Hallo Manfred!
Das mit den kleinen Ritualen hab ich aus mir selbst raus entwickelt. Wahrscheinlich war eine meiner Vorfahrinnen eine Hexe oder ein Kräuterweiblein...
Ich bin da mit der Zeit immer mutiger geworden. Damit meine ich nicht, daß ich spektakuläre Sachen mache. Sondern ich höre in mich rein, was denn jetzt gerade paßt, und das mache ich auch, selbst wenn es erst mal bissel verrückt anmutet.
Ich finde es befreiend, wenn ich in einer Art Ritual, kleiner Zeremonie o.ä. einen Wendepunkt in meinem Leben markieren kann. Oder eine bestimmte Lebensphase abschließen kann. Und vor allem: lange zurückliegende Ereignisse für mich selber wenn es für MICH soweit ist endlich abschließen kann. Warum also nicht alte Beeren im Wald vergraben unter einem Baum, an einem Felsbrocken? Oder gammelige Äpfel so weit man kommt in den Fluß werfen?
Ich saß mal viele Stunden am großen Fluß. Ich hatte einen Filzstift dabei. Ich malte die Maserungen der Steine nach. Ließ mich von den verschiedenen Mustern berühren, anregen. Und schrieb Worte auf die Steine. Es war ein sehr sehr schmerzhafter Prozeß. Ich warf die Steine nacheinander in den Fluß und übergab ihm symbolisch den Ballast, der die ganzen Jahre auf meiner Seele lag. Es war ein Abschlußritual. Danach war ich erschöpft aber auch befreit. Falls mir jemand zugeschaut hat, hat er nicht mehr gesehen als eine Frau, die Steine ins Wasser wirft.
Das folgende habe ich in einem anderen Thread zu dem Thema mal geschrieben, irgendwie paßt es auch hierher:
Ich hab mal unsäglich getrauert um ein inneres Kind, ein kleines Mädchen, das ich mal war und das mißbraucht worden ist. Ich hab für die Kleine ein Weidenkörbchen gestaltet mit Goldpapier beklebt. Innendrin sind weiße Federchen und Goldfäden. Es ist ein sehr zartes feines goldenes Bettchen geworden. Darin habe ich -symbolisch -das kleine Mädchen geborgen. Wenn jemand in meine Wohnung kommt, denkt er vielleicht, das ist Kunst. Nur ich weiß, was es wirklich bedeutet.
Mir ging es mal nicht gut, das war noch in einer früheren Wohnung. Es war kurz vor meinem Auszug, und der Vermieter führte scharenweise Menschen durch mein Privatleben, weil er das Haus verkaufen wollte. Vorbeugend habe ich auf JEDE einzelne Türschwelle, auf jede unterste Treppenstufe und direkt vor die Haustür einen kleinen weißen Kreidepfeil gemalt, der nach draußen (!) zeigt. Keiner hat's bemerkt und ich hatte das Gefühl: o.k., die trampeln hier rum, aber die gehen auch wieder! und sie können mich im Innersten nicht berühren, selbst wenn sie meine Wohnung betreten haben.
Es muß einfach für einem selbst und für die Situation stimmen. Und wenn man den verrücktesten Phantasien nachgeht, dann ist es individuell und man kommt mit seiner innersten Kraft in Kontakt.
Sich zu schützen ist wichtig. Am alten Arbeitsplatz hatte ich einen Kollegen, der die Frauen ständig mit Schweinkram zutextete. Ich habe mir vorgestellt, daß um mich herum ein Kreis ist, den seine Worte nicht durchdringen konnten. Und mir ging es dann gut. Oder ich stellte mir vor, daß direkt vor mir ein Spiegel steht, die Spiegelfläche in SEINE Richtung, sodaß der ganze Ekelkram zu ihm zurückgespiegelt wurde. Innerlich machte mich das völlig frei.
Gutgehen ist wirklich unabhängig von dem Außenrum, und das ist auch gut so! Sonst sind wir ein Spielball unserer Mitmenschen und Lebensumstände. Nee, für's Gutgehen simmer selber zuständig! ![]()
Donnerstag ist Vollmond. Perfekt für eine Nachtwanderung... ![]()
Liebe Grüße, Linde