Beiträge von Linde66

    Hallo Nordstern, hallo Manfred,

    na dann bin ich die Dritte im Bunde: ich bin auch das schwarze Schaf, auch ich habe einen Vorzeigebruder mit Frau, Kindern, dickem Auto, Haus und gut bezahltem Beruf. Wie es bei ihm hinter der schönen Fassade aussieht, will keiner wirklich wissen... Und ich bin ja nur Single, hab nix auf dem Konto usw.

    Manfred, daß du woanders wohnst ist richtig gut. Bewahre dir diesen Abstand! Du mußt da nicht hin! Such dir Menschen, Orte und Aktivitäten, die DIR gut tun.

    Frag dich doch mal: wie würde ICH dieses Jahr gerne mal Weihnachten verbringen? Nach was ist mir? Paar Tage in die Berge fahren mit 'nem Kumpel? Die Insel Amrum im Dezembersturm ist WAAAhnsinn, einfach nur toll! Das Entscheidende ist: Du hast die Wahl - immer!

    Und Vorwürfe, Beschimpfungen und Besäufnisse - ist das deine Vorstellung von Familienleben? Sicher nicht. Dann lieber keine Familie, als so eine... Laß die in ihrem Sumpf hocken und lästern, das tun sie auch ohne dich.

    Ich bin inzwischen ein Weltmeisterin im Weglassen. Alles, was mir nicht gut tut lasse ich weg. Klar ist dann erst mal eine Lücke. (Ich habe schon etliche Weihnachten, Geburtstage ohne meine Herkunftsfamilie gefeiert.) ABER: in die Lücke, die du dir geschaffen hast, kann ja auch was Gutes reinkommen. Neue Menschen, die gut zu dir passen, neue Ideen, neue Aktivitäten... Ich habe es gewagt und den Kontakt völlig abgebrochen und habe es keine Minute bereut. Inzwischen bin ich so stabilisiert, daß ich denen anders, stärker, erwachsener begegnen kann - wenn es denn mal sein muß...

    Du schreibst du hättest Angst vor ihnen. Aber die reden nur. Die "tun" ja nix (im Sinne von: mit 'nem Messer auf dich losgehen). Worauf ich hinaus will ist die Frage, wovor du wirklich Angst hast. Die Angst, dein Leben anzugehen? Die Angst, die Not-wendigen Schritte zu tun?

    Grüße von Linde

    Ach Sibi,

    wie traurig so ein Gespräch...

    Ich hab mir von meinem Vater als 12jährige Gymnasiastin anhören müssen: "Wenn du nicht immer so schlau daherschwätzen würdest! Du bist schuld, daß die Mutter trinkt!" In dem Alter glaubt man seinem Vater alles, und wenn es sich noch so verkehrt anfühlt! Du bist heute zum Glück alt genug, daß du so einen Satz einzuordnen weißt. Aber erstmal tut es weh, weil du ja an das Gespräch Hoffnungen geknüpft hast, vielleicht ohne es zu wissen.

    Nee, unsere Herkunftsfamilien sind meist durchdrungen vom Suchtmuster. Und genau da ordne ich auch solche Sprüche ein! Da ist nicht viel 'zu holen'. Umgib dich mit Leuten die dir gut tun. Schaffe dir deine eigene Familie, auch im übertragenen Sinn. Ich habe mir, bewußt war mir das lange nicht, immer "Mütter" gesucht, da meine betrunken war/ist. Das war eine Vielfalt an Frauen-Lebensentwürfen, so richtig bunt, eine Palette von Vorbildern!

    Vielleicht hast du solch ein frustrierende Begegnung noch einmal gebraucht, damit du spürst, wie wichtig es ist, jetzt DEIN Leben zu leben.

    Wie geht es dir heute abend?

    Linde

    Hallo fmk,

    hab heute morgen mir deine Geschichte durchgelesen. Meine Mutter ist Alkoholikerin, mein Vater Co, aber leider einer von der Sorte, der nie seinen A* in Bewegung gesetzt hat. Er hat nie um uns gekämpft. Er hat sich keine Sekunde Gedanken darüber gemacht, uns und sich selbst aus der Situation herauszuholen. Er hat sich arrangiert und nach außen den Schein gewahrt. Und weggeschaut.

    Was hätte ich als Kind darum gegeben, wenn ich auch nur einmal das Gefühl vermittelt bekommen hätte, da kämpft einer für mich und mein Wohl! Was ich damit sagen will ist: auch wenn du jetzt im Moment keine schnellen "Siege" erreichen kannst, dein Sohn bekommt 100%ig mit, daß da einer um ihn kämpft, ihn liebt, für ihn da sein will, das Beste für ihn erreichen will. Und genau diese Erfahrung speichert er in jeder einzelnen Körperzelle: mein Vater kann zwar nicht alle Übel dieser Welt von mir fernhalten, aber er tut was, er begleitet mich durch diese schwere Zeit. So gut es irgend geht.

    Kein Kind wächst heutzutage unbeschadet auf, aber die Erfahrung geliebt zu werden und zu sehen, da kämpft einer für mich, das verinnerlicht dein Kind und gibt ihm ganz tief drinnen Halt in dieser schwierigen Zeit.

    Wie auch immer das in der nächsten Zeit weitergeht: du bist für immer für ihn der Vater, der für ihn gekämpft hat! Und das fällt ihm wieder ein, wenn er mal in 10, 20, 30 Jahren deinen Rat braucht. Klar wünscht man sich keinem Kind so eine destruktive Kindheit, aber ich spreche jetzt für mich: ich bin daran gewachsen und stark geworden.

    Erst mal viele Grüße,

    Linde

    Hallo Manfred,

    erst mal Herzlich Willkommen hier! Ich bin noch nicht lange hier im Forum, aber schon in der kurzen Zeit habe ich gute Unterstützung auf meinem Weg gefunden. Wir sind etwa gleich alt und auch bei mir war es so, daß der Alkohol das wichtigste Familienmitglied war. Wichtiger als wir Kinder jedenfalls.

    Ich denke, dein Bauchgefühl hat recht, deine Eltern sind Alkoholiker. Die Suchtstruktur ist in deiner Familie sehr präsent. Auch meine Mutter hat zusätzlich immer Tabletten aller Art geschluckt.

    Ich finde es gut, daß du an dir - und damit FÜR DICH arbeitest! Und du brauchst dich eben NICHT weiterhin einer Situation bzw. Menschen auszusetzen, unter denen du leidest!

    Zitat

    Sie waren und sind immer launisch, unberechenbar und manchmal aggressiv.

    Wer braucht sowas?! Ich nicht, du nicht, keiner! Und auch hier hat dein Bauchgefühl recht: halte Abstand. Wenn sie ihren Weg so gehen wollen, dann ist das ihre Entscheidung. Und du gehtst deinen Weg in dein Leben.

    Mußt du täglich mit ihnen zu tun haben, vielleicht weil du noch da wohnst?

    Liebe Grüße und bis bald, Linde

    Hallo Anti und willkommen hier!

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    Es geht mir hier bei der Sache nicht direkt um micht, sondern um meinen Bruder

    Dir sollte es aber um DICH gehen! Und ich glaube, das spürst du auch, schließlich bist DU hier und nicht dein Bruder. Dein Bruder hat sich für den Alkohol entschieden und nur er kann diese Entscheidung rückgängig machen. Wann und ob er das tut kannst du nicht beeinflussen. Aber du kannst schauen, daß es DIR gut geht. Und du kannst DEINE Themen angehen.

    Mein Bruder ist inzwischen trockener Alkoholiker, *freu*, aber er ist es erst nach seinem persönlichen allertiefsten Tiefpunkt angegangen. Also, manchmal geht es auch gut aus! Aber die Weichen stellen kann nur er.

    Was mich neugierig macht ist dein Nick, vielleicht magst du erzählen warum du Anti gewählt hast? Aber nur wenn du magst!

    Liebe Grüße von Linde

    Hallo Zukunftsmusik,

    was für ein bezeichnender Name! Irgendwas in dir drin singt und tanzt und glaubt ganz fest an sich.

    Dein Gefühlschaos kann ich gut nachvollziehen. Hab Geduld, auch die allerschlimmsten Gefühle bleiben nicht ewig, die größten Berge werden irgendwann abgetragen und das schlimmste Chaos liegt irgendwann geordnet hinter einem. Manchmal braucht es auch so eine aufwühlende Zeit, damit die alten festzementierten Strukturen aufbrechen und man wach wird, um eine Veränderung wirklich anzugehen!

    Zitat

    Und bin ich dann mal gerade wieder im "Keller", fallen mir die positiven Gedanken, die ich dann immerhin schon mal hatte, einfach nicht ein. Sie sind wie von der Festplatte gelöscht.
    Was habt Ihr in der ersten Zeit Eurer Erkenntnis gemacht?

    Das kenne ich sehr gut! In den letzten Jahren habe ich mir eine Art "Notfallkoffer" gepackt! Ich habe ganz konkret alles, aber auch wirklich alles auf eine DIN A4 Seite geschrieben, was mich gut drauf bringt.

    Mein ganz persönlicher Notfallkoffer: malen - Katze kraulen - Kerze anmachen - spazieren - joggen - telephonieren - Tagebuch schreiben - Krimi lesen - räuchern - ins Feuer schauen - im Schaukelstuhl sitzen - Sauna - Schokopudding essen - singen - Atemübungen nach Ilse Middendorf - schlafen gehen - Blumen gießen - Briefe schreiben (aber nicht abschicken) - duschen - ...

    Für dich können das ganz andere Dinge sein. Ich finde es sehr wichtig und sinnvoll, die destruktiven Gedankengänge zu unterbrechen mit etwas, was einem wirklich gut tut. Danach hat man vielleicht eine Eingebung wie es weitergeht und auf jedem Fall wieder bissel mehr Kraft.

    Ich hab am Anfang beim Warten auf den Therapieplatz unendlich viel gelesen: Mathias Jung, Anne Wilson Schaef, Rüdiger Dahlke, Anthony de Mello uvm.

    Warum willst du unbedingt, daß dein Verstand über deine Gefühle siegen muß? Kopf und Bauch könnten sich ja auch ergänzen und beide - jeder auf seine Art - dir weiterhelfen.

    Liebe Grüße von Linde

    Hallo Sibi,

    das kann ich mir sehr gut vorstellen, daß es entlastend ist zu wissen, daß deine Mutter völlig unabhängig von deinem Handeln ihren Weg zu Ende gegangen ist!

    Man ist als erwachsenes Kind in Gefahr, daß man die Befindlichkeit und die Entscheidungen der Eltern auf sich bezieht. Als Kind wurden wir auf dieses Muster programmiert: Du bist schuld, daß die Mutter trinkt. Wenn du nicht so schlau daherreden würdest, müßte die Mutter nicht trinken. Du willst zuviel Nähe. Du bist zu weit weg. Du kommst zu oft, du kommst zu selten.... Das ganze Zeug und noch viel mehr hat mir mein Vater eingeredet, mit Worten oder wortlos... Ich habe das sooo verinnerlicht, daß ich mich irgendwann wirklich verantwortlich gefühlt habe. Ich war 12, 13 Jahre alt, als er anfing mir solches Zeug einzureden! Als Kind glaubt man seinem Vater ALLES, und wenn es sich noch so 'komisch' anfühlt.

    So eine alte Rechnung ist ein deutlicher Beweis dafür, daß der Konsum nichts, aber auch gar nichts mit einem selbst zu tun hatte.

    Ich hatte zum Glück auch schon so ähnliche Erfahrungen! Und daraus habe ich die Lehre gezogen, daß es offensichtlich egal ist wie ich mich verhalte, sie trinkt ja doch. Also kann ich mich ja eigentlich auch so verhalten, wie ICH es will, wie es für MICH gut ist. Und genau so habe ich es gemacht. Ich hab sie gelassen, hab aufgehört sie retten zu wollen, mich verantwortlich zu fühlen. Und habe einfach angefangen MEIN Leben zu leben.

    Ich freu mich für dich, daß du heute einen Frieden in dir gespürt hast.

    Linde

    Hallo Sibi und hallo Weitsicht,

    ich finde euer Thema an dieser Stelle sehr interessant. Ja klar hat das eigene Leben, das Heraustreten aus der Co-Abhängigkeit, oberste Priorität.

    Bei mir war es so, daß ich parallel zur Heilung und dem Nach-Vorne-Gehen auch den Blick nach hinten richtete. Und dazu gehörte für mich, nicht nur meine eigene Kindheitsgeschichte, sondern auch die Geschichten der Familienmitglieder anzuhören. Ich bin nicht zu jedem hingegangen und habe ihn interviewt, nein. Eher über all die Jahre kleine Puzzleteilchen gesammelt... Und was da alles zusammenkam!!! Erschütternde Kriegsgeschichten, Kriegswaisen, Heimaufenthalte, Sucht in allen Varianten die man sich vorstellen kann, Mißbrauch, Selbstmord, ... Quer durch alle Familien, alle Generationen rauf und runter - immer wieder tauchten diesselben Grundmuster auf.

    Mir half diese 'Forschersicht' auf die Dinge, meine eigene Biographie in einen größeren Rahmen zu stellen. Weitsicht, du beschreibst es ja ähnlich, ich denke: Alkoholismus ist nicht die Krankheit, sondern ein Symtom. Die Grunderkrankung, die hinter jeder Form der Abhängigkeit, auch der Co-Abhängigkeit steht, ist der Suchtprozeß. Anne Wilson Schaef hat darüber geschrieben.

    Erst nachdem ich in BEIDEN Richtungen unterwegs war, konnte ich mit meiner eigen Geschichte und mit meiner Familie Frieden schließen. Viele meiner Puzzleteilchen sind so an ihren Platz gekommen.

    Grüße, Linde

    Hi Blümchen,

    Zitat

    Oft denke ich ich sei schwach, weil ich meistens so traurig und erschöpft bin.

    Genau so geht es mir auch! Die Traurigkeit kommt und geht ja auch irgendwann wieder. Sie ist eines meiner viiiiiielen Gefühle. Auch die allerschlimmsten bleiben ja nicht ewig.

    Bei mir ist entscheidend, daß ich darauf schaue, nicht in einen Erschöpfungszustand zu geraten. Genau in solch einem Zustand bin ich anfällig für Zweifel, Angst, Aggression, Selbstvorwürfe, all so was... Ich komme dann richtig tief runter ins Loch. Fühlt sich gar nicht gut an, dieses Ohnmachtsgefühl und diese Handlungsunfähigkeit. Das kann bei mir sogar recht schnell gehen, wenn ich nicht aufpasse.

    Ganz simple Dinge brauche ich dann: ich koche mir 'ne richtig dicke Gemüsesuppe z. B., hört sich jetzt vielleicht doof an. Oder ich renne 1 Stunde in den Wald. Danach bin ich nicht noch erschöpfter, wie man annehmen könnte, sondern fröhlicher. Ich lasse das Telephon klingeln, nehme 'ne Auszeit. Zeit für mich! Körperliche Erschöpfung ist bei mir eine der gefährlichsten Eintrittspforten für seeliche Erschöpfung.

    P.S. Habe gerade lecker Suppe gegessen, grins.

    Bis bald. Linde

    Hallo Blümchen,

    ich drück dich einfach mal zwischendurch! Ich freu mich für dich, daß du wieder Kontakt hast zu der Kraft, die in dir steckt! Da ist mit Sicherheit jede Menge...
    :D

    Liebe Grüße, Linde66

    Hallo Blümchen,

    ich bin 42 Jahre alt und selbst Tochter einer Alkoholikerin. Ich kann sehr gut nachfühlen, wie machtlos und überfordert du dich fühlst. Bei mir fing es an mit ca. 12, 13 Jahren, daß ich merkte, daß irgendwas 'komisch' ist.

    Ich finde es gut, daß du all diese Gefühle hast: gleichzeitig traurig sein und voller Angst. Aber auch sauer sein! Ja, das darfst du. Die Wut in dir ist ein Zeichen deiner Kraft, deiner Lebensenergie! Laß dich von genau dieser Kraft tragen und nehme sie für DICH und DEIN Leben.

    Du hast es schon richtig gesehen: du bist machtlos. Du kannst nichts tun. Der Einzige, der es in der Hand hat, den Alkoholismus zu beenden, ist der Alkoholiker selbst. Und es ist wirklich wichtig, daß du ihr tatsächlich nicht dabei zusiehst, wie sie trinkt. Deshalb braucht es Abstand. Räumlichen Abstand. Es ist nicht deine Aufgabe, deine Mutter vorm Alleinsein zu bewahren! Sie könnte wenn sie wollte in einen Verein gehen, Leute besuchen usw. Du bist nicht für sie zuständig!

    Mich erschüttert es, wenn ich lese, daß du dein ganzes junges Leben voller Angst warst, deine Mutter könne sterben. Kinder sollten keine Angst um ihre Eltern haben müssen. Es sollte so sein, daß sich die Eltern um das Wohl der Kinder sorgen und alles dafür tun, daß es ihnen gut geht. Aber in Alkoholikerfamilien ist es so, daß sich die Rollen umdrehen. Das ist nicht richtig. Deine Mutter kann wohl aus verschiedenen Gründen nicht für dich da sein, aber DU kannst dich um DICH kümmern. Und das hat jetzt nichts mit Egoismus zu tun.

    Liebe Grüße von Linde