Hallo Zampano,
bei mir war es so, daß der Vater bei der alkoholkranken Mutter geblieben ist. Er lebte uns vor, wie ein guter Co funktioniert: vertuschen, schweigen, Gefühle runterschrauben... Er hätte mit uns zu einer Suchtberatungsstelle gehen können. Hat er aber nicht. Die Verhältnisse sind seit über 40 Jahren einzementiert. Ich erlebe meinen Vater trotzdem als abwesend, weil er eben NICHT für mich da ist. Er ist wie innerlich aus der Situation ausgestiegen...
Dein Vater hat sich zum Gehen entschieden. Ohne dich. Sowas erschüttert Kinder bis in die Grundfesten und wirkt sich auf das weitere Leben aus. Gut, daß du diesen starken Schmerz jetzt anschauen kannst.
Ich hab in meiner Biographie unsäglichen Schmerz erfahren. Aber ich habe gelernt, ihn in mein Leben zu integrieren.
Manchmal, wenn es mir HEUTE nicht gut geht, dann frage ich mich: Ist das gerade der aktuelle Schmerz oder ist es die Erinnerung an einen ALTEN Schmerz...? so konnte ich schon vieles für mich auflösen, wurde wieder handlungsfähig im Heute.
Die Eltern trafen ihre Entscheidungen aus ihrer aktuellen Lebensituation und aus ihrer jeweiligen Biographie heraus. Das haben wir zu akzeptieren. Leider sind dabei oft für uns sehr schmerzhafte Erfahrungen daraus erwachsen. Aber eine schmerzfreie, glatte, perfekte Biographie gibt es wohl nie. Es gilt, die Erfahrungen zu integrieren und zu verwandeln.
Hier noch ein weiterer Buchtipp: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…elbsthilfeun-21 Auch das 2. Buch "Um die Kindheit betrogen" ist sehr hilfreich.
Lieber Gruß, Linde