Erstmal vielen Dank für eure Antworten!
marinajako : über dieses Thema habe ich gestern auch mit meiner Therapeutin geredet. Ich fühle mich schuldig, auch wenn ich nichts für das kann, was mein Vater gemacht hat. Gestern ist herausgekommen, dass ich immer schon dachte, dass EKAs irgendwelche asozialen Penner sind, die irgendwo einfach nur abhängen und nix auf die Reihe bekommen. So dachte ich immer, dass ich das einzige EKAs bin, dass sein Leben halbwegs auf die Reihe bekommt.
Dann noch so eine verkorkste Überzeugung von mir: Alle anderen, außer ich, sind glücklich, selbstbewusst, haben keine Probleme, ja sind einfach viel besser wie ich.
Ich weiß vom Verstand her mittlerweile, dass diese Gedanken ganz falsch sind, aber ich fühle mich trotzdem immer noch minderwertig.
Deshalb will ich auch nicht, dass in der Firma darüber gesprochen wird.
@ Karsten: Okay, ich werde die Situationen versuchen, allgemeiner zu beschreiben.
@ Bopunty: Wie oben schon geschrieben, habe ich gestern in der Therapie schon gemerkt, dass ich mit einigen Gedanken sehr auf dem Holzweg bin. Wie die Kollegen reagieren, die es durch die eine Kollegin jetzt sowieso wissen, werde ich nächste Woche sehen. Zwei haben gestern angerufen, haben aber nur gefragt, ob sie mir irgendwie helfen können und mir was gutes tun können. Vielleicht reagieren alle so im Büro? Dass ich dann einfach nur, wenn ich auf die Gerüchte angesprochen werde, sage: Ja, mein Vater ist Alkoholiker, nein, ich will jetzt nicht drüber reden, ja, es geht mir gut, und jetzt arbeiten wir weiter.
Wie oben geschrieben habe ich auch die Angst, dass ich dann als „asozial“ abgestempelt werde. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sich in meinem Kopf oft Horrorseznarien abspielen, die im Nachhinein überhaupt nicht der Realität entsprachen. Ich stell mir immer vor, was alles Schlimmes passieren kann, z. B. in Prüfungssituationen.
Ich sollte mir jetzt vielleicht vor Augen halten, wie die zwei reagiert haben, die gestern hier angerufen haben. Die haben toll reagiert. Mir gesagt, dass sie es toll finden, wie stark ich bin und dass sie mir helfen, wenn ich Hilfe brauche. Dann hab ich vielleicht nicht mehr so Angst, wenn ich nächste Woche zur Arbeit gehe.
caro1969 : die hat ihre eigenen Probleme, nämlich überhaupt kein Selbstbewusstsein, noch weniger wie ich. Deshalb versucht sie, andere runterzumachen, um selbst besser da zustehen. Ich werde versuche, mir zumindest nicht anmerken zu lassen, dass sie mich getroffen hat. Im Notfall muss ich eben in die Offensive gehen und sagen: „Ja, es stimmt, mein Vater ist Alkoholiker, aber ich werde trotzdem genauso gut weiterarbeiten wie in den letzten Jahre auch. Es hat nichts mit meiner Arbeit zu tun.“
Ich würde dieser Kollegin gerne sagen, wie sehr sie mich nervt. Sie kommt mit jedem Problem (und ihre Probleme sind für mich Kleinigkeiten) zu mir, und labert mich voll. Ich kann das nicht mehr hören und traue mich aber nicht, das mal zu sagen, da ich absolut konfliktscheu bin. Da muss ich noch einen Weg finden.
@ summerdream: Meine Therapeutin meint, ich soll auf jeden Fall mit meinem Chef reden, allein schon, dass er mir die Angst nimmt, dass meine Vergangenheit negative Konsequenzen auf der Arbeit haben wird.
Ich glaube, ich will auch mit ihm reden, um uns beiden zu helfen. Ich bin sowieso ein Typ, der sich immer um alle Probleme von allen anderen kümmert. Der Herr ……….. war zur Abwechslung mal jemand, der sich in den letzten Monaten, in dem meine Beziehung zerbrochen ist, auch um mich gekümmert und gesorgt hat. Und auch das war für mich überraschend, weil das noch nie jemand gemacht hat. Ich bin immer die, die für andere da ist und mit eigenen Problemen allein klarkommt. Ich habe auch für mich beschlossen, nicht mehr wahllos für alle da zu sein. Aber er ist einer, der es verdient hat.
Auch wenn es mein Chef ist, es ist einer der ganz wenigen, denen ich wirklich vertraue. Und dieses Vertrauen ist schon lange da, lange bevor ich wusste, dass auch er ein EKA ist.
Frage mich nur, ob es für ihn gut ist, wenn ich mit ihm rede und ihn damit belastet. Denn er ist einer, der auch nicht nein sagen kann und dann für jeden da ist.
Viele Grüße und nochmals vielen Dank.
Julia