Beiträge von Linde66

    Hallo Manfred!

    Ich denke mal, sie laden dich ein, weil sie dich "brauchen". Du hast das ja selber schon so ungefähr formuliert: Du seist der Mülleimer. Ist doch praktisch für sie, wenn sie einen haben, der sich dafür immer wieder (trotz besseren Wissens!!!) hergibt. Ich hab dich schonmal gefragt: wielange willst du dich noch instrumentalisieren lassen? Wieso ziehst du es auch nur in Erwägung, nach allem was sie dir angetan haben, da hinzugehen? Sie haben dir schon so viele Feste verdorben. Wie oft willst du noch hoffen und wieder enttäuscht werden? WER in dir drin hofft da noch?

    Jetzt merke ich gerade wieder die Wut hochkommen. Nicht über dich Manfred, nein über diese Sorte Familienmitglieder, die uns "brauchen" - im Sinne von MISSBRAUCHEN. Das ist einfach nicht in Ordnung.

    Ich kann dir nur aus eigener Erfahrung raten, geh aus der passiven Haltung heraus. Du läßt dich einladen, du läßt alle Forderungen an dich heran, du drehst und windest dich - sagst aber nicht Nein, du hast es so satt und setzt dich trotzdem immer wieder diesen destruktiven Zusammentreffen aus. Man braucht keinen Krieg anzufangen. Es reicht, wenn man solche Situationen und Menschen einfach wegläßt.

    Ich habe nach dem Kontaktabbruch an Geburtstagen, Muttertag, Weihnachten und was es noch so gibt nur noch Postkarten geschrieben. Mit echt wenig Text drauf. Je weniger Energie man in aussichtlose, destruktive Beziehungen reingibt, desto mehr Energie hat man FÜR SICH. Manchmal habe ich noch nicht mal eine Karte geschrieben, wenn mir eben nicht danach war! Basta. Ab und zu (selten) habe ich auch mal angerufen, aber nicht an den "bedeutungsschwangeren" Tagen selbst, sondern vorher oder nachher. An Weihnachten bin ich, wenn überhaupt, nur noch kurz mittags zum Kaffee am 2.Weihnachtsfeiertag hin - NIE wieder an Heilig Abend!

    Heilig Abend ist mir heilig.

    Sag deiner Schwägerin doch freundlich und kurz: "Danke für die nette Einladung, aber ich habe leider schon was anderes vor an diesem Tag." Wenn dann Nachfragen kommen, hälst du dich bedeckt und sagst, das das jetzt zu kompliziert zu erklären ist, ein andermal... Irgensowas. Nur Lügen darf man nicht. Ich bin damit ganz gut gefahren. Du brauchst ja nicht zu sagen, daß du an diesem Tag mit dem Auto in die Waschanlage fahren willst, Hemden bügelst oder mal wieder bei den Schafen vorbeiradeln willst, grins. Du brauchst ihr nichts erklären. Du brauchst nur bei DIR zu bleiben.

    Linde Wüterich.

    Hallo Fabian,

    ja, das gilt auch für deine Schwester und deinen Vater! Wenn ihr euch weiter "hauptberuflich" um eure Mutter/Ehefrau engagiert, dann seid ihr auf dem besten Weg, co-abhängig zu werden! Das ist eine große Gefahr. Lies mal unter diesem Stichwort hier im Forum weiter, dann wird sich das Wort 'Co-Abhängigkeit' noch deutlicher erklären.

    Alkoholismus ist eine Krankheit, die die ganze Familie betrifft, leider. Aber wenn ihr alle darauf wartet, daß eure Mutter/Ehefrau die Sache in Angriff nimmt, dann wartet ihr evtl. jahrelang vergebens. Ich weiß, das tut weh. Meine Mutter trinkt seit etwa 40!! Jahren. Es ist ihre Entscheidung, das zu tun und wir Familienmitglieder können uns und vor allem müssen uns um uns selber kümmern! Damit es UNS gutgeht. Damit wir UNSER selbstgewähltes Leben leben können.

    Vorhin habe ich ja schon den 'persönlichen Tiefpunkt' angesprochen, den manche Alkoholiker erleben. Manche nehmen ihn zum Anlaß, genau jetzt in dieser Minute endlich ihr Suchtproblem anzugehen. Klar hast du Angst, daß ihr was passiert, daß sie sich weh tun könnte, verletzten könnte, wenn sie trinkt und keiner von euch daheim ist. ABER: willst du die nächsten Jahre damit verbringen, auf sie aufzupassen? Wirklich?! Das ist IHR Job! Sie muß auf sich aufpassen. Wenn sie es nicht tut, dann erlebt sie halt auch mal die Konsequenzen: dann wacht sie vielleicht mal in ihrem Erbrochenen auf oder hat 'ne Riesenbeule am Kopf...

    Das ist dann IHRE Chance, sich selbst mal zu betrachten und endlich was für sich zu tun. Was sie daraus macht ist ihre Entscheidung. Dein Vater ist erwachsen und du solltest dir nicht auch noch um ihn Sorgen machen. Auch er ist für sich selber verantwortlich und muß für sich schauen, was ihm in dieser schwierigen Situation am besten helfen könnte.

    Jetzt mal was anderes, was machst du sonst so? Schule, Lehre..

    Grüße, Linde

    Hallo Fabian! Herzlich Willkommen!

    Gut, daß du uns gefunden hast! Wenn du weiter in diesem Forum liest, wirst du feststellen, daß es sehr viele Menschen hier gibt mit ähnlichen Problemen! Aber eine Rucki-Zucki-Pauschallösung wird dir keiner anbieten können, leider.

    Ich bin ja etwas älter als du, aber auch meine Mutter ist Alkoholikerin. Ich kann sehr gut nachempfinden, wie schrecklich die ganze Situation zuhause für dich ist. Es tut unendlich weh, wenn man Menschen, die man ja liebt, in so einem würdelosen Zustand auffindet.

    So schwer es dir fällt, aber versuch bitte, dich zurückzuhalten. Es nützt nichts, deine Mutter zur Selbsthilfegruppe zu "prügeln". Wenn sie nicht freiwillig aus Einsicht dahingeht, kommt der nächste Rückfall mit Sicherheit. Es nützt nichts zu versuchen, ihr das Trinken abzugewöhnen, mit ihr zu streiten, den Alk wegzuschütten (sie kauft frischen), ihre Verstecke zu suchen und zu finden (sie sucht sich neue).

    Alkoholismus ist eine Sucht, die nur der Alkoholiker selbst beenden kann, wenn er es wirklich will. Manche brauchen ihren ganz persönlichen Tiefpunkt dazu. Als Familienangehöriger ist man machtlos.

    Du hast zum großen Glück eine Schwester, bei der du kurzfristig unterkommen kannst. Da dir auch dein Vater in dieser Zeit keinen stabilen Rückhalt bietet, wäre es gut, wenn du bei ihr erst mal 'ne Weile bleiben könntest.

    Weißt du: so wie das Leben deiner Mutter um die Alkoholflasche kreist, so kreist du mit deinem Leben, deinen Gedanken, deinen Gefühlen im Moment um deine Mutter herum, verstehst du?! Das darf nicht sein! Du bist so jung, dein Leben ist ganz am Anfang und du hast das Recht es so zu führen, wie es DIR gut tut! Deine Mutter ist für ihr Leben selbst verantwortlich. Lasse ihr diese Verantwortung, was auch immer sie daraus macht ist IHRE Entscheidung. Das hat jetzt nichts mit Egoismus zu tun, sondern damit, daß du aus einer für dich unerträglichen Situation herausgehst und gut für DICH sorgst.

    Du hast dir den Braunbären als Nick gewählt und das gefällt mir!

    Erst mal viele liebe Grüße,

    Linde

    Hallo Gatita,

    Zitat

    Ich möchte nicht mehr flüchten vor dem Glück, damit es mir schlecht geht, nur weil ich es gewöhnt bin.

    Bingo! Und diesen Satz kann man auf ALLES anwenden! Diesen Satz hab ich soeben auf meiner Festplatte gespeichert... Danke dir.

    kleines P.S.: der liebe Gott hat die Absätze erfunden, könntest du bitte ab und zu einen machen, bitte? Mir verschwimmen die Text-Zeilen vor der Nase... :wink:

    Liebe Grüße von Linde

    Ich geb's zu, ich hab gelacht! :oops: Das mit dem Rennschuh hat mich umgehauen!!!

    Zitat

    Sogar mit unserem ADHS Pflegesohn kommt er klar - wenns ihm zu blöd wird, geht er. Kluger Hund

    und gibt damit mit seinen 2 1/2kg dem Junior eine glasklare Rückmeldung! Auf daß dieser sein Verhalten überprüfe... sowas heißt 'tiergestützte Therapie' und woanders muß man dafür viel Geld bezahlen. grins

    Sibi, genau das ist es doch:

    Zitat

    eigentlich, so finde ich, suchen die Menschen was.

    und anstatt daß sie eben soooooo lange SUCHEN, bis sie gefunden haben, was sie wirklich zufrieden, glücklich usw. macht, bleiben sie in der SUCHT stecken! Sie bedienen sich der diversen Suchtmittel, haben eine kleine scheinbare Befriedigung - aber da sich keine tiefe Befriedigung einstellt, nehmen sie mehr bzw. öfter ihr Suchtmittel in Anspruch.

    Nee, da bin ich doch gerne auf der Suche... Und klarer denn je.

    Einer hat mal geschrieben, weiß nicht mehr wer oder wo:

    Ich mache mich auf die Findung!

    Linde

    Ich mag Schafe! :!::lol::wink:

    Nordstern, ich danke dir für deinen Wutanfall, wirklich! Ich hab das was du geschrieben hast heute nacht noch gelesen. Manfred, es ist so, daß ich leichter für jemand anderes wütend werden kann, als für mich selber.

    Bestes Beispiel: ich weiß nicht, ob du in meinem Thread liest, jedenfalls hab ich da die gestrige Gruselkabinett-Veranstalung mit meiner Familie beschrieben. Und wo war da meine Wut? Keine Ahnung!!!! Ich war nur noch in der Defensive, der alten Ohnmachtsposition. Ich war nur noch am rechtfertigen, erklären, begründen, auf Verständnis hoffen...

    Noch nicht mal hinterher Wut, nur völlige Erschöpfung. Je länger ich hier im Forum lese und schreibe, deste mehr meiner Gefühle trauen sich aus dem Hinterzimmer heraus! Auch die 'verbotenen'. Yippie! Danke für eure Anstupser...

    Manfred, ja sag mal:

    Zitat

    scherwiegenderen Sittenbrüchen

    sowas macht man doch nicht, ts ts ts! grins

    Mäh.

    Sibi,

    das Suchtmuster überzieht die ganze Gesellschaft wie ein unsichtbares Netz. Das befürchte ich inzwischen. Wenn eine/r nicht trinkt, dann ist sie/er wahrscheinlich mit einem Alkoholiker verheiratet. Eßsucht, Spielsucht, I-Net-Sucht, Co-Abhängigkeit, Magersucht, Tablettensucht, Bulimie, Schokoladensucht, Beziehungssucht, Fernsehsucht, Kontrollzwang, Helfersyndrom, Kaufsucht. Hab ich was vergessen? Kennst du jemanden, der WIRKLICH völlig frei davon ist?

    Hey, aber wir sind hier und wir tun was!

    Was hast du denn für einen Hund? :D

    Ich finds Klasse, daß du im Hundesalon nicht gelogen hast! Warum auch?!!

    Liebe Grüße, Linde

    Hallo Nordstern,

    ich find deinen Nick so klasse, daß ich mich immer 'anstrengen' muß, Andrea zu schreiben, grins. Den Nordstern find ich immer gleich am Himmel, bin eine begeisterte Sternguckerin!

    JA, den Austausch hier möchte ich nicht mehr missen!!! Seit ca. 6 Monaten hab ich erst 'nen PC, mittlerweile bin ich ziemlich fit. Da ich beruflich nichts mit Computern zu tun habe, war das eine ziemliche Herausforderung. Gemeistert :!:

    Bis bald, Linde

    Hallo Andrea,

    hab deinen Beitrag gerade eben entdeckt, ich war so vertieft ins Schreiben...

    Das mit den Verhaltensänderungen und Verhaltensauffälligkeiten kommt mir sooo bekannt vor. Meine Mutter, die seit 40 Jahren 'heimlich' trinkt, schlendert Dutzende mal am Tag zum Abstellraum, guckt dabei gaaaanz unauffällig und pfeift dabei. So ein Gepfiffel, weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll. Egal. Wenn ich das hörte, wußte ich immer genau woran ich bin. Mir zieht sich gerade alles zusammen, wenn ich daran denke. Ich glaub 1000 mal abgrundtief traurig gewesen reicht gar nicht... Sie ist zu der Flasche gegangen und nicht zu mir. Trauer. Ohne Worte.

    Linde

    Sie sinds! Hör auf deinen Bauch. Und das Ding beim Namen zu nennen ist auch o.k.! Man meint immer, man müsse sie schonen.. Warum eigentlich? Ich meine damit, daß sie ihren eigenen Kindern ungeniert Dinge zumuten, die keiner haben will: Unzuverlässigkeit, Unberechenbarkeit, widerlichen Mundgeruch, Lügen, ätzende Familienfeiern und und und. Es ist erlaubt, das SCHEI... zu finden. Ihr Verhalten wohlgemerkt, nicht ihre Person. Alkoholiker tun alles dafür, nach Außen, im Beruf so lange wie irgend möglich perfekt zu 'funktionieren'. Da werden riesige Konstrukte gebaut, um den schönen Schein zu wahren...

    Das mit dem Mitleid finde ich ist ein interessanter Aspekt! Ich versuch das mal für mich selber zu sortieren: Ich habe Mitleid mit ihnen insofern, daß ich aufgrund der Biographiearbeit, die ich betrieben habe weiß, daß sie selbst Opfer waren. Opfer von Mißbrauch bzw. selber Kinder von Alkoholikern. Dann kam noch die Kriegszeit hinzu, Halbwaise geworden, Heimaufenthalt... Fürchterlich schlimme Dinge haben sie beide erlebt. Sie haben die vorgelebten Muster übernommen, nie reflektiert, geschweige denn Therapie gemacht. Und schwupps, wurden sie an uns Kindern zu Tätern.

    Mitleid mit ihnen, ja, wenn ich sie als Opfer ihrer Lebensumstände sehe. Mitleid auch, wie ich es mit jedem anderen Menschen auch hätte, der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt, warum auch immer. Ich bin ja schließlich kein Steinbrocken.

    Aber dann ist auch schon Ende. Dann muß man den Focus wieder auf sich selber richten! Ich habe AUCH eine grauenvolle Kindheit gehabt, zum Glück ohne Krieg. Aber was habe ich nicht alles draus gemacht!! Ich bin inzwischen höchst lebendig und geerdet! Ich hab dafür gekämpft, daß ich aus dieser Mißbrauch-Sucht-Co.-Kiste herauskomme! Das hätten sie auch tun können, haben es aber nicht! Sondern haben mich und meinen Bruder ganz tief drunten in dieser Kiste versenkt. Da hört mein Mitleid auf. Mein schlechtes Gewissen, mein Pflichtgefühl, mein Verantwortungsgefühl ebenso. Da denke ich lieber an mich selbst und mein Leben, davon hab ich was. Die müssen an ihre eigenen Baustelle arbeiten; ich arbeite effektiver an meiner.

    Zitat

    es tut mir wirklich gut, mich auszutauschen mit Menschen, denen es ähnlich geht.

    dito!

    Danke für deine netten Worte bzgl. meiner Eßsucht. Ja, man übernimmt nicht unbedingt das Suchtmittel, sondern vielmehr das Suchtmuster. Wie sich das bei einem dann zeigt ist vielfältig: Eßsucht, Spielsucht, Sexsucht, Beziehungssucht, Drogensucht... Mathias Jung hat darüber richtig gut geschrieben. Hat mich weitergebracht, ihn zu lesen.

    Ja, Abstand ist wichtig, und daß man sein eigenes Zuhause hat.

    Sodele, bis denn.

    Linde

    Hi Zukunftsmusik!

    Jetzt verstehe ich, wie du das Thema Gefühl-Verstand meinst!

    Zitat

    Also gibt es "Datenautobahnen" zwischen Gefühl und Verstand. Die kann man nicht löschen, aber überschreiben oder umschreiben, damit der Verstand bei bestimmten Gefühlen dann auch mehrere Lösungen anbieten kann.

    Genau das isses: man muß sich Handlungsalternativen erarbeiten und diese festigen. Damit man nicht immer wieder in die alte Kiste reinlangt...

    Tschüß, dir auch ne schöne Woche!

    Linde

    Hallo Sibi, guten Abend!

    Über ein Jahr warst du voll in der Pflicht, meine Güte. Daß das am Körper nicht spurlos vorbeigeht ist ja klar. Kur hört sich echt gut an! Familie hört sich gut an. Und das gute Wetter ist einfach nur toll!!

    Ruh dich bissel aus. Das alles kann dann sacken.

    Zitat

    Das Wetter lockt und ich tue mir Gutes.

    Der Satz gefällt mir! :D

    So hab ich es gestern gemacht. Mit einer Freundin im bunten Herbstwald spazieren gewesen. Und dann im Hof von meinem Quittenbaum die Quitten abgemacht! Die riechen soooo gut. Das hat mich innerlich ganz ruhig werden lassen.

    LG, Linde

    Hi Manfred,

    Zitat

    Mein Psychologe rät mir nicht direkt, den Kontakt abzubrechen.

    weißt du, was mir spontan dazu einfällt? 2 Dinge:

    - ein guter Therapeut sagt seinem Klienten nicht, was der tun soll, sondern er begleitet ihn bei seinem Weg, egal wie der aussieht. So kann der Klient seine eigenen Erfahrungen machen und hat durch die Therapie die Möglichkeit, immer wieder Rücksprache zu halten und sein Verhalten zu "optimieren"

    - wer sagt dir, ob dein Therapeut nicht selber ein Co ist? grins. Therapeuten sind auch nur Menschen... Co's versuchen ja auf Biegen und Brechen den Kontakt aufrechtzuerhalten, egal was ihr Bauchgefühl und ihre schlechten Erfahrungen mit der Herkunftsfamilie sagen...

    Was das liebe Geld angeht, habe ich auch schon so manches zugesteckt bekommen, gerade wieder läuft eine "Attacke"... Die wollen mir ihr ganzes Anwesen überschreiben (Landwirtschaft).

    Zitat

    Dabei würden ein "es tut mir leid" oder ein paar offene und ehrliche Worte und Kindern viel mehr helfen.

    Damit triffst du den Nagel auf den Kopf, Andrea! Ich kann aus eigener Erfahrung sehr gut verstehen, daß du Manfred da ambivalent reagierst.

    Die "Geschenke" die ich bisher bekommen habe, waren immer zu groß, immer knapp an dem vorbei, was mich wirklich glücklich gemacht hätte. Sie waren immer an Bedingungen geknüpft. Nie offensichtlich, aber da ich das Gras wachsen höre hab ich diese subtilen Forderungen gespürt! Die "Geschenke" waren oft der Versuch mich zu kaufen, zu binden, mein schlechtes Gewissen zu aktivieren, mir eine Beißhemmung aufzuerlegen und was weiß ich sonst noch alles. Das einzige was sie definitiv NICHT waren: sie waren keine Geschenke!

    Ich laviere bei dem Thema auch bissel herum. Aber der liebe Gott hat das Wörtchen NEIN erfunden, das darf man gerne mal in den Mund nehmen! Das einzige, was ich mir bezahlen lasse, sind meine horrend hohen Zahnarztrechnungen. Meine irgendwann mal wunderschönen Zähne sind kaputt durch die Eßsucht, in die ich geraten bin, weil ich einer Sucht- und Mißbrauchsfamilie aufgewachsen bin. Ich bin zum Glück keine Alkoholikerin geworden, aber eßsüchtig. Das liegt durch meine jahrelange Therapie hinter mir! :D Darauf bin ich echt stolz, daß ich das geschafft habe! Aber die kaputten Zähne werden mich ein Leben lang daran erinnern, was mal war. Und dafür dürfen sie bezahlen.

    Erst mal liebe Grüße, Linde

    Hallo Blümchen,

    schön, daß du dich gemeldet hast. Heute hab ich an dich gedacht und mich gefragt, ob du diesen wunderbaren Herbsttag auch so genießen konntest.

    Was für DICH tun, das ist das beste was du tun kannst. Mach ich auch. Dann haut mich auch nicht gleich alles vom Hocker!

    Gute Nacht und liebe Grüße,

    Linde

    Zitat

    Ich hatte vor vielen, vielen Jahren, nach der Trennung von meiner Freundin, mal einen langanhaltenden Zustand in der ich ständig unerklärlich heftige Ängste hatte. Noch heute bin ich überzeugt, dass die Trennung nicht der Grund, nur der Auslöser für etwas anderes war.

    Hallo Majo,

    ich hab die Erfahrung gemacht, daß wenn ich heute auf eine eigentlich 'normale' Situation eine völlig heftige Reaktion habe, dann ist das eine ALTE Reaktion! Ich erlebe irgendeine beliebige Auslösesituation und wie wie in einer Zeitmaschine sause ich rückwärts und finde mich mit meinen Gefühlen in einer uralten kindlichen Situation wieder. Und dann "beantworte" ich die heutige Situation mit den damaligen Gefühlen!

    Wenn ich heute heftige Angst habe, dann frage ich mich inzwischen, kann das eine ALTE Angst sein? War ich mal als Kind einer vergleichbaren Situation ausgeliefert? Das kann man sich für alle unerklärlich heftigen Gefühle fragen.

    In jeder einzelnen Körperzelle werden unsere Erfahrungen gespeichert. Und alles, was man als Kind erlebt und schon längst 'vergessen' hat, kann durch eine Auslösesituation aktiviert werden.

    In deinem Fall mag es so gewesen sein, daß der plötzliche Verlust der Bezugsperson dich gefühlsmäßig in eine alte Situation katapultiert hat. Deine Mutter hat dich vielleicht auch mal verlassen, d.h. sie war nicht für dich da sondern mit ihrer Abhängigkeitskiste beschäftigt. Und du bekamst als Kind begreiflich heftigste Angst.

    Wenn man bei so heftigen Gefühlen mal ganz bewußt hinschaut, WER da gerade Angst hat, dann ist das meist das kleine Kind, das wir mal waren und das wir jetzt endlich trösten können.

    Liebe Grüße

    Linde

    Anti, so ein Zufall aber auch, :wink:

    Heute hörst du dich schon viel besser an! Du hast ja alles gemacht, was du für einen Alkoholiker tun konntest: Du hast ihm deinen Eindruck mitgeteilt. Den Rest muß er selber tun. Jetzt bist DU wieder dran.

    Liebe Grüße von Linde

    Hallo Manfred,

    verbale Gewalt ist auch Gewalt, da hast du völlig recht. Und so einer Situation mußt du dich nie wieder aussetzen. Du kannst gehen, bzw. gar nicht erst noch einmal dahingehen. Du hast schon viel zu viel Gewalt an deiner Seele erlebt! Es reicht! Lange genug der Mülleimer gewesen. Oder wie lange willst du dich noch funktionalisieren lassen?

    Find ich ja bestens, daß du schon Pläne für die Feiertage hast! Je mehr du dich in DEINEM selbstgewählten Leben etablierst, desto weniger "brauchst" du diese kranke Familie. Dann gestaltest du dir DEIN Umfeld, wie du es haben willst, mit den Menschen, die dir gut tun. Was du hier schreibst, hat mich nachdenklich gemacht:

    Zitat

    Meine Eltern hatten schon einmal für 10 Jahre den Kontakt zu mir abgebrochen, weil ich damals an einer Krankheit litt, mit der sie nicht zu recht kamen. Das hat ein ganz schönes Trauma hinterlassen. Und ich blöder Hund bin darauf eingegangen, als sie wieder Kontakt wollten. Sie brauchen mich, weil ich der Mülleimer der Familie bin.

    Das eine ist, daß sie dich in einer für dich schwierigen Zeit im Stich gelassen haben. Schlimm genug. Aber was mir auffällt ist etwas anderes. Die Entscheidung für den Kontaktabbruch und auch für die Wiederaufnahme ging von ihnen aus. Dadurch bist du in einer üblen Ohnmachtssituation gelandet! Kein Wunder, daß dich das traumatisiert hat. Abhilfe schaffen kann man da nur, wenn man aus der Passivität heraus in die Aktivität reingeht. Heißt: DU bestimmst wann, mit wem, wie oft, wo... DU Kontakte pflegen willst.

    Fröhliche Weihnachten wollte ich gerade schreiben, grins, ist aber noch'n bissel früh dafür.

    Linde

    Hallo Andrea,

    habe hier bei dir gerade alles durchgelesen und immer wieder einen Gedanken gehabt: WEGLASSEN!

    Aus der Ferne sag ich dir jetzt einfach mal: ich bin stolz auf dich, daß du diese für dich ungute Beziehung beendet hast. Du hast es geschafft, dir nicht seine Probleme zueigen zu machen. Denn das wäre ein Zeichen für eine Co-Abhängigkeit bei dir. Er ist für sich selber verantwortlich. Ob er dieser Verantwortung gerecht wird, steht auf einem anderen Blatt...

    Meine Mutter ist gerade mal 64 und hat in letzter Zeit rapide abgebaut. Leberzirrhose, Hautkrebs, Ösophagusvarizen und weiß ich noch alles. Mir fällt auf, daß ihre Sprache immer fragmentarischer wird. Da kommen nur noch Satzteile, auch zu Zeiten wo sie nüchtern ist! Das heißt, der Alkohol hat schon so viel im Hirn zerstört, daß sie sich nicht mehr klar artikulieren könnte, selbst wenn sie wollte. Schlimm. Sie trinkt "heimlich" und wird daran sterben. Sie wird sterben, so wie sie gelebt hat. Es ist ihre Entscheidung. Und auch wenn es meine Mutter ist: ich ziehe mir den Schuh nicht an, mich für sie verantwortlich zu fühlen und aktiv zu werden. Inzwischen sehr selten, wenn es sich ergibt, haben wir ab und zu noch ein kleines gutes Gespräch. Und danach gehe ich wieder in mein Leben.

    Ich finde es klasse, daß du eine Ausbildung machst! Respekt! Neue Leute, neue Themen, neue Impulse... Echt gut. Alles weglassen, was nicht mehr zu dir paßt und in den Freiraum dann die neuen, guten Sachen reinfließen lassen...

    Liebe Grüße von Linde

    Hallo Nordstern, hallo Manfred,

    na dann bin ich die Dritte im Bunde: ich bin auch das schwarze Schaf, auch ich habe einen Vorzeigebruder mit Frau, Kindern, dickem Auto, Haus und gut bezahltem Beruf. Wie es bei ihm hinter der schönen Fassade aussieht, will keiner wirklich wissen... Und ich bin ja nur Single, hab nix auf dem Konto usw.

    Manfred, daß du woanders wohnst ist richtig gut. Bewahre dir diesen Abstand! Du mußt da nicht hin! Such dir Menschen, Orte und Aktivitäten, die DIR gut tun.

    Frag dich doch mal: wie würde ICH dieses Jahr gerne mal Weihnachten verbringen? Nach was ist mir? Paar Tage in die Berge fahren mit 'nem Kumpel? Die Insel Amrum im Dezembersturm ist WAAAhnsinn, einfach nur toll! Das Entscheidende ist: Du hast die Wahl - immer!

    Und Vorwürfe, Beschimpfungen und Besäufnisse - ist das deine Vorstellung von Familienleben? Sicher nicht. Dann lieber keine Familie, als so eine... Laß die in ihrem Sumpf hocken und lästern, das tun sie auch ohne dich.

    Ich bin inzwischen ein Weltmeisterin im Weglassen. Alles, was mir nicht gut tut lasse ich weg. Klar ist dann erst mal eine Lücke. (Ich habe schon etliche Weihnachten, Geburtstage ohne meine Herkunftsfamilie gefeiert.) ABER: in die Lücke, die du dir geschaffen hast, kann ja auch was Gutes reinkommen. Neue Menschen, die gut zu dir passen, neue Ideen, neue Aktivitäten... Ich habe es gewagt und den Kontakt völlig abgebrochen und habe es keine Minute bereut. Inzwischen bin ich so stabilisiert, daß ich denen anders, stärker, erwachsener begegnen kann - wenn es denn mal sein muß...

    Du schreibst du hättest Angst vor ihnen. Aber die reden nur. Die "tun" ja nix (im Sinne von: mit 'nem Messer auf dich losgehen). Worauf ich hinaus will ist die Frage, wovor du wirklich Angst hast. Die Angst, dein Leben anzugehen? Die Angst, die Not-wendigen Schritte zu tun?

    Grüße von Linde

    Ach Sibi,

    wie traurig so ein Gespräch...

    Ich hab mir von meinem Vater als 12jährige Gymnasiastin anhören müssen: "Wenn du nicht immer so schlau daherschwätzen würdest! Du bist schuld, daß die Mutter trinkt!" In dem Alter glaubt man seinem Vater alles, und wenn es sich noch so verkehrt anfühlt! Du bist heute zum Glück alt genug, daß du so einen Satz einzuordnen weißt. Aber erstmal tut es weh, weil du ja an das Gespräch Hoffnungen geknüpft hast, vielleicht ohne es zu wissen.

    Nee, unsere Herkunftsfamilien sind meist durchdrungen vom Suchtmuster. Und genau da ordne ich auch solche Sprüche ein! Da ist nicht viel 'zu holen'. Umgib dich mit Leuten die dir gut tun. Schaffe dir deine eigene Familie, auch im übertragenen Sinn. Ich habe mir, bewußt war mir das lange nicht, immer "Mütter" gesucht, da meine betrunken war/ist. Das war eine Vielfalt an Frauen-Lebensentwürfen, so richtig bunt, eine Palette von Vorbildern!

    Vielleicht hast du solch ein frustrierende Begegnung noch einmal gebraucht, damit du spürst, wie wichtig es ist, jetzt DEIN Leben zu leben.

    Wie geht es dir heute abend?

    Linde