Hi,
spannendes Thema bei Freizeitgestaltung...
Ich denke mal, daß das Problem bei der Wut die Angst vor der Wut ist. Ich als EK bin "gedeckelt" aufgewachsen, sprich: Gefühlsäußerungen jeglicher Art waren unerwünscht. Wenn dann doch mal eine ihren Weg aus mir herausfand, gleich welcher Art von Gefühl, dann wurde das übersehen, überhört, ignoriert, bestraft oder sonstwas.
Keine Chance, in so einem ignoranten Umfeld die eigenen Gefühle kennenzulernen. Wie auch? Wichtig ist ja für einem selber, was sind 'angemessene' Gefühlsäußerungen? Wieviel Gefühlsausdruck 'paßt' jetzt zu dieser oder jener Situation. Keine Ahnung, woher auch.
Durch diese quasi Unerfahrenheit zu den eigenen Gefühlsregungen, traut man sich immer weniger, die Gefühle auszudrücken. Positiv bewertete Gefühle geht ja noch, aber Wut? Nee, die ist tabu...
Wichtig ist zu wissen, daß es ERLAUBT ist, dieses Gefühl überhaupt haben zu dürfen, auch wenn jahrelange elterliche od. eheliche Gehirnwäsche versucht haben, uns das Gegenteil einzutrichtern.
Wie wäre es, wenn wir nicht nur Tore schießen, Grießbrei kochen und Tanzschritte ÜBEN würden? Mal ausprobieren, was so geht? Mal antesten, wie ich mich dabei fühle? Wieviel von der Zutat, wieviel Bewegung, wie lange, wie laut, wie oft, wie heftig...?
Ich hab's probiert, meist aus innerer Unruhe heraus, ohne genau zu spüren, was das überhaupt ist, was mich unruhig macht. Im heutigen geschützen Umfeld - eine ruhige Ecke, Minute gibt es ja immer, wenn man es will - da kann man Wut probieren. Aus einem Tanz heraus zum Beispiel. Ich tanze und tanze und lasse zu was kommt, die Bewegung wird immer heftiger und ich auch. Dann trete ich, stoße ich, stoße vielleicht sogar Atem aus, Vokale aus, Worte aus.... NEIN ist ein gutes Wort!
Ich zerriß schon Zeitungen. Unterwegs kicke ich als mal Zeug durch die Landschaft, aber hallo! Und Steine ins Wasser schmeißen, mal so richtig dicke Dinger, weg damit!
Das kann alles sehr heftig werden. Ja! Gut! Dann aber mit der Zeit die Bewegungen kleiner werden lassen, ruhiger atmen, leiser werden. Ruhig werden. Ruhig sein. Und gut auf sich aufpassen danach. Hinterher kann sich Erschöpfung einstellen oder Weinen. Gut.
Mit der Zeit entwickelt man ein feines Gespür, was Wut überhaupt ist, man traut sich, sie zu haben und zu leben. Und man spürt, wieviel Wut auf wieviel Reiz angebracht ist, daß es sich hinterher im eigenen Bauch wieder gut anfühlt.
Wichtig ist, die Wut nicht an einem Lebewesen auszulassen, auch nicht an dem, das uns wütend gemacht hat. Denn es ist ja MEINE Wut, der andere ist ja nur da, so wie er ist, vielleicht ein Kotzbrocken, o.k. Aber es ist meine Wut.
Differenzen regelt man effektiver, wenn die Wut erst mal raus ist. Oder aber bevor sie überhaupt auftreten... Da ist klare Ansage dran, BEVOR sich überhaupt so viel aufstauen kann.
LG, Linde