Hallo Manfred!
Das stelle ich mir unheimlich schön vor: ein Fenster, von dem aus man mitten in einen Baum reinschauen kann... (bin Baum-Fan
)
Nee, ich bin nicht im Notzustand, auch wenn mein langes Singledasein manchmal sehr häßlich von Arbeitskollegen kommentiert wurde: die gehört mal wieder richtig .... So Sprüche kamen immer dann, wenn ihren sonst nix mehr einfiel. Denn in meinem Beruf bin ich gut.
Ich hab nochmal in mich reingehört, als du das Thema angeschnitten hast. Ich hab mich gefragt, ob ich mir das Singledasein nur schönrede, oder ob ich die Zeit wirklich für mich nutze und zu schätzen weiß. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, daß ich wirklich zufrieden bin. Ich hatte früher Beziehungen, die jeweils etwa ein Jahr gingen. Dann 15(!) Jahre Singleleben. Dann eine Fernbeziehung von etwa 2 Jahren. Und seit über 2 Jahren bin ich wieder solo. Dann waren ja auch noch die 5 Jahre, in denen ich keinen Kontakt zu meiner Familie hatte.
Ich hab mich wirklich stabilisiert in der Zeit. Habe seit 8 Jahren keinen Fernseher. Ich singe, lese, tanze, male, gehe wandern, bin mit meinen Tieren unterwegs, höre Radio, faulenze, bin im Naturschutzverein, esse u. koche bio, jogge, walke.. Wenn ich passiv wäre und das Singleleben als Schicksalsschlag begreifen würde, wäre ich sicher unglücklich. So aber genieße ich meine freie Zeiteinteilung und pflege nette Kontakte.
Ich kann tun und lassen, was ich will. Und ich tue halt auch was! Das ist wohl der Punkt. Viele sitzen halt nur rum und bedauern sich.
Das mit dem 'schwächsten Glied in der Familie' habe ich hier in einem Thread schon mal gelesen, weiß aber leider nicht mehr wo. Da antwortete eine Frau so ungefähr: eine Familie ist wie ein Mobile. Das Gleichgewicht ist nur da, wenn sich nichts verändert. 1 großes Teil, 2 Kleine; 3 lange, 6 kurze; so ungefähr. Und jeder hat in der Familie (Firma, Verein...) eine bestimmte "Rolle" zugewiesen bekommen. Nur wenn er die spielt, funktioniert der ganze große Rest!
Ist dir schonmal aufgefallen, daß es in JEDER Schulklasse, Firma, Abteilung, Familie, Verein.. EINEN mobber, EINEN Starken, EINEN Schwachen, EINEN Schweinkramerzähler, EINEN Buhmann, EINEN Clown usw. gibt?? Nur so funktionieren Gruppen... Wenn dieser eine in Urlaub, Kur oder Rente geht, gibt es 100% jemanden, der dessen Rolle übernimmt, damit das große Ganze wieder "funktioniert".
In einer bestehenden Gruppe, Familie kann man die zugewiesene Rolle nur sehr schwer verändern. Man hat ja dann alle gegen sich! Daher sollte man, wenn man sich selbst verändert hat eine neue Gruppe suchen, wo man besser reinpaßt. Eine eigene Familie gründen... Nee, die haben dich als DEN Schwachen gebraucht in dieser Familienkonstellation. Warum sollten sie ein Einsehen haben, oder gar Mitleid? Die merken nix. Die funktionieren einfach. Du spürst jetzt den Schmerz, die Trauer, die Verlassenheit all dieser Jahre. Aber bissel stärker noch als am Anfang höre ich auch heraus, daß du Mut faßt, dein Leben in die eigenen Hände zu nehmen, dich den schönen Dingen des Lebens zuzuwenden.
Am Wendepunkt, die Blickrichtung verändern...
Ich denke, die werden vielleicht nochmal antesten, aber dich dann in Ruhe lassen. Das mit dem kurzen Brief find ich gut. Keine Rechtfertigungen. Laß lieber Taten sprechen. Mach ich auch gerade wieder! Werde den Kontakt erneut abbrechen.
Bis dann und Grüße an deinen Baum! Was für einer ist es denn?
Linde 