Zitat
........ungeheure Leidensfähigkeit haben, in einer unguten Situation sitzenzubleiben, ohne irgendwas zu machen. Es wäre vielleicht gar kein grosser Akt, aber die Angst vor Veränderung ist zu gross. Ich habe die Angst mitbekommen und jetzt ist es schwer, dagegen anzukämpfen.
Gerade bei Sonnenstrahl entdeckt und wie ich finde auch ein Merkmal für ein EK.
Boah, was konnte ich alles aushalten! Und auch noch stolz drauf sein. Und bloß nicht Nein sagen in der Firma, in der Familie... kein Problem, immer noch oben draufpacken auf's kleine EK, das schafft das schon.....
Mich über die Leistung definiert oder die Arbeitsmenge oder die Geschwindigkeit. Wenn ich alles packe, wenn ich die Schnellste, Beste, Tollste bin, dann werde ich vielleicht wahrgenommen und wertgeschätzt.... Fehlanzeige. - Nächster Versuch, noch mehr draufpacken, noch mehr an die Grenzen gehen, noch mehr Leiden, irgendwer MUSS doch mal mein Leid wahrnehmen und mich auf die Situation ansprechen! - Kommt aber keiner..... - Also noch mehr leiden... usw.
Da war keiner, der mir von außen sagte, DAS ist zu viel, DAS ist nicht in Ordnung, DAS ist krank, DAS ist nicht normal. Da ich nicht wirklich Vergleichsmöglichkeiten hatte, mußte ich davon ausgehen, daß MEINE häusliche Situation vollkommen in Ordnung ist, so schräg und überforderd sie sich auch anfühlte. Ich gewöhnte mich ans Leid, hielt es für normal. Jahrejang in einer häuslichen Situation gefangen, die in sich erstarrt war, da gab es keinerlei Entwicklungen. Abgeschottet nach außen, alle kindlichen Wachstums- und Veränderungsimpulse wurden versucht zu zerstören oder einfach ignoriert. Daher also nie eine positive Bestätigung erfahren, daß Veränderung und Entwicklung - selbst wenn man sich erst mal ins Neuland begibt - etwas Tolles sein kann. Erstarrung der kompletten Familie, um dem Alkoholiker das Saufen weiter zu ermöglichen.
Wenn ich andere wegen wer weiß was rumjammern hörte, da war ich fassungslos, wie man wegen solcher Nichtigkeiten überhaupt den Mund aufmachen kann. Jammern fing bei mir erst an, wenn ich halbtot in der Ecke lag, nein, nicht mal dann. Da stieg ich innerlich aus und war nicht mehr dabei.
Die Leidensfähigkeit ist riesengroß, eine wichtige Ausnahme gibt es bei mir: nie wieder körperlichen Schmerz! IMMER Spritzen beim Zahnarzt z. B., da mache ich gar keine Experimente, mein Körper hat genug gelitten.
Für's Seelenleid hab ich die letzten Jahre so einen Hauch einer Ahnung bekommen, WIE schlimm es gewesen sein muß bei mir. Jetzt, wo ich "wach" bin und Biographien vergleichen kann, jetzt wo ich die Erinnerungen mit Hilfe der Traumatherapie integrieren konnte.
Wichtigstes Wörtchen auf dem Weg ist das Wort "Nein!" Ein Gefühl zu entwickeln für die eigene Stärke und die eigene Grenze, sich abgrenzen, sich für Überforderung schützen. Ich bin auch nicht für alles um mich herum zuständig, gut zu wissen wo meins aufhört und das der anderen anfängt.
Gruß, Linde