Wir sind weiterhin auf einem guten Weg, völlig anders, als ich es gedacht hatte:
Unsere gemeinsamen Tage und Zeiten wurden immer weniger, denn er begann wieder zu trinken. Wir hatten ja die Vereinbarung, dass wir nicht zusammen sind, wenn er trinkt. So fuhr er über das Wochenende in die Ferienwohnung. Die Wochenenden wurden immer länger, begannen bereits am Donnerstag oder Mittwoch und endeten Montag oder Dienstag. Eins, zwei Tage waren schön und friedlich, doch dann kam es zu Streitereien, die ihm Anlass waren, seine Sachen zu packen und in die Ferienwohnung zu fahren. Mehr und mehr bekam ich den Eindruck, er provoziere Streitereien, um fahren zu können. Doch er meinte, er liebe die Zweisamkeit und leide unter dieser Einasmkeit.
Mein erfolgreicher beruflicher Wiederaufbau führte zudem mehr und mehr dazu, dass ich wieder Ausßenkontakte hatte und wenig zu Hause war. Das gab ihm Anlaß sein Gefühl zu verstärken, er sei mir gleichgültig und ich würde ihm untreu sein.
Uns reichte dieser ewige Streit, beide zogen wir uns in unsere Arbeit zurück, er mit und ich ohne Alkohol. Ich mied Gemeinsamkeit nun auch immer den ersten alkoholfreien Tag, den er wieder zu Hause verbrachte und schlussendlich sagte ich ihm, dass ich mit meinen Kindern ausziehen würde, wenn er sich nicht entscheidet, mit dem Trinken aufzuhören. Seine Antwort war klar und eindeutig: Er habe bisher immer selbstbestimmt gelebt und wolle sich nun auch nicht von mir unter Druck setzen lassen. Er hätte ein Trinksystem gefunden, mit dem er gut zurecht käme. Schließlich wolle er den Rausch. Ihm schmecke Bier, Wein oder Spirituosen gar nicht, er trinke, wegen des angenehmen Zusatndes.
Mittlerweile sind wir, meine Kinder und ich, ausgezogen. Wir haben keinen Kontakt mehr. Er sucht bestimmt schon eine neue Frau oder hat sie bereits gefunden.
Mir tut es leid, um den feinen Kerl, der sich hinter dem Rausch versteckt. Ein wenig knabbere ich daran, dass ich ihm den Eindruck vermittelte, ich würde ihn nicht anerkennen, achten und respektieren. Und doch konnte ich ihn zum Schluss kaum noch ernst nehmen, wenn er mit trüben Augen und geröteten Gesicht seine Taschen packte, weil ich ihm gegenüber unfreundlich gewesen sei . . .
... und mittlerweile bezweifle ich, dass es liebe war, was uns verband. Mit Liebe hätten wir vielleicht gemeinsam genesen können. So geht nun jeder wieder seinen eigenen Weg. Das positive: Zumindest wir ziehen uns gegenseitig nicht mehr runter. Mir geht es gut, ich stehe wieder mitten im Leben, und ich wünsche ihm, dass es ihm ebenfalls gut geht. orlando