Beiträge von Orlando

    Zitat von sonne5

    Aber trotzdem wird eine Co-Abhängikeit nicht immer aber meistens durch einen Alkoholiker entwickelt und nicht umgekehrt.

    Liebe Sonne,
    das darfst Du für Dich gerne so denken und sehen.
    Ich sehe es so: Co-Abhängigkeit setzt sich aus verschiedenen, zum Teil noch nicht eindeutig wissenschaftlich belegten Dispositionen zusammen und zeigt sich auch in Beziehungen mit Nichtalkoholikern. Für mich selbst gesprochen kenne ich es z.B. sehr gut, mich und meine Bedürfnisse ganz in der Sorge um meine Kinder zurück zu stellen oder auch für meine Arbeit.
    Ebenso gibt es Menschen, die andere Handlungsweisen im Umgang mit einem Suchtkranken zur Verfügung haben, statt co-abhängig zu agieren. Die kommen nicht in diese dramatischen Lebenskrisen.

    Allerdings fördern sich Alkohol- oder Heroinsucht und Co-Abhängigkeit gegenseitig pathologisch. Wer da den Anfang machte und Schuld ist, ist für mich wie die Frage nach dem Ei und dem Huhn. Eindeutig ist, dass sich der Alkoholmissbrauch eindeutiger offenbart, als die Beziehungssucht. Klar ist auch, dass der Begriff Co-Abhängikeit für die Bezeichung von Angehörigen und Nahestehenden von Alkoholkranken definiert wurde.

    Orlando

    Zitat von n i c i

    deswegen halt ich einen weiteren Kontakt, und seis nur als Freunde, für sehr fraglich und gefährlich.

    Liebe nici,

    danke für diesen Hinweis und dieses Aufmerksam machen. auch ich bin auf der Hut vor mir selber und meinem Tun und spiele im Moment dennoch ein wenig mit dem Feuer.

    Orlando

    Zitat von dagmar007


    Nein Hope, nicht Alkoholiker zerstören Leben und Liebe!!! Wir lassen uns zerstören - das ist noch viel übler!

    Guten Morgen liebe Dagmar,

    ich möchte es noch ein bisschen schärfer ausdrücken: Wir zerstören unser Leben / ich zerstöre mein Leben.

    Und wir machen das nicht, weil wir böse oder selbstzerstörerisch sind. Wir machen es, um uns zu schützen, vor einem noch viel größerem Leid, als das, was wir gerade durchleben. Deshalb wird hier ja auch immer wieder auf das notwendige Erreichen des Tiefpunktes hingewiesen, denn da kippt das Verältnis von Schutz und Leid.

    Und was ist so leidvoll und unerträglich, dass ich mich mit einer lebenzerstörenden Sucht davor schützen muss? Innere Leere, mangelnde (Selbst-)Liebe sowie fehlende (Selbst-)Achtung und Wertschätzung.

    Hinzu kommt, dass Sucht sich oftmals zunächst unmerklich und schleichend einstellt und dann will man ja auch nicht sogleich alles Aufgeben, was man für wichtig, richtig und gut erachtet hat. Sich der eigenen Lebenslüge zu stellen, reißt einem doch zunächst den Boden unter den Füssen weg. die Angst vor der unbekannten Tiefe des Loches und der Art der Landung ist größer, als das Festhalten an den maroden Bodendiehlen...

    Vertrauen in sich selbst und die Erfahrung, dass man leicht fällt und sich sicher auffängt, ist das Geschenk, wenn man den Absprung wagt.

    Orlando

    Hallo Nat,

    wie sieht es eigentlich aus mit Deiner Thera?
    Hast Du dich da schon auf den Weg gemacht? Ich glaube, das ist sehr viel wesentlicher, als seine Thera!

    Ich hatte auch gedacht, wenn er mich liebt, dann muss er doch für mich aufhören und ich war überzeugt, dass ich ihm mit meiner Liebe helfen könne. Irgendwann ging es dann nicht mehr um Liebe, sondern um Kraft. Es war schon ein Weg für mich zu begreifen, dass sein gesamtes zerstörerisches Verhalten Ausdruck seiner Suchterkrankung ist. Das hat mit Liebe oer Nichtliebe gar nichts zu tun. Und ein ebenso großer Weg war es zu verinnerlichen, was alle Aussenstehenden beschreiben und was ich rational begreife: Fallen lassen ist die effektivste Hilfe, die ich ihm und mir geben konnte. Dabei bin ich heute in der Situation, dass ich ihn nicht 100% fallen ließ, trotz allem, und Kontakt pflege. Dabei freue ich mich hoffnungsvoll für ihn, wenn er sich aufrappelt und es tut mir weh, seine Abstürze zu sehen. Doch ich greife nicht mehr ein.
    Und doch ertappe ich mich manchmal, dass ich mir dabei immer noch eine Omnipotenz zuschreibe.

    ich bin ein wenig irritiert. meine Scheidung liegt mittlerweile 15 Jahre zurück. Damals war ich bereits die Besserverdienerin, mein EX-Mann rutschte nach unserer Trennung in die damalige Arbeitslosenhilfe.
    Dennoch oder gerade deshalb sorgte meine Rechtsanwältin damals dafür, dass ich a) die Kinder zugesprochen bekam und ich ihm b) nicht zu Unterhalt verpflichtet bin, er mir allerdings auch nicht.

    Den einzigen Wermutstropfen, den ich ihm zugestehen musste, sind Punkte aus meiner Rentenversicherung für seine erwerbslosen Zeiten, die bis heute anhalten. Das ist blöd, aber damit kann ich leben. Ich habe ihn schließlich auch mal geliebt und wären die Verhältnisse umgekehrt, wäre ich die Nutznießerin.

    Also, was ich fragen will, gibt es diese Bestimmung des gegenseitigen Unterhaltsverzichts nicht mehr? Mein EXmann hat das damals auch nicht begrüßt, trotzdem wurde es umgesetzt.

    Mir fiel es anfangs schwer wieder raus zu gehen und mich unter Menschen zu mischen. Zum einem empfand ich mein Leben schon als sehr befreit und schön und harmonisch. Mich in einer neuen Stadt zu bewegen und an einem neuen Arbeitsplatz zurecht zu finden füllte mich sehr aus. Gelegentliche "Afterworkunternehmungen" mit den neuen Kollegen und telefonische Kontakte zu meinen langjährigen Freunden in der ehemaligen Heimatstadt füllten mich aus.

    Zum anderen war mein Selbstwert doch angeschlagen und ich war noch nie jemand, der alleine raus geht, hatte Angst auf "Anmache", ebenso, wie davor, als graues Mauerblümchen einsam in der Ecke zu stehen.

    Dann habe ich mich daran erinnert, was ich früher gerne machte und ließ ehemalige Interessen und Hobbies wieder aufleben. Ich öffnete mich den Menschen, denen ich dort begegnete, ebenso wie meinen neuen Nachbarn und anderen Eltern in der Schule, auch zunächst solchen gegenüber, die ich gar nicht so mochte. Doch ich dachte mir, über sie könnte ich ja weitere Menschen kennen lernen und so war es dann auch. Mittlerweile fühle ich mich gut integriert, beruflich, wie privat. Gut, ich habe hier keine gewachsenen Freundschaften, dafür ist die Zeit noch zu kurz, aber es sind verbindliche Bekanntschaften.

    Es gibt Männer, die sich für mich interessieren und das genieße ich. Das Problem, das ich dabei habe, ist, dass es viel zu liebe Kerle sind. Eigentlich genau richtig für eine gute Partnerschaft, verbindlich, zuverlässlich, aufmerksam, fürsorglich... doch leider empfinde ich sie als unmännlich und langweilig. Ich möchte sie als Freunde nicht missen, bin dankbar, dass sie da sind, und doch bin ich mir sicher, dass ich mit ihnen an meiner Seite ebenfalls unglücklich werden würde, wenn auch anders, als mit Mr. Alki.
    Gegen alkoholisierte Männer habe ich mittlerweile eine riesige Aversion und da bin ich bestimmt dem einen oder anderen gegenüber ungerecht, neige auch zur Vorverurteilung. Doch das ist mir egal, es ist Selbstschutz. Kurzum bin ich meinem passenden Deckelchen für mein letztes Lebensdrittel noch nicht begegnet; ich bin aber zuversichtlich, dass ich ihn erkennen werde, wenn er in mein Leben treten wird. Bis dahin lasse ich es mir gut und nach Möglichkeit besser gehen. Ein stabiles und harmoniches Familienleben für uns Drei zu gewährleisten ist nach all den Ereignissen in den vergangenen 5 Jahren auch eine Herausforderung, der ich mich mittlerweile wieder gerne stelle, bemerke allerdings, dass ich nicht mehr so belastbar bin. Das bedaure ich einerseits, denn ich muss kleinere Schritte machen, als ich möchte, das ein oder andere zurückstellen, bzw. Hilfe und Unterstützng in Anspruch nehmen. Andererseits gibt auch das mir das gute Gefühl, dass ich so schnell nicht nochmals ausbrennen werde.

    Zitat von dagmar007


    Ich bin deshalb seit 3 Jahren Single, weil ich es nach der Beziehung nicht mehr gewagt habe mich in eine Abhängigkeit zu bewegen ... langsam und schleichend wie früher ... ohne vielleicht von mir bemerkt zu werden.

    Liebe Dagmar,
    das ist aber sehr schade! Wir leben nur dieses eine mal und wir dürfen uns einlassen. Es trifft für stoffliche Süchte, wie Alkoholsucht zu, dass man, wil man suchtfrei bleiben, den Rest seines Lbens absitent bleiben muss. Aber das läßt sich nicht 1:1 auf Beziehungssucht, also Co-Abhängigkeit übertragen.

    Die Ängstlichkeit und Verunsicherug kenne ich auch von mir, den Eindruck wachsam sein zu müssen, deshalb schreibe ich ja auch hier. Beziehung vermeiden wäre für mich genauso mich mi meinen Wünschen und Bedürfnissen selbst verleugnen wie die Selbstaufgabe in der Beziehung.

    Es gibt auch Menschen, die es gut mit mir meinen, mich lieben, mir zur Seite stehen wollen, mit mir gemeinsam etwas erleben möchten und deren Unterstützung ich annehmen darf. Ich muss nicht alleine alles meistern, um frei und unabhängig zu bleiben. Sich viele Gedanken um jemanden zu machen ist auch nicht falsch. Allerdings ist es auch für mich eine Herausforderung, die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden, dass es mir gut damit geht.

    Für mich kann ich nur wiederholt sagen, mir hilft es u.a. darüber hier zu schreiben und auch zu lesen, was ich schrieb. Mehr als Tagebuchaufzeichnungen.

    Mit Blick auf meine persönliche Geschichte mit dem hier von mir vorgestellten Mann und auch manchen Reaktionen, hadere ich so sehr mit mir, weil all sein Verhalten Symptome einer Krankheit sind. Und der Mensch hinter der Krankheit ein liebenswürdiger ist. Von einem mir nahe stehenden Tumorpatienten oder Demenzkranken beispielsweise wende ich mich doch auch nicht ab, weil er unangenehme Sachen macht, wesensverändert und aggressiv ist oder bald stirbt. Ich versuche damit umzugehen zu lernen, es wird mich evtl. viel Kraft kosten und an meine Grenzen bringen und doch käme da keiner auf die Idee, mich als co-abhängig zu bezeichnen. Allerdings ist das Unterstützungssystem ein anderes.

    Und doch stimme ich Dir 100% zu. Wir müssen immer einmal wieder inne halten und reflektieren, was wir machen und vor allem wie wir es tun.

    Wenn ich kognitiv und analytisch verstehe, was mir passiert, heißt es noch lange nicht, dass ich es auch emotional durchschaue und mein Handeln neu ausrichte. Da ist es manchmal sogar hinderlich einen klugen und scharfen Verstand zu haben, der ebenso genial vernebeln kann, was er auch aufzudecken weiß.

    Gestern wies ich seine Kontaktanfrage mit der eindeutigen Begründung ab, dass er gerade "abgesoffen" sei und:

    - bangte, ob ich zu barsch und abweisend gewesen bin und er nun mehr trinkt, fühlte mich also wieder verantwortlich für seine, aus meiner Sicht, mögliche Fehlentscheidung
    - bangte zudem, dass er mich nun im Gegenzug abweisen wird
    - hoffte, dass ich in vier Wochen einen Menschen wiedertreffen würde, der a) ernsthaft gegen seine Krankheit ankämpft und b) unsere Freundschaft weiterhin wert schätzt; mit dem mich beflügelnden Gedanken, dass ich Anteil hätte an seinem Genesungsweg.
    - verbrachte ich einen schönen Abend mit meinen Freunden beim Tablequiz und dachte, mein Leben geht so oder so weiter, es wäre nur so verdammt schade um ihn.

    Es ist gut, dass ich durch die Reha Zeit nur für mich bekomme und mir noch einmal in Ruhe betrachten kann, was ich eigentlich mache. Dabei verstehe ich schon, dass ich einen Auftrag verfolge, den ich mir in meiner Kindheit irrtümlicher Weise auferlegte und auf diesen Mann übertrage.

    ... und als er sich heute wieder meldete, da blieb ich zwar freundlich und konsquent zurückgezogen, aber ich möchte nicht verschweigen, dass mich eine mich erleichternde Freude erfüllte. Ich darf weiterhin Hoffen, dass alles gut wird.

    Zitat von Clärchen


    Pass auf dich auf, der Kontakt mit ihm kann dir auch jetzt noch schaden! Ich sage nicht dass es unmöglich ist befreundet zusein, aber die Co-Bombe tickt auch in Freundaschaften.
    Liebe Grüsse Clärchen

    Ich habe jetzt den alten Faden auch noch einmal gelesen. Gut, dass es den gibt! Und gut, dass ich hier wieder rein schaute, denn jetzt kann ich nicht mehr schönreden.

    Es ist wahnsinnig. In 3 Tagen beginne ich meine Reha, die mir noch im Rahmen der Krebsnachsorge zugeteilt wurde und ich freue mich darauf. Ich scheine mit beiden Beinen wieder fest auf dem Boden zu stehen, meine Kinder leben gerne mit mir zusammen, ich fühle mich in dieser Stadt mittlerweile zu Hause, bin integriert und auch beruflich bin ich nicht nur wieder voll im Boot, sondern mache es mit Freude und werde dafür wertgeschätzt. Alles deutet auf ein erfülltes Leben mit den alltäglichen Herausforderungen hin und doch lauert da noch unbewältigtes. Im Keller unter der guten Stube befindet sich eine Leiche. Die will würdig bestattet werden. Und ich will nicht erst tief und tiefer Fallen, ehe ich es angehe. Eigentlich habe ich keinen Grund, an diesem Mann fest zu halten, auf ihn zu schauen und doch tu ich es. Ich habe immer noch etwas davon.

    Danke, Karsten :)


    Ja, das dramatische ist, dass wir sowohl Alkoholsucht, wie auch Beziehungssucht mit ins Grab nehem können.

    Für mich war und ist es gerade nicht nur so ein kopfmäßiges verstehen, sondern es traf mich in Bauch und Herz. Mit Blick auf diesen Mann besteht für mich keine Gefahr rückfälig zu werden in dem Sinne, dass ich unsere Beziehung reaktivieren möchte. Doch mit dem nächsten Menschen könnte mir es doch wieder passieren. Statt mich den leisen und lauten Zeichen zu stellen und rasche Gegenmaßnahmen einzuleiten, scheine ich es vorzuziehen, diese zu übergehen. Dabei rechtfertige ich dies mit meinen Gaben Vertrauen und Zuversicht.

    Ich war einmal Krankenschwester: Und wenn jemand kaltschweißig und agressiv war mit Schmerzen im Rücken, Bauch oder Brust, ja dann vertraute ich auch nicht darauf, dass es sich einfach wieder legt und alles gut wird. Selbst wenn dieser Mensch behauptete, es sei nicht so schlimm und gehe schon wieder, informierte ich den Arzt und leitete im Rahmen meiner Befugnisse EKG und Laboruntersuchungen ein. Und jetzt leite ich eine Analyse / Diagnose meines Schönredens ein:

    Mein Vater war auch Alkoholiker, der periodisch Soff. Bis kurz vor seinem Tod hat er es geleugnet und ich fühlte mich ihm gegenüber iloyal, wenn ich es aussprach. Erst in seinen letzten Lebenswochen, als wir zusammen voneinander Abschied nahmen, sagte er mir, dass meine Wahrnehmung richtig war. Und in diesen letzten Wochen hörte ich auf zu kämpfen und gestand ihm zu, seine Schmerzen und seine Ängste immer wieder mit Alkohol und Morphium zu betäuben.

    Und nun wiederhole ich etwas? Was hält mich davon ab, mich ganz von diesem Mann abzuwenden? Wieso fühle ich mich als Schlechtmensch, wenn ich ihn Fallen lasse?

    Es ist schon länger her, dass ich hier schrieb und leider finde ich meinen ursprünglichen Faden nicht, um ihn fortzusetzten. Denn jetzt ist mir etwas passiert, dass ich doch hier kund tun möchte:

    Vor zwei Jahren trennte ich mich von dem alkoholkranken Mann. Mittlerweile sind wir Freunde und so erlebe ich nun aus der Distanz sein Aufs und Abs.

    Er hatte wieder aufgehört zu trinken und er hatte aufgehört vom Alkohol zu sprechen bis Christi Himmelfahrt. Da erzählte er, dass er jetzt nicht aus Frust, sondern aus Freude etwas trinken wolle und das würde gut gehen, weil ihn ja nur das Frusttrinken wieder in die Sucht führen würde....
    Perfide, wie die Sucht verführt! Als ich ihn fragte, ob er nicht merken würde, wie ihm der Alkohol etwas vormache, schwieg er.

    Egal. Er trank und zog sich von mir zurück, bzw. wenn er sich meldete, war er schroff. Und ich doofi, ich weigerte mich der Realität ins Auge zu sehen, wollte nicht denken und mir vorstellen, dass er wieder abgesoffen ist. Statt dessen dachte ich, sein verändertes Verhalten habe mit seiner Trockenheit zu tun und damit, dass er seine Probleme angehe und seine Arbeit machte.

    Und deshalb schreibe ich jetzt hier. Meine Erkenntnis über mich: So wie er sich sein Saufen schönredet, so redete ich mir sein Saufverhalten schön. Die Realität tut mir einfach zu weh. Als er sich jetzt bei mir für sein Verhalten damit entschuldigte, dass er wieder Trinken würde, war ich sehr traurig. Mir wären andere Gründe lieber gewesen. Gleichzeitig weiß ich, dass dieses Schönreden gerade auch ein typisches Symptom der Krankheit ist...

    Nach fast einem Jahr habe ich mich nochmals hierher verirrt oder doch eher gezielt hierhergefunden... ;)

    Jetzt dies alles mit dem Abstand zu lesen ist krass.
    Einen Anwalt hatte ich nicht eingeschaltet, sondern die E-Mails weiter ignoriert und irgendwann tatsächlich nicht mehr wahrgenommen. Daraufhin war dann auch nichts weiter passiert...

    Heute habe ich einen schönen Bekanntenkreis und erste zarte Freundschaften in dieser für mich noch immer neuen Stadt. Ich mache regelmäßig Fitness, treffe mich zum Theater, zum Brunchen, zum Tablequiz und ähnliches, gehe natürlich auch arbeiten. Die langjährigen gewachsenen Freundschaften, die ich während der Zeit vernachlässigt hatte, pflege ich wieder, ebenso, wie den Kontakt zu meiner Familie. Ich bin wieder die, die ich vor dem Umzug, der Erkrankung und der Begegnung mit diesem Mann war und doch bin ich auch anders, habe eine für mich schwere Lebenskrise bewältigt. Und dafür bin ich danbar. Orlando

    Hallo,

    ich brauche mal einen Tipp von Erfahrenen, keine Stimmung.

    Damit ich meine Ruhe habe, lasse ich seine E-Mails als Junk-Mail abfangen und sofort löschen. Gestern war dennoch eine zu mir durchgedrungen und die enthält eine ultimative Drohung. Entweder ich zahle ihm die Reperaturkosten eines Wasserschadens, nicht mit Geld, sondern mit S** oder... Ja, das weiß ich nicht, denn das muss er in den E-Mails davor geschrieben haben.

    Ich finde, das grenzt schon an Nötigung. Geld, das er von mir fordert, kann er ja ganz formal einfordern und dann müssen wir eine Lösung finden. Das andere aber ist übergriffig.

    Ich schweige und lasse seine E-Mails weiterhin ausfiltern. Meine Frage: welchen Wert hat es, ihn anzuzeigen? Was könnte ich alternativ tun, um ihn erfolgreich in seine Grenzen zu weisen.

    Danke, Orlando

    Hallo,

    zufällig fand ich noch einen Weihnachtsgruß aus diesem Forum und das gibt mir Anlaß, mich noch einmal zu melden.

    Wie ich zuletzt schrieb, zog ich Ende Mai 2009 aus unsere gemeinsamen Wohnung aus, zunächst in eine Wohnung im selben Haus. Damals schenkte ich ihm ein Buch "Kontrolliertes Trinken". Ich dachte, wenn ich ihm ein Buch gegen Alkohol schenken würde, würde er es gleich in die Tonne werfen.
    Auch über dieses Buch zog er her, doch er las es und weil er sich selber und mir beweisen wollte, dass ich unrecht hatte, stellte er das Trinken ein. Zunächst glaubte ich, dass wir nun eine Chance hätten, doch einen Weg zusammen zu finden. Doch er wollte mich nicht mehr.

    Im Oktober zog ich dann mit meinen Kindern in eine schöne große Wohnung in einem anderen Stadtteil. Hier fühlen wir uns sehr wohl, haben uns gut eingerichtet. In meinem Job habe ich mich gut eingefunden und bin erfolgreich. Meine Kollegen schätzen mich. Über meine Kinder habe ich Kontakte zu anderen Eltern gefunden und langsam werden aus Bekanntschaften auch wieder so etwas wie Freundschaften. Ich gehe wieder raus und unter Menschen, gehe in sKino, ins Theater, mache Sport. Ich bin wieder Mitten im Leben und mir geht es gut. Meinen Kindern geht es auch gut, die Kleine ist mittlerweile sogar die Klassenbeste. Es ist eine riesengroße Last von mir / uns abgefallen.

    Kaum war ich aus dem Haus und aus der Straße gezogen, zog bei ihm eine neue Frau ein: Ihre Qualitäten bestehen darin, dass sie - anders als ich - häuslich ist und nicht nach Aussen strebt. Sie scheint ihm Ruhe zu schenken. Interessanter Weise sucht er nun den Kontakt zu mir, hätte mich gerne als seine Geliebte. Einerseits rührt mich das und andererseits macht mich das für ihn sehr traurig. Wir haben es nicht geschafft gemeinsam einen sauberen Abschluss zu finden. Mittlerweile trinkt er auch wieder. Schade!!!!!

    Was bleibt: Nachdenklichkeit darüber, dass ich mich in der bisher größten Krise meines Lebens einem Menschen anvertraute, der selber am Ertrinken war. Noch ein weinig Trauer um das Scheitern der angestrebten Beziehung. Ganz viel Freude und Dankbarkeit darüber, dass ich wieder ich bin, gesund, kraftvoll und mit Lebensfreude; Zuversicht, dass sich in 2010 mein Leben weiterhin stabilisieren wird.


    Orlando

    Wir sind weiterhin auf einem guten Weg, völlig anders, als ich es gedacht hatte:
    Unsere gemeinsamen Tage und Zeiten wurden immer weniger, denn er begann wieder zu trinken. Wir hatten ja die Vereinbarung, dass wir nicht zusammen sind, wenn er trinkt. So fuhr er über das Wochenende in die Ferienwohnung. Die Wochenenden wurden immer länger, begannen bereits am Donnerstag oder Mittwoch und endeten Montag oder Dienstag. Eins, zwei Tage waren schön und friedlich, doch dann kam es zu Streitereien, die ihm Anlass waren, seine Sachen zu packen und in die Ferienwohnung zu fahren. Mehr und mehr bekam ich den Eindruck, er provoziere Streitereien, um fahren zu können. Doch er meinte, er liebe die Zweisamkeit und leide unter dieser Einasmkeit.
    Mein erfolgreicher beruflicher Wiederaufbau führte zudem mehr und mehr dazu, dass ich wieder Ausßenkontakte hatte und wenig zu Hause war. Das gab ihm Anlaß sein Gefühl zu verstärken, er sei mir gleichgültig und ich würde ihm untreu sein.

    Uns reichte dieser ewige Streit, beide zogen wir uns in unsere Arbeit zurück, er mit und ich ohne Alkohol. Ich mied Gemeinsamkeit nun auch immer den ersten alkoholfreien Tag, den er wieder zu Hause verbrachte und schlussendlich sagte ich ihm, dass ich mit meinen Kindern ausziehen würde, wenn er sich nicht entscheidet, mit dem Trinken aufzuhören. Seine Antwort war klar und eindeutig: Er habe bisher immer selbstbestimmt gelebt und wolle sich nun auch nicht von mir unter Druck setzen lassen. Er hätte ein Trinksystem gefunden, mit dem er gut zurecht käme. Schließlich wolle er den Rausch. Ihm schmecke Bier, Wein oder Spirituosen gar nicht, er trinke, wegen des angenehmen Zusatndes.

    Mittlerweile sind wir, meine Kinder und ich, ausgezogen. Wir haben keinen Kontakt mehr. Er sucht bestimmt schon eine neue Frau oder hat sie bereits gefunden.

    Mir tut es leid, um den feinen Kerl, der sich hinter dem Rausch versteckt. Ein wenig knabbere ich daran, dass ich ihm den Eindruck vermittelte, ich würde ihn nicht anerkennen, achten und respektieren. Und doch konnte ich ihn zum Schluss kaum noch ernst nehmen, wenn er mit trüben Augen und geröteten Gesicht seine Taschen packte, weil ich ihm gegenüber unfreundlich gewesen sei . . .

    ... und mittlerweile bezweifle ich, dass es liebe war, was uns verband. Mit Liebe hätten wir vielleicht gemeinsam genesen können. So geht nun jeder wieder seinen eigenen Weg. Das positive: Zumindest wir ziehen uns gegenseitig nicht mehr runter. Mir geht es gut, ich stehe wieder mitten im Leben, und ich wünsche ihm, dass es ihm ebenfalls gut geht. orlando

    Es ist eine Weile her, dass ich hier schrieb und vieles ist passiert, wir sind auf einem guten Weg:
    Während ich in meiner alten Heimat und er im Harz war, hatten wir Zeit unabhängig voneinander nachzudenken, seine Mutter starb, Trauer und auch Entlastung traten bei uns ein, ich begann mit einer Diät, die mir bis heute gut tut, mit Bauchtanz und mit Yoga, habe neue Aufträge akquiriert und bin nicht mehr beschäftigungslos. Er trinkt nicht mehr, hat den Nachlass geregelt und auch sonst läuft alles bei ihm wieder in die richtige Richtung. Es ist schön zu sehen, wie kraftvoll, fröhlich und ideenreich dieser Mann ist. Meine Kinder bocken immer noch dagegen, dass wir nun hier leben, doch auch das wird sich langsam beruhigen. Da bin ich zuversichtlich. Alles in allem scheinen wir die Lebenskrise gemeinsam erfolgreich überstanden zu haben und können miteinander lachen. Ja, wir sind auf einem guten Weg und ich freue mich darüber. Das wollte ich nur kurz mitteilen, ehe ich hier wieder verschwinde.

    Orlando

    ja, natürlich reagiere ich auf liebevolle Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit und Fürsorge. Es wäre für mich verdammt traurig, wenn ich das nicht täte. Zärtlichkeit kann, muss aber nicht mit S** verbunden sein oder ineinander übergehen. Und S** ist für mich durchaus lustvoll, wenn ich auch den Spielgefährten nicht liebe, ich (zumindest) muss ihn aber mögen und sympathisch finden.

    Für mich ist Zärtlichkeit, wenn er mir mein Leibgericht kocht.
    Für mich ist Zärtlichkeit, wenn wir gemeinsam durch den Harz spazieren.
    Für mich ist Zärtlichkeit, wenn er für mich alles aufräumt und schön macht.
    Für mich ist Zärtlichkeit, wenn wir zusammen ein Buch lesen.
    Für mich ist Zärtlichkeit, wenn wir uns in den Blicken des anderen erkennen.

    Für mich war es Zärtlichkeit, als er mir den Garten schenkte und es ist für mich Zärtlichkeit, wenn er an der Laube handwerkelt, während ich in der Erde wühle.
    Für mich ist es Zärtlichkeit, wenn wir zeitgleich dieselben Gedanken haben.
    Für mich ist es Zärtlichkeit, wenn er mir meine Wünsche zu erfüllen versucht
    Für mich ist es Zärtlichkeit, wenn er mich auf für mich schweren Wegen begleitet, auch wenn das für ihn mühevoll ist.
    Und für mich ist es auch Ausdruck von Zärtlichkeit, dass er mir jetzt die Tage mit meinen Kindern läßt und uns beide vom Druck befreit, weil er weiß, dass es für ihn schwer ist, diese Tage ohne Alkohol zu überstehen und ich leide, wenn er trinkt.

    Für mich ist das alles Ausdruck von Zärtlichkeit, Verbundenheit, Liebe und Wertschätzung mir gegenüber und Anlaß genug mit einem Menschen zu leben, der in meinen Augen einen ungesunden Umgang mit dem Alkohol pflegt. Es geht um Akzeptanz und Anerkennunge was ist. Es geht um loslassen, ohne gleich fallen zu lassen. Das ist schwer und gelingt uns noch nicht.

    Orlando

    Zitat von Co./Co.

    Hallo zusammen,

    War bei einem Couch, der mir zu einer Familienaufstellung geraten hat um aus meiner Co-Abhängigkeit zu kommen. Hat jemand Erfahrung dadmit?

    Lieben Gruß
    Co./Co.

    Hallo Co./Co.

    ich persönlich halte wenig von systemischen Familienaufstellungen, die nach Hellinger oder auf dessen Ansatz aufbauende Weiterentwicklungen sind, auch wenn diese immer noch recht populär zu sein scheinen, da es aus meiner Sicht recht manipulativ dabei zugeht.

    Anders ist es mit systemischer Familientherapie oder der Familienaufstellung nach Satir. Erkundige Dich zum Beispiel auch über das Internet über die verschiedenen Verfahren.

    Einen Coach musst Du sicherlich bezahlen, ebenso die Teilnahme an einer Familienaufstellung. Hat dieser Coach eine fundierte therapeutische Ausbildung? Eine gute therapeutische, auch familientherapeutische Beratung zahlt Dir Deine Krankenkasse. Bei Suchtberatungsstellen und bei der Famielen- und/ oder Lebensberatung findest Du sehr professionelles Personal, das Dir in der ersten Not sehr gut weiter helfen und Dich auch kompetent weitervermitteln kann. Dies in der Regel sogar noch kostenfrei, bzw über einen Spendenbeitrag.

    In jedem Fall ist es sicherlich hilfreich, wenn Du mit professioneller Unterstützung beleuchtest, welche der Werte und Verhaltensweisen aus Deiner Kindheit Dich heute in Deiner Beziehung beeinflussen und ob das so noch sinnvoll für Dich ist oder ob Du für Dich etwas ändern möchtest.

    Orlando