Liebe Susi,
andere Kinder sind auch krank und die Eltern fangen deswegen nicht an zu trinken.
Du bist nicht schuld, du bist nicht verantwortlich für seinen Alkoholismus.
Du wirst deinen Vater so oder so verlieren. Alle Eltern sterben. Irgendwann. An irgendwas. Das ist so. Es ist seine Entscheidung, sein Leben zu verkürzen, seine Lebensqualität zu verschlechtern, indem er trinkt.
Bei der Familienkrankheit Alkoholismus schafft es der Alkoholiker, die Rollen zu vertauschen. In einer suchtstrukturfreien Familie sind die Eltern für die Kinder da, immer, nicht nur wenn sie mal krank sind. Sie leben ihre Verantwortung als Eltern. In der suchtstrukturkranken Familie wird das alles umgedreht.
Da fühlt sich auf einmal das Kind zuständig, verantwortlich, schuldig. Da meint das Kind, daß es die Eltern retten kann, wenn es nur genug strampelt, hilft, bleibt, tut. Es übernimmt Verantwortung, Kredite, putzt die Kotze weg, räumt die Flaschen auf, vertuscht alles schön, damit die Nachbarn nicht reden... all sowas und vieles mehr tun Kinder, je weiter die Alkoholkrankheit fortschreitet.
Wenn du mal lesen magst, es hat da zwei sehr gute Bücher:
https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…tz&sprefix=woit
Woititz - 'Um die Kindheit betrogen' u. 'Sehnsucht nach Liebe u. Geborgenheit'
Für bissel Liebe tun wir EK alles.
Der entscheidende Punkt ist, daß wir darauf kommen, daß wir die uns selber geben können. Unabhängig werden in diesem Punkt, das macht innendrin frei und handlungsfähig für unser eigenes Leben.
Wenn man losläßt, hat man Angst vor der Lücke, der Leere, dem Verlust. Aber woher willst du wissen, ob in dieser Lücke nicht eine schöne Blume blüht?
Linde