt, könnte man sich auch die Frage stellen, ob es fürs reale Leben daheim WIRKLICH etwas bringt, mit dem Rumgeeiere hier so weiterzumachen.
Wie gesagt, wir behalten uns erhebliche Textkürzungen bzw. Threadschließungen vor. Im Alkoholikerbereich haben wir eine sehr klare, konsequente Linie, die wir uns für die Angehörigen im Angehörigenbereich des Forums auch wünschen.
Grüße, Linde