Hallo Claus,
er muß sich ja seine Welt und seine Entscheidung für den Alkohol "schönreden" um weitertrinken zu können. Und je deutlicher und konkreter und druckvoller man als EK die Thematik anspricht, desto heftiger fällt die Gegenbewegung der nassen Eltern aus.
Meine Mutter hat zu immer abstruseren Antworten gegriffen, wenn ich etwas zu ihr sagte. Und mir fiel irgendwann auf, daß sie erheblich mehr trank, wenn ich da war bzw. mit ihr geredet habe. Jetzt wo du es schreibst - ich bin am Schluß auch nur noch früh am Vormittag und auch nur mit Anmeldung hingefahren...
Was sie innendrin "wegsaufen" muß, weil sie es nicht aushalten kann, das liegt in ihrer Biographie versteckt. Es ist ihre Entscheidung nicht aufzuarbeiten, sondern zu sich wegzusaufen. Das hatte ich zu akzeptieren, auch wenn es mich traurig machte.
Ich halte mich da jetzt heraus, habe den Kontakt einschlafen lassen. Jegliche Appelle nützen nichts, schlechtes Gewissen einreden nützt nichts, Druck machen nützt nichts, ich habe den Eindruck, man forciert alles nur noch... Sucht kann man auch nicht von außen mit Logik und Argumenten oder Apellen durchdringen, es geht einfach nicht.
Ich kann deine Trauer sehr gut nachempfinden, ich kenne solche Gespräche und ich weiß noch, wie fassungslos ich selber war bei manchen Antworten. Meine Mutter ist medizinisch fit, es war ihr Beruf. Als ich sie mal auf ihre Ösophagusvarizen und die möglichen Komplikationen angesprochen habe, da kam eine derart verquere Antwort, da war ich platt. Ich mache das einfach nicht mehr. Weglassen. Es belastet mich zu sehr.
Wichtig ist, daß ICH mich nicht aufgebe. Ich bin in einem derart destruktiven Umfeld aufgewachsen, da hab ich genug Baustellen in mir selber.
Herzliche Grüße, Linde