Beiträge von Linde66

    Hallo Mimmi!

    Deine Gedanken kreisen pausenlos um deine Mutter, kann ich in der aktuellen Situation schon auch nachvollziehen bei dir.

    Die Verantwortung für deine Mutter hat aber deine Mutter selbst. Wie sie damit umgeht ist ihre Entscheidung.

    Hast du schonmal hier gelesen? https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…bhaenigkeit.php

    Könntest du dir vorstellen, den Fokus wieder auf dich und dein Leben zu richten? Klingt vielleicht wie Egoismus... Aber du kannst hier und heute nur eines tun: DEIN Leben leben. Nicht das deiner Mutter...

    Lieber Gruß, Linde

    Hallo Strickmütze! (was für ein toller Nick! :D )

    Erst mal herzlich Willkommen im Forum und hier bei uns EK. Wenn du dich hier durch einzelne Threads liest, wird dir vieles bekannt vorkommen... Du bist nicht alleine.

    Als ich eben deinen Beitrag gelesen habe, dachte ich: so war ich auch mal! Genau dieselben Muster.

    Ist ein ziemliches Stück Arbeit, die alten Muster über Bord zu werfen! Aber mit der Zeit kriegt man es hin. Also nicht verzwatzeln!

    Schreib weiter hier, ich freu mich schon auf den Austausch mit dir.


    Liebe Grüße, Linde

    Hallo Manfred!

    In meinem Thread hast du mich gefragt, ob mich meine Eltern mal aggressiv angegangen sind, seit ich klar Position bezogen habe. Will dir hier antworten.

    Hab einige Zeit darüber nachdenken müssen. Und heute kam ich mal an ein abgrundtief trauriges Gefühl ran, weiß aber gar nicht mehr genau was konkret. Ach ja, jetzt weiß ich es wieder. Ich schreib es dir.

    Also Schläge oder Anschreien nicht.

    Wenn man aber Aggression bissel weiterfaßt, dann eigentlich ja. Ja, sie wurden aggressiv.

    Ich schreib mal von einer für mich absolut schlimmen Szene vor einiger Zeit. Es war auf dem Gelände. Es ging zum x-ten mal um die Hofübergabe und mein Nein. Ich wurde immer verzweifelter, daß er mich nicht verstehen wollte, ich argumentierte, ich zeigte meine Gefühle... Bei jedem wäre die Botschaft angekommen, bei ihm nicht. Ich war außer mir. So emotional ihm gegenüber war ich fast noch nie. Jedenfalls begann er zu lachen.

    Er lachte und lachte. Und das machte mich vollends fassungslos. Ich sprach ihn darauf an, wie traurig mich das macht. Und ich merkte, wie wütend ich wurde. Und ich zeigte die Wut. Ich schrie ihn an, er solle das jetzt lassen, das verletzt mich! Und er lachte einfach weiter. Und lachte.

    O.K., ich war in dem Moment diejenige, die laut wurde, aber die Aggression ging von IHM aus. Er lachte mich aus. Mich seine erwachsene Tochter, die weinend vor ihm stand.

    So einer Situation werde ich mich nie wieder aussetzen. Ich werde in den Begegnungen mich davor hüten, eine Angriffsfläche zu bieten.

    Am besten fahre ich damit, wenn ich nix erkläre, nicht viel rede, meine Gefühle nicht so offensichtlich mache. Ich biete keine Angriffsfläche mehr für Verletzungen. Und wenn ich mal was zu sagen habe, dann so wie die Tage: eine glasklare Ansage! Nein, basta, Ende, aus. Genug geredet. Und dann lassen sie mich in Ruhe. Und ich gehe, wann immer es mir danach ist.


    Und meine Mutter?

    Die schweigt. Und schweigt. Manchmal wochenlang.
    Ist das auch Aggression?
    Wie ich da noch gewohnt habe früher, da ist oft wochenlang fast nichts geredet worden, aber die Athmosphäre war so voller Spannungen, da hätte ein Funke genügt und alles wäre explodiert. Und ich hatte Magenweh als Kind.

    Nicht gelebte Aggression wird zu Autoaggression (Schmerz). Damit meine ich folgendes: ich litt wie Hund unter den Spannungen. Konnte aber nirgends raus mit meinen Gefühlen. Die Wut auf die Eltern! Auf seine Übergriffe, ihr Schweigen u. Weggucken. Und meine Wut hat sich dann in mir drin Bahn gemacht und wurde zu Autoaggression u. Schmerz. Magenschmerzen, Rückenschmerzen, Regelschmerzen, Kopfschmerzen. Ich fand einfach keine Möglichkeit für meine Gefühle aus mir heraus. Wie auch in diesem lebensfeindlichen Umfeld?!

    Also habe ich somatisiert. Der Körper drückte fortan in seiner Körpersprache die inneren Regungen aus.

    Jetzt kann ich selber meine Gefühle leben, da brauche ich dem 'Umweg' über die Krankheitsymptome nicht mehr. Nur selten, wo mein Körper mir Symptome schickt und sagt: guck mal hin! Da klemmt was. :wink:

    Linde

    Hallo liebe gatita!

    Ganz schön viel.

    Ich kann nur für mich sprechen: mir wäre es zu viel.

    Ein Mann, der noch nicht frei ist für mich? nein, das würde ich nicht wollen. Und man muß immer auch im Hinterkopf haben, daß du für ihn eventuell unbewußt ein Hilfsmittel bist, um sich aus seiner Ehe zu lösen. Mehr vielleicht gar nicht... Ich weiß es ja nicht, aber oft ist es leider so.

    Ich mag Männer, die stabil und lebendig sind in ihrem Singledasein. Und sich DANN in mich verlieben!

    Schreib mal mehr, vielleicht sortiert es sich dann für dich.

    Fühl dich umarmt!

    Alles Liebe, Linde

    Hallo liebe marci!

    Erst mal herzlich willkommen, bzw. wieder willkommen hier im Forum. :D

    Zitat

    Es lohnt sich nicht, seine eigenen Ideen und Wünsche für jemand anderen aufzugeben.

    Damit hast du völlig recht! Wichtig für uns erwachsene Kinder ist es, den Blick auf uns selber zu lenken. Es kommt uns vielleicht wie Egoismus vor, aber es ist das Einzige, was wir tun können.

    Schuldgefühle haben viele EK's. Lange genug wurden sie darauf "programmiert", die Verantwortung für die Eltern zu übernehmen und sich schuldig zu fühlen für Mißstimmungen in der Familie...

    Der alkoholkranke Familienangehörige ist für sich selbst verantwortlich. Ob er sich für's Leben oder die Flasche entscheidet ist seine Sache. Wir aber können für uns was tun, für unser Leben.

    Wenn du magst, kannst du gerne hier ein wenig mehr über deine aktuelle Situation schreiben. Wie geht es dir jetzt?

    Gut finde ich, daß du dich in deiner Therapie so wohl fühlst. Ein Therapeut kann einem durch so eine Zeit begleiten.

    Liebe Grüße erst mal,

    Linde

    Die Zeit

    Die Zeit ist ja da. Ich kann sie mir nehmen, für mich. Ich kann sie mir wegnehmen lassen von Zeitdieben. Ich kann aber auch Zeitdiebe entlarven und mich nicht mehr länger mit ihnen befassen.

    Ich hab alle Zeit der Welt. Früher habe ich irgendein Bedürfnis gespürt, und habe sofort begonnen zu essen. Heute spüre ich ein Bedürfnis, und wenn ich mir nicht so genau sicher bin, worum es eigentlich geht, dann WARTE ich einfach ein wenig ab. Ich kann jetzt warten, bis sich etwas von alleine klärt. Die einfachen Dinge: habe ich Hunger oder Durst? Habe ich Hunger auf süß, kalt, salzig, viel, wenig... Die schwierigen Dinge: werde ich wieder richtig arbeiten können? was mache ich beruflich, wenn meine Knochen nicht mehr richtig zusammenwachsen? Ich werde es sehen. Ich bin gelassen. Und habe das Selbstvertrauen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn es erforderlich ist.

    Das was heute und hier für mich dran ist zu leben, zu tun, zu lassen, genau das lebe, tue und lasse ich.


    Meine Arbeitszeit. Die Kollegen hetzen, beeilen sich. Damit sie nach der Arbeit mit ihrem Leben anfangen können. Die Kollegen freuen sich auf ihren Urlaub und ihre Rente. Meine Arbeitszeit ist auch meine Lebenszeit. Ich atme oft bewußt aus. Lasse los. Ich genieße es, unterwegs zu sein. Ich nehme die Menschen, mein Umfeld bewußt wahr. Während ich arbeite habe ich so viele unterschiedliche Eindrücke, Begegnungen, Begebenheiten, ich empfinde das als Bereicherung. Mein Leben ist JETZT und eben nicht DANACH...


    Meine Zeiteinteilung. Nachts um 2 putze ich die Fenster. Warum nicht? Sonntags rupfe ich Gras auf der Terrasse. Warum nicht? Ich schlafe manchmal tagsüber und bin nachts wach. Warum eigentlich nicht? Ich nehme mir für etwas oder jemanden lange Zeit und 'wichtige' Dinge, wie z.B. Haushalt bleiben liegen. Warum mal nicht? Es ist doch meine Zeit.


    "Verlorene Zeit" und "gewonnene Zeit". Mir wurde eingeredet, daß es verlorene Zeit sei, das Abijahr zu wiederholen. Nein war es nicht. Dann das Jahr, in dem ich Praktika machte. Es war nicht verloren, sondern gewonnen. Meine Tiere seien Zeitverschwendung! Nein, sind sie nicht. Sie sind eine Bereicherung für mich. Ich habe eine große Kiste voller Lebenserfahrungen gewonnen. Und gelebt.

    Ich solle dies oder jenes so schnell wie möglich hinter mich bringen, dann hätte ich Zeit gewonnen. - Wirklich?


    Zeiteinteilung, anders gesehen: Ich wünsche dir trockene 24 Stunden. Ich wünsche dir lebendige 24 Stunden. 24 Stunden kann man schaffen, auch wenn drumherum die Hölle los ist. Aber manchmal sind 24 Stunden zu lang. Dann: 60 Minuten kann man schaffen! 60 Minuten gehen immer. Kleine Takte, kleine Schritte.


    Wir erleben nur die Gegenwart - nichts sonst.


    Linde

    Hallo lieber Manfred!

    Ich wäre ja echt gerne Mäuschen gewesen, als du deinen PC angemacht hast und in deinen Thread geguckt hast! :shock: Soooo viele Kultbäumchen und Pyramiden... he, mir sind in diesem Zusammenhang noch die Strohsterne eingefallen. Also die selbstgebastelten. Mit Nähgarn zusammengeknotet oder mit Kleber zusammengeklebt. Und von der Oma JEDES Weihnachten aus der Weihnachtsschachtel wieder rausgeholt worden.

    Mußte grad ganz tief durchschnaufen. Tut gut, sich an sowas Schönes zu erinnern.

    Liebe Grüße und einen schönen Adventssonntag wünscht

    Linde

    Im Keller in der Waschküche in der Supermarktfamiliengroßpackung Waschmittelpulver.

    Hab ich als Kind mal zufällig entdeckt und hab den Schock meines Lebens gekriegt. Habe damals nicht begriffen, was ich da sehe. Nie nach Verstecken gesucht. Auch heute nicht. Ich will's gar nicht wissen. Wenn ich nur daran denke, wie sie 100 mal am Tag pfeifend - damit es keinem auffällt :roll: - in den Keller gegangen ist... und nicht zu mir, obwohl ich gerufen habe... Schei***

    Inzwischen ist sie so hinfällig, daß die Schnapsvorräte im Abstellraum deponiert werden, da muß sie nicht extra in den Keller...

    Linde

    Hallo liebe Alpenrose!

    Am 21. Dezember ist Sonnenwende. Ab da werden die Tage wieder länger.

    Mir helfen ja oft so kleine "Rituale", die ich in meinen Alltag einbaue. Vielleicht kannst du ja an dem Sonnwendtag ganz für dich ein Ritual dir einfallen lassen und gestalten.

    Sonnenwende, Schattenwende, Licht, Feuer, Wendepunkt...

    Viele Grüße und eine trockene und schöne Zeit!

    Alles Liebe von Linde

    Hallo ihr Elektrokultbaum-Freunde!

    DEN GAB'S BEI BEI MEINER OMA AUCH!!!!!

    Und dank dir Manfred hab ich mich grad wieder dran erinnert... Schöööön.

    Damals fand ich's furchtbar. Und furchtbar kitschig noch dazu. Und in meiner Umweltschutzaktivistenzeit hab ich mich bald nicht mehr eingekriegt, wegen all dem Plastik an Weihnachten.

    Und heute? :D8):lol:

    Ich glaub, ich werde mich ins Getümmel stürzen, und auch einen kaufen...

    Linde

    Liebe Lulija!

    Es ist gut, daß du das alles aufgeschrieben hast.

    Bist du heute abend etwas zur Ruhe gekommen? Ich wünsche es mir für dich.

    Du hast das Schweigen gebrochen. Das ist gut.

    In den Jahren hat sich so vieles angesammelt. So wie es dir danach zumute ist, schreibe einfach weiter.

    Liebe Grüße und auch von mir Herzlich Willkommen!

    Linde

    Hallo Manfred!

    Ja, die Angst hat mich auch sehr lange begleitet. Letztes Jahr noch hatte ich ein sehr aufwühlendes Erlebnis.

    Mein Vater stand plötzlich unangemeldet hier vor meiner Haustür. Er hat geklopft, mehrfach, denn mein Auto stand vorm Haus. Ich lugte hinter der Gardine nach draußen und es zog mir die Beine weg vor Panik! Ich klappte regelrecht zusammen, ich versteckte mich, bibberte auf dem Boden bis er wieder weg war.

    Ich hatte nie damit gerechnet, daß er hierherkommt. Es sind etwa 30 km, und er hat mich hier zuvor noch nie besucht... Ich war völlig gelähmt und hatte Angst. Unmöglich, ihm in dem Zustand aufzumachen. Ich wollte ihn auch keinesfalls in meine Wohnung lassen!

    Die Eltern haben nur so viel Macht, wie man ihnen gibt. Ich geb ihnen keine mehr. War aber ein langer Weg dahin.

    Zitat

    Schade, dass Roa und Weitsicht und die anderen nicht mehr schreiben.


    Ist mir auch schon aufgefallen. Manfred, du hast sooo viel zu geben! Wenn ich deine klugen und wertschätzenden Beiträge in meinem Thread lese, dann bringt mich das immer weiter! Ich schätze den Austausch mit dir sehr. Wer weiß, vielleicht vermissen sie DEINE Beiträge bei SICH in IHREN Threads... es geht ja um den Austausch.

    Ich vermisse sibi ganz doll. Sie hat sich glaube ich komplett zurückgezogen. Und gatita taucht wohl gerade wieder aus dem Dschungel auf. Freut mich.

    Liebe Grüße, Linde

    Hallo Maik!

    Zitat

    Deswegen gab es für mich seit dem letzten Jahr auch keine Veranlassung hier Hilfe zu suchen...


    Du hast also ein Jahr verstreichen lassen in der Hoffnung, daß sich deine Probleme in Luft auflösen? Und jetzt, 2 Wochen vorm bedeutungsschwangeren Termin kommst du ins Forum?

    Du kannst wirklich nur darauf schauen, daß du dich selber schützt. Wenn deine Mutter sich betrinken will, dann wird sie das tun. Bleibe dem fern, wenn du - wie du schreibst - damit nicht leben kannst. Wer von uns kann das schon?

    Zitat

    Sich selbst schützen und den Seelenfrieden/Familienfrieden zu wahren ist genau mein Dilemma. Ich kann nicht beides haben.


    Ich denke mal, daß der von dir angesprochene Seelen- bzw. Familienfrieden der Versuch ist, den Schein zu wahren... Echter Frieden sieht wohl anders aus.

    Und "haben" kannst du nichts. Du kannst aber etwas für dich TUN!

    Wie möchtest du dir für dich die Feiertage gestalten, daß es für DICH ein schönes Fest wird? Eventuell mit deiner Schwester, oder mit Freunden..?
    Du mußt da nicht hingehen. Du hast die Wahl. Und du kannst das für dich so gestalten, daß es dir gut geht. Oder fühlst du dich irgendwie verpflichtet dazu beizutragen, den schönen Schein zu wahren?

    Gruß, Linde

    Hallo Thomas,

    das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit kenne ich zu gut...

    Ich bin 42. Das erste mal bewußt wahrgenommen, daß meine Mutter trinkt, habe ich mit 12. Das war vor 30 Jahren! Und getrunken hat sie sicher vorher auch schon.

    Sie hätte in der Zeit jegliche Hilfe annehmen können. Hat sie aber nicht. Sie hat sich für ihren Weg entschieden. Dieses Gefühl, das du beschreibst von der Wand, das kenne ich. Wir als Angehörige haben keine Chance gegen den Alkohol anzukommen. Meine Mutter hat sich für die Flasche entschieden und gegen ihre eigenen Kinder. Sie läuft rum wie ferngesteuert.

    Ich wünsche mir für dich, daß du sehr bald wieder den Fokus auf dich selber richten kannst, auch daß du innerlich und auch aktiv wieder mit deiner Freundin zusammensein kannst. Deine kleine Familie ist jetzt wichtig. Lies und schreib vielleicht auch weiter hier, denn das hilft beim Sortieren des inneren Gefühlschaos. Mir jedenfalls geht es so. Wenn ich als voller innerer Zweifel bin, und das hier aufschreibe, dann klärt sich vieles einfach schon während des Schreibens. Den Austausch hier schätze ich sehr.

    Warum meine Mutter sich für die Betäubung durch Alkohol entschieden hat, ahne ich. Aber es ist ihre Entscheidung, eben nicht in einen Entzug bzw. Therapie zu gehen. In den Threads der Alkoholiker kann man immer wieder vom persönlichen absoluten Tiefpunkt lesen. Bei dem unten angekommen, ergreift der eine die Chance und nimmt jegliche Hilfe an um trocken zu werden. Und der andere? Säuft weiter.. Es ist eine tödlich verlaufende Krankheit, wenn sie der Alkoholiker nicht selbst zum Stoppen bringen will. Leider ist das so. Zwangsmaßnahmen von außen bringen bestenfalls eine Trinkpause, aber keine nachhaltige Abstinenz.

    Wegen der Feier höre auf deinen Bauch und besprich dich mit deiner Freundin. Ihr seid jetzt eine Familie. Das macht eure Entscheidungen tragfähiger.

    Liebe Grüße, Linde

    Heilig Abend ist mir heilig.

    Deswegen nehme ich - wie an allen anderen Tagen des Jahres - mein Leben in die Hand, und gestalte die Tage so, wie ich es möchte.

    Und da ich ein suchtfreies Umfeld haben möchte, lasse ich mein Elternhaus weg. Warum sollte ich an diesen Tagen damit eine Ausnahme machen?

    Warum sollte ich deren Befindlichkeit über die meinige stellen?

    Ab und zu, an weniger "bedeutungsschwangeren" Tagen sehe ich meine Eltern. Aber auch diese Begegnungen lasse ich mir nicht mehr aus der Hand nehmen und gestalte sie, wie es für mich stimmt.

    Liebe Grüße, Linde

    Hallo Manfred!

    Thema Zahnschmerz.

    Konntest du inzwischen in die Schmerzklinik? Ich bin auch froh, daß es sowas überhaupt gibt! Manchmal haben die eine Schmerzambulanz-Abteilung.

    Bei meiner Zahnärztin lasse ich mir IMMER eine Spritze geben. Sie weiß bescheid und spritzt auch ohne Diskussionen mal nach, wenn die Sitzung länger dauert und ich darum bitte.

    Dadurch, daß ich jahrelang NICHT zum Zahnarzt ging, hab ich mir mein Gebiß ziemlich ruiniert und hatte jahrelang Schmerzen! Ich hab mich lieber tagelang mit wahllos gekauften Schmerztabletten zugedröhnt, nur um den Termin hinauszögern zu können... Wie blöd ich war. Naja, eher so: wie panisch ich war. Ich hatte panische Angst, mich auszuliefern, hilflos einer Person ausgeliefert zu sein..

    Die Zahnarztsituation triggerte mich. Ich rauschte durch das Zeitfenster und fand mich gefühlmäßig in der alten Mißbrauchssituation wieder... Das war mir lange nicht bewußt, und daher wollte ich die Situation einfach nur verhindern. Aber die Schmerzen brachten mich auf den Punkt! Entweder ich gehe jetzt da hin, oder ich ruiniere meine Nieren mit den Tabletten! Alle meine Ärzte habe ich durch Ärztinnen ersetzt: Hausärztin, Gynäkologin, Zahnärztin.. Damit geht es mir besser und ich habe das Gefühl einer Begegnung auf Augenhöhe. So ist die Gefahr nicht so groß, daß ich wieder die alte Mißbrauchssituation assoziiere.

    Dadurch, daß ich jahrelang Schmerzen litt, statt die Zähne endlich mal machen zu lassen, hat sich im Hirn ein Schmerzgedächtnis verfestigt. Diesen Begriff kannst du im Internet mal recherchieren, wenn du magst.

    Bei mir ist es so, daß wenn im Mundbereich bei mir auch nur ein winzig klein bissel was sich im entferntesten nach Schmerz anfühlt, mein Gehirn anhupst und dann beginnt unweigerlich die rasende Fahrt auf der Schmerzautobahn... Der Schmerz verselbstständigt sich. Es ist auch nicht mehr so, daß bissel Zahnweh bissel Schmerzen macht! Nein, bissel Zahnweh löst eine Dominoreihe aus und das Hirn erinnert sich an die alten Schmerzen und feuert und feuert immer mehr Impulse und ich habe Riesenschmerzen, obwohl nur eine winzige Ursache da ist.

    Mich hat dein Narbenschmerz an das was bei mir los ist erinnert. Vielleicht ist das ja bei die ähnlich.

    Ich habe früher in der Chirurgie gearbeitet. Und da habe ich folgendes gelernt: wenn mal ein Eingriff nötig ist, dann sollte der Arzt unbedingt sofort und angemessen Schmerzmittel verabreichen, damit sich beim Patient eben nicht dieses fatale Schmerzgedächtnis einstellt! Sonst hat der möglicherweise für den Rest seines Lebens Phantomschmerzen! Und die sind oft unglaublich stark. Die Wunde ist längst verheilt, alles ist "eigentlich" gut, aber die Schmerzen sind da, sind von der alten Ursache losgelöst.

    Meine Ärztinnen wissen alle um meinen Mißbrauch. Und um die Schmerzen, die ich dabei hatte. Und was das bis heute für Auswirkungen hat. Daher werde ich heute sehr gut - wenn es denn einmal sein sollte - auf Schmerzmittel eingestellt, damit das Schmerzgedächtnis nicht wieder anspringt. Und selbstverständlich wird die Ursache der Schmerzen behandelt.. Heute gehe ich sofort zur Ärztin!


    Wie fühlt sich dissoziieren an? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Das ist auch der Grund dafür, daß ich ein paar Tage nicht bei dir geschrieben habe. (naja, einer der Gründe :wink: , hast ja sicher gemerkt, daß bei mir ziemlich was los war...)

    Ich hab den Zustand immer wie einen Nebel empfunden.

    Ich seh nicht klar, ich höre alles nur wie durch Watte.

    Ich spüre mich nicht körperlich. Ich spüre keine Schmerzen.

    Und das ist ja schon der Sinn der Dissoziation: nichts mehr zu spüren. Nichts mehr wahrzunehmen. Aus der aktuellen Situation auszusteigen.

    Wenn man einen Autounfall hat, dann ist es so, daß man sich meistens genau erinnert, was vorher war. Dann "wacht" man auf, und ist wieder in der Ist-Zeit. Aber die Ereignisse beim eigentlichen Unfallzeitpunkt sind vom Gehirn gelöscht! Es ist ein Schutzmechanismus des Gehirns, das ein traumatisches Ereignis aus dem bewußten Gedächtnis löscht, um uns vor Überforderung zu schützen.

    Nur ist es so, daß das traumatische Ereignis, was immer das ist, zusätzlich in unserem Körpergedächtnis gespeichert ist. In jeder Körperzelle. Jede meiner Körperzellen kann sich gegebenenfalls "erinnern", wie es war, als ich gerade mißbraucht wurde. Ein Geruch, ein Geräusch, ein bestimmter Stoff oder eine bestimmtes Lichtverhältnis in einem Raum... das Körpergedächtnis "erinnert" sich heute, und in mir drin beginnt eine Kettenreaktion. Ich bin HEUTE einem bestimmten Geräusch ausgesetzt, was der alten Situation ähnlich ist, und mein Körper beginnt, die ALTEN Schutzmechanismen in Bewegung zu setzen:

    nichts mehr spüren, aussteigen, erstarren, passiv werden, keine Reaktionen mehr zeigen, warten bis die Situation von selber rumgeht, nicht mehr selber handeln, Wattegefühl, Nebelgefühl, neben-sich-stehen, sich selber zuschauen und nicht eingreifen können, alles über sich ergehen lassen, schweigen, bzw. reden wie "ferngesteuert"...

    Und irgendwann "erwache" ich aus dem dissoziativen Zustand. Dann, wenn die Situation, die der traumatischen Situation von damals ähnlich war, vorüber ist. Da ich jahrelangem Mißbrauch schon von frühester Kindheit an ausgesetzt war, hat mein Gehirn entsprechend viele und lange Zeiträume gelöscht. Mir fehlen ganze Jahre. Das ist jetzt keine Übertreibung. Und ich bin froh darum, daß es so ist. Ich habe jahrelang in dissoziativem Zustand gelebt. Damals während des Mißbrauchs war das meine Rettung. Später WOLLTE ich ja lebendig sein und mich spüren, und dann erschreckte es mich total, wenn ich mich plötzlich in einer Dissoziation wiederfand.

    Heute, nach jahrelanger Traumatherapie, spüre ich relativ schnell, wenn ich beginne zu dissoziieren. Und bevor ich völlig aussteige, kann ich meinen 1.-Hilfe-Koffer auspacken. Und versuchen einzugrenzen, was genau mich getriggert hat. Und dann behutsam hinschauen. Welches innere Kind ist betroffen, wie alt ist es, was braucht es JETZT? Ich bringe das innere Kind an einen sicheren Ort und beruhige es.


    Ich hoffe, ich konnte dir deine Frage beantworten. Es ist schwer, über "Nebel" zu schreiben...

    Liebe Grüße,

    Linde

    - Vater zu seiner 12jährigen Tochter: "DU bist schuld, daß deine Mutter trinkt!! Wenn DU nicht immer so altklug daherreden würdest!" - Tochter (ich): :shock:

    - Ich muß Alkohol trinken, weil ich die blutverdünnenden Medikamente nicht vertrage!

    - ICH habe nichts getrunken, DU riechst verkehrt!

    - Es ist ja nichts passiert, die Weinflasche ist ja neben deinem Kopf vorbeigeflogen! (sagt mein Vater zu meiner Oma, nachdem der Opa mal wieder "aktiv" war)

    - nur noch ein kleiner Absacker...

    - Ich hab alles vollkommen im Griff.

    - So gut wie im Moment, ist es mir noch NIE gegangen.

    - stell dich nicht so an!

    - Spaßbremse!!

    - jetzt lass ihn doch, er war im Krieg...