Sie sinds! Hör auf deinen Bauch. Und das Ding beim Namen zu nennen ist auch o.k.! Man meint immer, man müsse sie schonen.. Warum eigentlich? Ich meine damit, daß sie ihren eigenen Kindern ungeniert Dinge zumuten, die keiner haben will: Unzuverlässigkeit, Unberechenbarkeit, widerlichen Mundgeruch, Lügen, ätzende Familienfeiern und und und. Es ist erlaubt, das SCHEI... zu finden. Ihr Verhalten wohlgemerkt, nicht ihre Person. Alkoholiker tun alles dafür, nach Außen, im Beruf so lange wie irgend möglich perfekt zu 'funktionieren'. Da werden riesige Konstrukte gebaut, um den schönen Schein zu wahren...
Das mit dem Mitleid finde ich ist ein interessanter Aspekt! Ich versuch das mal für mich selber zu sortieren: Ich habe Mitleid mit ihnen insofern, daß ich aufgrund der Biographiearbeit, die ich betrieben habe weiß, daß sie selbst Opfer waren. Opfer von Mißbrauch bzw. selber Kinder von Alkoholikern. Dann kam noch die Kriegszeit hinzu, Halbwaise geworden, Heimaufenthalt... Fürchterlich schlimme Dinge haben sie beide erlebt. Sie haben die vorgelebten Muster übernommen, nie reflektiert, geschweige denn Therapie gemacht. Und schwupps, wurden sie an uns Kindern zu Tätern.
Mitleid mit ihnen, ja, wenn ich sie als Opfer ihrer Lebensumstände sehe. Mitleid auch, wie ich es mit jedem anderen Menschen auch hätte, der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt, warum auch immer. Ich bin ja schließlich kein Steinbrocken.
Aber dann ist auch schon Ende. Dann muß man den Focus wieder auf sich selber richten! Ich habe AUCH eine grauenvolle Kindheit gehabt, zum Glück ohne Krieg. Aber was habe ich nicht alles draus gemacht!! Ich bin inzwischen höchst lebendig und geerdet! Ich hab dafür gekämpft, daß ich aus dieser Mißbrauch-Sucht-Co.-Kiste herauskomme! Das hätten sie auch tun können, haben es aber nicht! Sondern haben mich und meinen Bruder ganz tief drunten in dieser Kiste versenkt. Da hört mein Mitleid auf. Mein schlechtes Gewissen, mein Pflichtgefühl, mein Verantwortungsgefühl ebenso. Da denke ich lieber an mich selbst und mein Leben, davon hab ich was. Die müssen an ihre eigenen Baustelle arbeiten; ich arbeite effektiver an meiner.
Zitat
es tut mir wirklich gut, mich auszutauschen mit Menschen, denen es ähnlich geht.
dito!
Danke für deine netten Worte bzgl. meiner Eßsucht. Ja, man übernimmt nicht unbedingt das Suchtmittel, sondern vielmehr das Suchtmuster. Wie sich das bei einem dann zeigt ist vielfältig: Eßsucht, Spielsucht, Sexsucht, Beziehungssucht, Drogensucht... Mathias Jung hat darüber richtig gut geschrieben. Hat mich weitergebracht, ihn zu lesen.
Ja, Abstand ist wichtig, und daß man sein eigenes Zuhause hat.
Sodele, bis denn.
Linde