Hallo Jinx,
meine Mutter ist Alkoholikerin solange ich denken kann, auch heute noch. Solche Fragen habe ich mir auch gestellt.
Zitat
Warum hat er sich gegen mich und für den Alkohol entschieden? Bin ich wirklich so wenig wert?
Er MUSS trinken, das ist die Sucht. Ein Alkoholiker hat keine Wahl. Der Alkohohol stellt sich an die erste Stelle, alles andere ist nachrangig. Nicht der Alkoholiker kontrolliert den Alkohol, sondern der Alkohol den Menschen.
Es bedarf eines persönlichen Tiefpunktes, daß ein nasser Alkoholiker sich zum Stoppen seiner Erkrankung entscheidet und Hilfe annimmt. WIE dieser Tiefpunkt aussieht, das ist für jeden unterschiedlich. Mal ist es der Verlust des Führerscheins, die Arbeitslosigkeit oder Obdachlosigkeit, Verlust der Familie, schlimme Erkrankung, Unfall oder das Aufwachen in den eigenen Fäkalien. Und manche erreichen ihren Tiefpunkt nie.
Du bist weder für das Trinken verantwortlich noch kannst du es in irgendeiner Richtung beeinflussen. Mir wurde als Kind weißgemacht, ich sei Schuld, daß die Mutter säuft. Wenn ich dies oder das so oder so, dann müßte sie nicht saufen... was für ein Blödsinn! Ich war Kind, ich habe das geglaubt. Ich versuchte alles, um die Mutter davon abzubringen, geht aber nicht. Sie MUSS trinken, um sich nicht zu spüren, um zu vergessen, um im Nebel zu existieren weil sie das Leben nicht aushält. Die Ursachen liegen tief in ihrer schrecklichen Biographie begründet, das weiß ich inzwischen.
Ich bin weder schuld, noch "zu wenig wert" oder sonstwas. Das ist IHRE Geschichte.
Es ist sehr schwer, sich unabhängig von der Sucht der Eltern zu sehen. Das ist ja das verwirrende, Alkoholismus ist immer auch eine Familienkrankheit. Jeder ist Teil eines Mobiles, das im Raum schwebt.
Ich habe mich da rausgenommen und halte Abstand.
Meinen Wert habe ich entdeckt und meine Unabhängigkeit gefunden. Meine Stärken sind mir bewußt geworden. Ich darf so sein wie ich bin, sie darf aber auch so sein wie sie ist! Ihren Lebensweg habe ich zu akzeptieren, selbst wenn ich aus der Ferne lange einfach fassungslos nur war, wie man so leben kann. Das ist IHRS. Und meins ist, mich um mich zu kümmern. Sie könnte jederzeit zu einem Arzt gehen und sich helfen lassen. Es ist ihre Entscheidung, es nicht zu tun.
Viele Grüße, Linde